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Bundesliga

Stuttgart, Dortmund, Wolfsburg, Hertha – Rauf und runter!

Kai Butterweck | Montag, 31. Oktober 2011 9 Kommentare

In Stuttgart und Wolfsburg erfreuten sich die Fans am Wochenende an wahren Fußballfesten. Außerdem: Die Angs vor der Allianz-Arena und Krisenstimmung in Mainz

In Stuttgart ging es neunzig Minuten lang rauf und runter. Roland Zorn (FAZ) klatscht begeistert in die Hände: „Von der ersten Minute an entwickelte sich ein faszinierender Schlagabtausch zweier Mannschaften, die mit den Prinzipien des modernen Fußballs eng vertraut sind. Der BVB legte vor mit einer starken Anfangsphase. Dann aber kam der VfB mit aller Macht. Und die war deshalb so bezwingend, weil die Schwaben bei ihren Tempoattacken das Ziel schnörkelloser als die Westfalen ansteuerten. Dass am Ende für beide Mannschaften nach einem erstklassigen Auftritt nur ein Punkt zu Buche stand, war eigentlich viel zu wenig für das, was das Publikum in Stuttgart geboten bekam.“

Jürgen Löhle (taz) wundert sich über den BVB: „Hinterher stand die Frage – warum um alles in der Welt schwächelt die Borussia in der Champions League, während sie sich national langsam der Meisterform der vergangenen Saison nähert? Mit der Leistung von Stuttgart hätten sie auf jeden Fall wohl kaum in Athen oder Marseille verloren. Jetzt sind sie mit einem Punkt aus drei Spielen fast schon draußen. Jürgen Klopp, der große Kommunikator, schaute da in Stuttgart auch ein wenig ratlos aus dem chronisch unrasierten Gesicht.“

Jürgen Klopp: Der Spaß ist sein Schlüssel zum Sieg

Oskar Beck (Stuttgarter Zeitung) kenn Jürgen Klopps Erfolgsgeheimnis: „Der Spaß ist sein Schlüssel zum Sieg. Den Spaß verliert er nie, und selbst wenn er den Schlüssel einmal verliert, wie zuletzt in Marseille und Athen, kriegt Klopp immer noch ein Gesicht hin, das freudetrunkener daherkommt als beispielsweise die gusseiserne Miene von Armin Veh, als der mit dem VfB Deutscher Meister wurde. Das Unvermeidliche ist inzwischen passiert: Veh ist zweitklassig, dem VfB das Lachen vergangen – und Borussia Dortmund Meister. Kluge Köpfe behaupten, schon zwei Minuten Lachen seien für Körper und Geist so gesund wie zwanzig Minuten Joggen, und Klopp rechnet dann geschwind hoch, wie gesund es erst wäre, wenn seine Mannschaft ständig gut drauf ist – jedenfalls ist Dortmund der erste Club, der sich zum Titel gelacht hat. Schauen Sie nur Mario Götze an. Selbst wenn er sich selbst umspielt, grinst er und schmunzelt. Er hat Spaß.“

Es ging 88 Minuten lang nur um Schadensbegrenzung

Die Gegner der Bayern lassen derzeit vor allem eins vermissen: Selbstvertrauen. Elisabeth Schlammerl (FAZ) beschäftigt sich mit dem Auftritt des Kaninchens vor der Schlange: „Die Franken, die seit mehr als 19 Jahren in München nicht mehr gewonnen haben, waren 88 Minuten lang um Schadensbegrenzung bemüht – mit mäßigem Erfolg. Der jungen Mannschaft gelangen nach der Pause wenigstens ein paar Vorstöße in die Nähe des gegnerischen Strafraums. Tomas Pekhart schaffte es sogar zweimal, gefährlich vor Manuel Neuer aufzutauchen, aber einmal versprang ihm der Ball, das andere Mal parierte der Bayern-Torhüter. Die Münchner machten es besser.“

Sebastian Winter (Spiegel Online) berauscht sich an der Effektivität des Bayern-Spiels: „Gegen Nürnberg hatten die Bayern-Spieler insgesamt weit weniger Kilometer zurückgelegt als ihre Gegner, was Simons These der Unerreichbarkeit des Balles untermauert. Auch in den Heimpartien zuvor hatten die Gäste kaum Möglichkeiten gehabt, nach Ballverlusten wieder ins Spiel zu kommen. In dieser Saison kommt noch etwas hinzu: Die Spielzüge der Bayern enden nicht am gegnerischen Strafraum und verpuffen, wie im zweiten Jahr unter Trainer Louis van Gaal, sondern werden zu Ende gedacht, mit einer beeindruckenden Chancenverwertung. So kamen bisher in der Liga Heimspiel-Ergebnisse wie 5:0, 7:0, 3:0, 4:0, und noch einmal 4:0 zustande, dazu das 6:0 gegen Ingolstadt im DFB-Pokal, und zwei 2:0-Siege in der Champions League. Lediglich gegen Gladbach verloren die Bayern zu Hause. Das beeindruckende Torverhältnis seit der Niederlage gegen die Borussia zeigt die absolute Überlegenheit, ein Zustand, den die Bayern in der vergangenen Saison in einzelnen Spielen erreicht haben, jedoch nie in Serie.“

