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Schwarzer Freitag für die Amateure

Oliver Fritsch | Samstag, 23. Oktober 2010 2 Kommentare

Die Reform der Regionalliga könnte für viele Amateurclubs zum Verhängnis werden, fürchten Presse und Vereine / Hessischer Fußballverband verkauft Lizenzen für Videorechten an Amateurfußballspielen

Wolfgang Hettfleisch (FR) kritisiert die Reform der Regionalliga vernichtend: „Der 22. Oktober 2010 könnte als Schwarzer Freitag in die Annalen der Traditionsklubs eingehen, die in der Viertklassigkeit gegen viele Widrigkeiten ums Überleben und eine Zukunft im Profigeschäft kämpfen. Sie sind die potenziellen Leidtragenden einer Reform, die außer dem vernünftigen Willen, die regionalen Grenzen des Wettbewerbs enger zu ziehen, nicht mal in Ansätzen erkennen lässt, wohin die Reise eigentlich in den vielen wichtigen Detailfragen gehen soll. Die Rhetorik von Rauball und Zwanziger lässt wenig Raum für Zweifel, was mittelfristig am unteren Ende der Hackordnung im deutschen Lizenzfußball erwünscht ist: Amateursport. Das widerspricht dem Selbstverständnis vieler Viertligisten und erst recht dem ihrer Fans. Und es blendet aus, was doch Realität ist und von den Verantwortlichen der Klubs bestätigt wird: Die meisten Regionalliga-Kicker sind nicht neben-, sondern hauptberuflich Fußballer. Man muss nun wohl hinzusetzen: noch. Es ist beschämend, dass sich kein einziger Funktionär zur Gegenrede aufraffte. Wiederholt wurde in Essen die Einheit des Fußballs beschworen. Grabesstille und Gehorsam, so lernen wir, sind ihr besonders dienlich.“

hr-online hat Stimmen aus dem Amateurlager gesammelt: „Mit der Reform kommen die Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga den Amateuren nach eigenen Angaben ein großes Stück entgegen. Vertreter der hessischen Traditionsvereine Darmstadt 98 und Hessen Kassel sehen dies jedoch anders. Kassels Präsident Jens Rose ist alles andere als zufrieden mit der gefundenen Lösung: ‚Der Leistungsunterschied zwischen der dritten und vierten Liga wird noch größer‘, sagte er. Für die fünftklassigen Oberligen in Deutschland bedeute dies das endgültige Aus. Kassel und Darmstadt hatten sich für eine ‚Zwei plus eins‘-Lösung stark gemacht, die eine zweigeteilte Regionalliga plus eine eigene Staffel für die Reserveteams vorgesehen hätte. Dies hätte zu attraktiveren Duellen zwischen Traditionsclubs geführt und zudem die finanzielle Überlegenheit der Reserveteams eingeschränkt. Mit der jetzigen Lösung würden die Unterschiede zwischen den Amateurvereinen und den zweiten Mannschaften dagegen weiter wachsen, sagte Rose.“

Fußball ist Geschäft, auch in der Kreisliga

Steffen Dobbert hat recherchiert, dass der Hessische Fußballverband von Zeitungen Lizenzen für Videos von Amateurspielen verkauft. „Fußball ist Geschäft, auch in der Kreisliga“, schreibt er für Zeit Online. „Obwohl die rechtliche Lage ungeklärt ist. In der kommenden Woche wird der Bundesgerichtshof ein Urteil fällen. Der Württembergische Fußballverband verklagt die Website hartplatzhelden.de, weil diese von Fans aufgenommene Torszenen aus Amateurspielen veröffentlicht hatte. In den vorangegangenen Rechtsprechungen des Oberlandes- und des Landgerichtes Stuttgarts bekam der WFV Recht. Danach ist ein Fußballverband der Mitveranstalter von Amateurfußballspielen und somit Inhaber der Verwertungsrechte. Experten des Urheberrechts erwarten vom Bundesgerichtshof jedoch eine Umkehr dieser Rechtsprechung.“

Disclosure I: Ich arbeite für die Sportredaktion von Zeit Online.

Disclosure II: Ich habe die Hartplatzhelden gegründet.

Kommentare

2 Kommentare zu “Schwarzer Freitag für die Amateure”

  1. Ingrid
    Samstag, 23. Oktober 2010 um 21:53
  2. Ingrid
    Samstag, 23. Oktober 2010 um 22:15

    Was der DFB „für die Regionalliga tut“, sieht man im Fall des TSV Halvelse:

    http://www.diefussballecke.de/kloenecke/showthread.php?tid=666&page=21

    Verband verlegt Heimspiel gegen Magdeburg in die Woche auf einen Mittwoch um 16 Uhr

    Der ursprüngliche Termin am 7. November ließ sich nicht halten, da wegen des Castor-Transportes im Wendland keine ausreichenden Polizeikapazitäten an diesem Wochenende zur Verfügung stehen. „Ein Horror-Szeanrio für uns“, stellt TSV-Manager Stefan Pralle klar. „Das Spiel gegen den 1.FC Magdeburg ist für uns das Heimspiel-Highlight schlechthin. Ein attraktiver Traditionsverein aus dem erweiterten Umkreis und dazu mit zahlreichen und sehr mobilen Fans. Für uns als Amateurclub ein ganz wichtiger Posten in unserem Haushalt und für viele unserer Fans das Spiel der Spiele. Ausgerechnet diese Begegnung sollen wir jetzt während normaler Arbeitszeiten ausrichten“, reagierte Pralle fassungslos…..

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