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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

EM 2012

Deutschland auf dem Weg zur EM 2012 – Keine Angst mehr vor kleinen Namen

Kai Butterweck | Donnerstag, 9. Juni 2011 12 Kommentare

Die Presse zeigt sich beeindruckt vom bisherigen Auftreten der Nationalmannschaft bei den Qualifikationsspielen zur EM 2012.

Philipp Selldorf (SZ) beobachtet eine beruhigende Entwicklung: „Alarmierende Gedankenspiele haben im deutschen Fußball seit Jahrzehnten Tradition, aber nie wirkten sie so irreal und absurd wie heute. Bei dieser Mannschaft kann man sich nicht vorstellen, dass sie ihre Pflichten nicht erledigt. Für diese strebsamen deutschen Profis scheint es die klassischen Tücken auf dem Weg zu den Turnieren nicht mehr zu geben. – wie einst für ihre Ahnen –, die gegen Albanien, Zypern oder Wales gelitten haben. Im siebten Spiel der siebte Sieg, darum ging es.“

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Die jungen Spieler sind schon ganz gut, müssen aber noch viel lernen

Christian Oeynhausen (Berliner Zeitung) verabschiedet Michael Ballack: „Die jungen Spieler sind schon ganz gut, müssen aber noch viel lernen. Löw ist kein Mann für personelle Radikalkuren, und bei einer EM-Endrunde wird es keine Gegner vom Niveau Aserbaidschans mehr geben. Löw selbst will die Pause nutzen, um etwas auszuspannen. Noch vor seinem Urlaub wird er das Gespräch mit Michael Ballack suchen, in dem die Zukunft des Leverkuseners in der DFB-Elf abschließend geklärt werden soll. Einen 99. und letzten Einsatz gegen Brasilien am 10. August könnte sich Löw wohl vorstellen. Dass der 33-Jährige bei der EM einem der Jungen noch einen Platz wegnehmen kann, gilt aber mittlerweile als ausgeschlossen.“

Daniel Theweleit (Spiegel Online) schickt die Mannschaft in den wohlverdienten Urlaub: „Joachim Löw wäre nicht er selbst, wenn er keine wichtigen Erkenntnisse von der weiten Reise nach Vorderasien und dem anfangs ziemlich mühsamen 3:1-Erfolg in Aserbaidschan mitbringen würde. Doch in der Nacht nach diesem Sieg machen auch die Details einmal Urlaub. In seiner Analyse mochte der Bundestrainer erst einmal nur das Gesamtwerk der vergangenen zehn Monate betrachten. Und das ist in der Tat schwer beeindruckend. Nachdem die Nationalmannschaft ihre Spiele im Jahr 2010 mit einem technisch beeindruckenden und überaus rasanten Kombinationsfußball gewann, war zuletzt das Element der Willenskraft wieder wichtiger.“

Das Team ist noch nicht auf WM-Niveau

Michael Rosentritt (Tagesspiegel) fordert mehr Konstanz : „Einschränkend sei erwähnt, dass die deutsche Gruppe nicht die stärkste ist. Österreich und Belgien sind fußballerische Schwellenländer, Kasachstan und Aserbaidschan sind fußballerische Entwicklungsländer. Einzig die Türkei zählt zur Beletage des europäischen Fußballs. In Berlin wurde die Türkei mit 3:0 bezwungen, es war die beste Leistung, die Löws Mannschaft in der Qualifikation zeigte. In den Spielen danach ging das Tempo und der Fluss etwas verloren. Man hat gesehen, dass das Team aus dem Stegreif das WM-Niveau nicht erreichen kann.“

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Kommentare

12 Kommentare zu “Deutschland auf dem Weg zur EM 2012 – Keine Angst mehr vor kleinen Namen”

  1. lateral
    Donnerstag, 9. Juni 2011 um 13:31

    Ist eigentlich jemandem aufgefallen, dass sich ein für die Zukunft potentiell wichtiger Spieler – Lewis Holtby – mit der Einwechslung gegen Aserbaidschan „festgespielt“ hat? Sogar reine PremierLeague-Beobachter aus meinem Bekanntenkreis haben auch stets mit einem halben Auge auf den Sohn eines britischen Soldaten geschielt. Nun ist er für den Fußball endgültig Deutscher…

  2. Marvin Nash
    Freitag, 10. Juni 2011 um 17:15

    Stand doch bei ihm nie wirklich infrage soweit ich weiß. Wir haben zum Glück eine Nationalmannschaft, bei der wir es nicht nötig haben, Leute zu überreden oder Leute spielen zu lassen, damit sie nicht mehr „wechseln“ können. Ich glaube auch nicht, dass Löw ihn deshalb gebracht hat. Bei Özil hat er sich damals auch nicht unter Druck setzen lassen.

