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Bundesliga

An Deisler kommt derzeit niemand vorbei

Oliver Fritsch | Montag, 26. Juli 2004 Kommentare deaktiviert für An Deisler kommt derzeit niemand vorbei

Elisabeth Schlammerl (FAS 26.7.) rechnet mit Sebastian Deisler: „An Deisler kommt derzeit niemand vorbei. Daß der in der vergangenen Saison an Depressionen leidende Nationalspieler eine feste Größe sein würde, wenn Körper und Seele intakt sind, war stets klar. Aber selbst Magath hat die gute Verfassung des Nationalspielers gleich zu Beginn der Vorbereitungsphase überrascht, die physische und die psychische. Wie sich der Vierundzwanzigjährige in den bisherigen Testspielen auf dem Platz präsentierte, „das habe ich so nicht erwartet“, gibt der neue Bayern-Trainer zu. „Er hat einen blendenden Eindruck hinterlassen, und er ist immer gut gelaunt.“ Der früher sehr zurückhaltende Deisler, der auch innerhalb der Mannschaft nur durch Leistung überzeugen wollte, nie durch Worte, ist plötzlich nicht mehr zu überhören auf dem Rasen. Er gibt lautstark Anweisungen, dirigiert seine Mitspieler und übernimmt Verantwortung, wenn sie gefordert ist. Er füllte die Lücke, die in den ersten Trainingswochen klaffte, als die Führungsspieler des FC Bayern noch im Urlaub waren. „Er ist sehr kommunikativ“, lobte Magath intern und nun auch extern. Früher, vor dem Ausbruch seiner Krankheit, hatte der Mediendirektor des FC Bayern, Markus Hörwick, oft vergeblich versucht, den Mittelfeldspieler zu einem Pressetermin zu überreden. Und wenn Deisler dann tatsächlich einmal erschien, wirkte er genervt, manchmal sogar pampig. Jeder öffentliche Auftritt war für ihn nicht nur Last, sondern eine riesige Belastung, eine große Qual. Es wäre zwar übertrieben zu behaupten, Deisler findet mittlerweile an Interviews Gefallen. Aber er hat offenbar eingesehen, daß PR-Arbeit Teil seines Jobs ist.“

Déjà-vu-Erlebnis

Borussia Dortmund scheidet aus dem UI-Cup aus und verliert an Rückenwind Richard Leipold (Tsp 26.7.): “Zwei Wochen vor dem Start in die Bundesliga-Saison ist das Befinden der Borussen so schlecht wie nach der zurückliegenden Spielzeit, in der die Mannschaft den fünften Tabellenplatz in der letzten Runde noch an den kleinen Nachbarn VfL Bochum verlor. Die Dortmunder scheitern nicht an Madrid, Mailand oder München – alles Klubs, denen die Westfalen vor ein paar Jahren noch auf Augenhöhe begegneten. Der sportliche Abstieg manifestiert sich an eher provinziellen Städtenamen wie Cottbus, Brügge, Kaiserslautern und nun auch noch Genk. Nach dem jüngsten Misserfolg sprach Manager Michael Meier von einem Déjà-vu-Erlebnis. Vor einem Jahr unterlagen die kickenden Millionäre, eine Etage höher, in der Qualifikation zur Champions League, dem FC Brügge. Aus dem Stimmungstief, das diese Niederlage hervorrief, vermochten sie sich in der Bundesliga nicht zu befreien. (…) Der neue Trainer Bert van Marwijk hatte so etwas wie Aufbruchstimmung erzeugt, bei den Fans und vielleicht sogar bei seinem Personal. Doch der erste und bis auf weiteres letzte Versuch, sich international zu profilieren, spricht für eine Kontinuität im Misserfolg: Wenn es darauf ankommt, sehen sich die überbezahlten Fußballstars der Kommanditgesellschaft auf Aktien außerstande, in Normalform aufzulaufen, geschweige denn in Hochform.“

Powerfußball, mehr Tore, Angriff, Spielfreude

Euphorie in Stuttgart? Matthias Sammer hätte was dagegen – Oliver Trust (FR 24.7.): “Sammer spürte sie wohl in diesem Augenblick. Diese Angst aller Fußballtrainer: Allzu beliebt bei seinen Spielern zu sein, das galt auch für den neuen Trainer des VfB Stuttgart als wenig erstrebenswert. Selbst nach dem beachtlichen 3:0 über den müde wirkenden VfL Bochum, das den Schwaben den Einzug ins Halbfinale gegen den Meister Werder Bremen beschert. Als bedeute das schon vor dem Saisonstart eine Art Bankrotterklärung für einen Mann, der eine erfolgreiche Mannschaft zu neuen Erfolgen führen soll, verdrehte Sammer die Augen und gab Bemerkungen von sich, die mitunter einen verächtlichen Unterton in sich trugen. „Wie stabil das alles ist, zeigt sich immer dann, wenn es schwierig wird, wenn es Niederlagen gibt“, sagte Sammer. „Bis jetzt ist doch noch nichts passiert.“ Dass der ehemalige Dortmunder Coach herumläuft, als habe er allein die gesamte Last der Welt auf seinen Schultern, will nicht so recht zur Begeisterung passen, die sich bei den Schwaben breit macht. Überaus groß ist die Erleichterung, dass nach dem Abgang des erfolgreichen Felix Magath zu Bayern München nun nicht der unweigerlich Absturz folgen muss. Die Testspielergebnisse des Neuen sind bestens, das Trainingslager in Österreich mit ihm war ein voller Erfolg, die Lobeshymnen der Spieler für ihren Chef sind frei von Vorbehalten. Sammer lasse mehr mit dem Ball arbeiten, erzählen die Spieler (seine ehemaligen Dortmunder Spieler haben da ganz andere Erinnerungen), als atmeten sie mit Gier die neue Luft der Freiheit ein. Die strengen Methoden Magaths, der seinen Kader mit ausgeprägter Vorliebe zu erschöpfend langen Treppenläufen verdonnerte, gehören der Vergangenheit an. Und nur hier und da schimmert durch, was nun als Markenzeichen des VfB Stuttgart gelten soll: Powerfußball, mehr Tore, Angriff, Spielfreude. Auch das will nicht recht zu den Gesten Sammers passen. Der wirkt in diesen Tagen, als sei er nur geboren, um Vorsicht und Zurückhaltung zu transportieren.“

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