indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Ascheplatz

Audi-Gelder für den FCB, die Löwen wollen heim

Frank Baade | Dienstag, 3. November 2009 2 Kommentare

Der FC Bayern verkauft weitere Anteile, diesmal für knapp 200 Mio Euro an Audi, während er sich vom TSV 1860 München als seinem Untermieter lieber heute als morgen trennen würde

Abstrahleffekte

Anja Schramm teilt in der Welt mit, was der FC Bayern mit den von Audi zu erwartenden Millionen anstellen will. Noch sei der Einstieg nicht perfekt, aber nahezu: „Dann regnet es Geld. Audi wird gut neun Prozent an der FC Bayern AG erwerben, dazu kommt ein sehr lukrativer Werbevertrag. Nach Informationen von WELT ONLINE belaufen sich jene Audi-Gelder in der Summe sogar weit über 200 Millionen Euro. Der Betrag, den die Münchner erhalten, ist der größte Deal zwischen einem Klub und einer Firma in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Teile des Geldes sollen in die Finanzierung des Stadions fließen. Aus Bayern-Kreisen heißt es allerdings auch, dass ein Teil der Summe für Spieler ausgeben werden soll. (…) Der Autobauer wird der zweite strategische Partner der Bayern, der Sportartikelhersteller Adidas besitzt bereits zehn Prozent. Einen hohen Gewinn darf Audi vom FC Bayern derzeit allerdings nicht erwarten. Die Intentionen von Audi sind ohnehin andere. Die Firma erhofft sich vor allem Abstrahleffekte. In der Vergangenheit sollen die Ingolstädter den Fahrzeugverkauf im Geschäftsumfeld des Vereins bereits verdoppelt und lukrative Autogeschäfte mit anderen Bayern-Partnern wie Adidas oder der Telekom abgeschlossen haben.“

Nicht allein Scheichs und Russen

Jan Christian Müller (FR) gewinnt dem Vorgehen etwas ab: „Die Furcht vor Scheichs und Russen ist in der strukturkonservativen Fußballbranche derart ausgeprägt, dass die Macher der Klubs am liebsten alles beim alten beließen.“ Doch die neuen Methoden müssten nicht zwangsläufig schlecht sein. „Der Branchenführer ist der beste Beweis dafür, dass Investoren nicht per se böse Menschen aus fremden Ländern sein müssen. Adidas zahlte 2001 für zehn Prozent der Bayern 77 Millionen Euro, Audi plant, für neun Prozent Anteil gar 90 Millionen Euro auszugeben. So können die Bayern ihr 300 Millionen Euro teures Stadion viel seriöser durchfinanzieren als Schalke 04 seine Arena mit teuren Krediten bei den Banken.“

Der Zwist ums Stadion eskaliert

Christian Gödecke (Spiegel Online) glaubt nicht an eine gütliche Einigung im Fall der ausbleibenden Zahlungen für Teile des Caterings von Seiten 1860 Münchens. „Aber geht es wirklich nur darum? Vor drei Tagen hat Hoeneß sehr deutlich gesagt, dass er sich nichts Schöneres vorstellen könne als einen Auszug des Mieters 1860 aus der Arena.“ Eigentlich sind die beiden ungleichen Partner noch bis 2025 aneinander gebunden, der eine als Mieter, der andere als Vermieter der Allianz-Arena. „Die Löwen müssen dafür rund fünf Millionen Euro pro Jahr aufbringen. Der FC Bayern übernahm damals die Anteile des TSV und rettete die Löwen so vor der Insolvenz. 1860-Geschäftsführer Stoffers kontert, der FC Bayern habe sich damals aber ‚in erster Linie selbst geholfen‘ und sich ‚zum Schnäppchenpreis‘ die Anteile der Löwen gesichert.“ 1860 müsse nun die hohen Mieten weiterzahlen, obwohl es klar gewesen sein musste, dass diese Summen für 1860 nicht zu leisten sein würden. Der Gipfel dieser Entwicklung liege nun in der Catering-Pauschale. „Seit Jahren gibt es bei 1860 die Bestrebung, aus der Arena auszuziehen und wieder ins Grünwalder Stadion zurückzukehren. Die Stadt hält diese Pläne für nicht realistisch. Und das ist die andere Ironie der Geschichte: Da hat der Vermieter keine Lust mehr auf den Mieter, der Mieter würde auch gern ausziehen und hätte sogar ein neues (altes) Traumhaus. Kann es sich aber nicht leisten.“

