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Ball und Buchstabe

Der Ball ist ein Sauhund

Oliver Fritsch | Mittwoch, 30. August 2006 Kommentare deaktiviert für Der Ball ist ein Sauhund

Rudi Gutendorf wird heute 80 Jahre alt; der AZ hat er gestern seinen Jungbrunnen verraten: „Ich laufe jeden Tag in zwei Pullovern zwei Kilometer, denn das wichtigste ist, daß man schwitzt.“ Blicken wir also noch einmal auf Gutendorfs legendäre Klaus-Kinski-Anekdote zurück (SZ vom 29.10.99/zitiert auf gutendorf-rudi.de): „Also, wie war das gleich, mit Kinski im peruanischen Urwald? Werner Herzog hatte ihn mitgenommen zu den Dreharbeiten von Aguirre, der Zorn Gottes, seinem Erstling, und so erlebte der Fußballtrainer die Anfälle des Hauptdarstellers, der später Herzogs liebster Feind wurde. Als der Genius mit dem wirren Blick den Rauswurf des Toningenieurs forderte, weil dieser während eines Sets zu lächeln gewagt hatte, stand eine Tragödie bevor: ‚Mit euch Jungfilmern hab ich keine Lust‘, soll Kinski gebrüllt und sein umfangreiches Gepäck samt vietnamesischer Gattin gepackt haben; ‚du kannst mit deinem Ausputzer Kopfbälle trainieren, klingt bestimmt ganz schön hohl‘ (gemeint war Gutendorf). Woraufhin Herzog das Gewehr vom Floß holte und entschlossen bekannt gab, er werde zuerst Kinski eine Kugel in den Kopf jagen und dann sich selbst, falls das teure Projekt sterben sollte. ‚Der wollte Kinski erschießen‘, berichtet Gutendorf, ‚der war verzweifelt‘. Notfalls ist den Stars halt nur noch mit Drohungen beizukommen, das weiß Gutendorf ja auch. Er hatte es beispielsweise 1963 beim Meidericher SV mit Helmut Rahn zu tun, dem WM-Helden von 1954, der sich am liebsten an der Theke aufhielt. Der Trainer versuchte ihn mit morgendlichen Ausflügen auf Dinslakens Trabrennbahn zu domestizieren, doch als er ihn in der Nacht vor dem Spiel trotzdem in bierseliger Runde ertappte, kündigte er dem Torschützen von Bern den Rauswurf an. Bis Rahn versprach, das Siegtor gegen den 1. FC Köln zu schießen, was er dann auch tat, worauf der MSV Meisterschaftszweiter wurde. Kinski, Rahn – ‚Duplizitäten sind das‘ findet Gutendorf, und überhaupt habe er auf der Trainerbank so manches gemein mit dem Mann im Regiestuhl, zumal mit Herzog, ‚der war genauso fanatisch wie ich‘. Also, der Ball ist ein Sauhund, wie er manchmal ins Netz springt und manchmal die Linie entlangrollt, und die Kamera auch, weil die Szene sitzt oder nicht.“

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