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Bundesliga

Geflecht an Problemen

Oliver Fritsch | Samstag, 29. Oktober 2005 Kommentare deaktiviert für Geflecht an Problemen

Alle zeigen mit dem Finger auf Giovanni Trapattoni, doch die Mängel des VfB Stuttgart lägen auch bei Vorstand und Mannschaft, merkt Michael Kölmel (BLZ) an: „Der VfB schlittert auf eine tiefe Depression zu. Wegen Trapattoni, sagen manche. Der Italiener sei einer von vielen Gründen für die Depression, sagen andere. (…) Stuttgart leidet, seit der VfB 2003 ein wenig in der Champions League gezaubert hat, am Rausch der eigenen Fantasien. Es gab Anzeichen für eine große Zukunft, aber keine zwingenden Faktoren. (…) Während bei anderen großen Klubs namhafte Manager arbeiten, hat Stuttgart den früheren Scout Herbert Briem als Sportdirektor. Jetzt wird spekuliert, dass ein Routinier Briem ersetzen könnte. Aber auch der müsste sich von Staudt Kompetenzen erstreiten. Er müsste ein Team, das namhaft aber unstimmig zusammengekauft wurde, im zentralen Mittelfeld und auf den Flügeln ergänzen. Er müsste Klüngel bekämpfen. Trapattoni mag beim VfB der falsche Trainer sein. Aber ob es bei dem Geflecht an Problemen einen richtigen gibt, darf bezweifelt werden.“

Viele faule Kompromisse

Zur Lage in Köln heißt es von Christoph Biermann (SZ): „Die Probleme des unumstrittenen Stars Podolski, auf den sich der ganze Klub ausgerichtet hat, strahlen aufs Team ab. Rapolder hat früher angemerkt, ‚er schaltet zwischendurch ab und arbeitet nicht genug nach hinten’, doch wurde das wie eine Majestätsbeleidigung von Prinz Poldi behandelt. Inzwischen tut Rapolder selbst Podolskis öffentliche Kritik, der Trainer habe sich nicht genug um ihn gekümmert, als ‚Missverständnis’ und ‚jugendlichen Leichtsinn’ ab. Auch Management und Vorstand hätscheln den vom Gezerre um ihn frustrierten Nationalspieler, weil sie ihre Position in den anstehenden Vertragsverhandlungen nicht gefährden wollen. So verdichtet sich das Gefühl, dass beim FC in dieser Saison zu viele Kompromisse gemacht wurden, die sich nun als faul erweisen. Sei es bei den Transfers, der Suche nach einem Spielsystem oder beim Umgang mit dem Star.“

Befreit von der Diktatur

Richard Leipold (FAZ) führt Horst Köppels Menschenführung an als Ursache für den Gladbacher Erfolg: „Während seine selbstbewußten Vorgänger oft die falschen Spieler einkauften oder den falschen Ton pflegten (oder beides), hat Köppel die Demokratie wieder eingeführt. Er sieht den Spieler als Mitarbeiter, nicht als Nummer, als bloßen Gehaltsempfänger, der zu funktionieren hat, gleichgültig, wie. Die Profis kommen sich vor wie befreit von einer Diktatur. Nach der Rückkehr in die erste Liga hatten Hans Meyer, Ewald Lienen, Holger Fach und Dick Advocaat versucht, die Mannschaft von der Abstiegszone fernzuhalten. Männer aus verschiedenen Generationen, die jeder auf seine Art letztlich nach der Devise geherrscht haben: Ihr braucht mich nicht zu lieben, Hauptsache, ihr fürchtet mich.“

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