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Ballschrank

Vermischtes

Oliver Fritsch | Freitag, 21. Mai 2004 Kommentare deaktiviert für Vermischtes

FC Valencia gewinnt den Uefa-Cup – wird Felix Magath in München glücklich?; wer wird noch in München entlassen?; Franz Beckenbauer weint Krokodilstränen – Carsten Ramelow wird nicht mehr für Deutschland spielen – 100 Jahre Fifa; „Machtkampf“ (SZ) zwischen Joseph Blatter und Jacques Rogge um Dopingkontrollen u.v.m.

Wenn du an einem vorbei kommst, so ist immer noch einer da

Gerhard Fischer (SZ 21.5.) gratuliert dem Uefa-Cup-Sieger FC Valencia: „Es scheint, als würde der FC Valencia in diesem Jahr das kompensieren, was in der jüngeren Vergangenheit missraten war. 2000 und 2001 verlor der Verein das Finale der Champions League, doch 2004 gewann er zunächst die spanische Meisterschaft und nun den Uefa-Cup. Vermutlich ist die Mannschaft, die im Kern die gleiche geblieben ist, durch die früheren Niederlagen noch enger zusammengerückt. Man merkt das auf dem Platz und im Gespräch mit den Protagonisten. Wer auch immer hervorgehoben wurde, Trainer Rafael Benitez von den singenden Fans oder Stürmer Mista von den Journalisten, der gab die Blumen freundlich weiter an das ganze Team. „Das ist unsere Philosophie – dass wir füreinander kämpfen müssen, um unser Ziel zu erreichen“, sagte Mista. Die schwedische Zeitung Aftonbladet verglich das spanische Kollektiv mit der berühmten russischen Puppe: „Wenn du an einem vorbei kommst, so ist immer noch einer da. Und im Innersten gibt es ein Herz aus Gold.““

Matti Lieske (taz 21.5.) zählt Fehler der Bayern-Führung auf: „Mit ihrer Kultur der Geldstrafen haben die Bayern-Verantwortlichen ein Team von Duckmäusern geschaffen und wundern sich nun, dass diese dann auch so spielen. Selten zuvor wirkten die markigen Worte des Managers Hoeneß in einer Saison-Schlussphase so deplatziert wie diesmal im Wettstreit mit den nüchternen Bremern. Waren derartige Attacken früher Ausdruck eines Selbstbewusstseins, das auch und vor allem der Mannschaft innewohnte, wirkten sie jetzt nur wie das trotzige „Will aber!“ eines dickköpfigen Kindes. Kein Wunder, dass die großen Sprüche vor dem Match gegen Bremen nur die eigene Mannschaft nervös machten, wie Michael Ballack später einräumte. Dazu passt auch die Stillosigkeit im Umgang mit dem gefeuerten Trainer Ottmar Hitzfeld, den Hoeneß, nachdem er endlich die Katze aus dem Sack gelassen hatte, schamlos schlecht redete. „Viel zu brav“ sei Hitzfeld zu den Spielern gewesen, ein „Leben ohne große Kritik und Druck“ hätten diese geführt, „jeder konnte machen, was er wollte.“ Starker Tobak, der die heißen Treueschwüre der letzten Wochen in ein noch schlechteres Licht rückt. Man darf davon ausgehen, dass Hitzfeld die Spieler sehr bewusst nach außen in Schutz nahm, Donnerwetter kam schließlich genug von oben. Ob die Methode Magath erfolgreicher sein wird, bleibt abzuwarten. Erstaunlich zumindest, dass der bisherige Trainer des VfB Stuttgart, der seine Erfolge hauptsächlich mittels Jugendförderung erreichte, sich tatsächlich als Nachfolger beim Ensemble der Stars bzw. Möchtegernstars zur Verfügung stellte. Was im Übrigen auch einen nachträglichen Schatten auf seine Spielerkarriere wirft. Schließlich hatte man immer geglaubt, er sei aus Prinzip nie zu den Bayern gegangen. Jetzt scheint es so, als hätte man ihn einfach nicht gefragt. Wie schnell in München ein gefeierter Trainerkönig zum dummen Otto werden kann, hat einst Rehhagel gezeigt. Auch der hatte wie Magath gedacht, dass die Münchner Dreierbande mit ihm zur Viererbande wachsen würde. Ein Irrglaube, dem der kluge Ottmar Hitzfeld nie verfallen war. Leichter als für Rehhagel oder zuletzt Hitzfeld dürfte es für Felix Magath jedenfalls nicht werden. Wieder werden die Münchner vor der nächsten Saison emsig Spieler kaufen, wieder werden sie fröhlich von der besten Bayern-Mannschaft aller Zeiten reden und natürlich werden sie erneut vom Gewinn der Champions League fantasieren.“

