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Bundesliga

Ein Sieg, der das Immunsystem stärken dürfte

Oliver Fritsch | Montag, 19. März 2007 Kommentare deaktiviert für Ein Sieg, der das Immunsystem stärken dürfte

Pressestimmen zum 26. Spieltag: Schalke schöpft aus dem Sieg gegen Stuttgart eine große Kelle Glauben / Bayern ohne Witz und Ideen gegen passive Frankfurter / Arminia Bielefelds freier Fall – ein hausgemachtes Problem (FAZ)

Richard Leipold (Tagesspiegel) erläutert die Bedeutung des Schalker Siegs gegen Stuttgart: „Die Mannschaft hat nicht nur einen ihrer Mitbewerber um den Titel besiegt, sondern auch die Selbstzweifel, die nach vier Wochen des Holperns und Stolperns anfingen, sich in den Köpfen einzunisten. Die Schalker sind weiter Tabellenführer, aber was noch wichtiger ist: Sie fühlen sich auch wieder so. Ein Sieg, der das Immunsystem stärken dürfte. Kein großer Sieg, schon gar kein glanzvoller. Mindestens so viel wie die drei Punkte zählen aber die inneren Werte dieses Erfolges. Im Stuttgart-Spiel haben sich Glaube, Glück und Geduld im königsblauen Trikot zusammengefunden und gegen einen Fußball durchgesetzt, der besser ausschaute als der, den Schalke spielte, ohne (im Ergebnis) besser zu sein. Solche Spiele zu gewinnen zeichnet fast jeden Meister aus, vor allem den, der ein knappes Rennen gewinnt.“

Philipp Selldorf (SZ) fügt an: „Daß die Elf nicht besonders gut gespielt hatte und nach der Pause gegen stürmische Stuttgarter außer dem starken Torwart Neuer einiges Glück benötigte, rundete den therapeutischen Effekt erst ab. Wochenlang hatte man in Schalke mit einem als Fluch empfundenen Pech gehadert, mit den vielen Verletzten und den ungnädigen Punktverlusten gegen Wolfsburg, Leverkusen und Hamburg. Am Samstag aber kamen ganz andere Signale für die Fortsetzung des Titelkampfs: Die monatelang verletzten Pander und Asamoah kehrten ins Spiel zurück, als weitere Verstärkung gesellte sich das Glück dazu, und dann erzielte das einzige Tor zu allem symbolischen Überfluß der versehrte Verteidiger Krstajic, dessen Opferbereitschaft und Mannschaftsgeist in den Wochen der Personalnot so viel gepriesen worden waren.“

Leipold blickt hinter Mirko Slomkas Stirn: „Dieser Trainer ist längst nicht mehr der nette Herr Slomka – falls er es je war; er ist einer, der die große Chance ergreifen will, als junger Trainer etwas zu erreichen, was bei Schalke überhaupt noch niemand bewerkstelligt hat: den Gewinn des Meistertitels in der Bundesliga. Was ihn außerdem von seinen Vorgängern unterscheidet, ist das nicht nur im Flüsterton vorgetragene Bekenntnis zu diesem Ziel. Seine ironischen, manchmal auch amüsanten Anwandlungen, seine zuweilen zickig angehauchte Distanz zu den Medien mögen nicht immer und überall gut ankommen. Aber Slomka weiß, was er will, und er spricht es aus, auch öffentlich.“

Kaum frisches Personal, kaum neue Ideen

Tobias Schächter (BLZ) schildert die Ernüchterung der Bayern nach der Niederlage in Frankfurt: „Nach all den Verklärungen, die nach dem Erfolg über ein kriselndes Real Madrid und der Vertragsverlängerung von Ottmar Hitzfeld von den Münchner Machern zuletzt verbreitet wurden, sind die Bayern wieder in der Realität gelandet. Diese ist grau wie ein verregneter Herbsttag, auch wenn die Bayern zuletzt im Überschwang den Aufbruch in den Frühling ausgerufen hatten.“ Andreas Burkert (SZ) schreibt über die Wasserwerdung von Wein: „Zuletzt war ja der Blick leicht eingetrübt wegen der Champagnerstimmung, die der Aufstieg ins Viertelfinale der Champions League, eine schöne Leistung gegen Bremen und Hitzfelds Vertragsverlängerung verbreitet hatten. Doch an einem grauen Märztag am Main verzog sich der betörende Cuvée-Nebel endgültig und legte den Blick wieder frei auf die Fehlkonstruktion einer Mannschaft.“ Jörg Hanau (FR) ergänzt: „Kurzzeitige spielerische Höhenflüge wie zuletzt gegen Real Madrid oder Werder Bremen verklären den Blick auf die Realitäten. Dem FC Bayern mangelt es in dieser Spielzeit an konstanter Klasse. Der Auftritt von Frankfurt taugt dafür trefflich als ein weiterer Beleg.“

