indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

50+1-Regelung – Martin Kind lenkt ein

Kai Butterweck | Mittwoch, 6. Juli 2011 3 Kommentare

In der Diskussion um die umstrittene 50+1-Regelung überrascht Hannover-Oberhaupt Martin Kind mit einem neuen Vorschlag. Außerdem: Glückliche Bayern und Sport-Probleme in Dortmund

Hannover-Präsident Martin Kind rudert im Streit um die 50+1-Regelung überraschend zurück und bietet eine Alternativlösung an. Michael Ashelm (FAZ) beschäftigt sich mit der „Fristenlösung“ des 96-Chefs: „Kind schlägt vor, den entsprechenden Stichtag 1. Januar 1999 aus dem Paragraphen der Ligasatzung zu streichen, damit der Weg dann absehbar frei wäre für private Mehrheitsbeteiligungen bei seinem Klub. Der Vorschlag ist ein interessanter Winkelzug in dem Streit, den Kind gegen eine erdrückende Mehrheitsmeinung in der Liga seit drei Jahren alleine ausficht. Folgte ihm das Schiedsgericht, würde er wohl endgültig Abstand nehmen von seinen Bemühungen, die 50+1-Regel zu kippen. Nach EU-Recht stellen sich natürlich Fragen, was das Kartellverbot und die Kapitalverkehrsfreiheit betrifft. Im Gegenzug hätte der Rest der Liga die Gewissheit, dass weiterhin millionenschwere Scheichs und andere Investoren keinen maßgeblichen Zugang bekommen. Gewarnt wird von den Verfechtern der Regel vor Fremdbestimmung und Heuschrecken-Gefahr.“

Sein Modell bringt Liberale und Bewahrer näher

Philipp Selldorf (SZ) zweifelt an grundlegenden Veränderungen: „Dass Martin Kind, seit Jahren gegen die Regelung zu Felde zieht, ist nicht nur sein Recht, sondern liegt in der Logik des Geschäfts. Kind hat jetzt den Kompromiss einer Fristenlösung vorgeschlagen, der die Heuschrecken und die Zwielichtigen unter den Investoren fernhalten und den ehrbaren Geldgebern die Türen öffnen soll. Sein Modell bringt Liberale und Bewahrer näher. Und doch ist es nur ein verzweifelter Versuch, Schranken in einer schrankenlosen Fußballwelt zu errichten.“

Mehr auf sueddeutsche.de/sport

Neuer hängt sich voll rein

Florian Bogner (spox.com) begleitet  Manuel Neuer bei seinem neuen Arbeitgeber: „Wenn man den 25-Jährigen dieser Tage beobachtet, könnte man auf die Idee kommen, er würde schon länger als nur ein paar Tage zum Team gehören. Er flachst mit den Mitspielern, spricht viel mit den Torwartkollegen. Nur in einem Trainingsspiel, als Mario Gomez ein Missverständnis zwischen ihm und Abwehrspieler Daniel van Buyten eiskalt zum einzigen Tor der Übung ausnutzte, merkte man ihm bislang an, dass es noch an der Abstimmung hapert. Im Training agiert der Keeper äußerst engagiert. Auch die Fitnessparts und Passübungen, die Neuer gemeinsam mit den Feldspielern absolviert, hängt sich Neuer voll rein, und ist außer durch seine Größe und den Blondschopf nicht von den Kollegen zu unterscheiden.“

Maik Rosner (FR) befasst sich mit bayerischer Harmonie: „Es waren auch die kleinen Sympathien zwischendurch, die der 25-Jährige vernehmen durfte, wie die Sprechchöre nach seinen Paraden im Trainingsspielchen, das er ohne Gegentor beschloss. Die Anhänger des Rekordmeisters nahmen es ihm auch nicht übel, dass er das Spaß-Elfmeterschießen gegen drei Fans mit 2:1 für sich entschied. Der Familienanschluss scheint also geglückt. Karl-Heinz Rummenigge hatte zuvor mit Präsident Uli Hoeneß, Sportdirektor Christian Nerlinger und Kapitän Philipp Lahm den Dialog mit zehn Fanklubvertretern gesucht. Neuer nahm entgegen der ursprünglichen Pläne vorsichtshalber nicht an dem Runden Tisch teil, der vom ehemaligen Kanzlerberater und von zahlreichen Geiselnahmen gestählten Krisenvermittler Wolfgang Salewski moderiert wurde. Das klang ein wenig überhöht, wenngleich Teile der Fans im monatelangen Transferpoker nicht nur den Torwart, sondern auch Hoeneß massiv angefeindet hatten. Einige Wochen und viele Appelle später geriet der Empfang für Neuer zum lautstärksten Jubel des gesamten Nachmittags. Die Skala der Aufgeregtheiten, die das Fußballgeschäft besonders in München so bereithält, ist eben nach unten und oben offen.“