So spannend wie ein Rosamunde-Pilcher-Film

Jürgen Schmieder (SZ) amüsiert sich: „Dem aufmerksamen Bundesliga-Beobachter ist nach elf Spieltagen natürlich nicht entgangen, dass der FC Bayern ziemlich leicht zu besiegen ist in dieser Saison. Die gegnerische Mannschaft muss nichts anderes tun, als darauf zu warten, dass die Münchner jede der 15 Großchancen vergeben, die sie sich pro Partie erspielen. Dann braucht es nur noch einen grotesken Elfmeter oder einen abgefälschten Schuss, schon ist der Sieg perfekt. Ganz einfach. Der FC Nürnberg hatte an diesem Samstagnachmittag, das muss an dieser Stelle einfach mal gesagt werden, einfach nur Pech: Es gab keinen grotesken Elfmeter, es gab keinen abgefälschten Schuss – und blöderweise verwerteten die Münchner ihre erste Torchance, sie verwerteten auch ihre zweite Torchance. Sie vergaben natürlich auch elf Chancen, so stand es am Ende nur 4:0 in einer Partie, die wenig spannender war als ein Rosamunde-Pilcher-Film.“

Babbels Team hat keinen Sexiness-Faktor, agiert sachlich und ohne Allüren

In einem flotten Spiel zwischen Wolfsburg und Hertha zogen die Mannen von Felix Magath am Ende den Kürzeren. Peter Unfried (taz) zeigt sich beeindruckt vom Spiel der Berliner: „Man muss sagen, dass Hertha BSC ein deutlich stärkerer Gegner war als zuletzt Kaiserslautern und Nürnberg. Markus Babbels Team hat keinen Sexiness-Faktor, agiert sachlich und ohne Allüren, aber hat auch für die Offensive einen Plan. Hertha schaltet passabel und entschlossen um und hat die nötigen schnellen Angreifer für Auswärts-Konterfußball. Babbel hat die Talente Ebert und Ben-Hatira vorläufig aussortiert und damit den Teamfaktor für diesmal sichtbar gestärkt.“

Den Gegnern wehzutun, fällt dieser braven Mainzer Mannschaft ungeheuer schwer

Nach der Heimpleite gegen Bremen richtet sich der Blick in Mainz immer weiter Richtung Tabellenkeller. Jan Christian Müller (FR) fordert mehr Bissigkeit von Tuchels Männern: „Der auf diesem Terrain zu seinem eigenen Nachteil offenbar unzähmbare Tuchel, dessen Körpersprache derzeit zu viel aus seinem Inneren nach außen kehrt, ist freilich auch ausgewiesener Fußballfachmann genug, um anzuerkennen, dass der Kern des Problems in den eigenen Reihen auszumachen ist. Den Gegnern wehzutun, fällt dieser braven Mainzer Mannschaft ungeheuer schwer. Stattdessen wird den Kontrahenten regelmäßig Einlass gewährt in Bereiche, in denen sie nichts zu suchen haben.“

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Kommentare

9 Kommentare zu “Stuttgart, Dortmund, Wolfsburg, Hertha – Rauf und runter!”

  1. Manfred
    Montag, 31. Oktober 2011 um 13:05

    Die Gegner der Bayern lassen derzeit vor allem eins vermissen: Mangelndes Selbstvertrauen.
    Echt?

  2. Kai Butterweck
    Montag, 31. Oktober 2011 um 13:15

    denke mal, dass das ein entscheidender punkt gerade ist. wenn ich vorher schon die hosen voll habe, brauch ich mich nicht wundern, wenn sie nach 90 minuten überquillt.

  3. MS
    Montag, 31. Oktober 2011 um 15:12

    Die Gegner lassen mangelndes Selbstvertrauen vermissen … Soso.

    Mit anderen Worten: Die Gegner haben ausreichend Selbstvertrauen? Oder haben Sie jetzt mangelndes Selbstvertrauen? Wie kann man „mangelndes Selbstvertrauen“ überhaupt vermissen? Zeigt man nicht „mangelndes Sebstvertrauen“ – oder vermisst man einfach nur Selbstvertrauen, ganz ohne mangelnd?! Nein, jetzt hab‘ ich’s: Das „mangelnde Selbstvertrauen“ wird auf der FCB-Seite vermisst, richtig!? Oder ..?

