indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Ball und Buchstabe

Das Tor steht offen

Matthias Nedoklan | Mittwoch, 27. Oktober 2010 13 Kommentare

Was würde passieren, sollte sich ein homosexueller Bundesligaprofi offenbaren?  Zusammen mit breit angelegter Unterstützung der Verbände, könnte Spieler X auf Akzeptanz und Verständniss stoßen.

Wolfram Eilenberg (Cicero) kämpft gegen Homophobie im Fußball und sieht die Chance für das Outing eines Profis so groß wie nie: „Genauso wenig wie sich behaupten lässt, das Sexualleben unserer Ballkünstler sei schlicht Privatsache. Dafür kämpfen einfach zu viele „Spielerfrauen“, nicht selten unter ausdrücklicher Billigung des werten Gatten, mit vollem Körpereinsatz um einen Platz in den Klatschspalten der Republik. Vorbilder bilden – auch sexuell. Wenn sich ein werbebereiter Fußballer minderjährige Prostituierte wie Pizza aufs Zimmer bestellt, führt dies im Profigeschäft allenfalls zu öffentlichen Solidaritätsadressen. Im Einzelfall nützt es diesem Profi gar zur Festigung seiner potenzbasierten Werbemarke. Offenbar gestattet das Milieu also Sex in fast jeder Form – nur eben nicht mit Männern. Wäre das Schweigetabu einmal wirksam gebrochen, bliebe die Entwicklung hin zu einer schamfreien Akzeptanz durchaus vorstellbar. Dies gilt auch für die Schulhöfe und Bolzplätze, also für das gesellschaftlich eigentlich relevante Hin und Her des täglichen Kampfes um Selbstfindung und Anerkennung. Was könnte es im Bewusstsein eines Neunjährigen auslösen zu erfahren, sein Männeridol – der Mann, dessen Trikot er seit Jahren voller Stolz am Leibe trägt – sei homosexuell? Ist es absurd, hier von der Chance eines nachhaltigen Bewusstseinswandels zu sprechen, der das Leben von Millionen jugendlichen Menschen ganz unmittelbar, ganz konkret prägen würde?“

Queer Theory (via Amazon)

Kommentare

13 Kommentare zu “Das Tor steht offen”

  1. Das Tor steht offen | Andersrum rut-wiess – Erster schwullesbischer Fanclub des 1. FC Köln
    Mittwoch, 27. Oktober 2010 um 10:26

    […] er sicht mit dem Thema Outing im Profifußball. Eine kurze Zusammenfassung des Artikels gibt es beim indirekten Freistoss. Dieser Beitrag wurde unter Homophobie im Fußball veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den […]

  2. Heffer
    Mittwoch, 27. Oktober 2010 um 12:34

    „Genauso wenig wie sich behaupten lässt, das Sexualleben unserer Ballkünstler sei schlicht Privatsache.“

    Bloss weil sich einige ins Rampenlicht drängen, sollte dieser Punkt nicht zur Diskussion stehen.

  3. anderl
    Mittwoch, 27. Oktober 2010 um 12:40

    Ich finde das Argument mit dem veröffentlichten Privatleben ja so was von dermaßen daneben! Mag ja sein, dass gewisse Menschen, denen es nicht reicht, dass ihnen wer anders den Hintern voll Gold steckt, noch mehr aus dieser Situation ziehen will.

    Daraus aber zu schlußfolgern, dass ein Fussballer es akzeptieren müsse, dass sein Privatleben der Meute zum Fraß vorgeworfen wird, ist pervers. Zumindest wenn es auf BILD-Bunte-Niveau stattfindet.

  4. hwk
    Donnerstag, 28. Oktober 2010 um 09:00

    Neben dem Argument des Privatlebens stelle ich mir gerade für die ersten Profis den Schritt als schwierigen vor.
    Garnicht unbedingt wegen Anfeindungen, Fußballer werden wegen verschiedenster Dinge angefeindet.
    Sondern wegen der Medien, die diesen Spieler in Besitz nehmen. Beckmann und Kerner werden dann ganz pädagogisch und einfühlsam berichten und interviewen. Alles natürlich um seine Geschihte zu erzählen, nicht um Quote zu machen. Ober der Spieler das will?

