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Vermischtes

Oliver Fritsch | Freitag, 14. Mai 2004 Kommentare deaktiviert für Vermischtes

schlechter Stil in München und Stuttgart (FTD) – Nach- und Vorfreude in Bremen – wer wird Reiner Calmunds Nachfolger in Leverkusen? (SZ) – wer wird die WM 2010 veranstalten dürfen? Südafrika, Marokko oder Ägypten? – „Heynckes hat mich benutzt oder benutzen wollen“ (Maurizio Gaudino in SpOn) – Fans im Internet (FR) u.v.m.

Offenbar kommt da zusammen, was zusammen gehört

Tim Bartz (FTD 14.5.) nervt die Art der Trainer-Diskussion: „Fast also ist die Luft raus aus dieser Saison, sowohl oben als auch in der Abstiegsregion – wäre da nicht Karl-Heinz Rummenigge. Der Bayern-Chef will unbedingt und unverhohlen Trainer Ottmar Hitzfeld loswerden. Dabei versucht das einst schüchterne Rotbäckchen eiskalt zu wirken, wie die Macher aus der richtigen Wirtschaft eben. Dass er sich dabei ein Image irgendwo zwischen Donald Rumsfeld und Rolf E. Breuer aneignet, scheint Teil seines gewieften Plans zu sein, ohne Herzschmerz den nach Udo Lattek erfolgreichsten Bayern-Trainer zu entsorgen. Mit Felix Magath, seinem Wunschtrainer und Coach des morgigen Gegners Stuttgart, hätte Rummenigge einen kongenialen Partner gefunden. Schließlich hatte der just gemosert, er könne seinem aktuellen Verein – der dem bis dato bemerkenswert erfolglosen Übungsleiter überhaupt erst die letzte Chance als Trainer einräumte – nicht mehr vertrauen, weshalb ihm eine Trennung nicht schwer fallen würde. Wie sympathisch. Offenbar kommt da zusammen, was zusammen gehört.“

Ralf Wiegand (SZ 14.5.) schildert Bremer Vorfreude: „Der Ansturm von Schaulustigen beim Trainingsbetrieb hat die Verantwortlichen von Werder Bremen überrascht: Mit so wenig Kiebitzen hatten sie nicht gerechnet. Noch am Wochenende hätte sich niemand gewundert, wenn die Weser aus ihrem Bett gesprungen und in den sanften Bögen des Werder-W mitten durch die Fußgängerzone geflossen wäre, wobei grün-orange-geschuppte Fische im Chor eines dieser Bayern-Häme-Lieder gesungen hätten, wie sie dieser Tage die Charts in der Hansestadt anführen. Aber nichts von alledem mehr zwei Tage später. Werder hatte eigens einen Sicherheitsservice für die Trainingseinheiten der momentan beliebtesten Fußball-Mannschaft im Lande eingestellt – aber es kamen nur rund 200 Leute zum Übungsplatz am Weserstadion. Es mag die Ruhe vor dem Sturm sein, die dem vom Feiern der vierten Deutschen Meisterschaft matten Verein einen kurzen Moment des Innehaltens gewährt. Sportdirektor Klaus Allofs nutzt ihn, um darüber zu sinnieren, wie der Werder-Wahnsinn um sich greift. „Extrem“ sei das alles gewesen, findet Allofs, und dass man aufpassen müsse, dass die Relationen nicht verloren gehen. Schon jetzt, sagt der Chef-Einkäufer nur halb im Spaß, hätte sich die Verhandlungsposition des Klubs „klar verschlechtert“, weil all die Spekulanten im Transfergeschäft die grundsoliden Hanseaten nun auf der Seite derer wähnen, bei denen mehr zu holen ist als derzeit in der Branche üblich. „In einer Zeitung stand, wir hätten jetzt Geld im Überfluss, das macht es nicht einfacher“, klagt Allofs. (…) Dabei präsentieren die Bremer nach Miroslav Klose, dem Brasilianer Nery und Abwehrspieler Frank Fahrenhorst ihren bislang spektakulärsten Transfer – ausgerechnet vom FC Bayern: Die Spider Murphy Gang, die in der Vergangenheit gerne zu Veranstaltungen des Rekordmeisters aufspielte, kommt als Kapelle zur Werder-Party. In München und Umgebung dürfte die selbsterklärte „bayerische Bänd“ künftig mindestens als subversiv gelten, wenn nicht gar ob des Landesverrats ins Blickfeld des örtlichen Verfassungsschutzes geraten.“

