indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Der FC Bayern marschiert weiter

Kai Butterweck | Montag, 26. September 2011 7 Kommentare

Die Bayern sind derzeit das Maß aller Dinge. Nach dem mühelosen Sieg gegen Leverkusen wird dem Rest der Liga so langsam angst und bange.

Maik Rosner (Berliner Zeitung) applaudiert den Münchnern: „Es wirkte so, als genüge den Bayern eine gute Anfangsphase und ein anschließendes Schonprogramm, um einen Sparringspartner lässig zu beherrschen. Es war ein von Beginn an einseitiges Spiel, in dem sich die Münchner mit viel Selbstbewusstsein immer wieder Richtung Tor von Bernd Leno kombinierten. Chancen der Gäste ließen sie kaum einmal zu. Dutts Mannschaft stand einem uhrwerkgleichen Kollektiv machtlos gegenüber.“

Thomas Hummel (SZ) schwärmt vom FC Bayern dieser Tage: „Trainer Jupp Heynckes hat es geschafft, aus dem traditionell eitlen FC-Bayern-Betrieb eine Mannschaft zu bauen, in der sich alle Millionäre auf dem Platz einer gemeinsamen Sache unterordnen. Im Mittelfeld hat er mit Anatolij Timoschtschuk und Luiz Gustavo zwei giftige Arbeiter, die viel Dreck wegräumen vor der Abwehr. Und meistens attackiert die vordere Reihe mit Mario Gomez, Franck Ribéry, Thomas Müller und Toni Kroos schon so eifrig, dass selbst für Timoschtschuk nur noch wenig Dreck übrig bleibt. So sieht die gut geschützte Abwehr viel besser aus als in den vergangenen Jahren, und vorne spielen  die Offensivkönner mit den gegnerischen Verteidigern. Da kann es der Konkurrenz wenig Mut machen, dass nun auch Arjen Robben wieder da ist.“

Trainer Dutt hat aus seinem Team noch keine Einheit geformt

Auch der Vizemeister konnte den Siegeszug der Münchner nicht stoppen. Sebastian Winter (Spiegel Online) hofft auf die Rückkehr Leverkusener Stammkräfte: „Es zeigt sich, dass die Weggänge bei Bayer bislang noch nicht ersetzt werden konnten: Arturo Vidal fehlt dem gegen die Bayern arg behäbigen Kapitän Simon Rolfes im defensiven Mittelfeld, zudem hat der 21-jährige Stefan Reinartz den ehemaligen Abwehrchef Sami Hyypiä noch nicht ersetzen können. Auf dem linken Flügel fällt der rotgesperrte André Schürrle weiter aus, und auch die zentralen Stürmer Stefan Kießling und Eren Derdiyok enttäuschten bislang. Das Bayer-Spiel wirkt harmlos-verkrampft, von der Kombinationssicherheit, die in der vergangenen Saison immerhin mit Platz zwei belohnt wurde, ist nicht viel zu sehen. Dutt, der Nachfolger von Jupp Heynckes auf der Bayer-Trainerbank, hat aus seinem Team noch keine Einheit geformt.“

Vieles beim VfB wirkt beliebig

Der VfB Stuttgart bleibt nach der Heimniederlage gegen den HSV hinter seinen Erwartungen zurück. Thomas Haid (Stuttgarter Zeitung)fordert eine Chance für den Nachwuchs: „Im Stuttgarter Führungskreis gibt es sehr wohl progressive Stimmen, die angesichts der Konstellation dafür plädieren, den Nachwuchs schnell bei den Profis einzubauen. Das entspräche dem Stuttgarter Weg, den der Verein theoretisch gehen will. Aber praktisch gibt es keine Vorgabe aus der Chefetage, die verlangt, dass die sportliche Abteilung sichtbar mit der Umsetzung der Strategie beginnen muss. Dabei würde eine solche Stallorder die Arbeit von Labbadia vermutlich erleichtern. Wenn er Weisungen befolgt, könnte er nicht wie bei Bikcacic zum Sündenbock gestempelt werden. Doch diese Zeichen fehlen. So wirkt seit Längerem vieles beim VfB beliebig, was sich auch an der Aufstellung gegen den HSV gezeigt hat. Spieler aus nicht weniger als zehn verschiedenen Nationen standen auf dem Platz. Erstens ist das rekordverdächtig in der Liga – und zweitens dürfte auch dieses Multikulti nicht Teil des Stuttgarter Wegs sein.“

Der Unterschied zwischen einem passablen Trainer und einem Spitzenkönner

In Gladbach herrscht eitel Sonnenschein. Matti Lieske (FR) adelt Lucien Favre: „Der 53-Jährige demonstriert, was einen passablen Trainer von einem Spitzenkönner unterscheidet. Mit leichter Hand und rasend schnell unterfütterte er das offensive Talent der Gladbacher mit einer soliden Defensivorganisation. Das reichte zum Klassenerhalt und stellt nun nach einer kompletten Vorbereitung mit Favre gehobenes Bundesliganiveau dar. Die Borussen können vorn geduldig sein, weil sie hinten kaum etwas zulassen. Heraus kommt meist ein 1:0, was gemeinhin als glücklicher Sieg gilt. Nicht so bei Favre. Da hat es System.”