    Auf Outings in der Politik wird schon sehr gelassen reagiert (eigentlich interessiert es doch niemanden). Ob sich im Sport nach den ersten paar „Fällen“ die selbe Gelassenheit einstellt, wahrscheinlich schon.

  5. anderl
    Donnerstag, 28. Oktober 2010 um 09:54

    Ich denke mal, dass die allgemeine Aufmerksamkeit für das Thema und die forcierte Auseinandersetzung wohl dazu führen kann, dass ein homosexueller Sportler sich äußert. Ich hatte ja die Hoffnung, dass die Frauen im Fussball das als erste machen könnten. Leider sind die grade in Richtung Kommerzialisierung unterwegs und müssen deswegen auf die Aufrecherhaltung als Projektionsfläche für Männerphantasien achten. Denn eine Lesbe lockt wohl keinen Mann bei der WM 2011 ins Stadion.
    Schade eigentlich.

  6. hwk
    Donnerstag, 28. Oktober 2010 um 10:12

    Wird bei den Frauen so berechnend das Marketing betrieben?

    „Denn eine Lesbe lockt wohl keinen Mann bei der WM 2011 ins Stadion.“

    Bliebe abzuwarten. Ich denke nicht, dass es wirklich jemanden interessiert bzw. Jemand dem Stadion fern bleibt oder extra ein Spiel besucht.

  7. anderl
    Donnerstag, 28. Oktober 2010 um 11:29

    @hwk
    ich glaube, dass es einen gewaltigen Unterschied macht, gerade, wenn es um die Vermarktung geht.
    Wenn du ans Geld willst, dann musst du berechnend Marketing betreiben.
    Und der DFB schickt ja nicht gerade die häßlichsten Frauen ins Rennen.
    Nebenbei spielt er mit Steffi Jones die Multikultikarte, was auch ganz toll ankommt.
    Friedefreudeeierkuchenfete für die ganze Familie.
    Ich glaube, da passt dann das Lesbenimage nicht mehr rein.

    Der Lesbenanteil soll ja mal sehr hoch gewesen sein im Frauenfussball (angeblich waren das mal 16 von 22 Nationalspielerinnen). Ich vermute, dass diese Quote langsam sinkt. Denn Fussball wird unter Frauen immer mehr zum gewöhnlichen Sport. Und er ist nicht mehr nur einer für „harte Mädels“. Obwohl es mir wurscht ist.

  8. hwk
    Donnerstag, 28. Oktober 2010 um 12:52

    @anderl

    bei der Vermarktung geb ich dir recht. Aber der Fan im Stadion (Frauenfußball) ist glaube ich nur in Einzelfällen interessiert (hätte eher einen positiven Effekt, denke ich).

    Aber es stimmt natürlich, dass sich ein Verband nicht unbedingt vor einem Turnier mit dem Thema auseinander setzen will. Eher nach dem Turnier, wenn alles gut gelaufen ist. Und wie die Werbeindustrie reagiert kann ich nicht abschätzen. Meinem Gefühl nach reagieren die eher zu heftig verglichen mit dem Fan. (Man denke an den Fall von Tiger Woods. für mich war das übertrieben, aber die Verträge waren auch aufgeblasen.)
    Ist im Frauenfußball die Spielervermarktung schon so weit, dass man da unterschiede feststellen könnte? Bei den Männern müsste sich ein großer Werbestar outen um eine echte Analyse vornehmen zu können.

    Ich denke die Spielerinnen sollten sich nicht vom DFB benutzen lassen. Klar haben die durch den DFB viel erreicht, aber der DFB auch durch die Spielerinnen. Einfach vor vollendete Tatsachen stellen. Zum einen weil der DFB sich immer als liberal gibt, zum anderen weil es nicht im Einflussbereich des DFB oder des Vereins liegen sollte (bzw. darf). Das ist persönlich und privat und damit ist der Weg an die Öffentlchkeit ein persönlicher Schritt und keiner vom Arbeitgeber. Unterstützung kann man natürlich schon erwarten, der DFB ist ja aufgeschlossen.