Joachim Mölter (FR 21.5.) bezweifelt Felix Magaths Erfolgsausichten in München: „“Magath wird die Mannschaft wieder auf den Pfad der Tugend zurückführen“, predigte Hoeneß. Wenn er da mal nicht irrt. Das Ende einer wunderbaren Ära könnte durchaus in den Beginn eines furchtbaren Missverständnisses münden, wie es der FC Bayern mit Otto Rehhagel schon einmal erlebt hat. Magath ist nicht mehr der „Quälix“, als der er gefürchtet war. Und er hatte vor allem deshalb Erfolg in Stuttgart, weil ihm keiner reingeredet hat. Beim FC Bayern München ist allerdings nicht zu erwarten, dass die Führungskräfte schweigend zuschauen, wenn ihr kickendes Personal arbeitet. Und das besteht aus so vielen Stars und Sternchen, Diven und Zickchen, wie sie Felix Magath noch nie in einer Mannschaft gehabt hat. In Stuttgart hatte er es bloß mit Krassimir Balakow zu tun – den hat er gebändigt, immerhin. Mit welchen Profis Hitzfelds Nachfolger den Club in der nächsten Saison wieder zu Titeln und Triumphen führen soll, wird sich erst demnächst klären. Angeblich plant der FC Bayern einen radikalen Umbruch, am liebsten würde er wohl das Experiment mit Michael Ballack beenden. Sport-Bild berichtete jedenfalls, dass Aufsichtsrat und Vorstand über einen Verkauf des Mittelfeldspielers einig sind; überraschen würde eine Transaktion nicht: Ballack wurde und wird von Beckenbauer und Co. noch mehr gemobbt als Hitzfeld.“

Ottmar bedeutet mir so viel wie mein Bruder

Elisabeth Schlammerl (FAZ 21.5.) schildert die Lage in München und registriert Krokodilstränen: “Ein halbes Jahr lang bahnte sich der Trainerwechsel von Felix Magath vom VfB Stuttgart zu Bayern München an. Ein halbes Jahr lang versorgten die Beteiligten die Öffentlichkeit mit Notlügen, Finten, verklausulierten Hinweisen, Ausflüchten und leerem Gerede. Seit Mittwoch wird Klartext gesprochen – kurz bevor sich der letzte Rest Glaubwürdigkeit in Luft aufgelöst hätte. Ja, Felix Magath trainiert vom 1. Juli an den FC Bayern München, ja Ottmar Hitzfeld wird eine Abfindung erhalten und eine Arbeitspause einlegen. Ja, ja, ja, alles ist so gekommen, wie es die Spatzen schon lange von den Dächern pfiffen. (…) Hoeneß kritisierte indirekt Hitzfeld, als er sagte: „Jeder konnte machen, was er wollte. Das schöne Leben, das der eine oder andere geführt hat, wird es in Zukunft nicht mehr geben“, kündigte Hoeneß an. Druck sollen neben dem neuen Coach auch neue Spieler ausüben. Wunschkandidaten sind weiter der Dortmunder Torsten Frings, Lucio von Bayer Leverkusen und Spielmacher Deco vom FC Porto. In den nächsten zwei Wochen will Hoeneß Ergebnisse präsentieren. Im Fall von Lucio ist daran gedacht, den Leverkusenern im Gegenzug Abwehrspieler Robert Kovac anzubieten. Kritik übte Hoeneß auch an Präsident Beckenbauer, der in der Trainerfrage bereits in der vergangenen Woche in die Offensive gegangen war und sich gegen Hitzfeld ausgesprochen hatte. „Franz Beckenbauer hat sich nicht gut verhalten. Wir hatten einen riesigen Druck. Für den Trainer war das unerträglich.“ Beckenbauer hob dagegen erneut die Trennung zwischen Privatem und Geschäftlichem hervor. „Ottmar bedeutet mir so viel wie mein Bruder. Aber es gibt manchmal Situationen, in denen das Menschliche zweitrangig ist.““

