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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

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Bundesliga

Oliver Fritsch | Montag, 29. März 2004 Kommentare deaktiviert für Bundesliga

der 26. Spieltag im Pressespiegel

Stuttgart-Bremen, „diese extrem schnelle, extrem aufregende, extrem temperamentvolle und extrem unterhaltsame Partie entschädigte für viele öde Stunden Bundesliga“ (SZ) – Diskussion um Ottmar Hitzfeld – „Ünlü mit den Zitterhänden“ (SZ); „nie hat eine Mannschaft mit einem derart schlechten Torhüter ein Spiel gewonnen“ (SZ) – Dimitar Berbatov, „vom Saulus zum Paulus“ (FR) – Eintracht Frankfurt, „wieder bundesligauntauglich“ (FAZ) – Höchststrafe für die Kölner: Volker Finkes Mitleid (FAZ) u.v.m.

VfB Stuttgart –Werder Bremen 4:4

Martin Hägele (SZ 29.3.) ruft „Hosianna!“: „Diese extrem schnelle, extrem aufregende, extrem temperamentvolle und extrem unterhaltsame Partie des Tabellenersten beim Tabellendritten entschädigte für viele öde Stunden Bundesliga und hinterließ beim Betrachter das Gefühl von Gerechtigkeit, denn bei dieser Partie durfte einfach keiner der Verlierer sein. Durch das spektakuläre 4:4 wahrt der SV Werder eine souveräne Führung vor dem FC Bayern – neun Punkte beträgt jetzt noch der Vorsprung. Folgerichtig jubelten die Bremer beim Abpfiff. Der VfB darf sich mit den Lorbeeren trösten, ein ebenbürtiger Gegner des mutmaßlich nächsten Meisters und Gastgeber des besten Saisonspiels der Liga gewesen zu sein. „Es war ein sensationelles Spiel, da müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein“, sagte Werder-Manager Allofs. Es muss ja auch ein ganz neues Gefühl für die Spieler des SV Werder gewesen sein, dass ihnen da im Gottlieb-Daimler-Stadion eine Elf begegnete, die weder vor den grün-orangen Trikots noch vor prominenten Namen wie Johan Micoud oder Ailton Respekt zeigte. Es war, als wollten die Stuttgarter, die den Bremern die letzte Niederlage zugefügt hatten, gleich im Anschluss an jenen 3:1-Erfolg vom 18. Oktober 2003 weitermachen. Bereits nach vier Minuten lag die Kugel erstmals im Bremer Kasten. Dass sich in Trainer Schaafs Ensemble einiges verändert hat seit der schwäbischen Lehrstunde im Herbst, merkten die 48 000 Zuschauer bereits bei der ersten ernsthaften Attacke der Bremer. Da schlängelte sich Klasnic geschickt um Bordon und ließ mit viel Gefühl auch Hildebrand keine Chance.“

mehr über dieses Spiel und HSV-FCK (3:2) morgen auf indirekter-freistoss

Bayern München – Borussia Mönchengladbach 5:2

Wir werden ihn stets als Persona grata behandeln

Daniel Pontzen (Tsp 29.3.) sammelt Rummenigges Worthülsen auf: „Vielleicht wird das im Nachhinein ein unfreiwilliger Probelauf gewesen sein für die Verabschiedung Ottmar Hitzfelds, am Samstagnachmittag, kurz vor dem Anpfiff. Karl-Heinz Rummenigge schritt mit feierlicher Miene auf den Platz, in der linken Hand trug er einen Blumenstrauß, die Sonne spendete ihr freundlichstes Lächeln. „Egal, was passiert, er bleibt der erfolgreichste Trainer in der Geschichte des FC Bayern“, hatte der Vorstandschef der FC Bayern AG einige Tage zuvor in der „Frankfurter Rundschau“ über Hitzfeld gesagt, „wir werden ihn stets als Persona grata behandeln.“ Respektvoller kann man einen verdienten Mitarbeiter kaum würdigen, und deutlicher kann man ihm kaum mitteilen, dass seine Zeit abgelaufen ist. Ein Blumenstrauß hätte die Sache abgerundet, aber der, den Rummenigge aufs Feld trug, war für jemand anders bestimmt. Nie standen die Zeichen deutlicher auf Trennung als an diesem Wochenende. Rummenigge hatte kaum eine Gelegenheit ausgelassen, die Möglichkeit einer vorzeitigen Ablösung Hitzfelds zu bemerken. Nach dem 5:2 wählte der Trainer die Taktik der verbalen Offensivverteidigung. Munter erwähnte er ein Zitat von Manager Uli Hoeneß, wonach sogar eine Verlängerung des im Sommer 2005 auslaufenden Vertrages möglich sei. „Warum soll man den Teufel an die Wand malen“, sagte Hitzfeld, „hier werden immer nur Negativgeschichten geschrieben, damit muss ich leben.“ Selten jedoch versorgte der Vorstand die Presse derart großzügig mit Stoff für Spekulationen. „Es ist keine einfache Entscheidung für uns, das gebe ich zu. Wir verbinden mit ihm große Erfolge. Auf der anderen Seite ist der Status quo nicht befriedigend“, sagte Rummenigge und bescheinigte Nachfolgekandidat Felix Magath fröhlich eine „positive Entwicklung“.“