  9. anderl
    Freitag, 29. Oktober 2010 um 19:26

    @hkw
    Klar kann es sein, dass gerade dieses Wissen um bestimmte Neigungen ganz spezielle Fans anzieht. Auch wieder wahr. Aber ob die sich dann für Fussball… 🙂

    Bezüglich der Werbeindustrie geht es einfach darum, dass der Frauenfussball IRGENDEINEN Markt bedienen muss. Und wenn, nehmen wir mal an, die Lesben frischfröhlichfrei sich mit ihren Kurzhaarfrisuren vor den Kameras küssen, dann schränkt sich die Zielgruppe erheblich ein und verhindert von vornherein eine Aufbereitung und Darstellung, die sich alle anziehen kann.
    *ironie* Es sei denn, die Bunte, die Gala und das Apothekenheft feiern das dann als die neue deutsche Freiheit oder so.*ironie*

    Wobei es ja für alle Traditionalisten ein werbefreier Frauenfussball ein göttliches Refugium darstellt.

    Über die wahre Toleranz des DFB will ich mir seit der Amerellgeschichte keine Gedanken mehr machen.

    Stichwort Arbeitgeber: Ironischerweise werden die betroffenen Frauen in ihrem Privatleben und vor ihrem Arbeitgeber (den wohl die meisten neben dem Fussball haben) wohl relativ frei damit umgehen können.
    Insofern sind sie sogar unabhängiger als Berufsfussballer, die nicht nur ihre Beliebtheit bei den Fans einbußen könnten, sondern bei denen auch das private Umfeld erodieren und ihre wirtschaftliche Existenz verlieren könnten. Keine schöne Aussicht!

  10. juwie
    Samstag, 30. Oktober 2010 um 17:32

    Ich weiß ja nicht, welche Diskussion hier geführt wird: Wenn ich zum Fußball gehe (egal ob Männer oder Frauen), will ich guten Fußball sehen. Die sexuelle Orientierung ist mir sowas von wurscht!

  11. Booze
    Samstag, 30. Oktober 2010 um 19:05

    Bei den DFB-Damen gibt es doch schon bekennende Lesben – nicht das das irgendjemand bis jetzt interessiert hätte. Man kann es auch übertreiben mit den Deutungen und Interpretationen…

  12. hwk
    Dienstag, 2. November 2010 um 15:50

    @juwie

    gebe dir recht. die leute die aus anderen gründen zum fußball gehen sind statistisch vernachlässigbar. daher meinte ich, dass es eigentlich egal ist ob sich jemand outet oder nicht. nur die Werbeindustrie reagiert vielleicht etwas extrem (was nicht am verbraucher liegt).

    @Booze

    Genau. Wir sollten nicht dinge irgendwo reinreden die nicht abschätzbar sind oder die eigentlich niemanden interessieren.

  13. anderl
    Sonntag, 7. November 2010 um 22:48

    Alles Kommerzialisierte ist einer gewissen gesellschaftlichen Akzeptanzvorstellung unterworfen. Und wer an der Kommerzialisierung teilhaben will, wird dieser Akzeptanzvorstellung automatisch unterworfen.

    Da kann es ja sein, dass allein die Sponsoren und ihre Öffenlichkeitsvermittler allergisch reagieren. Die aber bestimmen nun mal den Geldfluss. Und wenn etwas nicht reinpasst, dann gibt es auch kein Geld.

    Und danach wird sich, befürchte ich, der DFB richten, wenn er den Frauenfussball vermarkten will.

    Und mit romantisierten Idealvorstellungen von reinem Sportinteresse möge man mich bitte verschonen: Es kommen nicht beispielsweise 80 000 ins Westfalenstadion, weil sie guten Sport sehen wollen. Sie gehen dorthin, weil sie sich an einem gemeinschaftliches Ereignis berauschen wollen. Und dazu gehört ein simpler Faktor: Die oberflächliche Einheitlichkeit des Rauschmittels: Schwarzgelb.

    Und noch mal zum Ausgangspunkt der Diskussion: Ich wollte nicht behaupten, dass der Frauenfussball keine bekennenden Lesben verträgt. Ich wollte im Gegenteil sagen, dass bei einer angestrebten Kommerzialisierung des Frauenfussballs die Möglichkeit entfällt, dass die erfolgreicheren Fussballfrauen mit einem aktiven Comingout dem männlichen Homosexuellen den Weg bereiten. Warum? siehe oben.

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