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Internationaler Fußball

Der Mythos, die Legende, der Tribun

Oliver Fritsch | Dienstag, 31. August 2004 Kommentare deaktiviert für Der Mythos, die Legende, der Tribun

„Wenn die Lage dramatisch wird in Rom, dann muss der Mythos her, die Legende, der Tribun.“ Die SZ spricht von Rudi Völler – Bobby Robson in Newcastle gemobbt und gefeuert

Vola tedesco vola

Rudi Völler passe nach Rom, findet Birgit Schönau (SZ 31.8.): „Wenn die Lage dramatisch wird in Rom, dann muss der Mythos her, die Legende, der Tribun. Einer, dessen Name fällt, und die Leute fangen an zu träumen, zu schwelgen, zu singen. Ein Mann zu einer Melodie. Vola tedesco vola. „Flieg, Deutscher, flieg.“ Der Deutsche ist Rudi Völler aus Hanau. Ein Mann von historischen Verdiensten, weil er zum Beispiel den Römern den Umlaut beigebracht hat. Es gibt ein Goethe-Institut hier, das nennen alle nur „il gete“. Gete? In welcher Mannschaft spielte der noch? Völler ist Völler. Hundert Schritte vom gete-Institut hat der Metzger Bruno seine Bude auf dem Markt an der Piazza Alessandria. Wenn Bruno, ein Meister seines Fachs, mit scharfer Klinge die Kalbsschnitzel zurechtsäbelt, schaut ihm Rudi Völler über die Schulter. Völler mit Bruno, Völler mit Brunos Kindern. Völler mit Roma-Trikot, die Wölfin oben rechts. Jetzt soll er zurückkommen, als Trainer des AS Rom. Bruno wartet. Auf ein neues Foto. Auf Rrrrudi. Mit Bruno wartet die ganze Stadt. Früher hat der Stürmer Völler Rom von Sonntag zu Sonntag getragen. 45 Tore in fünf Jahren, mehr als ein Italien-Pokal ist nicht dabei herausgekommen. Auf dem Papier. Aber Völler hat es geschafft, ein civus romanus zu werden. Das ist nicht einfach nur mehr. Es ist für normalsterbliche Nicht-Römer, für die Riedles und Häßlers dieser Welt, unerreichbar. Als beim WM-Finale 1990 im Olympiastadion Deutschland gegen Argentinien spielte, war es für Völler ein Heimspiel. Im Stadion gab es Verbrüderungsszenen zwischen Römern und Deutschen, die Argentinier, in ihren blauweißen (Lazio-)Trikots wurden gnadenlos ausgepfiffen. Und als dann Völler den Pokal küsste, war Rom Weltmeister geworden.“

Intrigen und Affären

Schon wieder ein Manager der Premier League entlassen: Bobby Robson in Newcastle Martin Pütter (NZZ 31.8.): „Die Hafen- und Industriestadt an der nordostenglischen Küste als Fussball-fanatisch zu bezeichnen, ist eine Untertreibung. Aber Intrigen und Affären sowohl im Verwaltungsrat als auch unter den Spielern haben immer verhindert, dass dieses enorme Potenzial in sportliche Erfolge umgewandelt werden konnte. Das hatten zuvor auch die Vorgänger Robsons, Ruud Gullit, Kenny Dalglish und selbst der von den Fans immer noch als Halbgott verehrte Kevin Keegan, erfahren. (…) Erste Anzeichen, dass die Tage des erfolgreichsten englischen Nationaltrainers nach Sir Alf Ramsey (Robson brachte England in die Halbfinals der WM 1990) gezählt waren, setzte Chairman Freddy Shepherd in der Sommerpause. Robsons Vertrag werde am Ende der Saison 2004/05 nicht verlängert, kündigte Shepherd an. Die ohnehin schon in drei Lager gespaltenen und ziemlich schwierigen Spieler sahen dies als Zeichen, ihre eigene Agenda verfolgen zu dürfen. Am Samstag ordnete Robson bei der 2:4-Niederlage bei Aston Villa an, was schon Gullit vor fünf Jahren den Job gekostet hatte: Er liess Alan Shearer zugunsten der Neuverpflichtung Patrick Kluivert (erzielte ein Tor) auf der Ersatzbank. Was die Fans der „Magpies“ als Sakrileg betrachten, ergab durchaus Sinn. Der 34-jährige ehemalige englische Nationalstürmer hatte seit einem Jahr auswärts kein Tor mehr aus dem Spiel heraus erzielt. Doch Shearer hatte kein Geheimnis daraus gemacht, dass er eines Tages Manager von Newcastle United werden wolle. Es darf angenommen werden, dass er hinter den Kulissen seine Ellenbogen genauso rücksichtslos einsetzte wie auf dem Spielfeld, um sein Ziel zu erreichen. Robson musste erfahren, dass selbst sein Alter und alle internationalen Erfolge nicht vor der Entlassung schützen. Aber ihm fehlte zuletzt auch die Unterstützung durch den Vorstand. Shepherd stellte sich nie auf die Seite des Managers, wenn es darum ging, das mittlerweile „player power“ genannte Phänomen (Aufmucken der unzufriedenen Spieler) zu unterdrücken.“

Der Saisonstart in Portugal NZZ

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