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Internationaler Fußball

Naivität

Oliver Fritsch | Dienstag, 20. Dezember 2005 Kommentare deaktiviert für Naivität

Chelsea siegt auswärts gegen Arsenal – kein Sieg der Sympathie. Christian Eichler (FAZ) hört und sieht Jose Mourinho und fletscht die Zähne: „Mourinho zieht vieles im Trainergewerbe so konsequent durch wie kein anderer – vor allem jene Fußballmoral, die gut und schlecht allein danach definiert, was gut und schlecht für den Erfolg ist. Dem TV-Sender Sky verweigerte er das Interview mit den wütenden Worten ‚Barcelona liebt euch’. Die Bilder des Senders hatten ein vom Schiedsrichter übersehenes Foul Michael Essiens so deutlich als Anschlag auf dessen Gesundheit vorgeführt, daß Essien für die Partien gegen den FC Barcelona gesperrt wurde. Schuld war natürlich nicht der Täter, sondern der Zeuge. Das ist die Perspektive des Erfolgsmenschen Mourinho. Er ist inzwischen ein Werbestar, und sein Team steht noch besser da als letzte Saison. Chelsea hat den Titelkampf zum Langweiler gemacht. Das Rezept: Fehler vermeiden, Fehler erzwingen, Fehler nutzen.“ Raphael Honigstein (SZ) kritisiert Arsène Wenger wegen einseitiger Romantik: „‚There’s only one team in London!’, skandierte der Chelsea-Block lange vor Abpfiff. Das ist nichts als die Wahrheit. Arsenal hat einige Könner und eine Menge interessante Talente aus aller Herren Länder, aber keine funktionierende Mannschaft. Man hat das Gefühl, Wengers Männer kickten dieses Jahr unter einer riesigen Vermisstenanzeige. Ohne den abgewanderten Kapitän Patrick Vieira sind die ohnehin notorisch schöngeistigen Gunners im harten Ligabetrieb nicht mehr konkurrenzfähig. Wenger hat aus unerklärlichen Gründen keinen Ersatz gekauft, die Folgen sind verheerend. Wenger, der unverbesserliche Verfechter des schönen Spiels, schickte Aliaksandr Hleb, Cesc Fabregas, und Mathieu Flamini gegen Chelseas Mittelfeld-Kampftrio Lampard, Makelele und Essien ins Gefecht. Es drängte sich die Frage auf, wo Idealismus aufhört und Naivität anfängt.“ Martin Pütter (NZZ) fügt hinzu: „Arsenal braucht wie fast kein zweites englisches Team Harmonie auf dem Spielfeld: Um gegen das physisch harte Einsteigen der Gegner zu bestehen, ohne dabei selber zu roher Aggression greifen zu müssen. (…) Mit stark patriotisch angehauchter Brille beklagen die englischen Medien, dass Wenger heimischen Talenten kein Vertrauen schenkt.“

NZZ: Aufbruch mit leichten Schwankungen in Vigo

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