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Ball und Buchstabe

Theo Zwanzigers Lotto-Vergangenheit

Oliver Fritsch | Freitag, 18. Februar 2005 Kommentare deaktiviert für Theo Zwanzigers Lotto-Vergangenheit

Erik Eggers (FTD 18.2.) beschreibt die Lotto-Vergangenheit Theo Zwanzigers: „Der Mann kennt sich aus in der Glücksspielszene – war Zwanziger als Verwaltungsratschef der Sport Toto GmbH Rheinland-Pfalz (kurz Lotto Rheinland-Pfalz) und als DFB-Schatzmeister (2001-2004) doch entscheidend an Aufbau und Verankerung des staatlichen Wettanbieters Oddset beteiligt. Zwanziger gehörte dem Lotto-Verwaltungsrat als Vertreter des Sportbundes Rheinland zwischen 1996 und September 2003 an, seit 1997 als Vorsitzender – nach Aussagen des Geschäftsführers von Lotto Rheinland-Pfalz, Hans-Peter Schössler, erhielt er dafür jährlich eine Aufwandsentschädigung in Höhe von knapp 5000 Euro. Am Ende der 90er Jahre forcierten Zwanziger und Schössler – „er gehört zu meinen besten Freunden“ (Zwanziger) – die Institutionalisierung der staatlichen Fußballwette Oddset, als sich andeutete, dass das traditionelle Fußball-Toto unattraktiv wurde. Bald blühte die neue Wette in Rheinland-Pfalz – da der Gewinn auch dem Sport zugute kam, auch zum Wohle des Fußballs. Dieser wirtschaftliche Erfolg hat Zwanzigers Einstieg in den DFB-Vorstand, in den er im April 2001 als Schatzmeister gewählt wurde, sicher nicht behindert. (…) Zwanziger, eine Art brutalstmöglicher Aufklärer des Skandals, dementiert jede Interessenkollision.“

Ich habe mich daran gewöhnt, für alles der Prügelknabe zu sein

Gerhard Mayer-Vorfelder mit Torsten Rumpf (Welt 17.2.)
Welt: Während sich Ihr Präsidiumskollege Theo Zwanziger in der Affäre Hoyzer als Krisenmanager profiliert, werden Ihnen die Fehler zugerechnet. Haben Sie im DFB den Rückhalt verloren?
MV: Sie müssen unterscheiden zwischen dem, was kolportiert wird, und dem, was wirklich ist. Wir haben es vielleicht zu Anfang versäumt, nach außen klar zu stellen, daß Theo Zwanziger das Krisenmanagement in dieser Sache übernommen hat, weil das in seinen auf dem DFB-Bundestag beschlossenen Zuständigkeitsbereich fällt. Das hat nichts mit Isolation oder Entmachtung zu tun. Er ist der zuständige Mann. Und ich füge an: Er macht seine Sache wirklich gut. Daß im Umfeld des DFB der eine oder andere jetzt seine Zeit gekommen sieht, überrascht mich nicht. Es ist eine Kampagne gegen mich im Gang.
Welt: Sie zählen nicht zur neuen Eingreifgruppe des DFB, Franz Beckenbauer äußert sich ironisch über Sie, DSB-Präsident Manfred von Richthofen forderte Ihren Rücktritt, Karl-Heinz Rummenigge kritisiert Sie. Wenn das keine Isolation ist.
MV: Ich habe gerade in den vergangenen Wochen etliche Termine für UEFA und FIFA wahrnehmen müssen, damit verträgt sich nun mal eine „schnelle Eingreiftruppe“ nicht. Mit Franz Beckenbauer habe ich telefoniert, er hat sich über die Doppelspitze als Institution geäußert, nicht über mich als Person. Und Herr von Richthofen hat auch gesagt, daß erst mal geklärt werden müsse, wer was wann wußte. Für diesen Interviewteil hat sich niemand interessiert. (…)
Welt: Joschka Fischer wird mit Rücktrittsforderungen konfrontiert, weil Mitarbeiter seines Ministeriums Fehler gemacht haben, für die er die Verantwortung trägt. Kann es Sie deshalb verwundern, daß angesichts der Vorgänge beim DFB im August 2004 ähnliche Forderungen laut werden?
MV: Mich verwundert gar nichts mehr – außer vielleicht, daß man mich noch nicht für den Wintereinbruch und die Folgen für den Spielbetrieb verantwortlich gemacht hat. Der entscheidende Unterschied zu dem von Ihnen genannten Beispiel ist, daß Herr Minister Fischer den umstrittenen Erlaß abgezeichnet hat, wohingegen ich vom ganzen Vorgang überhaupt keine Kenntnis hatte.
Welt: Laut Spiegel Online sollen Sie während einer DFB-Sitzung gesagt haben: „Wenn ihr mich loswerden wollt, müßt ihr mich schon erschießen!“ Stimmt das?
MV: Früher war es einmal gute journalistische Tugend, derart heikle Aussagen bei dem anzufragen, der sie gemacht haben soll. Diese Äußerung ist frei erfunden. Überhaupt habe ich selten so viele falsche oder verfälschte Zitate gelesen, wie in den vergangenen Wochen. (…)
Welt: Wie ist es, seit dem EM-Aus der Nationalelf ständig als Prügelknabe dazustehen?
MV: Ich habe mich daran gewöhnt, für alles der Prügelknabe zu sein. Das läßt mich nicht kalt, aber es relativiert sich mit der Zeit.

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