Die Welt des Fußballmanagements mit ihren schnellen Wechseln verlangt anderes Vorgehen als die der Düngemittel oder Spezialanstriche

Wird Ilja Kaenzig Bayer Leverkusen verlassen? Christoph Biermann (SZ 14.5.) spekuliert: „Der erst 30 Jahre alte Manager war eigentlich dafür vorgesehen, 2006 die Nachfolge von Calmund als Geschäftsführer der Bayer Leverkusen Fußball GmbH anzutreten. Wiederholt hat Calmund den Schweizer als „absoluten Topmann“ gelobt, und es waren nicht nur Lippenbekenntnisse. In dem Maße, wie sich der mächtige Mann bei Bayer aus der Öffentlichkeit zurückzog, wurde Kaenzig präsenter. Dennoch scheint er vor dem Abschied zu stehen. „Es sieht gut aus, dass es klappt“, hat Martin Kind, Präsident von Hannover 96, dieser Tage gesagt. Dort nämlich soll Kaenzig die Nachfolge des Spaniers Ricardo Moar antreten, mit dessen Arbeit schon lange niemand mehr zufrieden ist. Entschieden ist der Fall jedoch scheinbar noch nicht, oder sie wissen es in Leverkusen nur nicht. Sonst jedenfalls würde Calmund kaum von einem „absoluten K.o.-Schlag“ sprechen, sollte Kaenzig gehen. Es wäre eine Niederlage, die unterschiedliche Facetten hat. Mit Kaenzig würde er seinen zweiten Ziehsohn verlieren, denn bereits Andreas Rettig, heute Manager des 1. FC Köln, sollte als Nachfolger aufgebaut werden und verließ Bayer 1999 zum SC Freiburg. Nun könnte der Eindruck entstehen, dass Calmund am Sessel klebt und seine Rücktrittsüberlegungen nicht ernst zu nehmen sind. (…) Kaenzig wurde von allen Seiten bestätigt, dass er 2006 Geschäftsführer werden soll, nur ist es im Bayer-Konzern generell nicht üblich, Mitarbeitern die Zukunft mit langem Vorlauf vertraglich zu garantieren. Selbst Führungskräften werden Spitzenpositionen nicht zwei Jahre vorher zugesagt. Das soll nach den Wünschen der Bayer AG auch im Fußballunternehmen nicht anders sein. Letztlich prallen also zwei Kulturen aufeinander. Kaenzigs Drängen scheint in diesem Zusammenhang verständlich: Die Welt des Fußballmanagements mit ihren schnellen Wechseln verlangt anderes Vorgehen als die der Düngemittel oder Spezialanstriche.“

WM 2010 – Wer wird sie veranstalten dürfen? Der Tagesspiegel (14.5.) hat sich in Südafrika umgeschaut: „In den Städten hängen sie überall, die Plakate. Das Motiv sieht so aus: Zwischen einem Mann und einer Frau liegt ein Fußball; er trennt die beiden. Daneben steht: „Love to be there 2010.“ Südafrika wäre gerne dabei, wenn die WM 2010 ausgetragen wird, am liebsten als Austragungsland – und doch bedeuten die Worte mehr: Die Plakate sind Teil einer neuen Anti-Aids-Kampagne. „Love to be there 2010“, das heißt auch: Wer das Spektakel miterleben will, sollte beim Sex vorsichtig sein. Mehr als fünf Millionen Südafrikaner sind HIV-infiziert. Für Südafrika geht es nicht nur darum, eine Fußball-WM ausrichten zu wollen. Es geht auch um den Kampf gegen Aids. Den Kampf gegen die Armut. Und das Entrinnen aus der Lethargie. Die WM 2010 am Kap wäre der Cup der guten Hoffnung.“
[if: „Der Cup der guten Hoffnung“! Oh, Mann! Jede Wette – der kicker wird es zitieren.]