Spiegelbild der Saison

Gerade noch mal gut gegangen, meint Elisabeth Schlammerl (FAZ 29.3.): „Die Rückkehr von Santa Cruz hätte kaum zu einem besseren Zeitpunkt kommen können. Für den Spieler selbst und auch für seinen Trainer. Denn daß die Leistung des 22 Jahre alte Paraguayers stagnierte, war Hitzfeld zum Vorwurf gemacht worden; von außen, den Medien, aber auch intern. Da kreidet vor allem Franz Beckenbauer dem Trainer seit längerem an, daß neue Spieler beim FC Bayern stets eine viel schlechtere Leistung zeigten als bei ihren früheren Vereinen. Die Diskussion um die Zukunft des Fußball-Lehrers Hitzfeld beim FC Bayern beherrschte diesen Samstag im Münchner Olympiastadion. Vorher, während und nach dem Spiel. Sie hatte begonnen auf dem Münchner Boulevard nach dem Aus in der Champions League. Aber die vagen Aussagen des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge in den vergangenen Tagen nährten die Spekulationen, weil sie Interpretationen in jede Richtung zuließen – vor allem aber in die, daß die Münchner erwägen, sich schon nach dieser Saison, also ein Jahr vor Ende der Vertragsdauer, von ihrem Trainer zu trennen. Es sei „keine einfache Entscheidung für uns“, hat Rummenigge jüngst erklärt und damit indirekt zugegeben, daß in der Führungsetage des Rekordmeisters noch keine Einigkeit herrscht. Zudem lobte er den in Stuttgart beschäftigten Felix Magath. (…) Die gute Leistung von Santa Cruz ist ein Argument für Hitzfeld, das Spiel eher keins, sondern es hat die Kritiker des Trainers in ihrer Meinung bestärkt, trotz eines deutlichen Sieges und der Absicherung des neuen Saisonziels des FC Bayern, des zweiten Platzes. Denn die Partie gegen den Abstiegskandidaten aus Mönchengladbach war bis zur 88. Minute ein Spiegelbild dieser Saison, in der die Münchner selten souverän und noch viel seltener gut gespielt haben.“

Philipp Selldorf (SZ 29.3.) ergänzt: „Es gab einen Moment, in dem Ottmar Hitzfeld und Uli Hoeneß durch die Kraft ihrer glücklichen Empfindungen so eng miteinander verbunden waren wie Bruder und Schwester, Vater und Mutter. Das klingt kitschig, entspricht aber präzise dem Band der Gefühle von Trainer und Manager. Roque Santa Cruz hatte im Mittelfeld das Tempo für ein langes Solo aufgenommen, war mit großen Schritten an den Gladbacher Hinterleuten vorbeigelaufen, um den Ball dann lässig zum 2:0 in die Ecke zu schieben. Abgesehen davon, dass sich die Borussen Pletsch und Ulich bei dem Angriff atemberaubend deppenhaft anstellten, war es ein schönes Tor, das erste des Angreifers seit Ende September, und sowohl Hoeneß wie auch Hitzfeld hatten Grund, den Treffer besonders zu genießen: Santa Cruz zählt zu den Lieblingsspielern von Hoeneß, und Hitzfeld weiß das natürlich – oft genug hatte ihm ja Hoeneß zu verstehen gegeben, dass er Santa Cruz lieber häufiger in der Startaufstellung sehen würde, als es Hitzfeld tatsächlich zulässt. (…) Aber Hitzfeld ist nicht nur ein guter Fußballtrainer, sondern auch ein schlauer Taktiker – und mittlerweile auch ein ordentlicher Schauspieler, der seine öffentlichen Auftritte zu kontrollieren und zu nutzen versteht. Wäre dieses 2:0 der repräsentative Höhepunkt des Spiels gewesen, hätte Hitzfeld einen Nachmittag des Triumphs in schwierigen Zeiten erlebt. Und dann wäre der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der seine Einwände gegen Hitzfeld kaum noch verdeckt vorträgt, tatsächlich in den Erklärungsnotstand geraten, warum er sich auffallend unbarmherzig gegen den vom Trainer zu verantwortenden „unbefriedigenden Status Quo“ verwahrt. Zwar suchte Rummenigge nach dem Abpfiff zügig das Weite, um weiteren komplizierten Kommentierungen zu entgehen, doch der Münchner Sieg war eher eine Bestätigung des kritischen Zustands der Mannschaft als ein Fortschritt aus der Stagnation.“

