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Bundesliga

Als Anführer werden dort Typen verlangt, die dem ganzen Land die Faust zeigen

Oliver Fritsch | Samstag, 30. Oktober 2004 Kommentare deaktiviert für Als Anführer werden dort Typen verlangt, die dem ganzen Land die Faust zeigen

Klare Kritik an der Vereinsführung des 1. FC Kaiserslautern: „was die sportlichen Komponenten beim Zusammenbau einer Mannschaft betrifft, fehlt René Jäggi wohl die Kompetenz (…) wie will man mit überschaubarem Fachwissen den Retter finden?“ (SZ) – Bielefeld und Mainz heben Gesetze aus den Angeln: „Goliath gegen David, diese Größenverhältnisse gelten nicht mehr“ (FAZ) – „neue Zeitrechnung in Hamburg (FAZ)

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Als Anführer werden dort Typen verlangt, die dem ganzen Land die Faust zeigen

Hört, hört! Sehr lesenswert! Martin Hägele (SZ 30.10.) teilt mit, warum das in Kaiserslautern so nicht klappen konnte – und so nicht klappen wird: „Mit dem Österreicher Jara und dem FCK ist es wie in einer Beziehung, die sich totgelaufen hat; jeder wartet, dass der Scheidungsrichter endlich das offizielle Aus spricht. Man hat sich nichts mehr zu sagen, aber man kann diese lähmende Stimmung auch nicht wegprogrammieren. Weil in den Büros des Fritz-Walter-Stadions ausschließlich Leute sitzen, die von dieser Situation überfordert zu sein scheinen. Und die schon deshalb keinen Ausweg wissen, weil sie die Notlage selbst zu verantworten haben. Denn Jara hat nie an diesen Arbeitsplatz gepasst, der liebe Kurti oder der nette Onkel Kurt konnte mit diesem Klub und seinem Menschenschlag nicht lange klarkommen. Als Anführer werden dort Typen verlangt, die dem ganzen Land die Faust zeigen; und dazu eine Elf, die mehr rennt und kämpft oder einfach listiger ist als die etablierten Teams. So steht das in der mit großen Emotionen geschriebenen Klub-Chronik der Fritz-Walter-Erben. Es war Jaras Schicksal, dass der Schweizer Quereinsteiger Jäggi als wirtschaftlicher Sanierer zum Traditionsklub geholt worden war. Verstünde der mehr darüber, wie gerade in einem solchen Gebiet die Chemie stimmen muss zwischen allen Parteien, hätte er wohl nie den alten Bekannten aus Zürich (wo Jara einst im Grasshopper-Klub gespielt und trainiert hat) verpflichtet. Auch was die sportlichen Komponenten beim Zusammenbau einer Mannschaft betrifft, fehlt Jäggi wohl die Kompetenz: Beim FCK hat sich nun schon über zwei, drei Transferperioden hinweg der langsamste Kader der Klasse angesammelt. Jäggi indes hat nie Zweifel daran gelassen, dass er beim großen Personalumbruch im Sommer, als ein großer Teil der Fremdenlegionäre durch einheimische Profis ersetzt worden sind, immer das letzte Wort gehabt hat. Er brauchte auch keinen Widerspruch zu befürchten, denn der zum Manager beförderte Olaf Marschall ist Jäggi mit jedem Atemzug für den Job dankbar. Dass der getreue Buchhalter Erwin Göbel die Fußball-Zentrale im FCK-Kapitol komplettiert, sagt viel über deren Qualität. Wie will man mit diesem überschaubaren Fachwissen den nächsten Retter finden oder gar einen, der wieder sportliche Perspektive gibt?“

Goliath gegen David, diese Größenverhältnisse gelten nicht mehr

Peter Penders (FAZ 30.10.) freut sich über frischen Wind aus Mainz und Bielefeld: „FSV Mainz und Arminia Bielefeld lehnen die normalerweise von Neulingen gewohnte devote Attitüde schon aus Prinzip ab. Als Jürgen Klopp, inzwischen zur Kultfigur aufgestiegen, vor dreieinhalb Jahren über Nacht vom Spieler zum Trainer wurde, trat er seine neue Aufgabe mit einer Devise an: Man kann jedes Spiel gewinnen. „Und bislang hat mir noch keiner bewiesen, daß das nicht stimmt.“ Aus Bielefeld sind ähnliche Töne zu hören, auch wenn die Arminia nach einem holprigen Start länger brauchte, um Fuß zu fassen. Erst nach der Niederlage bei Bayern München war sich Uwe Rapolder sicher, wohin der Weg führen würde. „Nach dem Spiel hat Franz Beckenbauer gesagt, man habe nicht erkennen können, wer die Heimmannschaft gewesen ist.“ Immerhin hatte da gerade der Rekordmeister gegen den Rekordabsteiger gespielt, Goliath gegen David. Aber diese Größenverhältnisse gelten nicht mehr. (…) Ihr ausgeprägtes taktisches Wissen ist die größte Stärke der beiden Aufsteiger. Im Auftreten, ihrem Arbeitsstil und ihren Umgangsformen mögen Klopp und Rapolder zwar völlig unterschiedlich daherkommen, dafür ähneln sie sich in ihrem Fußball-Verständnis. Nichts erinnert an Aufsteiger alter Machart, die sich am Strafraum verbarrikadierten und darauf hofften, daß die neunzig Minuten möglichst schnell vorübergingen. Mit viel Einsatz und noch mehr System stellen Mainzer wie Bielefelder Räume zu, greifen den ballführenden Gegner zu zweit, zu dritt an. Sie wollen das Geschehen auch dann bestimmen, wenn sie nicht im Ballbesitz sind, lassen manche Anspiele zu, um danach die Falle zuschnappen zu lassen.“

Neue Zeitrechnung

In Hamburg soll nun alles anders sein – Frank Heike (FAZ 30.10.): „Beim HSV hat eine neue Zeitrechnung begonnen – die Ära Thomas Doll. Zwei gute Spiele genügten, um die ganze Stadt vom „neuen HSV“ schwärmen zu lassen. Als habe man auf einen wie Doll – bescheiden, sympathisch – nur gewartet: einer von uns. Van Buyten und seine Kollegen sehen das nüchterner. Gerade der Belgier ist der Prototyp des intelligenten Fußballprofis. Er hat für Standard Lüttich gespielt, für Olympique Marseille und in der Premier League. Van Buyten gehört zum Stammpersonal der belgischen Nationalelf. Klaus Toppmöller hatte ihn zum Kapitän gemacht, obwohl andere ältere Rechte besaßen. Was er von einem Fußballehrer erwartet, ist dies: Er soll ein System mitbringen, in dem jeder weiß, was er zu tun hat. Van Buyten möchte klugen Fußball spielen und nicht jede Woche einen anderen Nebenmann in einer anderen Ordnung haben, nicht dem Gegner ständig hinterherrennen. Ganz nüchtern sagt der athletische 196-Zentimeter-Mann: „Es lösen sich viele Probleme, wenn man weiß, was man tun muß. Dann sind auch die Wege nicht so lang.“ Natürlich ist das im Kern als Kritik an Toppmöller zu verstehen (…) Doll ist zuzutrauen, daß er den HSV zum ersten Mal seit Frank Pagelsdorf in der Serie 1999/2000 mit ansehnlichem Fußball nach oben führt.“

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