Sven Gartung (FAZ 14.5.) auch: „Auf der politischen Ebene spielt Nelson Mandela, die Ikone der Anti-Apartheid-Bewegung, eine wichtige Rolle. Seit Jahren läßt sich „Madiba“, wie die Südafrikaner ihren ersten demokratisch gewählten Präsidenten liebevoll nennen, für mitunter fragwürdige PR-Aktionen einspannen. So ließ sich der 82 Jahre alte frühere Staatschef sogar wieder in jene Zelle auf Robben Island sperren, in der er 18 Jahre lang gefangengehalten wurde, und begrüßte die peinlich berührte FIFA-Delegation. Die starke Verquickung von Sport, Wirtschaft und Politik in Südafrika bekam FIFA-Präsident Blatter, ein erklärter Freund des Landes, kürzlich zu spüren. Bei der Vereidigung des wiedergewählten Präsidenten Thabo Mbeki wurde der Schweizer wie ein Staatsgast hofiert. Ihm wurde zugesagt, daß die Regierung, falls Südafrika den WM-Zuschlag bekomme, 830 Millionen US-Dollar für die Verbesserung der Infrastruktur bereitstellen will. Daß das Land am Kap Massenveranstaltungen wie eine Fußball-WM zu organisieren weiß, hat nicht nur die Ausrichtung des Rugby World Cups 1995 gezeigt. 1996 war Südafrika Gastgeber des Afrika-Cups im Fußball und im vergangenen Jahr des Cricket World Cups. Die meisten Sportstätten sind in Betrieb und wären mit überschaubarem finanziellen Aufwand zu renovieren. Das Land ist sportbegeistert.“

Martin Hägele (SZ 14.5.) ergänzt: „Wenn objektive Korrespondenten aus Johannesburg und Kapstadt dieser Tage die Kandidatur Südafrikas für die WM 2010 beschreiben, kommen sie zu einheitlichen Schlüssen. Große Begeisterung herrscht für dieses Projekt, obwohl Fußball nur im schwarzen Teil der Bevölkerung (immerhin 85 Prozent) die Sportart Nummer eins ist. Kein Zweifel daran, dass das Land am Kap in der Lage wäre, das Ereignis durchzuführen. Ob es dies darf, entscheidet der Weltverband Fifa am Samstag gegen zwölf Uhr in Zürich. Das Turnier, so viel steht fest, findet in Afrika statt, Gegenkandidaten sind Ägypten, Libyen, Marokko und Tunesien, doch Südafrika gilt seit der Niederlage gegen Deutschland bei der Vergabe der WM 2006 als Favorit. Erster Herausforderer ist Marokko. Südafrika hat bei elf internationalen Großanlässen das Organisieren geprobt, beim kontinentalen Fußball-Cup 1996 oder den Weltmeisterschaften im Rugby (1995) und im Cricket (2003). Diesen von der weißen Schicht bevorzugten Kolonialsportarten verdankt die Nation eine Reihe prächtiger Sportarenen, die nur modernisiert werden müssten. Für bauliche Nachbesserungen in allen elf WM-Städten kalkuliert der südafrikanische Fußballverband lediglich mit 405 Millionen Dollar. Zum Vergleich: das neue Stadion in München ist mit 285 Millionen Euro veranschlagt. Nie zuvor in der jüngeren Geschichte der WM wäre – hielte man die Summe ein – weniger in den Stadionbau investiert worden. Wichtiger aber als die Tatsache, dass bei der ersten WM auf Afrikas Boden sich ein ehrgeiziger Bewerber finanziell übernehmen könnte, erscheint der gesellschaftliche Aspekt. Das Selbstwertgefühl der jungen Demokratie würde durch einen Vertrauensbeweis aufgewertet, das ist ein Punkt, den auch der Bericht der Fifa-Inspektoren im ersten wertenden Satz herausstreicht: „Die Einheit unter den ethnischen Gruppen, die während Jahren sowohl sozial und kulturell als auch sportlich getrennt waren, würde durch eine WM wesentlich gestärkt.““