Der Sport in Dortmund befindet sich in einem erbärmlichen Zustand

Christian Menn (westen.de) sorgt sich um den „Restsport“ in Dortmund: „Der Sport in der Stadt des deutschen Meisters, immerhin die siebtgrößte in Deutschland, befindet sich in einem erbärmlichen Zustand. Nur der BVB besitzt eine glänzende Perspektive. Eines muss unmissverständlich klar gemacht werden: die alte Dame Borussia hat sich nicht unfair gegenüber dem Restsport verhalten, sie hat niemandem etwas vorenthalten und sie hat auch niemandem die Luft zum Atmen genommen. Der Fußball ist aber die Ursache, weil die wirtschaftlich potenten Unternehmen zu ihm drängen wie die Motten zum Licht, sich davon – wie man neudeutsch sagt – eine Win-Win-Situation versprechen und dabei viele schöne Plätzchen und Nischen rechts, links, ober- oder unterhalb des Fußballs übersehen. Das ist nicht nur in Dortmund Fakt.“

 

Kommentare

3 Kommentare zu “50+1-Regelung – Martin Kind lenkt ein”

  1. anderl
    Mittwoch, 6. Juli 2011 um 23:51

    Warum Christian Menn sich auf Dortmund fokussiert, liegt wohl an der Geographie: Der Westen.
    Wenn man aber mal nach München schaut, dann gibt es da: Fussball (FCB und 1860), Basketball (vom FC Bayern) und Eishockey. Hier aber auch eher als Randerscheinung.
    Sonst: NICHTS
    Und das bei 1,3 Mio Einwohnern.
    In Berlin liegt es wohl an der Schwäche der Hertha, dass es dort Fussball (HBSC,Union), Handball(Füchse), Eishockey, Basketball usw. gibt…

    Wobei in einer 3-Mio-Stadt auch Platz für mehr ist…

  2. Fussballkenner
    Freitag, 8. Juli 2011 um 14:07

    Bayer Leverkusen, TSG Hoppenheim, RedBull Leipzig, VFL Golfsburg…jetzt 1860 München

    50+1 hat doch rein Gar nichts mehr zu sagen….

  3. Ingrid
    Dienstag, 12. Juli 2011 um 21:08

    Ich denke, es liegt nicht am Fußball sondern daran, wer in der Region am höchsten spielt…

    In Göttingen verschwand 2003 der 1. SC Göttingen 05 nach Insolvenz von der Bildfläche…

    Beim Basketball schafften es zuerst die Frauen, später (2007) die Männer, in die 1. Liga aufzusteigen..

    Aus Wikipedia:
    „In der Saison 2007/2008 schaffte man ein bisheriges Novum in der deutschen Basketballlandschaft. Es war sowohl in der 1. Damenbasketball-Bundesliga als auch in der 1.Bundesliga und der NBBL vertreten – wodurch in allen höchsten Spielklassen der Verein vertreten war.“

    Die Frauen wurden dann wieder zurückgezogen, aber die Herren spielen seither in der 1. Liga und auch auf europäischer Ebene.
    Da ist es hier in Göttingen doch so, dass Sponsoren sich lieber dem Basketball zuwenden als dem Fußball. Im letzten Jahr gab es in Göttingen 4 Landesligisten, im Jahr davor spielte die SVG in der zweiteiligen Oberliga Nds., nächste Saison spielt der RSV Göttingen 05 in der jetzt einteiligen Oberliga Nds.

    Da muss man jetzt abwarten, wie die Saison anläuft und was sich sponsorenmäßig tut.

  • Quellen

  • Blogroll

  • Kategorien

  • Ballschrank

  • Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
116 queries. 0,940 seconds.