    Verwirrt: MS

    PS: Auch mMn. ist das mangelnde (fehlende, vermisste, …) Selbstvertrauen der Gegner ein Grund für die FCB-Dominanz. Ganz unvermisst.

  4. Marvin Nash
    Montag, 31. Oktober 2011 um 16:13

    Hat schon Klasse, sich so an einem Flüchtigkeitsfehler aufzugeilen.

  5. Alexander
    Montag, 31. Oktober 2011 um 17:15

    Die Gegner der Bayern lassen derzeit vor allem eins vermissen: Mangelndes Selbstvertrauen.

    Na, das ist genau gelesen doch eine schöne Stilblüte…

  6. Kai Butterweck
    Montag, 31. Oktober 2011 um 21:49

    Fehler, keine Frage. Aber Dank an Marvin, denn die Kommentare dazu sind echt armselig, sorry. Da fragt man sich echt, um was es hier eigentlich geht…

  7. Alexander
    Montag, 31. Oktober 2011 um 23:45

    Natürlich sollte man über so einen „Fehler“ großzügig hinwegsehen, denn ich denke, alle hier Kommentierenden (und unkommentierend Lesenden) haben überwiegend Gewinn an diesem Web-Angebot. Jedenfalls geht es mir so. Und ich bin auch der Meinung, dass es hier in erster Linie um die Freude an der Fußball-Analyse geht.

    Aber eines ist doch damit bewiesen: Wir Fans dieser Seite lesen diese eben sehr genau. Dann kann man solche Hinweise doch gerne als Lob verstehen. Oder?

  8. MS
    Dienstag, 1. November 2011 um 11:54

    Ich wollte ja gestern schon noch einmal kommentieren, habe das dann sein lassen. Nun muss ich aber doch noch einmal – uU. wird sich jemand auf den Schlips getreten fühlen, und das darf er dann auch ganz gerne. Ich dachte beim Tippen übrigens auch an einen „Brief an den Leser“, aber offenbar muss ich meinen Spaßdetektor neu justieren…

    „Nächste Woche“ wird jedenfalls an geeigneter Stelle wieder – und zumeist auch zu Recht – über die Moderatoren- und KommentatorendarstellerInnen (<–Gender!) geschimpft. Für die der Sportschau gilt es nicht ganz so sehr, aber zumindest die Damen und Herren an der Livefront haben einen entscheidenden Nachteil: LIVE. Die können sich nämlich keine Gedanken mehr machen über das, was sie da gerade in die Welt gelassen haben.

    An der Schreibfront sieht es da etwas anders aus. Wenn dann nach dem ersten Kommentar hier der Groschen noch nicht fällt, stattdessen inhaltlich geantwortet wird – von mir im Übrigen (auch) geteilt, nur noch mal der Hinweis darauf, wird dann ja auch gerne überlesen – nun ja. Dann ist es nämlich auch KEIN Flüchtigkeitsfehler mehr (hier gleich noch eine Zwischenfrage: Was ist an Nr. 1 "armselig"?! – "zurückhaltend" passt mMn. besser). Hätte man ja tatsächlich als Stilblüte lesen können, aber die Antwort ließ nicht darauf schließen. Und selbst wenn: aus Kalau wäre wohl besseres gekommen, auch das wird ja den Phrasendreschern an der Livefront ganz gerne vorgeworfen.

    Wenn wir uns also einig sind, zukünftig vor dem TV immer hübsch den Mund zu halten, weil sich da jemand verplappert oder mal wegdämmert – wie etwa Claudia Neumann bei DEM Handspiel der Frauenfußball-WM – und das hier auch nicht mehr zu thematisieren und entsprechende Berichte der Printmedien zu ignorieren – gerne. Bis dahin sollte dann aber ggf. Vieraugenprinzip gelten, und ich gehe dann meinen Detektor überprüfen. Ist ja immer müßig und nervig, wenn meinen seine eigenen Kommentare noch mal erklären muss … warum auch immer (sind wir gleich bei Watzlawick?!? – egal)
    Und nein – ich werde grds. keine Smilies verwenden.

    Unabhängig davon stimme ich Nr. 7 noch kurz zu.

  9. Manfred
    Dienstag, 1. November 2011 um 13:08

    Ach je, diese Presseschau war für mich schlicht zum Gähnen langweilig, da fällt so ein einleitender Satz halt schneller auf.
    Bayern siegt, Klopp lacht, Berlin ist nicht sexy und Mainz gewährt freien Eintritt. War schonmal origineller, was natürlich vor allem an der Einfallslosigkiet der Schreiberlinge liegt, denn wo nichts interessantes geschrieben wird, kann auch nichts ausgewählt werden. Das ist sicher auch ne Geschmackssache, sowohl die Auswahl als auch die dortigen Aussagen betreffend, aber wenn einem nur Plattitüden serviert werden, ist gegegenlich auch der Leser platt.

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