VfL Bochum – FC Schalke 04 1:2

Richard Leipold (Tsp 29.3.) berichtet Trost für einen Sieger: „Volkan Ünlü war am Boden zerstört und zog sich verschämt das Trikot über den Kopf, weil er sich kaum traute, den jubelnden Schalker Fans unter die Augen zu treten. Der Ersatztorhüter des FC Schalke 04 hatte im ausverkauften Ruhrstadion einen sportiven Albtraum erlebt. Und doch gab es für die Gelsenkirchener ein süßes Erwachen. Dem Zwanzigjährigen waren allerlei Fehler unterlaufen. Ünlü verunsicherte seine Vorderleute so sehr, dass es nur eine Frage der Zeit zu sein schien, wann der VfL Bochum die Partie entscheiden und Schalke aus dem Rennen um die Europapokalplätze verabschieden würde. Doch die Bochumer ließen die Vorlagen ungenutzt, die Ünlü ihnen lieferte. In einem lichten Moment verhinderte der Torwart mit einem Reflex sogar den Ausgleich. Als seine Irrfahrt durch den Strafraum beendet war und Ünlü wieder zu sich kam, widmete er einen Teil der Tränen den gegnerischen Fans: „Es waren Tränen der Freude und der Genugtuung, weil die VfL-Fans mich verspottet haben.“ In der zweiten Hälfte hatten die Einheimischen bei fast jedem Ballkontakt des Torwarts höhnisch applaudiert. Ünlü will schon vor dem Anpfiff gemerkt haben, „dass es ein besonderes Spiel wird“. Und er bewegte sich in seinem Terrain, als wäre ihm die Sonderrolle, die er dabei spielte, jederzeit bewusst gewesen. „Volkan hat schon vor dem Spiel nervös gewirkt und war in sich gekehrt“, sagte Jupp Heynckes, der Trainer des FC Schalke 04. „Er hat sich viel zu sehr unter Druck gesetzt. Beim nächsten Spiel in unserer Arena hat er Gelegenheit, sich wieder zu beruhigen“.“

Nie hat eine Mannschaft mit einem derart schlechten Torhüter ein Spiel gewonnen

Christoph Biermann (SZ 29.3.) fügt hinzu: „Die Fans feierten in jubeltrunkener Fassungslosigkeit, denn noch nie in der Geschichte der Bundesliga hat eine Mannschaft mit einem derart schlechten Torhüter ein Spiel gewonnen. Nach seinem Fehler beim Führungstreffer des VfL Bochum war der Ersatzmann von Frank Rost nur noch ein Nervenbündel, und man musste weit zurückdenken, sich einer derartigen Fülle bizarrer Fehlleistungen zu erinnern. Ähnlich dramatisch wie Ünlü erging es wohl nur der legendären kroatischen Zitterhand Mladen Pralija, der bei seinem Debüt für den Hamburger SV im Jahr 1987 gleich vier Gegentore verschuldete. Oder Helmut Rülander von Werder Bremen, der 1991 in seinem ersten und einzigen Spiel von Beginn an in Frankfurt sieben Tore kassierte und von Otto Rehhagel zwölf Minuten vor Schluss erlöst wurde. Doch so entnervt sich Ünlü durchs Spiel quälte, wie hypnotisiert von jedem hohen Ball, verschuldete er nur einen Gegentreffer. Jupp Heynckes hatte ihm zudem – und das entsprach wohl eher seinen innigsten Wünschen als irgendeiner Wahrscheinlichkeit – in der Halbzeitpause gesagt, er würde noch einen entscheidenden Ball halten. In der Nachspielzeit wischte Ünlü wirklich noch einen Kopfball über die Latte, rettete Schalke einen glücklichen Sieg und die Chance, sich für den Uefa-Cup zu qualifizieren. „Wenn ich den nicht gehalten hätte, wäre in den Zeitungen überall von Ünlü dem Fliegenfänger geschrieben worden“, sagte der zarte Torwartriese. Auch eine dreiviertel Stunde nach Abpfiff machte er den Eindruck, als würde er jeden Moment erneut in Tränen ausbrechen. So war es eher rührend, wie er sich Mut zusprach: „Dieses Spiel wird mich für meine Karriere stärker machen.“ Es wird für Ünlü allerdings wohl keine Karriere im Profifußball geben, wenn er seiner Nerven nicht Herr wird; und noch mindestens zwei Spiele wird er dem Druck standhalten müssen. „Die Bundesliga ist ein Stahlbad, da muss man durch – und wir haben gewonnen“, sagte Oliver Reck, der in Schalke inzwischen die Torhüter trainiert. Er musste grinsen, als er das sagte. Auch Ebbe Sand schüttelte den Kopf, als er über ein „komisches Spiel“ sprach, das über weite Strecken auf so schwachem Niveau geführt würde, dass man keines der Teams in dieser Verfassung zu internationalen Spielen entsenden möchte.“