Bernd Steinle (FAZ 14.5.) hält Marokko für würdig: „Als sich Marokko zum ersten Mal um eine WM bewarb, scheiterte es um eine Stimme – an den Vereinigten Staaten. Chef der amerikanischen Bewerbung um die Endrunde 1994 war damals Alan Rothenberg. Nun, zwei weitere erfolglose marokkanische Bewerbungen später, zieht Rothenberg für den einstigen Konkurrenten aus, um die WM im vierten Anlauf endlich nach Marokko zu holen. Und diesmal, versichert der Präsident des Bewerbungsteams, Said Kettani, sind die Chancen so gut wie nie zuvor. Denn diesmal profitiert Marokko von dem ehrgeizigen Entwicklungsplan „Vision 2010″, mit dem König Mohammed VI. das Land konsequent modernisieren will: Wirtschaft, Infrastruktur, Gesundheitssektor, Erziehung. Das Ziel: zehn Millionen Touristen im Jahr 2010, mehr als doppelt so viele wie heute – mit WM oder ohne. Seit dem 16. Mai vergangenen Jahres aber, als bei einem Anschlag islamischer Extremisten in Casablanca mehr als vierzig Menschen starben, und nach den Attentaten in Madrid, in die ebenfalls marokkanische Täter verwickelt waren, ist das kühne Projekt des Königs ins Wanken geraten. Die Bedrohung durch den Terror hat den wichtigen Vorteil der besseren Sicherheitslage gegenüber dem schärfsten Konkurrenten Südafrika in Gefahr gebracht. Und sie hat die schönen Worte von der Tradition der Toleranz und des friedlichen Zusammenlebens am Schnittpunkt der Kulturen und Religionen überdeckt. (…) Marokko sieht sich seit langem als Pionier des afrikanischen Fußballs. Sie waren die ersten Afrikaner, die sich für eine WM-Endrunde qualifizierten (Mexiko 1970), die ersten, die in die zweite Runde einzogen (Mexiko 1986), die ersten, die sich um die Austragung einer WM bewarben (1994), und die ersten, die einen Schiedsrichter in einem Finale stellten (Said Belquola, Frankreich 1998). Deshalb wären sie die letzten, die sich vorstellen könnten, daß die erste WM in Afrika irgendwo anders als bei ihnen ausgetragen werden könnte.“

Die NZZ (14.5.) fügt hinzu: „Seit Mohammed VI. seinem Vater Hassan II. Ende der neunziger Jahre auf dem Königsthron gefolgt ist, sind Marokkos politische Strukturen im Wandel begriffen. Der traditionell feudalistische Regierungsstil ist mehr Demokratie gewichen. Das Land ist im Aufbruch und hat die „Vision 2010“ im Visier. Der rückläufige Tourismus soll bis zu diesem Zeitpunkt massiv angeschoben werden – mit der XIX. Fussball-WM als Vehikel und Höhepunkt.“

Roland Zorn (FAZ 14.5.) porträtiert Ägypten, den Außenseiter: „Der Mann, der in den Vereinten Nationen zu Hause war, hat sein ägyptisches Heimspiel „aus privaten Gründen“ verweigert. Boutros-Ghali, der frühere UN-Generalsekretär, wird an diesem Wochenende also nicht die Bewerberdelegation seines Landes beim Schaulaufen vor den prüfenden Blicken der Herren vom Exekutivkomitee der FIFA anführen. Ein politischer Rückschlag für das bevölkerungsreichste Land der arabischen Welt, wenn am morgigen Samstag auf dem Zürcher Sonnenberg entschieden wird, wer die Ehre hat, 2010 die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden ausrichten zu dürfen. Macht nichts, sagen sie sich in Kairo, denn einerseits dürfte der Meinungsbildungsprozeß im Kreis der 24 Exekutivkomitee-Mitglieder so gut wie abgeschlossen sein, und andererseits kann Ägyptens Mannschaft im Wettstreit mit den Konkurrenten aus Südafrika, Marokko, Tunesien und Libyen immer noch auf einen veritablen Hollywood-Star setzen: Omar Sharif, einst als „Traumdoktor“ Schiwago der orientalische Märchenprinz für Millionen schmachtender Frauenherzen, reist mit in die Schweiz, um dort für sein Land zu punkten. Ob Ägypten schließlich das von den Fußball-Göttern auserwählte Land sein wird, daran zweifelt selbst so mancher Abgesandte aus dem siebzig Millionen Einwohner zählenden nordafrikanischen Land. Dabei haben sie dort, geht es um das weltwunderbare kulturelle Erbe, mehr als jeder schnöde Fußballrivale im Kampf um die Vergabe der WM 2010 zu bieten. Wer sonst aus dem Zirkel der fünf Anwärter steht schon mit Pyramiden auf der Sonnenseite der global gerühmten Sehenswürdigkeiten?“

