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Ball und Buchstabe

Politischer Champion?

Oliver Fritsch | Dienstag, 27. September 2005 Kommentare deaktiviert für Politischer Champion?

Lane Hartill betrachtet in der Washington Post (25.9.) ein außergewöhnliches Engagement außerhalb des Strafraums: „George Weah, ein Millionär, der sich vom Sport zurückgezogen hat, ist für viele arme, junge Liberianer zu einem politischen Champion geworden. In einem Feld von 22 Präsidentschaftskandidaten tritt er gegen viele professionelle Widersacher an. Weah, der keinen Schulabschluss besitzt, gilt als einer der Favoriten. (…) ‚Wissen Sie, neben wie vielen Präsidenten ich schon gesessen habe?’, fragt der immer noch athletisch wirkende Weah bei einem Gespräch in seinem Haus. Er scherzt ein wenig und spricht im informellen liberianischen Englisch, doch wenn er über politische Themen redet, wird er ernst und lässt kein gutes Haar an seinen Gegnern: ‚Ein gebildeter Mensch ist, wer den Menschen Erziehung und Ausbildung ermöglichen will. Und haben Sie gesehen, wie viele Schulen die Doktoren gebaut haben?’ (…) Dennoch, nicht alle in Liberia glauben, dass Weahs Sorge um das Leiden seines Landes genügt, um ihn einen guten Präsidenten werden zu lassen.“

Sie werden ihn vernichten

Thilo Thielke (Spiegel 26.9.) schreibt: „Wenn Weah erklären soll, wie er Ordnung ins Chaos bringen will, dann hat er nur Allgemeinplätze zu bieten. Er sagt, das ethnisch gespaltene Land müsse geeint werden, Schulen müssten gebaut werden und Krankenhäuser, die Korruption wolle er bekämpfen und die Kindersoldaten in die Gesellschaft integrieren. Und manchmal sagt er auch, Politik sei wie Fußball. Jeder stelle ein Team auf, und am Ende gewinne der Bessere. (…) Es gibt Menschen, die halten es für ‚schwachsinnig’, dass ausgerechnet Weah Liberia aus den Abgründen von Gewalt und Korruption führen soll: Menschen wie George Wesley Miller. Der Automechaniker kennt die weite Welt, seit er vor 20 Jahren bei Mercedes in Stuttgart gearbeitet hat. In seiner Lieblingskaschemme in Downtown Monrovia genießt Miller unter seinen Zuhörern großen Respekt. ‚Dieses Land braucht einen starken Mann, der in jeder Hand eine Peitsche hält’, sagt Miller und schwingt die rechte Faust durch die Luft. ‚Was sollen wir mit George Weah?’ Der sei ein braver, frommer Bürger, der dem liberianischen Fußballverband die Schulden bei der Fifa bezahlt und Schulen errichtet habe. Einer, der gut sei in einer schlechten Welt. Aber keiner, der mit den ‚vielen Hyänen fertig wird, die nur darauf lauern, die Macht in diesem Land an sich zu reißen’. Schwer lässt sich Miller auf seinen Stuhl sinken. ‚Sie werden ihn vernichten.’“

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