Eintracht Frankfurt – 1860 München 0:3

Christian Zaschke (SZ 29.3.) erlebt zwei Trendwenden: „Kapitän Markus Schroth stand jetzt auf dem Zaun im Frankfurter Waldstadion und jubelte den Anhängern des TSV 1860 München zu. Ein Megaphon wurde ihm aus der Kurve gereicht, und Schroth, jener Mann, der von den Kräften der Schöpfung mit dem Temperament eines Gesteins ausgestattet wurde, schrie hinein: „Danke, Männer, ihr seid die Größten!“ Hinter ihm stand die komplette Mannschaft, einige warfen ihre Trikots in die Menge, andere winkten, alle lachten. Es wirkte, als feiere der TSV in diesem Moment den Verbleib in der Bundesliga, und vielleicht war das 3:0 tatsächlich ein Spiel der Entscheidung. 28 000 Zuschauer erlebten die wundersame Wandlung zweier Fußballteams. Frankfurt, zuvor als Mannschaft der Rückrunde gefeiert, spielte unsicher, verkrampft und bisweilen lächerlich schlecht. 1860 München, zuvor von 49,72 Prozent der Leser des kickers als Absteiger getippt, agierte mutig, kämpferisch und entwickelte einen ungeahnten Willen zum Sieg. Es war kein besonders gutes Fußballspiel, aber immerhin eines, in dem die Mannschaft aus München die Freude am Fußball wiederfand. In dem sie zudem endlich so spielte, wie Trainer Falko Götz sich das lange gewünscht hatte: Die jungen Spieler sorgten für Wirbel, die älteren traten sicher und solide auf. Götz hatte zuletzt wohl selbst nicht mehr an ein solches Spiel geglaubt, er sprach nicht mehr – wie zu Saisonbeginn so oft – von seinem Jugendkonzept, sondern von einem „Verjüngungskonzept“. Und jetzt gewannen ihm die Jungen das Spiel.“

Bundesligauntauglich

Peter Penders (FAZ 29.3.) ist von Frankfurt enttäuscht: „Zuviel hatte Falko Götz nicht versprochen: „Ein blaues Wunder“ hatte er der Frankfurter Eintracht prophezeit, die aber offenbar nicht so genau hingehört hatte. Die Hessen wähnten sich vor dem Spiel längst auf dem Weg Richtung Klassenverbleib, nachdem sie sich in der Rückrunde vom letzten Tabellenplatz auf einen Nichtabstiegsplatz nicht nur vorgearbeitet, sondern auch vorgespielt hatten. Gegen die „Löwen“ waren drei Punkte fest eingeplant, und auch die Sperre von Trainer Willi Reimann, der statt auf der Bank in einem Baucontainer auf der Baustelle der Haupttribüne saß, schien von vornherein keine besondere Bedeutung zu haben. Als die neunzig Minuten im Waldstadion aber vorbei waren, war alles anders. Götz hatte Wort gehalten, und nach der Niederlage war jeglicher Optimismus in Frankfurt wie verflogen. Wo sollte er auch herkommen? Ausgerechnet gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib hatten sich die Frankfurter wieder wie in der Hinrunde aufgeführt – absolut bundesligauntauglich. (…) Daß es mit der vermeintlichen Frankfurter Herrlichkeit in der Rückrunde vielleicht doch nicht so weit her war, hatte Götz offenbar schon vorher erkannt. Nach den Querelen der Vorwoche hatte ihm der neue Präsident Karl Auer das Vertrauen ausgesprochen. So bestärkt, ließ Götz sein Team früh attackieren, „weil die Eintracht Schwierigkeiten mit dem Spielaufbau unter Druck hat“. Und er setzte auf die Kopfballstärke seiner Elf: „Ich wußte, daß wir in diesem Spiel die Lufthoheit haben würden“, sagte der „Löwen“-Trainer. Daran hatte es schon schnell keinen Zweifel gegeben: Görlitz hatte ebenso per Kopf getroffen wie später Lehmann. Klingt nicht gut für das Unternehmen Klassenverbleib. Reimann baute schon einmal vor: „Jetzt sind wir alle gefordert. Es kommt jetzt darauf an, wie sehr wir im Verein zusammenhalten.“ Und das war, wie die Vergangenheit gelehrt hat, ja immer eine der ganz besonderen Stärken der Eintracht.“

