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Bundesliga

Schweinsteiger wehrt sich gegen Chefchen-Image

Martin Hauptmann | Samstag, 30. April 2011 3 Kommentare

Nur Rang 4: beim FC Bayern sucht man verzweifelt nach einem Leitwolf; Schweinsteiger verteidigt sich vehement gegen Vorwürfe des Magazins „Sport-Bild“, nach denen er das Team nicht führen könne

Auf und neben dem Platz zeichnen sich angesichts der Tabellensituation und des Fehlens eines echten Leitwolfs chaotische, teils anarchische Züge ab. Die Mannschaft driftet auseinander, jeder sagt und spielt, was er will und irgendwie scheint im Moment niemand so wirklich für die Rolle des unangefochtenen Führungsspielers geeignet. Die Entlassung Louis van Gaals bedeutet für den FC Bayern einen Autoritäts-Verlust. Es fehlt die geschlossene Akzeptanz innerhalb des Teams gegenüber einem einzelnen Anführer wie etwa einem Mark van Bommel, der die Mannschaft in dieser schwierigen Phase zusammenhalten könnte. Wen man als Spieler des FC Bayern im Moment auch als potentiellen Mann ins Auge fasst: entweder fehlt es ihm an grundlegendem Bekenntnis zum Verein (Robben, Ribéry), an spielerischer Stärke (Schweinsteiger), an der Stellung innerhalb des Teams (Lahm, Butt) oder an Ansehen und Extrovertiertheit (Trainer Jonker).  

Schweinsteiger zur Situation im Interview

Schweinsteiger erklärte sich vor seiner Wutrede bei Anja Schramm (Welt) zu seiner Situation: „Für mich ist das eine Scheindebatte. Ich sehe das nicht so, dass wir keine Führungsspieler haben. Für einige sind Führungsspieler nur die, die nach außen lautstark auftreten, aber so ist das nicht. Diese Spielertypen wie zum Beispiel Oliver Kahn gibt es nicht mehr. Die Hierarchien sind flacher als vor Jahren. Es ist viel wichtiger, Dinge intern anzusprechen. Das entspricht auch mehr dem heutigen Profi. […] Es gibt einige, die fragen, warum ich nicht so wie bei der WM spiele? Da standen wir kompakter als bei Bayern, da musste ich nicht so große Löcher stopfen. Da konnte ich mich viel mehr auf mich selbst konzentrieren.“

Es folgte der Wutausbruch

Dem FC Bayern drohen bei einem Verpassen der Champions League Mindereinnahmen von 70 Millionen Euro. Überträgt der Vorstand zuviel Druck auf die Mannschaft? Carsten Eberts (Tagesspiegel) versucht den Wutausbruch Schweinsteigers während der Pressekonferenz am Donnerstag in einen höheren Zusammenhang zu stellen: „Was folgte, hatte es in München in dieser Form lange nicht gegeben: ein Wortgefecht, bajuwarische Kraftausdrücke, die Schweinsteiger dem Journalisten vom Boulevard hinterherschickte. […] Dann verließ der Nationalspieler den Raum, wutschnaubend, unter Protest, konnte erst von Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick besänftigt werden. Einen stärkeren Beweis, dass die Nerven beim Rekordmeister drei Spieltage vor Saisonschluss ziemlich blank liegen, braucht es wohl nicht. […] Natürlich hätte Bastian Schweinsteiger auch einfach Ruhe bewahren können. Gelassen grinsen, wie es sich für einen erfahrenen Fußball-Profi mit 86 Länderspielen gehört, die provokante Wortneuschöpfung des frechen Boulevard-Journalisten demonstrativ weglächeln. Doch der ziemlich direkte Vorwurf, Schweinsteiger komme in diesen wichtigen Tagen seinen Führungsaufgaben nicht nach, hatte ihn getroffen.“

Auch Andreas Burkert (SZ) sucht nach Gründen: „Die ‚Chefchen-Affäre’, in der es kurz gesagt um Schweinsteigers Qualität als Führungsspieler geht, ist zum einen Ausdruck von Nervosität, die beim FC Bayern um sich greift, weil er in der Bundesliga die Champions League zu verpassen droht. Zum anderen ist sie Lehrstück über den hyperventilierenden Medienbetrieb Bundesliga, eines Geflechts aus Abhängigkeiten. […] Der Regisseur Schweinsteiger hat zuletzt nicht mehr richtig mitgespielt bei diesem Geben und Nehmen, das ihn auch groß machte. Angeblich soll er Interview-Anfragen von Sport-Bild und Bild zurückgewiesen haben. Es sieht jetzt fast so aus, als ob er, der Springers Spielplan ablehnt, quasi die rote Karte bekommt.“

Schweinsteigers Wutausbruch zeigt auch, wie enttäuscht der Spieler selbst gerade mit seiner eigenen, stark abfallenden Leistung in den vergangenen Monaten sein muss. Zudem verdeutlicht er, wie ihn die in seinen Augen ungerechtfertigte, gnadenlose Kritik einzelner Medienvertreter schockiert. Schweinsteiger vergisst jedoch womöglich aber, dass er mit geschätzten 10 Millionen pro Jahr einer der Topverdiener der Bundesliga ist und dass man von erfahrenen Spielern seiner Güteklasse in solchen brenzligen Situationen einfach mehr Leistung und Initiative erwarten darf.

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Kommentare

3 Kommentare zu “Schweinsteiger wehrt sich gegen Chefchen-Image”

  1. Pr8Kerl
    Samstag, 30. April 2011 um 21:29

    „Chefchen“ nennt das Grünschnäbelchen von Sport-Bildchen Schweinsteiger. Was hat das Bübchen von diesem Blättchen eigentlich bisher geleistet? Darf das Mäulchen aufreissen ohne Konsequenzen. Darf Öl ins Feuer gießen. Hört mal: Wer ist der nächste den Bild so beleidigen darf? Der Bundespräsident? Obama, der dann Präsidentchen ist? Dieses Bübchen versteckt sich hinter dem Namen einer Zeitung und darf ungehindert austeilen. Ich würde gern mal sehen wenn umgekehrt gegen dieses Bübchen genauso ausgeteilt würde. Dann zieht das Bübchen aber ganz schnell das Schwänzchen ein.

  2. mustard
    Montag, 2. Mai 2011 um 11:25

    Schweini, bist Du es?

  3. FCB, 1860 und Haching im „BLOGlichtgewitter“ (18) « BLOGpunkt Sport
    Donnerstag, 5. Mai 2011 um 10:55

    […] „Schweinsteiger wehrt sich gegen Chefchen-Image“ von Martin Hauptmann (indirekter-freistoss.de) […]

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