  3. Gerold
    Sonntag, 12. Juni 2011 um 07:49

    Also ich sehe das ganz ähnlich, allerdings glaube ich nicht das die Nationalmannschaft eine reale Chance hat die EM zu gewinnen.

  4. Michael Niag
    Sonntag, 12. Juni 2011 um 21:09

    Aber Nuri Sahin haben wir aber an die Türkei verloren, was ich sehr schade finde. Natürlich habt ihr recht und die meisten entscheiden sich für Deutschland. Trotzdem hätte der deutschen NM Nuri Sahin sehr gut getan, wahrscheinlich hätte er sogar Sami verdrängt.

  5. Marvin Nash
    Montag, 13. Juni 2011 um 10:16

    Kann ich mir nicht vorstellen. Das wird er auch bei Real Madrid nicht tun. In einem perfekten System in einer Saison wie der letzten bei Dortmund zu funktionieren, ist was anderes, als sich auf Top-Niveau zu beweisen. Sahin ist gut, keine Frage, aber er hätte bei uns keine Chance auf einen Stammplatz. Den hat er ja nicht einmal bei der Türkei.

    Man darf sich bei der Bewertung eines Spielers nicht nur von Kickernoten leiten lassen. Den einzigen Borussen, denen ich auch auf lange Sicht und auch in anderen Teams so richtig viel zutraue sind Götze, Großkreutz und Schmelzer.

  6. lateral
    Dienstag, 14. Juni 2011 um 16:34

    Ich wollte auch nicht sagen, dass ihn Löw deswegen gebracht hat. Aber es ist dennoch so, dass Holtby sich hiermit „festgespielt“ hat. Ich weiß auch nicht, ob er jemals mit England geliebäugelt hat. Aber wenn sich der DFB um ihn nicht bemüht hätte, wäre es für ihn bestimmt eine Option gewesen. Einen kurzen Halbsatz wäre dieser Sachverhalt m.E. zumindest Wert gewesen. Man stellt immer nur die negativen Beispiele (wie Sahin – der allerdings m.E. auch nicht an einen Khedira heranreicht) heraus, die positiven werden als selbstverständlich hingenommen.

  7. Marvin Nash
    Dienstag, 14. Juni 2011 um 17:28

    Da hast Du Recht. Habe das irgendwie falsch verstanden. Wir haben zum Glück eine Nationalmannschaft, wo sich jeder Spieler, der sich Chancen ausrechnet, auch für entscheidet, wenn er hier aufgewachsen ist. Außer er ist vielleicht Brasilianer und hat da eine Chance. Sahin habe ich das nie zugetraut. Er selber ja scheinbar auch nicht.

  8. Thomas
    Dienstag, 14. Juni 2011 um 22:54

    @lateral: Wieso hätte irgendein Journalist einen Halbsatz über diese Tatsache des „Festspielens“ verlieren sollen, wenn sich Holtby schon weit früher entschieden hat. Keine Ahnung weshalb du das hier thematisierst. Jegliche Diskussion darüber ist überflüssig. Was Sahin anbelangt, wage ich zu behaupten, dass er über eine wesentlich höhere Spielintelligenz als Khedira verfügt und von daher auf letzteren schwere Zeiten zukommen.

  9. lateral
    Mittwoch, 15. Juni 2011 um 12:11

    @Thomas: Wie man am Beispiel Jermaine Jones sieht, der schon ca. 3-4 A-Länderspiele für Deutschland gemacht hatte bevor er sich für die USA entschied, ist die Tatsache des Sich-nicht-mehr-umentscheiden-Könnens durchaus eine Erwähnung wert.

