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Interview

Weggeworfen wie Servietten

Oliver Fritsch | Mittwoch, 23. Februar 2005 Kommentare deaktiviert für Weggeworfen wie Servietten

Valérien Ismaël im Interview mit Jörg Marwedel (SZ 23.2.)
SZ: Warum ist Bundesliga-Star Giovane Elber in Lyon gescheitert?
VI: Ich weiß genau, es lag nicht nur an seinen Verletzungen. Als Giovane nach Lyon kam, hatte er längst gezeigt, dass er ein großer Stürmer ist. Aber was du schon geleistet hast, interessiert in Frankreich niemanden. Es interessiert nur: Wie viele Tore schießt er jetzt? Das ist die französische Mentalität.
SZ: Ihm fehlte die Anerkennung?
VI: Genau. Ein Stürmer braucht diese Hilfe, er hat sie in Frankreich nicht bekommen. Stattdessen gab es sofort Kritik, wenn er kein Tor geschossen hat. Das tat ihm sehr weh.
SZ: Vielleicht hat er nach neun Jahren Bundesliga zu deutsch gedacht?
VI: Ja. Wenn ich jetzt nach Frankreich zurückkehren würde, könnte mir das auch passieren, dass mein Herz in Deutschland bleibt. Ich möchte nicht wieder in Frankreich spielen. Auch Bixente Lizarazu hatte in Marseille die gleichen Probleme wie Giovane. Dass er Weltmeister war und Champions-League-Sieger mit Bayern, zählte nichts. Viele französische Weltmeister haben sich beklagt, dass sie erst groß gefeiert wurden und nach Niederlagen einfach weggeworfen werden wie Servietten.
SZ: Warum sind die Leistungen von Johan Micoud und Ihnen in Frankreich nie richtig anerkannt worden?
VI: Johan und ich haben einen starken Charakter, aber in Frankreich ist es besser, du sagst nichts, sonst giltst du als schwieriger Spieler, egal, was du auf dem Platz leistest. Aber das ist nicht die Wahrheit über uns beide.
SZ: Ist Johan Micoud etwa kein schwieriger Spieler?
VI: Nein, wir reden viel über das Team und wie man es noch besser machen kann. Er macht sich viele Gedanken. Obwohl er aus Südfrankreich kommt und ich aus Straßburg im Norden, haben wir die gleiche Einstellung. Es geht um Respekt, Professionalität und Seriosität.
SZ: Wie sind die Südfranzosen sonst?
VI: Oberflächlicher. Sonne, Meer, alles ist schön. In Straßburg gibt es eine Grenze zu Deutschland. Dort ist man ernsthafter.

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