Der Heynckes hat mich benutzt oder benutzen wollen
SpOn-Interview mit Maurizio Gaudino über seinen Rauswurf bei Eintracht Frankfurt

SpOn: Sie sind dann nach Frankfurt gegangen und wurden gleich Mitglied einer Mannschaft, die angeblich den „Fußball 2000″ spielte. Die beste Mannschaft in der Sie je dabei waren?
MG: Ja. Es war einfach ein schönes Gefühl, in diese Mannschaft integriert zu sein. Mit Bein, Yeboah und Okocha, der auch oft noch von der Bank kam. Wir haben einen schnellen, sauberen und technisch starken Ball gespielt, der fast direkt oder über zwei Kontakte nach vorne ging. Wir hatten einfach Spaß gehabt, den Ball so schnell in unseren Reihen zirkulieren zu lassen, dass der Gegner fast gar nicht an die Kugel kommt. Einfach traumhaft.
SpOn: Es schien eigentlich alles für eine ganz große Karriere gerichtet, da wurden Sie unter Jupp Heynckes plötzlich bei der Eintracht suspendiert. Die wahren Gründe für den Krach blieben lange im Dunkeln.
MG: Der Heynckes hat mich benutzt oder benutzen wollen. Warum weiß ich nicht, ich habe diesem Menschen nie etwas getan. Er hat stets behauptet, ich sei eine Stütze für die Mannschaft. Aber ich war immer nur eine Stütze für die Bank. Der letzte Krach fing am Freitag nach dem Abschlusstraining an. Das Training lief nicht so, wie Heynckes sich das vorgestellt hat. Wir haben fünf gegen zwei gespielt und Torsten Legat in einem Eck drei Beinschüsse gegeben. Das war natürlich spaßig. Den Trainer hat das sehr geärgert und er hat Yeboah, Okocha und mich zum Waldlauf verdonnert. Da haben wir dann richtig Tempo gemacht, wir wussten schließlich, worauf der Trainer hinaus will.
SpOn: Nach dem Waldlauf sollten Sie aber zum Kader stoßen?
MG: Ja, wir sollten ins Hotel fahren. Aber Yeboah hat sich geweigert und gesagt: „Trainer, du untergräbst meine Autorität als Spielführer.“ Okocha hat sich dann krankschreiben lassen und ich stand da: Was sollte ich jetzt machen? Ins Hotel fahren und meinen zwei Kollegen in den Rücken fallen, oder mit dem Trainer reden? Heynckes hat dann gemeint, ich solle zu Hause bleiben. Dort angekommen, fragte meine Frau, was denn los sei, unzählige Journalisten hätten angerufen und gemeint, ich würde die Arbeit verweigern. Das musste Heynckes gestreut haben.
SpOn: Ohnehin kam es für Sie arg. Sie wurden wegen angeblicher Autoschiebereien aus einer Fernsehsendung heraus verhaftet.
MG: Ein Witz, es bestand ja nie Fluchtgefahr. Meine Frau war hochschwanger und ich war bei Eintracht Frankfurt angestellt. Wohin sollte ich flüchten? Die holten mich mit acht Beamten aus der Late Night Show ab, in der ich noch mit Kati Witt auf Inlinern Tango getanzt habe. Die halbe Nacht haben sie mich dabehalten, weil ich keine Aussage gemacht hatte. Ich wusste ja überhaupt nicht, was los ist.
SpOn: Und dann?
Gaudino: Am nächsten Tag haben sie mich von München nach Mannheim kutschiert, um mich weich zu kochen. Im engen Audi 100 saß ich zwischen zwei Beamten, die versucht haben, auf psychologischen Beistand zu machen.
SpOn: Dann sind Sie für ein halbes Jahr zu Manchester City geflüchtet. Trotzdem eine wertvolle Erfahrung?
MG: Auf jeden Fall. Dort sind die Spieler viel lockerer als in Deutschland und trotzdem disziplinierter. Bei einem Trainingslager mitten in der Saison in Portugal gab es abends Ausgang. Ich kannte das nicht und war um Mitternacht im Bett. Die anderen kamen betrunken zwischen fünf und sechs Uhr morgens zurück ins Hotel, weckten mich aber, damit ich nicht zu spät zum Training komme. Und es setzt eine Standpauke, wenn man nach einem Foul zu theatralisch fällt. Das fand ich richtig stark.

