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Champions League

Alternative mit Herz

Oliver Fritsch | Donnerstag, 29. September 2005 Kommentare deaktiviert für Alternative mit Herz

Christof Kneer (SZ 29.9.) kommentiert mit Weitblick das Hin und Her um Willy Sagnol: „Die Personalie Sagnol könnte eine stilbildende werden in dieser WM-Saison, in der der Markt überhitzt ist wie selten zuvor. Längst überholt ist der Trend, wonach die Profis ein Weltchampionat zum Schaulauf in eigener Sache nutzen; der neue Trend besagt, dass sie schon im Herbst provokativ Stellengesuche schalten, so wie Sagnol, der kündigt, ohne einen neuen Klub zur Hand zu haben. Die Spieler stellen sich frech auf den Markt, weil sie wissen, dass die großen Klubs gerade in einem WM-Jahr gern so früh wie möglich tätig werden. (…) Natürlich hat auch Hoeneß seinen FC Bayern längst auf dem Markt positioniert. Er weiß, dass sie in München nicht die Gehälter zahlen wie bei Chelsea oder Barcelona, weshalb er den Klub listig als Alternative mit Herz inszeniert. Er glaubt einerseits wirklich daran, dass es sich lohnt, für Sagnol zu kämpfen; andererseits weiß er auch, dass so ein großzügiges Angebot gut ankommt in der Branche, nach dem Motto: Hey, da ist ein Klub, der zahlt ganz gut, aber vor allem hat er Seele und ist nicht nachtragend. So, ungefähr, soll Sagnol die Geschichte erzählen, wenn er geht. Und wenn er nicht geht, auch.“

Vorm Umbruch?

1:0 gegen Brügge – verkrampfen die Bayern, Elisabeth Schlammerl (FTD 29.9.)? „Es könnte sein, dass die Spieler den Druck der letzten Chance spüren, mit Bayern in dieser Saison die Champions League gewinnen zu können. Der Klub steht vielleicht wieder einmal vor einem Umbruch, und damit gleicht die Situation ein wenig der von vor vier Jahren. Damals haben sich die Münchner auch reif gefühlt für die europäische Krone, dem Triumph in der Champions League fast alles untergeordnet, mehr denn je zuvor auf Ergebnis- statt Erlebnisfußball gesetzt und sind dafür am Ende belohnt worden. 2001 aber waren die Bayern, anders als jetzt, auf dem Zenit ihrer Leistungsfähigkeit angekommen, die Schlüsselpositionen mit Spielern kurz vor dem Verfallsdatum besetzt, wie Stefan Effenberg, Patrick Andersson oder Paulo Sergio. Jetzt sind die Leistungsträger, abgesehen von Oliver Kahn, noch alle im besten Fußballalter. Dass die Mannschaft dennoch vor einem Neuaufbau steht, liegt vor allem an vielen zum Saisonende auslaufenden Verträgen. Zu den zwölf Spielern, die im nächsten Sommer ablösefrei den Verein verlassen können, zählen aber nicht nur Profis, die ihre Karriere wohl beenden werden, wie Bernd Dreher oder Bixente Lizarazu, sondern auch Michael Ballack. Es ist derzeit vieles ungeklärt beim FC Bayern, und das könnte leistungshemmend wirken.“

Bildstrecke Bayern-Brügge (1:0), faz.net

Null Punkte

1:2 in Athen – Sven Bremer (BLZ 29.9.) gibt Werder schlechte Noten: „Die Bremer gingen mit der Cleverness einer Schülermannschaft zu Werke. (…) Werder ist meilenweit entfernt vom ergebnisorientierten Rasenschach eines FC Bayern. Das mag den Bremern Sympathiepunkte einbringen, in der Tabelle aber stehen null Punkte.“

Verschlechtert

Kai Niels Bogena (Welt 29.9.) lenkt den Blick auf die Vereinsführung: „Auch Klaus Allofs und Thomas Schaaf rücken stärker ins Zentrum der Kritik, weil die Einkaufspolitik mehr und mehr Fragen aufwirft. Die Zugänge Owomoyela, Naldo sowie Linksverteidiger Van Damme verfügen offensichtlich nicht über ausreichende Champions-League-Qualität. Sieht fast so aus, als hätten sich die Bremer im Gegensatz zur Vorsaison verschlechtert, als sie mit begeisterten Gruppenspielen ins Achtelfinale des Wettbewerbs einzogen.“

Wende oder Ende

Nach dem 2:1 gegen Benfica empfiehlt Christian Eichler (FAZ 29.9.) Manchester United Reform und Neuerung: „Trotz des Sieges wurde abermals die wachsende Verunsicherung Alex Fergusons und seiner Mannschaft deutlich. Diese hatte in den 90er Jahren mit ihrem klassisch-englischen 4-4-2-System die Insel beherrscht und am Ende auch Europa erobert. Nun kommt sie mit dem schnellen Paßspiel und dem geschickten Manövrieren gut geschulter Teams aus Italien, Spanien, Portugal, zunehmend auch aus der eigenen Liga, oft nicht mehr zurecht. Ferguson, der mit 60 Jahren aufhören wollte, hat mit fast 64 offenbar immer noch kein funktionierendes Konzept für die Zeit nach sich selbst entwickelt. Er sieht nun, wie sich in seiner 20. Saison bei United der Bonus von acht Meistertiteln, fünf Pokalsiegen und zwei Europapokal-Erfolgen allmählich aufgezehrt hat. (…) Den neuen Klubbesitzer Malcolm Glazer interessieren alten Geschichten nicht; nur neue Erfolge. Bei den Fans ist das erfahrungsgemäß auch irgendwann so. Für Ferguson heißt das in dieser Saison: Egal ob Legende – Wende oder Ende.“

NZZ-Bericht Liverpool-Chelsea (0:0)

Sprungbrett

Daniel German (SZ 29.9.) befasst sich mit dem siegreichen FC Thun: „Die Namen der Thuner Spieler sind außerhalb der Schweiz kaum bekannt. (…) Für die meisten ist der FC Thun ein Sprungbrett. Wem sich die Gelegenheit bietet, der zieht weiter. Nach der letzten Saison, welche die Thuner auf Platz zwei beendeten, wechselten sechs Spieler zu den finanzstärkeren Ligakonkurrenten nach Basel, Bern, St. Gallen und Zürich. Die Fachleute prognostizierten dem Team den Einbruch. Thuns Klubpräsident Kurt Weder konterte: ‚Niemand zerfällt so schön wie wir.’ Weder hat gelernt, mit Skepsis umzugehen. Denn schon der Aufstieg Thuns in die Super League vor dreieinhalb Jahren galt in der Schweiz als kleines Wunder, dessen Ende nur eine Frage der Zeit sei. Doch der FC Thun widersetzt sich der Prognose beharrlich. (…) Warum Thun siegt und siegt, kann niemand genau erklären.“

NZZ: Der FC Thun gewinnt jetzt auch, wenn’s ernst wird, aber die Leichtigkeit ist verflogen
BLZ: Der erstaunliche FC Thun glaubt ans Weiterkommen

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