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Bundesliga

Bild des Elends

Oliver Fritsch | Mittwoch, 27. Februar 2008 Kommentare deaktiviert für Bild des Elends

FAZ segnet die Entlassung des Bielefelder Sportgeschäftsführers Reinhard Saftig / Schalker Trainerdebatte offenbart Führungsschwäche / Hamburger Trainer-Scouting – Fred Rutten, der Neue?

Ungewöhnlich deutlich billigt Roland Zorn (FAZ) die Entlassung Reinhard Saftigs in Bielefeld: „Es ist keine Stimmungsmache, an der Sportgeschäftsführer gescheitert ist. Der 56 Jahre alte Trainer von gestern hatte letztlich eine desaströse Arbeitsbilanz vorzuweisen und geht deshalb eher zu spät als gerade noch rechtzeitig. Immer wenn Führungsqualitäten bei dem Verein gefragt waren, der jahrelang notorisch zwischen der Ersten und Zweiten Bundesliga pendelte, hat sich Saftig lieber verdrückt, als Position zu beziehen. Und wenn er dann vor die Mikrofone trat, gab er ein Bild des Elends ab mit seinen verdrucksten und quälend peinlichen Äußerungen ohne jedes Selbstbewusstsein. Ob er der Urheber für jede sportlich falsche Personalentscheidung seiner unglückseligen Amtszeit war oder nicht, ist am Ende unerheblich: Saftig trug für sein Arbeitsgebiet, dem er nicht gerecht wurde, die Verantwortung und steht damit als ein Hauptschuldiger an der derzeitigen sportlichen Misere des stark abstiegsbedrohten Bundesliga-Klubs da. (…) Dass der von Saftig geholte Trainer Michael Frontzeck vielleicht auch schon bald Vergangenheit ist, rundet den leicht chaotischen Eindruck ab, den die Arminen derzeit auf mehreren Ebenen erwecken.“

Zu einem Topklub gehört auch eine Topführung

Von „Handlungsbedarf“ in der Trainerfrage hat der der Schalker Vorstandsvorsitzende Josef Schnusenberg gesprochen und von dem Wunsch nach einem Trainer von internationalem Rang. Die Financial Times schreibt in den Titel: „Mobbing von ganz oben“, auch wenn Schnusenberg nun sagt, er wolle Ruhe geben.

Philipp Selldorf (SZ) kann die Unzufriedenheit mit Mirko Slomka nachempfinden: „Man kann diese Signale der Distanzierung verstehen, denn der sportliche Zustand gibt Anlass zu Zweifeln. Nur ist der Zeitpunkt, die Zweifel öffentlich zu machen, der denkbar ungeschickteste. Am Samstag kommen die Bayern, dann spielt man das Champions-League-Achtelfinale in Porto. Wie geht eine Mannschaft auf den Platz, die von ihrem Trainer weiß, dass der Vorstand ihn nur noch mit Schonfrist gewähren lässt – und das widerwillig? Die von Slomka verantwortete fußballerische Entwicklung lässt derzeit klare Anzeichen von Stillstand erkennen. Schalke spielt einen einseitig physischen Fußball, der Gegner wird weniger ausgespielt als gewaltsam überwunden. (…) Abwarten und Ruhe bewahren bis Porto, heißt es nun. Slomka darf sich ein letztes Mal als Überlebenskünstler betätigen.“

Arnd Festerling (FR) spöttelt über die externe Kommunikation der Schalker: „Vollends zur Farce gerät die Aufführung, wenn Herr Schnusenberg sagt, er müsse nun auf den inneren Frieden achten und sage daher in der Sache nichts substanzielles mehr. Wohlgemerkt, hier spricht der Brandstifter höchstselbst. Kleiner Tipp: Zu einem Topklub gehört nicht nur eine Topmannschaft mit einem Toptrainer, sondern auch eine Topführung. Und da ist noch Luft nach oben.“

Umfangreiches Scouting

Hat der HSV nun einen neuen Trainer gefunden? Der Holländer Fredericus Jacobus Rutten, derzeit Trainer und Manager bei Twente Enschede, scheint’s zu werden, hat die FAZ gehört. „Sollte es so kommen, darf man auf den hierzulande Namenlosen gespannt sein.“ Hier lesen Sie erste Eindrücke.

Vor drei Tagen hat Frank Heike (FAS) über die außergewöhnliche, weil gezielte Hamburger Trainersuche berichtet: „Die konservative Bundesliga staunt über die modernen Methoden der Manager beim HSV: Ein Assessment Center für einen Bundesliga-Trainer – wann hat es das schon mal gegeben? Zur Einstellung eines Trainers in der Bundesliga gehören traditionell ganz viel Bauch und relativ wenig Kopf. Der HSV in Person von Bernd Hoffmann, Dietmar Beiersdorfer und Katja Kraus macht es anders. Auf der zunächst langen, nun immer kleiner werdenden Liste der Kandidaten sind Fachkompetenz und Flexibilität beurteilt worden, Ansehen und Ausstrahlung, Medienumgang und Motivationskünste. Scouts des HSV haben Trainingseinheiten besucht und Pressekonferenzen – verdeckt. Welcher Gastro-Kritiker würde seine Identität im Restaurant preisgeben? Sogar der Umgang mit den Fans bei Autogrammstunden wurde beurteilt. Herausgekommen sind Berge von Papier auf Hoffmanns Tisch; ein umfangreiches Scouting, das bei Spielern längst normal ist. Doch bei Trainern? Das Verhalten des HSV ist ohne Beispiel in der Liga. Denn hier galt ja bislang das Prinzip Karussell: Wer irgendwann heruntergestiegen (oder herabgefallen) war, stieg an einem anderen Ort wieder auf. Die Qualifikation: vor allem Stallgeruch.“

Im Blickpunkt des HSV stünden drei Kandidaten: Jürgen Klopp, Bruno Labbadia und eben Fred Rutten. Oder gibt’s doch mehr Kandidaten, die der HSV genau beobachtet? Steckt hierhinter Leser-Reporter Dietmar B.?

SZ: Heikler Zeitpunkt – das Bundeskartellamt lässt die Räume des DFB und der DFL durchsuchen; zuvor hatten die Fußballmanager Rummenigge und Peters vorgesprochen

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