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Internationaler Fußball

Entfremdung schlägt wieder durch

Oliver Fritsch | Dienstag, 13. Januar 2009 Kommentare deaktiviert für Entfremdung schlägt wieder durch

Englands Fußballfans entdecken in schlechten Zeiten ihre Abneigung gegen den „durchglobalisierten Unterhaltungswettbewerb Premier League“ (FR) wieder, vor allem gegen Cristiano Ronaldo / Chelsea ohne Biss / David Beckham fällt überall auf, nur nicht auf dem Fußballplatz (FAZ)

Raphael Honigstein (FR) will festgestellt haben, dass die Stimmung in Englands Stadien in Zeiten der Finanzkrise umgeschlagen sei. Die Pfiffe und Gesänge gegen Cristiano Ronaldo (beim 3:0 ManUtds gegen Chelsea) seien härter und giftiger als sonst gewesen: „An der Basis überwiegt das Unbehagen, weil der Popstar dem englischen Fußball so ungeniert den Spiegel vorhält. Aus der Blut-Schweiß-und-Tränen-Liga der ehrlich kämpfenden Kollektive ist eine Cristiano-Ronaldo-Liga geworden; ein vom Eigentümer bis zum Zeugwart durchglobalisierter Unterhaltungswettbewerb, wo fremde, gerissene Trickser mit körperlosem Spiel gegen die wenigen verbliebenen Einheimischen reüssieren dürfen. Der Erfolg ließ die Fans die Entfremdung ertragen, die Rezession bringt den Schmerz zurück.“ Starke Thesen.

Chelsea-Fans sollen „You should have died in the tunnel” gesungen haben. Ronaldo fuhr zuvor seinen neuen Ferrari zu Schrott. Seinen Viertwagen oder so …

Christian Eichler (FAZ) erschrickt über die Zahnlosigkeit Chelseas: „Alle Markenzeichen von Chelsea unter Mourinho – Sicherheit bei Standards, physische Wucht, Zug zum Tor, Stärke im Endspurt – sind unter Luis Felipe Scolari derzeit verschüttet, obwohl das Personal fast identisch geblieben ist.“

Altenheim Mailand

Tom Mustroph (FR) pfeift auf David Beckham, der für Milan beim 2:2 gegen AS Rom 89 Minuten gespielt hat: „Milan wäre das geeignete Altenheim für den 33-Jährigen. Leistung wird nur noch in Maßen gefordert. Hauptsache, die Einschaltquoten stimmen und die Schlagzeilen werden beherrscht. Würde Pelé noch spielen, Berlusconi würde ihn engagieren und Ancelotti ihn aufstellen.“

Eichler (faz.net) spottet: „Das Quartier Beckhams in Rom bei seinem ersten Arbeitseinsatz: dieselbe Suite, in der sonst Leonardo di Caprio absteigt. Und bei jedem Start, jeder Landung am Flughafen: ein Gedrängel von Fans und Fotografen, gegen das jeder Winterschlussverkauf ein Waldspaziergang ist. Der einzige Ort, an dem David Beckham unauffällig bleibt, ist der Fußballplatz.“ Auch Birgit Schönau (SZ) befasst sich mit dem unspektakulären Debüt David Beckhams.

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