Der Arbeitsplatz verändert auch in der Bundesliga die Menschen

Michael Horeni (FAZ 29.3.) sinniert über die Einflussmöglichkeit eines Trainers während des Spiels: „Die mediensoziologische Frage, was einen Menschen dazu bringt, sich freiwillig in einen Container zu begeben, wurde schon ausführlich erörtert. Die Antwort handelt von der Gier nach dem geldwerten Gut öffentliche Aufmerksamkeit, dem Traum von einem anderen, besseren Leben, das sich eröffnen soll, wenn die Tür des Fernseh-Containers nach vielen Monaten einen nun öffentlich bekanntgemachten Menschen in eine veränderte Wirklichkeit entläßt. Der Big-Brother-Container steht aber auch für eine Versuchsanordnung: Menschen werden in einem simulierten Alltag mit inszenierten zwischenmenschlichen Beziehungen zusammengesperrt, um daraus ein Spektakel zu veranstalten. Am Samstag ist im Frankfurter Waldstadion Eintracht-Trainer Willi Reimann in einen Container auf der unfertigen Haupttribüne eingezogen. Die Assoziationen zum Fernsehspektakel lagen selbstverständlich nahe, aber das genaue Gegenteil wäre eigentlich richtig. Der Fußball-Trainer erhoffte sich in einem realen öffentlichen Raum – die Baustelle Waldstadion war mit knapp 30 000 Zuschauern fast ausverkauft – größtmögliche Abschottung vor realen Zuschauern und Fernsehkameras. Vor allem aber wünschte er sich, daß sich sein Alltag nach eineinhalb Stunden in der Abgeschiedenheit des Containers kein bißchen verändern möge. Doch niemand verläßt den Container so, wie er ihn betreten hat. (…) Die Eintracht hatte sich auf die Sprachregelung verständigt, wonach die Arbeitsplatzveränderung eines Trainers kein Problem, sondern ein Vorteil sei. „Ich bin der Meinung, das ist der beste Platz“, behauptete Reimann vor der Partie über seine Container-Lage. Widerspruch ist schwierig – auch nach einem 0:3. Denn die exakte Wirkung eines Trainers am Spielfeldrand während der Spielzeit zu messen ist tatsächlich ein Ding der Unmöglichkeit. Berti Vogts hatte bei seiner letzten Station in der Bundesliga Distanz als Stilmittel sogar freiwillig gewählt. Er setzte sich als Cheftrainer eines ansehnlichen Mitarbeiterstabs auf die Tribüne, weil er dort den besten Überblick zu gewinnen glaubte. Doch auch in herausgehobener Position bei Bayer Leverkusen verlor er zu viele Spiele – und wurde schnell entlassen. Vogts‘ Sicht der Fußballdinge hat sich nicht durchgesetzt. Der Trainer sitzt in Deutschland weiter auf der Bank, und auch international gehört Nähe zum Geschäft. Die Coaching-Zone und deren Bewachung durch den vierten Schiedsrichter ist Ausdruck dafür, wie sehr Trainer trotz aller Vorarbeiten im Training glauben, am Rande doch irgendwie letzten Einfluß auf das Spiel ihrer Mannschaft nehmen zu können; und sich dafür sogar körperlich einsetzen wie Willi Reimann in Dortmund. In einer Woche vom Nahkämpfer zum menschenscheuen Container-Trainer – der Arbeitsplatz verändert auch in der Bundesliga die Menschen.“

SC Freiburg – 1. FC Köln 3:0

Heute bin ich mehr bei den Kölnern

Christoph Kieslich (FAZ 29.3.) protokolliert die Höchststrafe für die Kölner – Freiburger Mitleid: „Volker Finke konnte sich das Mitgefühl leisten; schließlich hat sein SC Freiburg am Samstag einen riesigen Schritt getan, im Sommer die zehnte Bundesligasaison in Angriff nehmen zu können. Doch nach dem 3:0 gegen den 1. FC Köln versetzte sich der Freiburger Coach erst einmal in die verzweifelte Situation des Mitaufsteigers hinein, der jetzt seit acht Spielen nicht mehr gewonnen hat: „Da drehst du irgendwann durch“, sagte Finke, der sich an den ersten Freiburger Abstieg 1997 erinnert fühlte. Dieses Schicksal werden auch die Kölner allem Anschein nach nicht mehr abwenden können (…) Der in allen Kategorien des Überlebenskampfes geschulte Finke („Heute bin ich mehr bei den Kölnern“) wollte gar nicht aufhören, am Leid des Gegners teilzunehmen: „Wenn man das Gefühl hat, die anderen sind keinen Furz besser, dann ist das brutal.“ Und so war es auch am Samstag im Breisgau, wo die Gastgeber ihren 100. Sieg in der Bundesliga schafften. Somit fällt den Freiburgern kurz vor der 100-Jahr-Feier des Vereins ein Stein vom Herzen. Der Klassenverbleib ist in greifbarer Nähe, und der Cheftrainer wollte dann „natürlich auch was Positives“ zu seiner Mannschaft sagen: Julian Reinard stand zum zweiten Mal im Freiburger Tor, weil Richard Golz und die Nummer zwei, Timo Reus, verletzt ausfielen. „Das ist einfach klasse“, sagte Finke hoch erfreut, „da bist du oben mal richtig in Not“, und dann trage der Torwart aus der Jugend die Last ohne Fehl und Tadel. Als Bestätigung des Weges zu einem „hoffentlich anerkannten Ausbildungsverein“ empfindet Finke dieses Erlebnis. Offenbar bleibt die Nische, in der sich die Freiburger eingerichtet haben, nicht unerkannt: Am Mittwoch wird der neue Hauptsponsor vorgestellt, und es ist schon kein großes Geheimnis mehr, daß mit dem Automobilhersteller Suzuki erstmals ein weltweit operierendes Unternehmen auf die Freiburger Trikotbrust rücken wird.“

Bayer Leverkusen – Hertha BSC Berlin 4:1

Wie sich die Dinge entwickeln, verschlägt selbst alten Fahrensleuten manchmal die Sprache