Philipp Selldorf (SZ 21.5.) ergänzt: „„Bälle liegen lassen“, befahl er – und die Bälle flogen kreuz und quer über den Platz, dass die Leute am Zaun in Deckung gehen mussten. Ottmar Hitzfeld hat nicht verständnisvoll gelacht darüber, dass die Spieler wie die Kinder mit ihrem Spielzeug über den Rasen tollten, er hat auch nicht geschimpft, dass sie nicht gehorchten. Er stand einfach nur da und ließ es geschehen – an seinem vorletzten Trainingstag beim FC Bayern würde er seine Linie nicht mehr verlassen, auch wenn ihm seine Nachsicht nun zum Verhängnis wurde. Zu „brav“ und zu „lieb“ sei Ottmar Hitzfeld gewesen, hat Uli Hoeneß gesagt, als er zu begründen versuchte, warum dem Trainer das Regiment beim FC Bayern entglitten ist und warum er ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages Abschied nehmen muss, um Platz für Felix Magath zu machen. „Die Mannschaft ist hauptverantwortlich dafür, dass wir diese Entscheidung treffen mussten, denn die Spieler sind mit der langen Leine, die er ihnen hat angedeihen lassen, nicht zurechtgekommen“, erläuterte der Manager am Dienstag nach einem Privatspiel im ungarischen Györ die Schuldfrage. Tags zuvor hatte er Hitzfeld und dessen Assistenten Michael Henke samt Ehefrauen in sein Haus nach Ottobrunn eingeladen und sie über das Ende ihrer Mission in München unterrichtete. Man trank einige Gläser Wein und erzählte sich bis tief in die Nacht alte Geschichten, „es war eine tolle Atmosphäre, ein sehr harmonischer Abend“, berichtete Hoeneß, und dem Manager war anzusehen, wie es ihn erleichterte, dass die Sache endlich überstanden ist und er sich nicht mit Schuldgefühlen plagen muss. Auch Ottmar Hitzfeld machte am Tag nach der Scheidung von Ottobrunn keinen bedrückten, eher einen gelösten Eindruck.“

Ohne Kredit bei Medien und Fans

Wer, außer mir, bedauert den Rücktritt Carsten Ramelows aus der Nationalmannschaft? Christoph Biermann (SZ 21.5.) vielleicht: „Seine Worte lesen sich schwermütiger, als sie bei ihm klangen. „Auf der einen Seite tut es weh, weil ich unheimlich gerne für Deutschland gespielt habe, aber es ist an der Zeit, Platz zu machen“, sagte Ramelow unter dem Schirm seiner Baseballkappe hervor. Ist er nun erleichtert? „Ach, ich musste die Entscheidung jetzt treffen.“ Viel mehr mochte er über seinen überraschenden Rücktritt nicht sagen, bei dem ein malader Körper und eine verletzte Seele zu gleichen Teilen eine Rolle gespielt haben. Ramelow ist ein Spieler, der laut Bayer-Manager Reiner Calmund, „darauf angewiesen ist, fit zu sein“. Das jedoch war der 30-Jährige in dieser Saison selten. Seine Achillessehne ist chronisch gereizt, und oft genug hat er nur nach schmerzstillenden Spritzen spielen können. Weil der „gutmütige Kerl“ (Trainer Klaus Augenthaler) aber ein gutmütiger Kerl ist, hat sich Ramelow dennoch weder bei Bayer noch im Nationalteam eine Auszeit gegönnt. „Er hat stets die Tasche genommen und hat sich mit eiserner Disziplin zur Verfügung gestellt, obwohl er angeschlagen war“, sagte Calmund gestern. Nicht immer hat Ramelow sich damit einen Gefallen getan, vor allem nicht beim 1:5 der Nationalmannschaft in Bukarest, als unter seiner Leitung die Abwehr zusammenbrach. Ramelow bezog danach die heftigsten Prügel. Hat das bei der Entscheidungsfindung eine wesentliche Rolle gespielt? „Ja, das kann gut sein“, sagte Ramelow gewohnt ungefähr, „irgendwann ist das Fass zum Überlaufen gekommen.“ Das bedeutet, dass in den letzten Jahren bereits einiges hineingelaufen ist. „Ich habe schon öfter was abbekommen“, sagte er, der ohne Kredit bei Medien und Fans ist. Selbst große Leistungen wie beim WM-Finale 2002 haben in der Bewertung seines Spiels nie lange vorgehalten. Stellvertretend dafür steht die Abrechnung des Spiegels im vergangenen Sommer: „Das Spiel der DFB-Elf ist ein Abbild der Durchschnittlichkeit Ramelows. Es ist schmucklos und bleiern.““

of: Ich trage schwarz, und Ihr alle, die Ihr Euch die Hände reibt, Ihr werdet schon sehen, wohin es ohne Ramelow in Portugal geht?