Eine Bauruine wie in Torremolinos

Marcel Reif (Tagesspiegel) sorgt sich weiterhin um den HSV: „Der Klub erinnert an eine Bauruine, sagen wir eine Bauruine wie in Torremolinos, und seine Aktionen sind Operationen am offenen Herzen. Mit Jugendspielern? Wie soll das gut gehen? Mit einer Vereinsführung, die die Sünden der Vergangenheit abzuarbeiten hat, schlimmer noch, die täglich neue entdeckt? Mit Größenwahn, der einem Dinosaurier nun mal inne ist? Und mit Finanzverhältnissen, siehe Sünden der Vergangenheit, die Einkauf nur auf der Resterampe erlauben? Und mit internen Vereinsstrukturen, sprich einem Aufsichtsrat, der keine Richtung findet, weil er sich immer wieder aufs Neue ins Patt setzt? Erstaunlich genug, dass die Mannschaft sich hat aufraffen können und in Stuttgart gewann. Ich fürchte, für diesen großen Verein mit dieser großen Tradition, mit diesen Fans in dieser Stadt, wird es eine Ausnahme bleiben. Verein, Fans, Stadt und im übrigen auch das Stadion, egal, wie es nun heißt, haben besseres verdient.“

Vielleicht war es der nagende Schmerz

Maik Rosner (FR) befasst sich mit der Situation um Bayern-Verteidiger Breno: „Sollte sich bestätigen, dass Breno die Villa in Brand gesteckt hat, wäre er aber wohl nicht nur Täter. Nach allem, was man hört, erzählt seine Geschichte auch von einem jungen Mann, der den Halt verloren hat. Vielleicht sogar den Lebensmut. Von finanziellen Problemen ist die Rede, von Beratern, die ihm nicht wohlwollend zur Seite standen, von tiefem Frust über seine sportliche Situation, von Einsamkeit. Und von Eheproblemen mit seiner Frau Renata, die zwei Kinder mit in die Beziehung brachte und mit der er ein gemeinsames Kind hat. Von einer letzten Chance war zuletzt die Rede, Brenos Vertrag läuft im Sommer 2012 aus. Immer wieder hatte er mit Knieproblemen zu kämpfen. Am Montag, unmittelbar vor der Brandnacht, bekam er die Diagnose, dass er nochmals operiert werden müsse. Vielleicht war es der nagende Schmerz, die Angst vor der Zukunft und vor dem Karriereende, die Breno in tiefe Verzweiflung stürzten.“

Die Branche muss Ventile zur Verfügung stellen

Claudio Catuogno (SZ) fordert mehr Liga-Initiative: „Jeder Mensch hat seine eigene Kompensation, jeder braucht sein eigenes Ventil. Aber was spräche dagegen, dass auch die Branche ein paar Ventile zur Verfügung stellt? Die Liga hat schon einmal bewiesen, dass sie auf Herausforderungen reagieren kann: Seit der Rumpel-EM 2000, als der deutsche Fußball nach allgemeinem Empfinden am Boden lag, zwingt sie ihre Klubs zur Nachwuchsarbeit. Internate sind Teil des Lizenzierungverfahrens geworden. Warum also nicht das Thema Stressbewältigung zum Pflicht-Bestandteil der Trainer-Ausbildung machen, wie Schalkes Mannschaftsarzt es jetzt vorschlägt? Und warum nicht eine psychologische Früh-Betreuung als Bedingung für die Lizenz? Eine, die Talente schon in den Fußball-Schulen darauf vorbereitet, was in diesem Beruf auf sie zukommen kann, außer Villen und Stress?“

