indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Confed-Cup

Raffinement

Oliver Fritsch | Donnerstag, 30. Juni 2005 Kommentare deaktiviert für Raffinement

Felix Reidhaar (NZZ 30.6.) singt über den 4:1-Sieg Brasiliens gegen Argentinien: „Die offenkundige individuelle Überlegenheit gab den Ausschlag in einem munteren, technisch formidablen und farbigen Vergleich, den Gelb-blau gegen Bianco-Celeste für sich entschied. Erst als den Argentinier Mitte der zweiten Halbzeit die Deklassierung drohte, besannen sie sich eines besseren und gingen entschlossener und häufiger in die Offensive. Aber der spielerische Zauber stammte von brasilianischen Füssen. Mit direkten Ballstafetten, technischem Raffinement und überraschenden Einfällen brachten sie das typisch tänzerische Element ins Spiel. Die Gauchos gingen rustikaler, oft unhöflicher vor und traten präziser in die Beine als auf den Ball. Ihnen drückten gegnerische Suprematie und fehlende eigene Einzelkönner aufs Gemüt.“

Absolut tauglich

Gregor Derichs (FTD 30.6.) bejubelt die deutsche Elf: „Mit teilweise fantastischem Offensivfußball und der in vielen anderen Ländern gefürchteten Kampfkraft hat die deutsche Nationalmannschaft einen 4:3-Sieg gegen Mexiko errungen. Die Mannschaft von Jürgen Klinsmann erwies sich als absolut tauglich für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr.“

Spielbericht Deutschland-Mexiko (4:3 n.V.), zeit.de

morgen im freistoss: mehr über das große und das kleine Finale

Lust auf mehr

Roland Zorn (FAZ/Seite 1 29.6.) würdigt den Gastgeber und mahnt zugleich mit Blick auf die WM: „Deutschland, Land des Lächelns. Was heute noch nach Operette klingt, kann morgen schon zarte Wirklichkeit sein. Die Vorboten der Fußball-Weltmeisterschaft haben die Spur zu guter Laune und einem Wohlfühlsommer 2006 gelegt. Unverkennbar hat der Konföderationen-Pokal allen, die an ihm teilhatten, Lust auf mehr gemacht. Die überschaubare Generalprobe vor dem globalen Fest zeigte zudem, daß die Deutschen dem Motto gewachsen scheinen, mit dem sie 31 Mannschaften und Millionen Besuchern die Tore öffnen wollen: Die leitmotivische Behauptung, daß „die Welt zu Gast bei Freunden“ sei, bestand in diesem Juni ihre erste Probe aufs Exempel mit Auszeichnung. In den fünf Städten, in denen diese Erdteilmeisterschaft ausgetragen wurde, widerlegten die Deutschen zum wiederholten Male so manches Vorurteil, das ihnen aus vergangenen Zeiten anhängt. (…) Ob Deutschland auch bei der Weltmeisterschaft von größeren Turbulenzen verschont bleibt und somit Hooligans und andere Unruhestifter keine Chance zu Radau und Randale haben, bleibt eine der spannenden Fragen. Nur wenn es gelingt, das gerade bei Weltmeisterschaften im Grunde überaus friedliche, feierfreudige Publikum in seiner Lust an Schminke, Verkleidung und Selbstdarstellung vor Störenfrieden nachhaltig zu schützen, kann die WM 2006 ein großer Erfolg für Deutschland und die Welt des Sports werden.“

Neuer Wind

Uwe Marx (FAZ 30.6.): „Im Fußball-Land der Nörgler und Neider wehte ein neuer Wind durch die Stadien. Schöne Aussichten für die WM also. Der Confederations Cup wurde durch die Fans tatsächlich zur kleinen WM, auch wenn nur acht Mannschaften dabei waren. Ob Zehntausende Griechen oder kleine, stimmungsvolle Gruppen aus Japan und Australien, ob südamerikanischer Schwung oder Fankultur made in Germany – an der Gute-Laune-Offensive beteiligten sich fast alle. Multikulti war mehrheitsfähig, und wieder einmal bestätigte sich, daß Länderspiele meist ein anderes Publikum anziehen als nationale Ligen mit ihrem chronischen Aggressionspotential.“

Die goldene Ananas des Weltfussballs

Stefan Osterhaus (NZZ 30.6.) drückt auf die Schweizer Bremse: „Glaubt man den zeitgenössischen Chronisten aus Deutschland, dann ist soeben ein unglaubliches Fest zu Ende gegangen, das da über ihr Land gekommen war, ein Spektakel, wie es die Welt nur selten erlebt. (…) Der Rausch ist zu Ende. Der Kater schleicht durchs Land. Bang drücken die Fragen: Kann eine ganz profane Weltmeisterschaft im nächsten Jahr so einen Vergleich aushalten? Liegt die Messlatte nicht doch viel zu hoch, so dass die Organisatoren am Ende nur drunter her kriechen können, um sie nicht zu reissen? Vermaledeit, alle Last den Deutschen – allein gelassen mit dem Druck der Erwartung. Und über allem thront die Fifa mit ihrem Konföderationen-Cup, erhaben wie die goldene Ananas des Weltfussballs.“

Ehre

Steffen Hudemann (Tsp 30.6.) traut seinen Augen kaum: „Für die Fifa ist eine Meldung von besonderer Bedeutung, die aus Australien eintraf. Trainer Frank Farina hat seinen Rücktritt erklärt – als Grund wird das unbefriedigende Abschneiden seiner Elf beim Confed-Cup angeführt. Eine größere Ehre kann man dem Turnier nicht erweisen. Es wird nicht nur in Deutschland ernst genommen.“

Bedeutsames Turnier

Wiebke Hollersen (BLZ 30.6.) ergänzt: „Eine schlechte Nachricht für Farina; eine beruhigende für den Confederations Cup: Kein bedeutsames Turnier endet ohne Trainerentlassung, oder? Dieses Turnier war – was zu beweisen war – ein sehr bedeutsames. Zumindest in Australien.“

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