Moritz Küpper (FR 14.5.) stellt fest, dass Fans das Internet nutzen, um ihre Deutungsmacht auszubauen: „“Es wird viel geflunkert. Nicht alles, was dort steht, ist wahr“, sagt Rolf Scholz, „aber gerade das macht solche Foren attraktiv.“ Der 44-Jährige arbeitet am Institut für Sportpublizistik an der Sporthochschule Köln und beschäftigt sich dort mit der Verbindung von Sport und neuen Medien. „Internet-Foren werden immer wichtiger.“ Das kann auch Jan Schneider nur bestätigen: „Wir haben über 20 000 registrierte User“, berichtet der 30-Jährige, der sich seit fünf Jahren um den Internetauftritt von Eintracht Frankfurt kümmert. „Der Hauptgedanke ist, ein Netzwerk unter den Fans zu schaffen“ erklärt er. Dort können sich die Anhänger über Auswärtsfahrten und andere Fan-Aktion informieren. Wie Eintracht Frankfurt haben auch die übrigen 17 Bundesligisten einen Internetauftritt mit Foren für ihre Fans. Diese müssen sich dort registrieren lassen und können dann ihre Kommentare abgeben – lesen kann man die Beiträge jedoch ohne Anmeldung. Hinzu kommen noch unzählige Fanseiten, auf denen sich die Anhänger ebenfalls in Foren austauschen können. „Wegen dieser Vielzahl sind Fanforen sehr schwer zu beurteilen“, sagt Scholz, „klare Untersuchungen gibt es nicht.“ Trotzdem hat er sich mit den Foren beschäftigt: „Neben dem Service-Charakter bieten die Foren auch den Vereinen die Möglichkeit, die Stimmung der Fans aufzunehmen und einzuarbeiten.“ Das erlebt Andreas Plaszyk, Fan-Betreuer bei Hertha BSC Berlin, fast täglich in der Praxis: „Für uns ist das Forum eine wichtige Informationsquelle.“ Doch der vielleicht wichtigste Effekt, den die Foren für die Anhänger haben, ist das Sprachrohr in der Öffentlichkeit: „Früher hatten die Fans nur am Samstagnachmittag im Stadion eine Stimme“, sagt Scholz, „jetzt haben sie eine Plattform, auf der sie die ganze Woche ohne Redaktionsschluss ihre Meinung wiedergeben können.“ Ein digitaler Stammtisch also. Der aber aus zwei Gründen reizvoller ist, als die Theke in der Stammkneipe: „Zum einen ist die Gruppe, mit der man diskutiert, größer“, beobachtet Scholz, „zum anderen gibt es eine gewisse Öffentlichkeit.“ Denn auch Journalisten beobachten die Neuigkeiten aus den Foren aufmerksam: „Die Medien zitieren recht häufig daraus, und die Fans wissen, dass man sie beobachtet“, erklärt Scholz, „das macht die Sache natürlich noch viel interessanter.“ Das können auch die Forenbetreuer aus Frankfurt und Berlin bestätigen: „Das Hertha-Forum wird viel von Berliner Medien genutzt“, berichtet Plaszyk, „die Journalisten holen sich dort viele Anregungen für ihre Arbeit.“ Auch in der Sportredaktion der Frankfurter Rundschau gehört ein Blick in das Eintracht-Forum längst zur Arbeitsroutine. Aber nicht nur die Medien interessieren sich für die Meinung der Fans, auch die Betroffenen selbst schauen häufiger vorbei: „Ich weiß, dass zum Beispiel unsere Spieler Andree Wiedener, Andreas Menger und Alexander Schur öfters mal in das Forum schauen“, berichtet Schneider. Allerdings schreiben die Spieler keine Kommentare – wie die meisten Teilnehmer. „Die meisten sind Passiv-Nutzer“, erklärt Scholz.“

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