Jörg Stratmann (FAZ 29.3.) notiert Deutungsprobleme: „Hans Meyer haßt es, wenn man seine berufliche Tätigkeit auf Schlagworte reduziert. Deshalb ficht der Kabarettist unter den Fußballtrainern manche Privatfehde gegen jene Blätter, die ihre Überschriften gern groß und griffig schreiben. Doch gibt es Situationen, in denen auch dem Einundsechzigjährigen die feinen Formulierungen ausgehen.: In so einer Phase bei Bayer Leverkusen auf diese Weise 1:4 zu verlieren, sagte Meyer, „ist richtig Scheiße“. Wie sich die Dinge in neunzig Minuten auf dem Fußballplatz entwickeln können, verschlägt selbst alten Fahrensleuten manchmal die Sprache. Wenn man alles zusammenfasse, was auf dem Rasen der BayArena passiert sei, „so war es verdient für Leverkusen“, sagte er. Und doch stimmte ihm sein Kollege Klaus Augenthaler zu, als Meyer hinzufügte: „Da haben wir das Spiel im Griff, führen früh und können Leverkusen noch viel mehr ärgern – und fallen in unglaublicher Art und Weise auseinander, wie du sie als Trainer nie verstehen wirst.“ Schon nach sieben Minuten hatte der Berliner Marcelinho mit einem Freistoß getroffen. Auch fortan wirbelte Marcelinho unbehelligt in Herthas Offensive, was der Brasilianer selbst und Stürmer Sofian Chahed fast zu zwei weiteren Treffern genutzt hätten. Auf der anderen Seite schaffte es nur Verteidiger Lucio, hier und da mit fast wütenden Vorstößen das zunehmend murrende Publikum ein wenig bei Laune zu halten. „Auf einmal schaute es aus, als wenn wir auf Platz 17 stünden und nicht der Gegner“, sagte Augenthaler. Doch mit dem überraschenden 1:1 glich sich das Bild verblüffend schnell wieder der Tabelle an. Erst nutzte es Dimitar Berbatow aus, daß Verteidiger Marko Rehmer bei einem Steilpaß von Ramelow auf Abseits spekulierte; dann bestrafte Franca vier Minuten später eine doppelte Nachlässigkeit von Rehmer und Josip Simunic mit einem Direktschuß zur Führung. „Anfängerhaft“, schimpfte Meyer. Wenn zwei Nationalspieler in der Mitte verteidigten und ihr Gegenspieler auf diese Weise treffe: „Das sagt doch alles.““

Vom Saulus zum Paulus

Erik Eggers (FR 29.3.) porträtiert Dimitar Berbatov: „Der achtjährige Knirps hatte schon reichlich Autogramme eingesammelt. „Hier!“, zeigte er seiner Mutter stolz sein Trikot mit eigentlich unleserlichen Unterschriften, „der Ramelow, und der Babic, und der Nowotny“. Nicht schlecht für den Anfang. Trotzdem fing er nun an zu quengeln. Der wichtigste Namenszug, der fehlte ja noch. „Wann kommt Berba?“, fragte er daher in Minutenabständen seine Eltern. „Berba“, mit vollem Namen Dimitar Berbatow, war der Spieler des Tages gewesen. Hatte der Knirps doch mitbekommen, wie sehr die Menschen auf der Haupttribüne den Angreifer gefeiert hatten, als der in der 79. Minute ausgewechselt wurde. Das war auch deswegen ein ziemlich bewegender Moment, weil ihn die gleichen Menschen noch neulich nicht eben zu Unrecht als „Chancentod“ und hoffnungslosen Fall beschimpft hatten. Vor exakt sieben Wochen hatte der Bulgare gegen die Frankfurter Eintracht in den ersten 20 Minuten drei so genannte Hundertprozentige vergeben und sich zum Sündenbock für die Niederlage abstempeln lassen müssen. „Aus dem wird nie etwas!“, so lautete damals das vernichtende Urteil so mancher Experten. Dagegen hatte Ex-Bayercoach Klaus Toppmöller schon vor Jahren behauptet: „Berbatow wird der Topstürmer der Liga.“ Man musste schon den Eindruck gewinnen, Toppmöller habe keine Ahnung vom Fußball. Hat er doch: Denn nun, keine zwei Monate nach der Niederlage gegen die Eintracht, avancierte der erst 23-jährige Berbatow plötzlich vom Saulus zum Paulus, eine vormals tragische Figur schälte sich binnen weniger Tagen bei den Balkenblättern zum „neuen Bayer-Superstar“ (Express) heraus, und ein Sturm der Begeisterung wehte ihm entgegen. Wer will, kann dessen rasche Metamorphose vom Prügelknaben zum Heilsbringer als (nachdenklich machendes) Lehrstück dafür betrachten, wie schnell einbetoniert wirkende Einschätzungen im modernen Fußball über den Haufen geworfen werden können. Der Auftritt des Stürmers war geradezu phänomenal.“

