indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

WM 2010

Ein Hauch Shakespeare: WM ohne David Beckham – auf dem Platz

Frank Baade | Mittwoch, 17. März 2010 1 Kommentar

David Beckhams frisch gerissene Achillessehne führt dazu, dass er nur als Maskottchen an der WM teilnehmen wird, sein endgültiges Karierreende scheint nah

Immer ein kleines Licht geblieben

Wie schnell man in England schon WM-Rekorde erreichen kann, erklärt Raphael Honigstein im Stern: „Capello hätte Beckham gern zur WM mitgenommen, allein schon, um seine Ruhe vor den englischen Medien zu haben. Aber auch, weil er als 14. oder 15. Mann, als Einwechselspieler und als Experte für den ruhenden Ball unter Umständen wirklich noch zu gebrauchen war.“ Dass Capello ihn kaum noch als Stammspieler sah, nahm Beckham hin, denn: „Er wollte unbedingt als erster Engländer bei vier Weltmeisterschaften spielen (und treffen). Ob es wirklich, wie von ihm stets beteuert, grenzenloser Patriotismus war, der ihn motivierte, oder doch eher das eigene Sendungsbewusstsein (und die Interessen seiner Sponsoren), spielte irgendwann in den Augen der Öffentlichkeit keine Rolle mehr. Seine Langlebigkeit wurde vom englischen Fußball als Leistung gefeiert. Die globale Stilikone, die dem Land großen Glanz versprochen hatte, aber in allen Turnieren ein sehr kleines Licht geblieben war, erfand sich als honoriger Elder Statesman neu.“

Nur in Manchester ein Fußballer

Zwar sei die Karriere noch nicht beendet, beteuerten Mediziner, Manager und auch Verantwortliche beim AC Mailand. Daran mag bei Spiegel Online David Kluthe nicht so recht glauben: „Darf man wirklich davon ausgehen, dass Beckham nach einer solch schweren Verletzung noch einmal auf den Platz zurückkehrt? Und dass der Pass im Giuseppe-Meazza-Stadion nicht sein letzter war?“ Wie alle Kommentatoren sieht er den schrittweisen Abgang Beckhams schon sehr lange eingeleitet. „Der sportliche Abschied des Freistoß-Spezialisten begann nicht im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion. Nach sechs Meisterschaften in der Premier League, zwei FA-Cup-Siegen sowie dem Superjahr 1999 mit dem Gewinn der Champions League und des Weltpokals wechselte Beckham 2003 von Manchester United zu Real Madrid. Dort gelang ihm mit den ‚Königlichen‘ in vier Jahren nur eine spanische Meisterschaft. Eine einzige.“ Es schlossen sich noch erfolglosere Zeiten in Los Angeles und beim AC Mailand an. (…) „Manchester ist vielleicht der einzige Ort auf dieser Welt, an dem David Beckham über lange Zeit auch ein fußballerischer Weltstar war. Und nicht nur ein Symbol. Eine Marke.“

Leibhaftiges WM-Maskottchen

Beckham werde wohl dennoch mitfahren zur WM nach Südafrika, als „Maskottchen“, wie es halb salopp verpackt wird. Und Roland Zorn (FAZ) fragt weniger salopp: „War er das nicht schon vorher – ein Maskottchen der englischen Nationalmannschaft? Nun soll er ganz offiziell als Glücksbringer zur Weltmeisterschaft nach Südafrika mitgenommen werden, nachdem er die Rolle als Heilsbringer längst nicht mehr spielen konnte.“ Einer wie er hätte der WM auch noch auf dem Platz gut getan, nun wird er seine Showqualitäten eben daneben einbringen. „David Beckham ist ein Sportheld, der wirklich unwirklich erscheint. So einer bleibt im Rampenlicht. Auch als leibhaftiges WM-Maskottchen.“

Lars Wallrodt (Welt) hingegen will sich mit solch profanem Schlussakkord nicht zufrieden geben: „Er hat einen Hauch Shakespeare in den Fußball gebracht: Drama und Tragödie, Rote Karten und heroische Niederlagen. Beckham hat der Fußballwelt etwas gegeben, dass ein Messi bei all seiner Genialität am Ball nie erdribbeln wird: Er schenkt ihr große Geschichten. Zinedine Zidane trat von der Bühne ab, als er im WM-Finale seine Familie per Kopfstoß rächte, die von Gegenspieler Materazzi beleidigt wurde. Und Beckhams Karriere soll durch etwas so Banales wie einen Bänderriss enden? Das wäre seiner einfach nicht würdig.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Ein Hauch Shakespeare: WM ohne David Beckham – auf dem Platz”

  1. AndY
    Montag, 22. März 2010 um 14:48

    Ja normal Zidane ist auch krass.

    Spieler die nach real wechseln gehen unter und werden eben einer unter vielen.
    Ich würde nicht dorthin wechseln.

    Ribéry wùrde ich auch davon abraten.

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