In Deutschland herrscht momentan ein akuter Mangel an modernen Trainern

Johannes Kopp (taz) zeigt sich enttäuscht vom deutschen Trainer-Nachwuchs: „Wie sich an der verzweifelten Suche des Hamburger SV und Schalke 04 nach neuen Übungsleitern gerade zeigt, herrscht in Deutschland momentan ein akuter Mangel an Trainern, die den Ansprüchen der Moderne genügen. Begehrt sind Kandidaten, die das Kollektiv und flache Hierarchien zu schätzen wissen und über die dafür nötigen sozialen Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit verfügen. Hierzulande sieht es mau aus. Neulinge von der Hennes-Weißweiler-Akademie, wo seit jeher die deutschen Trainer ausgebildet werden, drängten sich zuletzt nicht mehr auf. Ob der diesjährige Lehrgang daran etwas ändern wird, darf bezweifelt werden. Zumal die Neigung der Bundesligavereine, zur Not auf ehemalige Profis zurückzugreifen, immer noch stark ausgeprägt ist. Es ist schon ein gerüttelt Maß an Optimismus nötig, um von den derzeitigen Lehrlingen Mehmet Scholl, Stefan Effenberg und Christian Wörns einen Innovationsschub für das deutsche Trainerwesen zu erwarten.“

Milan Pavlovic (SZ) beschäftigt sich mit der Trainersuche auf Schalke und richtet dabei seinen Blick nach Fürth: „Zieht man auf dem Markt mal jene arbeitslosen Übungsleiter ab, die per se nicht in Frage kommen, dann bleibt eine Auswahl, die an eine Ernte auf verdörrtem Land erinnert, auf dem derzeit obendrein auch der Hamburger SV nichts unversucht lässt. Christian Gross, den Heldt im Spätherbst 2009 zum VfB Stuttgart holte? Eher nicht, denn der Schweizer hatte Heldt nach nicht einmal einem Jahr schwer brüskiert. Huub Stevens, der schon einmal fast sechs Jahre bei Schalke überdauert hat? Gilt als knorrig und gestrig und hat sich obendrein penetrant beim HSV ins Gespräch gebracht.  Am einleuchtendsten wäre die Verpflichtung von Mike Büskens, der 17 Jahre lang auf Schalke war – erst als Spieler, später zweimal als Interimstrainer – und 2009 von Magath fortgeschickt wurde. Büskens‘ Familie wohnt immer noch in Gelsenkirchen, er hat als Coach in Fürth weitere Fortschritte gemacht und in Helmut Hack einen verständnisvollen Präsidenten, der schon mal Trainer zu namhafteren Klubs ziehen lässt, wie Bruno Labbadia zu Leverkusen.“

freistoss des tages

Kommentare

7 Kommentare zu “Der FC Bayern marschiert weiter”

  1. Manu
    Montag, 26. September 2011 um 12:40

    Der Freistoss des Tages ist eigentlich recht interessant, aber am Ende des Tages habe ich es nicht durchgehalten ihn sozusagen komplett zu lesen.

  2. Manfred
    Montag, 26. September 2011 um 12:43

    Floskel-Kalle mal wieder in seinem Element: was der so alles sagen muß, sogar mit Würde – nee, im Konjunktiv, sorry – wow!

    Und das groteske Gefasel von Herrn Haid ist geradezu gefährlich. Ist die Steigerung von Haid zufällig Haider?

  3. back-heel goal
    Montag, 26. September 2011 um 14:44

    @ Manu

    Wer zum Lesen zu faul ist, kann ja auch die Augen schließen und Kalle andächtig lauschen…

    Flash

    MP3

  4. back-heel goal
    Montag, 26. September 2011 um 14:45
  5. Nixwisser
    Montag, 26. September 2011 um 16:44

    Am Endes des Tages…

    …glaubt Rummenigge noch den Quatsch, den er verzapft. „Demokratisierung“?!?!?! Ich lach mich kaputt. Das ist wirklich das Letzte, woran er Interesse hat. Am Schluß kommt er Gott sei Dank doch noch zum Punkt: mehr Kohle. Welch eine Überraschung. Und natürlich nur, wg. der sonst nicht herzustellenden Wettbewerbsfähigkeit. Klar. Dieses Interview ist ekelerregend.

  6. qualitätsbeiträge nur ausnahmsweise
    Dienstag, 27. September 2011 um 07:37

    deutschlandradio macht den Inzaghi: immer scharf am Rande, sozusagen, des Gefälligkeitsjournalismus´. Am Ende des Tages beweist der 56-jährige, dass er das Momentum momentan begriffen hat, dass in der Welt Dinge vor sich gehen, die sich am Ende des Tages ganz unmittelbar mit der Demokratiserung des Fussballs, also der Bereicherung der Reichsten unter den tausenden Fussballklubs des Landes identifizieren lassen. Historisch, oder was weiß ich, gibt es halt Traditionen, die wir am Ende des immer dann betonen, wenn wir es gebrauchen können.

  7. Manu
    Dienstag, 27. September 2011 um 08:36

    @ back-heel goal

    Danke, aber am Ende des Tages lese ich die Ansammlung von Floskeln doch lieber 😉

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