Jörg Stratmann (FAZ 29.3.) ergänzt: „“Wenn er da hinkommen will, wo er hinkommen kann, dann muß er noch konsequenter sein“, sagte der Bayer trotz Berbatows Saisontreffern zehn und elf beim 4:1 gegen Hertha BSC – und fügte doch mit wohlwollendem Lächeln hinzu: „Ich habe ihm schon eine Menge ausgetrieben.“ Das hat lange gedauert. Und obgleich Berbatows Vertrag gerade erst bis 2007 verlängert wurde, schwingt nicht ohne Grund weiterhin leichte Skepsis in Augenthalers Worten mit. Denn schon unter Vorgänger Klaus Toppmöller galt der dunkelhaarige Stürmer mit dem stets unbeteiligt wirkenden Blick in den seltsam hellen Augen als „absolutes Supertalent“, dem man nur noch etwas Zeit zur Reife gewähren müsse. Berbatow, seinerzeit für rund fünf Millionen Euro von ZSKA Sofia als einer der meistversprechenden europäischen Nachwuchsprofis verpflichtet, hat diese Geduld bislang mit fast fahrlässig wirkender Leichtfüßigkeit ausgereizt. Sein Status als Popgröße in der Heimat verführte ihn auch schon mal dazu, sich notdürftig bedeckt mit ebenso luftig gekleideten Models ablichten zu lassen. Um auch hierzulande als Star zu gelten, mangelte es aber stets an Toren, für die er obendrein jeweils eine Unzahl an besten Möglichkeiten verpulverte. Nun aber gelangen ihm allein in den letzten vier Spielen fünf Treffer.“

Hansa Rostock – VfL Wolfsburg 3:1

Ja, man kann es Ratlosigkeit nennen

Mathias Wolf (FAZ 29.3.) spürt Wolfsburg im Abstiegskampf: „Ob nach sieben Niederlagen in neun Rückrundenspielen auch in Wolfsburg die üblichen Mechanismen greifen? „Es ist nicht opportun, jetzt auf solche Fragen zu antworten“, sagte Manager Peter Pander ausweichend. „Aber wir brauchen drei Punkte gegen den VfB Stuttgart. Noch mehr Niederlagen können wir uns nicht erlauben.“ Das klang nach einem Ultimatum. Zumal Pander die Leistung der Mannschaft „erschreckend“ nannte und die Furcht umgeht: „Heute ist der Abstiegskampf eingeläutet worden.“ Und der Kampf um Röbers Arbeitsplatz. Der 50jährige Trainer wirkt verzweifelt. „Ja, man kann es Ratlosigkeit nennen“, sagte er, weil weder personelle Wechsel noch ein zweitägiges Trainingslager in Warnemünde Wirkung gezeigt hatten. Er beobachtete die letzten Phasen des Spiels lethargisch. Beim einsamen Gang in die Kabine würdigte er seine Profis keines Blickes. Später nannte er ihre Spielweise naiv. Die Treffer von waren eine Verkettung von laschen Zweikämpfen und falschem Stellungsspiel. „Am besten ich rede gar nicht mehr mit den Spielern“, sagte Röber. Das klingt nach Entfremdung mit einem Kader, der obendrein in sich zersplittert scheint. Die Geste des Tages beim VfL war der rechte ausgestreckte Zeigefinger des Spielmachers Andres D‘Alessandro, der sich freilief, die Bälle forderte, aber kaum welche bekam. Und wenn doch, dann spielte er Alibipässe. Der Argentinier, für sein mangelhaftes Defensivverhalten von Mitspielern kritisiert, war ob seiner Isolation auch in Rostock wieder Symbolfigur für die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit beim VfL, der viele Millionen investiert hat. „Es geht nicht mehr darum, ob wir uns große Ziele gesetzt haben“, sagte Pander. „Es geht nur noch darum, den Hebel umzulegen und die Ärmel hochzukrempeln, um nicht noch da unten reinzurutschen.“ Die Gefahr sei groß, gestand auch Pablo Thiam, „weil wir extrem verunsichert sind und einige den Ernst der Lage nicht erkannt haben“. Womöglich aber richtet sich doch wieder alles nur gegen einen.“

Hannover 96 – Borussia Dortmund 1:1

Javier Cáceres (SZ 29.3.): „Die Bitte um eine Deutung wurde durchaus formvollendet dargebracht, doch dem französischen Tormann von Borussia Dortmund schien der Sinn nicht nach Analyse zu stehen. „F*** me! F***!“, rief Warmuz auf seinem Wege in die Kabine, „f*** you, f***!“ Womöglich hat er den Fluch bis unter die Dusche durchkonjugiert, bis dorthin mochte ihm dann aber doch kein Fragesteller folgen. Sieben Minuten vor Ende der Partie war Warmuz per Elfmeter bezwungen worden, sein Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselter Landsmann Ahmed Madouni hatte den Ball im Strafraum mit der Hand berührt, Thomas Christiansen verwandelte. „Das ist für uns zu wenig“, urteilte der deutsche Nationalspieler Torsten Frings. Auch Frings war nicht verborgen geblieben, dass die Schuld an dem Punktverlust nur zu einem Gewissen Grad individualisierbar war, „eine Halbzeit reicht einfach nicht“, sagte er. „Wir haben in der zweiten Halbzeit zu wenig gemacht“, sagte Christian Wörns, und Trainer Matthias Sammer vermutete richtiger Weise, dass seine Elf sich im Gefühl einer zu locker verlebten ersten Halbzeit (nach dem Motto: „das Bällchen flutscht ja hier. . .“) den Autopiloten eingeschaltet hatte. Womöglich hatte er auch durch die Einwechslung eines Verteidigers (Madouni) für einen Stürmer (Gambino) das falsche Signal gesetzt? Sammer verneinte, er habe bei wachsendem Druck Hannovers die Abwehr reorganisiert und dadurch „vielleicht eine Nuance“ Offensivkraft weggenommen: „Ich stelle mir das als sehr logisch vor, behaupte aber nicht, dass ich Ahnung hab“ vom Fußball.“ Dafür aber von Wahrscheinlichkeitsrechnung: „Wenn man auf die Tabelle schaut, ist der eine Zähler nur bei einem Sieg gegen den VfL Bochum am kommenden Wochenende etwas wert – sonst nicht.“ Auch die Hannoveraner toupierten sich den Punkt zurecht, „er kann noch sehr wichtig werden“, beteuerte Trainer Ewald Lienen, der mit Hannover nach drei Spielen ungeschlagen, aber eben auch ohne Sieg dasteht. Geradezu vergnügt wirkte Sportdirektor Ricardo Moar, er attestierte dem Punkt „einen ganz großen psychologischen Wert“.“

