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Bundesliga

Image ruiniert

Oliver Fritsch | Samstag, 18. August 2007 Kommentare deaktiviert für Image ruiniert

Wie soll sich der HSV mit Rafael van der Vaart umgehen? / Über die Bedeutung des Klose-Transfers (SZ)

Doch verkaufen? Frank Heike (FAZ) schildert das Dilemma des HSV: „Längst hat die ‚Affäre van der Vaart‘ die Mannschaft erreicht. Es ist eine brisante Gemengelage für ein Team, das einerseits hofft, dass der fußballerisch unumstrittene Star zurückkommt. andererseits aber auch von dessen Transferpoker genervt ist. Für den HSV bleibt es schwierig, bei der bisherigen starren Linie zu bleiben. Auf der Tribüne verliert van der Vaart schnell an Wert, dem Verkauf will man nicht zustimmen – doch kann es eine Rückkehr auf den Rasen geben, womöglich schon an diesem Sonntag? Die Reaktion der Fans dürfte ähnlich sein wie die der mitgereisten 700 Anhänger in Budapest. Sie riefen: ‚van der Vaart – Hochverrat!‘ Dabei hat er den günstigen Moment für einen Absprung längst verpasst: Hätte er im Juni gesagt, er wolle im Sommer 2008 wohin auch immer wechseln, wäre nach dann drei guten Hamburger Jahren niemand überrascht oder enttäuscht gewesen, und der HSV hätte auch noch kassiert. So aber hat er sein hervorragendes Image als größter Werbeträger des HSV in nur einer Woche ruiniert.“

Jörg Marwedel (SZ) macht auf die Gesetzeslage aufmerksam: „Ein grundsätzliches Problem, dem sich Fifa und Uefa zudem stellen müssten, ist der 31. August, an dem international das Transferfenster schließt. Das bedeutet: Während in der Bundesliga längst wieder gespielt wird, ist in Spanien oder Italien die Saison noch nicht eröffnet. Im Grunde müsste die Wechselzeit aber dann schließen, wenn in einem Land die Punktspiele losgehen. Die mächtigen südeuropäischen Klubs werden jedoch alles tun, um genau das zu verhindern.“

Großes Stück herausgebrochen

Christian Zaschke (SZ) widmet sich dem symbolischen Politikgehalt des Klose-Wechsels nach München: „Keiner der spektakulären Transfers des FC Bayern wurde so skeptisch beäugt wie der von Klose. Der werde nicht klarkommen in München, hieß es, der steht sich mit Toni nur im Weg herum, überhaupt sind dann zu viele Stürmer da, und in einem Jahr kann er ohnehin ablösefrei kommen. Tatsächlich aber ist die Bedeutung von Kloses Wechsel immens: Für den FC Bayern bedeutet Klose, dass das mit all den Kreativspielern besetzte Mittelfeld eine Zuspitzung findet. Für den SV Werder bedeutet das Fehlen Kloses noch viel mehr: eine sportliche Schwächung, eine Demütigung und die Erkenntnis, verwundbar zu sein. Kloses Wechsel hat in Bremen einiges kaputtgemacht. Nachdem das Geheimtreffen Kloses mit den Bayern bekannt geworden war, offenbarte die Mannschaft ihr Mobbing-Potential. Es hatte zwar zuvor schon einmal kleine Eifersüchteleien zwischen Frings und Diego gegeben, aber nun ging es schlimmer zu als in der Vorabendserie ‚Verbotene Liebe‘. Klaus Allofs verkündete, Klose werde bleiben, doch natürlich ging Klose. In den Fanforen des Klubs herrschten Entrüstung und Entsetzen, Gerüchte über Kloses Privatleben wurden gestreut. Am Ende gingen alle beschädigt aus der Sache hervor, Mannschaft, Manager und Fans. Werder war verletzt. Dabei ist wichtig, wie der Wechsel vonstatten gegangen ist: Die heimliche Ansprache, die vielen Dementis – weder der FC Bayern noch Klose haben das besonders gut gelöst. Im Grunde kann man es sich so vorstellen, dass der FC Bayern aus dem funktionierenden Gebilde Werder mit einiger Gewalt ein großes Stück herausgebrochen und dann zu seiner Freude erkannt hat, dass das Stück in München genau passt. Das Loch in Bremen ist ein willkommener Nebeneffekt.“

BLZ: Über die Rivalität zwischen Bayern und Bremen

SZ-Interview mit Gerald Asamoah über sein Unverständnis über die Dortmunder Häme am 12. Mai 2007

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