  10. breeze
    Mittwoch, 15. Juni 2011 um 16:34

    @Marvin: Ist dir schon mal aufgefallen, dass es auch bei Profis der Fall sein kann, dass sie nicht alles der Karriere unterordnen?
    Gerade bei Nationalmannschaften ist der emotionale Faktor für mich deutlich stärker als bei Vereinen.
    Und außerdem trifft man mit 16 nicht immer Entscheidungen nur mit dem Verstand 😉

    Dieses „Er hätte sich eh nicht durchgesetzt“ hat außerdem etwas beleidigtes im Sinne von „Wir haben eh was besseres verdient.“

    Man kann damit auch souveräner umgehen. Ganz abgesehen davon, dass ich es etwas anders einschätze. 😉
    Aber mal sehen, wie Senhor Mourinho das in Madrid sieht.

  11. Jan
    Mittwoch, 15. Juni 2011 um 18:31

    Im Gegensatz zu Özil oder Holtby (Deutschland) durchlief Sahin alle Jugendmannschaften der Türkei, weshalb sich bei ihm die Wahl der A-Nationalmannschaft laut eigenem Bekunden nicht stellte. Eben wie bei Özil und Holtby, die das in Bezug auf den DFB wohl genauso sehen. Das sind also Fälle, die man zum jetzigen Zeitpunkt nicht vergleichen kann. Spekulativ bliebe nur die Antwort auf die Frage danach, warum man ihn im Jugendbereich (U16) nicht für den DFB gewinnen konnte.

    Sahin hat mit 22 eine längere Profikarriere vorzuweisen als Khedira mit 24, zudem ebenfalls ein Jahr im Ausland hinter sich (Okay, Eredivise). Gemessen an den Leistungssteigerungen, die er seit dem gezeigt hat, halte ich es für gewagt, ihn einzig auf die „eine perfekte Saison“ zu reduzieren und ihm (mit 22!) die nötige Qualität abzusprechen, sich gegen Khedira durchzusetzen.

  12. Marvin Nash
    Mittwoch, 15. Juni 2011 um 18:36

    Wir haben bereits bessere Spieler. Das ist genau der Punkt. Sahin ist Schweinsteiger viel zu ähnlich vom Spielertypus her. Khedira und Schweinsteiger ergänzen sich perfekt.

    Sahin ist sowas wie ein Schweinsteiger-light. Allerdings nicht so defensivstark und robust. Und auch nicht so flexibel. Aber die Zeit wird es uns schon zeigen, da hast Du Recht. Ich traus ihm halt nicht zu.

    Und ja, es gibt im Fußball auch emotionale Entscheider. Aber in erster Linie zählen bei 95% der Spieler Erfolg und Geld.

    Selbst bei „emotionalen“ Entscheidungen sind diese Faktoren sehr, sehr ausschlaggebend. Bayern musste sich finanziell auch sehr strecken, damit Schweinsteiger sich zu ihnen bekennt. Das gleiche bei Lahm. Und Podolski wäre als absoluter Leistungsträger bei Bayern bestimmt auch nicht so früh zu seinem Herzensclub zurückgekehrt.

    Und dass Sahin kein emotionaler Entscheider ist, sieht man ja an seinen vielen Äußerungen über den BVB im Gegensatz zu seiner Handlung, dann doch dem Ruf des Geldes und des Erfolgs zu folgen.

    Mag sein, dass es Leute gibt, die lieber für das Land ihres Herzens spielen, als für das bessere (was auch ihren Marktwert steigert etc.) Aber die Regel ist das überhaupt nicht.

    Ich glaube auch nicht, dass Sahin die Entscheidung bereut. Denn bei uns wäre er eh höchstens nur Bankdrücker.

    Vielleicht hat er ja auch Glück. Denn Mourinhos Spielstil kommt ihm entgegen. Dortmund war ja auch eine defensiv eingestellte Mannschaft. Ein Team wie Bayern oder auch unsere Nationalmannschaft haben eine ganz andere Spielanlage. Da sieht man auch an einem Hummels zum Beispiel, dass es was anderes ist, da zu spielen. Ich sag nicht besser oder schlechter. Nur anders.

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