Allgemein

Rainer Seele (FAZ 29.3.) verlangt mehr Anstand: „Der Begriff Würde scheint im Frühling zu einem Schlagwort im deutschen Fußball geworden zu sein. Es geht um Anstand und Stil in der Bewältigung vielfältiger Probleme. Und seien sie noch so profan, wie etwa die Frage, wie ein gesperrter Fußball-Lehrer im Stadion untergebracht werden kann. Willi Reimanns Käfig-Platz im Frankfurter Waldstadion nach schlechter „Big Brother“-Art mutete jedenfalls entwürdigend an. Jene Kölner, deren Profis in fast aussichtsloser Lage eine professionelle Einstellung zeigen sollen, gaben in jüngerer Vergangenheit ebenfalls ein schlechtes Bild ab. Allerdings auf der Ebene der Funktionäre, die in wenig erbaulicher Manier um die Macht im Verein stritten. Eine pikante Personalie sachlich und menschlich angemessen zu beurteilen, das kann auch die schwierige Aufgabe von Erfolgreichen sein. Zu sehen am deutschen Meister Bayern München und Ottmar Hitzfeld. Es ist eine eigenartige Debatte entstanden beim Tabellenzweiten. Es geht dort um die Zukunft eines Mannes, den vor nicht allzu langer Zeit noch die Aura des „ewigen Siegers“ umgab. Nun aber, da sie dort nicht mehr Titel in Serie produzieren, wird in München, so hat es den Anschein, auch die Institution Hitzfeld in Frage gestellt. Und es ist zu spüren, wie unangenehm dem FC Bayern dieses Thema ist, da es um eine Fachkraft mit enormen Verdiensten und großer Reputation geht – und deshalb für beide Seiten auch darum, die Würde zu wahren auf der Suche nach einer Lösung. Eines steht, tröstlich in diesen Tagen, immerhin fest: Deutschland wird 2004 einen würdigen Fußballmeister feiern.“

Marc Schürmann (FTD 29.3.) verlangt mehr Zahlen: „Nichts ist darüber zu erfahren, wer den Weltrekord des schnellsten Hattricks aller Zeiten aufstellte: Magnus Arvidsson, heute Hansa Rostock, vor neun Jahren als Stürmer des schwedischen Zweitligisten IFK Hasselholm (89 Sekunden). Aber der Rekord bei Gegentoren in Heimspielen von Bochum? Demnächst jubelt das ganze Ruhrstadion, wenn die Anzeigetafel enthüllt, dass Frank Fahrenhorst nun schon seit 14 Monaten und acht Tagen kein Kopfballduell mehr zwischen der 60. und 80. Spielminute im mittleren Drittel des Spielfeldes verloren hat. Vereinsrekord! (Aber nur bei Heimspielen.) Ihr Chronisten, rückt mit den gei-len Daten raus! Seit wie vielen Spielminuten hat sich Michael Ballack nicht mehr am Hintern gekratzt? Wie viele Liter Spucke haben die Profis in dieser Saison auf den Rasen gerotzt? Und wie lange hat keiner aus der Familie Wildmoser sich von einem Bauunternehmen schmieren lassen? Ist das Rekord? Eine andere Bestmarke dürfte Hertha BSC Berlin geschafft haben: nämlich den als am konsequentesten von Sponsoren verleugneten Bundesligisten. Es gibt da doch diese Fernsehwerbung von Vodafone, die mit dem Kindergeburtstag und den Vätern beim Sackhüpfen. Vor ein paar Wochen jubelte da im Handy-Display noch ein Stürmer im Hertha-Trikot – jetzt ist es irgendein anderer Typ in dunkelblau. Hertha hat man ersetzt und wegretuschiert wie Stalin seine Gegner von den Fotos für die Geschichtsbücher. Und welcher Spieler musste sich je unter der Mannschaftsdusche die meisten Reime mit seinem Namen anhören? Jede Wette: Es ist Lars Ricken. Aber ach, von solchen Rekorden erfahren wir ja nie etwas. Im Fußball, das ist die einzig mögliche Schlussfolgerung, werden viel zu wenige Statistiken erhoben.“

Europas Fußball vom Wochenende: Ergebnisse – Torschützen – Tabellen NZZ

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