Peter Heß (FAZ) bemängelt die Ideenlosigkeit der Bayern und die Passivität der Frankfurter: „In dieser Spielzeit entwickeln die Bayern Mitleid mit den Kleinen der Liga. Diese Niederlage war so etwas wie ein Offenbarungseid für den Bayern-Jahrgang 2006/2007. Denn sie kam nicht zustande, weil der Außenseiter über sich hinausgewachsen wäre oder der Favorit eine Verkettung unglücklicher Umstände zu beklagen gehabt hätte. Das 0:1 drückte schlicht und einfach mangelnde Klasse aus. (…) Vor allem in der ersten Halbzeit hatte sich die Eintracht in einem Akt freiwilliger Selbstbeschränkung zu einem Nachlaufspiel entschlossen. Die Frankfurter taten noch nicht einmal so, als wollten sie die Münchner mit einem Offensivspiel bedrängen, sie begnügten sich damit, gegnerische Angriffe zu unterbinden. Die Bayern nahmen die Einladung an, die Initiative zu ergreifen, es blieb ihnen auch nichts anderes übrig, der Ball wäre sonst unbeachtet im Anstoßkreis liegen geblieben.“

Rainer Seele (FAZ) wünscht sich auch neue Gesichter auf deutschen Trainerbänken: „Es gibt kaum frisches Personal, kaum neue Ideen. Mithin sind die Klubs gezwungen, im Fall des Falles immer wieder auf Altbekannte zurückzugreifen. Wie Rekordmeister Bayern München, der mit Ottmar Hitzfeld auf der sicheren Seite zu sein glaubt – und nun, kaum daß Liebling Hitzfeld seinen Münchner Aufenthalt verlängerte, alle Titelambitionen eingebüßt zu haben scheint. Endgültig. Das wäre was: wenn in der Trainergilde wie in der Torhüterzunft so ein naßforscher Neuer auftauchen würde oder ein angriffslustiger Adler. Damit jedoch darf vorerst kaum gerechnet werden. Eher damit, daß auch Zuchtmeister Felix Magath bald wieder ins Geschäft zurückkehrt.“

taz: Vor kurzem wurde noch von Visionen gesprochen beim FC Bayern München. Jetzt bleibt Ottmar Hitzfeld Trainer, und Oliver Kahn soll weiter halten

Mischung aus Machtgehabe, Eitelkeit und Ahnungslosigkeit

Peter Penders (FAZ) kommentiert den Fall Arminia Bielefelds: „Wochenlang zog sich die Frage hin, ob der Trainer bleibt oder geht, ob er mehr Macht bekommt, ob sich die Vision des Vereins mit der des Trainers deckt. Es gab ein Gespräch über die Vertragsverlängerung, nach dem von Heesen bekannte, kein Konzept des Vereins für die Zukunft erkannt zu haben. Saftig und Finanzgeschäftsführer Roland Kentsch sahen keinen Gesprächsbedarf, setzten dem Trainer eine Frist, die er prompt verstreichen ließ. Wohl selten ist ein Verein so sehenden Auges in die Krise geschlittert wie die Arminia, die sich in Sicherheit wähnte und demnächst vermutlich in der zweiten Liga wiederauftaucht. Präsident Schwick hätte das Kindergartentheater seiner leitenden Angestellten mit einem Machtwort beenden können, wenn nicht müssen – aber da die Bundesligazugehörigkeit nicht in Gefahr schien, passierte nichts. (…) Die schwer enttäuschten Fans zu mobilisieren wird nicht einfach, denn sie ahnen, daß dieses Desaster einer Mischung aus Machtgehabe, Eitelkeit, Ahnungslosigkeit und der Begleichung von alten Rechnungen geschuldet ist. Geblieben ist nichts.“

taz-Bericht Aachen–Bielefeld

Irgendwas Kreatives

Claudio Catuogno (SZ) befaßt sich mit der erneuten Niederlage von Hertha BSC: „Irgendwann beschlich einen der Verdacht, Herthas Ausbildungstruppe habe vielleicht diese andernorts oft belächelte Hauptstadtmentalität angenommen: Jeder ist ja ständig irgendwie mit einem Projekt beschäftigt in Berlin, hat immer irgendwas Kreatives zu tun, aber wenn dann abgerechnet wird, ist plötzlich doch nicht so viel dabei rübergekommen wie Wind darum gemacht wurde.“

TspaS: Der Anti-Abramowitsch aus dem Kraichgau – Dietmar Hopp will seinen Heimatklub TSG Hoffenheim in die Bundesliga führen, nicht als Zeitvertreib, sondern aus Verbundenheit

taz: Muhammed Demirci gilt als eines der größten Fußballtalente der Türkei. Drei Millionen Euro will der FC Barcelona für den begabten Dribbler von Besiktas Istanbul bezahlen, einen zwölfjährigen Knaben

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