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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Ascheplatz

Das Geschwür breitet sich nach Europa aus

Frank Baade | Montag, 30. November 2009 1 Kommentar

Die Wettmanipulationen betreffen immer mehr Länder, in China kann man offen auf verschobene Partien in den Niederlanden wetten, in Griechenland werden Ermittlungen verschleppt

Statt wie bisher angenommen neun sollen nun 17 Länder vom Manipulationsskandal betroffen sein, berichtet der Spiegel. Zudem soll sich dieser nicht mehr allein auf Fußball beschränken, Basketball und Tennis seien ebenfalls im Visier der Ermittlungen. Die Verbindungen von Ante Sapina, dem aus der Hoyzer-Affäre bekannten Drahtzieher aus Berlin, reichen bis nach Asien, das einen Brennpunkt der Manipulationen bildet. So habe ein Mittelsmann aus Malaysia Gelder gewaschen und in Hongkong deponiert.

Premier League ist am schwierigsten

Häufig wird vermutet, dass der laxe Umgang mit Manipulationen und die mangelnde Strafverfolgung in Asien mitursächlich für den Umfang des Skandals seien. So berichtet das niederländische NRC Handelsblad in seiner internationalen Ausgabe, dass die Ergebnisse einiger Zweitligaspiele in den Niederlanden vom vergangenen Wochenende bereits im Vorhinein festgestanden hätten. Oscar Garschagen hatte in Schanghai Kontakt zu einem Buchmacherbüro, welches gegen eine Aufnahmegebühr von 1.500 Euro Zugang zu Insiderinformationen böte. Alle in jenem Büro angebotenen niederländischen Partien seien bereits mit den jeweiligen Trainern und Teilen der Spieler abgesprochen gewesen. Die Kontaktperson hätte auch Partien aus der ersten niederländischen Liga anbieten können sowie aus Thailand, den Philippinen und Indonesien. „Je niedriger die Liga, desto leichter ist die Manipulation, am schwierigsten ist es in der englischen Premier League“, zitiert das NRC Handelsblad. Yang Ming, Mitarbeiter der staatlichen chinesischen Presseagentur Xinhua, nennt die Manipulationen „ein Geschwür, das den chinesischen Fußball zerstört hat und sich jetzt nach Europa ausbreitet“.

Die Jauchegrube der Korruption

Ni Tao kommentiert in der englischen Ausgabe des Shanghai Daily die Gründe für die chinesische Misere beim Kampf gegen Manipulationen: „Ist der chinesische Fußball so verkommen, dass er eine Schocktherapie benötigt, um den Deckel von der Jauchegrube der Korruption und Verdorbenheit zu bekommen? Es gab schon in der Vergangenheit einige Versuche, Fußballwetten zu säubern, doch war dabei die Unterstützung stets schwach.“ Laut Ni Tao gebe es zwei Hauptgründe, warum manche chinesischen Spieler besonders anfällig für das Verschieben von Partien seien: „Erstens sind diese meistens bei schlecht bezahlten unterklassigen Teams beschäftigt. Haben sie den Schritt zur Manipulation erst einmal getan, schwindet das Unrechtsbewusstsein zunehmend und die Gier nach weiteren Einnahmen wird immer größer. Zweitens ist das chinesische Fußballsystem ein Teil des Problems. Der chinesische Fußballverband hat bislang nicht viel mehr als Lippenbekenntnisse zustande gebracht im Kampf für das Fairplay.“ Wetten gebe es überall auf der Welt, doch gerade in China produziere es eine beunruhigende Vielzahl an Schlagzeilen. Ti Nao rät den Verantwortlichen in China, endlich ihre unwirksamen Strategien zu ändern und sich dem mühseligen Abnutzungskampf gegen die Manipulationen zu stellen.

Man bleibt lieber unter sich

Aus neun am Skandal beteiligten Ländern werden 17, Griechenland aber war überraschend bei den ersten 9 nicht dabei. Dennoch schwelt auch dort schon seit Längerem ein Manipulationsvorwurf, an dessen Aufklärung der Verband wenig Interesse zeigt. Ferry Batzoglou (NZZ) berichtet von Erkenntnissen der UEFA, die auf dem Überwachungssystem für Wettbetrug beruhen, dass 22 Partien der griechischen zweiten Liga „wahrscheinlich“ manipuliert gewesen seien, 15 davon sogar „höchstwahrscheinlich“. Da 11 der 18 Teams der Liga beteiligt gewesen seien, vermutet die UEFA, das Ganze habe System. „Wer aber glaubt, dass sich der griechische Verband oder die griechische Strafjustiz bis dato mit dem Fall befasst hätten, irrt. Die Selbstreinigung im griechischen Fußball dürfte Utopie bleiben.“ Der Verantwortliche des Verbandes verzögere die Aufklärung und leite nicht mal die nötigen Verfahren ein. „Auch ist nicht bekannt, dass die Justizbehörden nach der Veröffentlichung der Vorfälle von Amts wegen Ermittlungen eingeleitet haben – woanders wäre dies undenkbar.“ Ein Grund dafür sei, dass „in Griechenland vornehmlich einheimische Klubpräsidenten die Fäden bei den Manipulationen ziehen – und daran via Wetteinsätze kräftig verdienen.“ Im von Bochum aus verfolgten Wettskandal ginge es aber um international agierende Betrügerbanden. In Griechenland hingegen pflege man auch bei Manipulationen das Motto: „Wir Griechen bleiben lieber unter uns.“

Kommentare

1 Kommentar zu “Das Geschwür breitet sich nach Europa aus”

  1. Dirk
    Montag, 30. November 2009 um 11:51

    So langsam komme ich mir selber wie ein Süchtiger vor: Ich klammere mich an die Hoffnung, dass auch diese Manipulationen nur unterklassige Spiele betreffen oder Spiele in Albanien oder Quali-Spiele zur Euro-League zwischen Estland und Malta.

    Aber gleichzeitig habe ich inzwischen den Verdacht, dass ich mir da selber was vormache. Wenn das Bestechen teilweise so leicht ist, warum sollen dann nicht auch einige der Großen in England, Deutschland, Italien etc. mitmischen?

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