Heim ins Grünwalder

Thomas Hummel (SZ) legt die Situation aus Sicht von 1860 München dar: „Der TSV 1860 erwägt ernsthaft die Rückkehr in seine frühere Heimat, dem Grünwalder Stadion und damit den Auszug aus dem Münchner WM-Stadion. Die im März eingesetzte Projektgruppe Stadion hat wenig überraschend das von den allermeisten Fans ersehnte Ziel formuliert. Dabei muss der Verein allerdings gleich mehrere hohe Hürden nehmen, bevor eine Rückkehr möglich ist.“ Aus diversen Gründen fand die Projektgruppe der 1860er nun, dass die Rückkehr ins Grünwalder Stadion „die einzige Alternative ist“. Andere Stadien seien zu klein, ein Neubau an anderer Stelle kaum denkbar. Die Münchener Politik hingegen halte Profifußball in dem zur Zeit nur noch für 10.000 Zuschauer zugelassenen Stadion für „unmöglich“. Und weil man auch in der Projektgruppe wisse, dass es viele Hemnisse gebe, „war der Auftritt von [Projektgruppenleiter] Waggershauser und Präsident Rainer Beeck vor allem ein politischer.“ Denn: „Viele Fans warteten sehnsüchtig auf ein Zeichen des Klubs, die Allianz-Arena verlassen und ins Grünwalder Stadion zurückkehren zu wollen.“ Weshalb man die Nachricht im Umfeld von 1860 München hauptsächlich „hoffnungsfroh“ aufgenommen habe. Dabei plane Waggershauser Gruppe einen Neubau an alter Stätte. Nach Augsburger Vorbild solle ein Stadion für 35.000 Zuschauer entstehen. Sollten technische und politische Zustimmung vorliegen, gebe es aber immer noch zwei Probleme: Erstens hat der Klub kein Geld für einen Neubau und zweitens einen gültigen Mietvertrag mit dem FC Bayern. Unter diesen Gesichtspunkten ist eine Trennung nicht nur in Uli Hoeneß‘ Interesse: „dass der FC Bayern erpicht darauf ist, sein Stadion weiterhin alle zwei Wochen in Blau leuchten zu lassen, glaubt niemand.“

Kommentare

2 Kommentare zu “Audi-Gelder für den FCB, die Löwen wollen heim”

  1. FußballerHE
    Dienstag, 3. November 2009 um 20:24

    Man scheint beim FC Bayern gar keine Skrupel mehr zu haben sich selbst noch mehr zu verkaufen. Nirgendwo sonst in Deutschland hat sich der Fußball von seinen Ursprüngen so weit entfernt wie beim FC Bayern. Es geht nur noch um Profitmaximierung. Traditionelle Anhänger und mündige Fans haben beim FC Bayern schon lange überhaupt keinen Platz mehr.

    Zweifelsohne, der FC Bayern ist ein professionell geführtes Unternehmen, aber eben eines ohne Charme. Das zeigt nicht nur der aktuelle Wille sich selbst noch mehr an Wirtschaftsunternehmen zu verkaufen. Man muss sich nur einmal an der Säbener Straße umsehen. Die hohen Zäune dort um die Trainingsplätze verhindern, dass die Anhänger den Fußball-Millionarios zu nahe kommen und die Klub-Zentrale sieht aus wie geleckt und erinnert an den Stammsitz einer Immobiliengesellschaft.

    Die Handvoll leidenschaftlicher Fans, die der FC Bayern neben den unzähligen Kunden noch hat, werden von der Vereinsführung behandelt wie Dreck am Ärmel. Wer dieser sich selbst an Wirtschaftsunternehmen verkaufenden Aktiengesellschaft wirklich emotional noch anhängt, wird – trotz all der sportlichen Erfolge – von mir nicht beneidet, sondern verdient mein Mitleid.

    Zu Audi: Nur weil der FC Bayern derzeit (selbsternannter?!) Marktführer zu sein scheint, bringt eine solche Kooperation noch lange keine Pluspunkte, erst recht nicht bei Fans anderer Vereine. Audi braucht sich nicht wundern, wenn es bei einem weiteren Engagement von Audi beim FC Bayern womöglich Boykottaufrufe von Fans anderer Vereine gibt; ich auf jeden Fall würde mir in Zukunft bei einem Pkw-Neukauf zweimal überlegen, ob es unbedingt ein Audi sein muss. Ein schlechterer Werbeträger als der „Kotzbrocken-Klub“ aus München ist jedenfalls kaum vorstellbar. Außer einer Handvoll Bayern-Anhänger verbinden nämlich die meisten Menschen in Deutschland (auch die, die mit Fußball nichts am Hut haben!) Arroganz, Übermacht und erduselte Erfolge mit dem Zum-Halse-Raushängeschild des deutschen Fußballs.

  2. Heff
    Mittwoch, 4. November 2009 um 14:18

    Da hat aber jemand einen Hass..

    ich glaube, dass gegen solch einen Deal kein Club etwas hätte.
    Ist es denn so schlimm, wenn der FCB für Firmen interessant ist?
    Alle Clubs haben Sponsoren auf der Brust und sonst überall auch, die meisten Stadionnamensrechte sind eh schon lange verscherbelt.

    An der Säbener Strasse sind mit Sicherheit Zäune, aber wenn öffentliche Trainingseinheiten abgehalten werden, dann stehen die Tore offen, kaum zu glauben, oder?

    Wenn man sich schon am Äußeren des Clubgeländes anstößt, dann landet man bald beim Boykott von Sponsoren (hoffentlich fährt da jemand einen Audi) und tut die Erfolge der Bayern als reines Glück ab.

    Vielleicht solltest du deinen Beitrag mit Boulevard-Wortschöpfungen spicken um ein bisschen ernster genommen zu werden.

  • Quellen

  • Blogroll

  • Kategorien

  • Ballschrank

  • Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
72 queries. 1,012 seconds.