Die Ramelow-Debatte aus dem Ballschrank (Oktober 2003)

Roland Zorn (FAZ 21.5.) blickt zurück auf 100 Jahre Fifa: „Dieser Sport ist an Popularität weltweit von keiner anderen Disziplin zu schlagen und hat an seiner Spitze auch deswegen kommerzielle Ausmaße angenommen, die inzwischen eher bedrohlich als förderlich für die Reputation des Fußballs anmuten. Eines aber hat sich der zunächst von dem Franzosen Guerin wie ein Herrenklub präsidierte Weltverband über sein erstes Jahrhundert bewahrt: Regeln, die heute noch wie damals gelten. „Wir sind unseren Prinzipien, zweimal elf Spieler, zweimal 45 Minuten treu geblieben“, sagt Blatter, der selbst immer mal wieder mit teils krausen, teils originellen Reformvorschlägen wider den Stachel gelöckt hat. Doch die Regelhüter haben sich den Weltläuften ihres Spiels nur da, wo die Essenz des Fußballs nicht gefährdet war, ein wenig gebeugt. Die FIFA, bis heute geprägt von den europäischen und südamerikanischen Marktführern des Fußballs, zeichnete über all die Jahre in den wichtigsten Fragen und Entscheidungen eine erstaunliche Kontinuität aus. Erst acht Präsidenten, darunter drei Kurzzeitvorsitzende wie Guerin (1904 bis 1906), der Belgier Rodolphe William Seeldrayers (1954 bis 1955) und der Engländer Arthur Drewry (1955 bis 1961), standen an der Spitze der zunächst wie eine Klitsche geführten Organisation. Wegweisend für die großen Sprünge, die dieser Weltverband inzwischen hinter sich und noch vor sich hat, waren nicht die beiden konservativen Briten Daniel Burley Woolfall (1906 bis 1918) und Sir Stanley Rous (1961 bis 1974), sondern drei Vormänner aus Frankreich, Brasilien und der Schweiz: Jules Rimet (1921 bis 1954), der die Weltmeisterschaften „erfand“, Havelange, der als überaus machtbewußter erster hauptamtlicher Chef des Weltkonzerns FIFA auch ein beachtliches Entwicklungshilfeprogramm für die armen und ärmsten Fußball-Länder auflegte, und Blatter, der Havelanges Aufträge fortschrieb und das Fußball-Marketing mit sündhaft teuren Verkaufspreisen für die WM-Fernsehrechte professionalisierte. Der Schweizer, jahrelang als FIFA-Generalsekretär die „rechte Hand“ von Havelange, rückte 1998 bei einer Kampfabstimmung gegen Lennart Johansson, den schwedischen Präsidenten der Europäischen Fußball-Union, auf Platz eins der FIFA-Hierarchie vor. Die Machtfülle des 68 Jahre alten Wallisers ist inzwischen so groß wie einst die von Havelange. Aus dieser Position heraus scheut er keine Auseinandersetzung, wer auch immer der Gegner sein mag: ob die Welt-Anti-Doping-Agentur oder nur ein aufmüpfiger Mitgliedsverband wie Kamerun.“

Thomas Kistner (SZ 21.5.) berichtet Kritik an Joseph Blatter: „Darf man Ritter Sepp auf offener Bühne die Klinge bieten? Man kann es mal versuchen, dachte sich Kameruns Fußballidol Roger Milla und nahm bei der Eröffnungsfeier nicht nur den Jubiläumsverdienstorden für Afrika entgegen, sondern gleich die Gelegenheit wahr, eine bittere Realität im Hause Fifa anzusprechen. Milla erbat Gnade für seine Heimat Kamerun, die Blatters Fifa wegen eines Trikot-Vergehens mit sechs Punkten Abzug in der WM-Qualifikation bestraft und quasi von der WM 2006 ausgeschlossen hat. Hinter den Kulissen wird gerungen um dieses Kapitalvergehen (Kameruns Kicker waren in Einteilern angetreten), was nicht zu den süßen Reden über Toleranz und Sportsgeist passt, die durch die Höfe des Louvre hallen. Sinn erfährt die Geschichte, wenn man weiß, dass der Chef der Kameruner wie auch der afrikanischen Föderation CAF Issa Hayatou ist. Der Mann aus Yaounde hatte Blatter bei den Wahlen 2002 vom Thron stoßen wollen. Der Coup ging schief, und der Europa-Verband Uefa, der sich mit ihm gegen Blatter aufgelehnt hatte, ist Hayatou keine Hilfe mehr: Uefa und Fifa vertragen sich wieder. Dafür bricht eine neue Front auf, und Jacques Rogge, Chef des Internationalen Olympischen Komitees, ist nach Paris geeilt, um zwischen Fifa und der Welt-Antidopingagentur Wada zu vermitteln. Blatter empfindet die Zwei-Jahres-Sperre für Erstvergehen als zu starr, Wada-Chef Dick Pound beharrt darauf, dass dieselben Regeln für alle Verbände zu gelten habe. Die für Paris vorgesehene Unterzeichnung des Wada-Codes ist gefährdet, und damit die Teilnahme des Fußballs an den Spielen in Athen.“

Machtkampf

Ulrike Spitz (FR 21.5.) kommentiert den Doping-Streit zwischen Joseph Blatter und Jacques Rogge: „Blatter hätte sich in diesem Fall mit seiner Taktik durchgesetzt, die da heißt, hinauszögern, bis das IOC nicht mehr anders kann. Schließlich sind für das olympische Fußballturnier bereits 400 000 Eintrittskarten verkauft, was einen kurzfristigen Rausschmiss des Fußballs erschweren würde. Dennoch gäbe es keine Alternative, wenn das IOC sich an seine Regeln hält: Zugelassen zu den Spielen ist nur, wer den Code unterschreibt. Drückt aber Blatter seine Bedingungen durch, die da heißen variable und dem Fußball angemessene Regelungen anstatt der Mindestrafe von zwei Jahren bei schweren Dopingvergehen, um das Turnier zu retten, wäre die Glaubwürdigkeit von IOC und Welt-Anti-Doping-Agentur Wada schlagartig dahin. Die Erfolge der Wada, ob in den Dopingfällen von Salt Lake City oder im jüngsten der US-amerikanischen Sprinterin Kelli White, rückten in den Hintergrund; ein empfindlicher Rückschlag in der Anti-Doping-Arbeit wäre programmiert. Eigentlich hat Rogge gar keine andere Chance, als diesen Machtkampf zu gewinnen. Auch wenn er dafür ordentlich Ärger in Kauf und den Fußball aus dem Athener Programm herausnehmen muss.“

Friedhard Teuffel (Tsp 21.5.) fragt: „Was werden wohl die Briten mitbringen als Geburtstagsgeschenk? Und was werden sie der Fifa auf ihre Geburtstagskarte schreiben, weil sie doch an diesem Freitag in Paris den 100. Jahrestag ihrer Gründung feiert? Auf jeden Fall werden die Briten dem Fußball-Weltverband und ihrem Präsidenten Joseph Blatter die Anerkennung verweigern, alleinige Erbfolger des internationalen Fußballs zu sein. „Die Fifa steht nicht für den Weltfußball, sondern in erster Linie für die Weltmeisterschaft“, sagt Alan Tomlinson, Fifa-Experte und Professor für Sportwissenschaft in Brighton. Es gibt im Grunde auch zwei Geschichten des internationalen Fußballs. Die der Fifa und die des britischen Fußballs. Als die Fifa gegründet wurde, war der britische Fußball in seinem Sinne längst international. 1872 hatte in Glasgow das erste Länderspiel der Welt stattgefunden: Schottland gegen England 0:0. Und 1886 hatten die Briten ihren eigenen nationenübergreifenden Verband gegründet, das International Board: England, Schottland, Irland und Wales waren die Mitglieder. Bis heute ist das International Board Hüter der Fußballregeln. Die vier britischen Verbände haben jeweils eine Stimme, die Fifa hat vier. Bei den Grundgesetzen des Fußballs ist die Fifa also auf das Vereinigte Königreich angewiesen. Und noch immer genießen die Briten das Privileg, mit vier Nationalmannschaften an internationalen Turnieren teilnehmen zu dürfen, mit der englischen, walisischen, schottischen und nordirischen. Die Briten als Erfinder des Fußballs sahen es aus Hochmut gar nicht ein, 1904 beim Weltverband mitzumachen. So wurde die Fifa zwar mit den Regeln der Briten gegründet, aber ohne die Briten selbst. Erst 1905 traten die Engländer bei.“

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