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Bundesliga

BVB: Doppelte Krönung

Kai Butterweck | Montag, 28. November 2011 Kommentare deaktiviert für BVB: Doppelte Krönung

Der Meister beschenkt sich am 14. Spieltag gleich zweimal. Durch den ungefährdeten Derby-Sieg gegen Schalke erklimmen die Dortmunder die Tabellenspitze

Sebastian Gierke (SZ) vergleicht die Mannen von Trainer Jürgen Klopp mit dem „Blob“: „Dortmund spielte ähnlich wie beim Sieg vor einer Woche in München. Wie ein Organismus bewegte sich die Mannschaft über den Platz und verschluckte dabei alles, was sich ihr in den Weg stellte, die Dortmunder absorbierten einfach jede Gegenwehr, wandelten sie in Energie für ihr Angriffsspiel um.  Nicht einmal das Fehlen von Sven Bender, so etwas wie das Herz des Organismus in den vergangenen Wochen, bereitete der Mannschaft Probleme, der junge Moritz Leitner fügte sich ohne Anpassungsschwierigkeiten ein. So eklatant war die Überlegenheit des BVB , dass selbst die Derby-Stimmung in Dortmund darunter litt. Die Schalker Fans wollten die Niederlage allerdings nicht einfach so hinnehmen und zündelten ein wenig im Fanblock, wohl auch um sich abzulenken. Die Aufregung in dem brisanten Spiel hielt sich jedoch tatsächlich in Grenzen, weil Schalke zu keiner Minute Gefahr ausstrahlte. Und so fragten sich nicht nur die Spieler: Warum Leidenschaft in ein besseres Trainingsspiel investieren?“

Rafael Buschmann (Spiegel Online) lobt den Einsatzwillen der Dortmunder: „Der BVB zeigte eine couragierte Leistung, keinesfalls jedoch ein Fußballfest. Statt außergewöhnlicher Einzelaktionen oder sehenswerten Spielzügen kämpften die Dortmunder durchweg, waren aggressiver. Die Borussia beschränkte sich auf das körperliche Spiel. In der Bundesliga reichen diese Grundfähigkeiten derzeit aus. Vor allem dank des kompakten Mittelfelds und einer generell hohen Laufbereitschaft ist der BVB national erfolgreich. Sogar so erfolgreich, dass er nun zumindest vorübergehend die Tabellenführung übernommen hat und realistisch gesehen seinen Titel verteidigen kann. Mit diesen Tugenden lassen sich Mannschaften wie Schalke und Bayern München, wenn der Club einen schlechten Tag hat, unter Druck setzen und sogar in Niederlagen treiben.“

Auf dem Weg ins Erwachsenenleben

Daniel Theweleit (FR) sieht den BVB auf einem guten Weg: „Die Mannschaft reift, der Euphoriefußball der Meistersaison ließ sich nicht konservieren, das wissen sie in Dortmund natürlich schon lange, und die erforderliche Umstellung auf einen haltbareren Stil hat der Mannschaft dann ein paar Probleme bereitet. Hier liegt einer der Gründe für die mäßige erste Saisonphase. Der nüchtern erspielte Sieg in München aus der Vorwoche war ein erster ganz großer Moment des BVB auf dem Weg ins Erwachsenenleben, und der Erfolg gegen Schalke bestätigte die Entwicklung.“

Peter Müller (derwesten.de) adelt die Dortmunder Entwicklung: „Die Schalker sollten ihre Ansprüche nicht zu hoch schrauben und schön bescheiden bleiben. Die Mannschaft ist weitgehend jung und unerfahren, gerade die jüngeren Spieler müssen aus so seiner Niederlage auch etwas lernen. So traurig es für die Schalker Fans auch klingen mag: Die Schwarz-Gelben haben ihren Umbruch eher vollzogen und sind deshalb den Blau-Weißen in der Entwicklung noch um vieles voraus. Um ein Derby gegen eine so kompakte Mannschaft wie den BVB gewinnen zu können, dazu hätte jeder Schalker Spieler am Derbytag in Topform sein müssen. Davon aber waren die meisten Schalker so weit entfernt wie Ghana vom Gewinn der Mannschafts-Weltmeisterschaft im Skispringen.“

Dortmund hat, was Schalke nicht hat

Timo Reuter (taz.de) amüsiert sich über einen vermeintlichen Grund der schwarz-gelben Überlegenheit: „Die Dortmunder waren gut drauf am Samstag beim 2:0 gegen Schalke. Worans genau gelegen hat? Wie eigentlich immer im Fußball lässt sich das nicht exakt aufdröseln. Auch am Wetter, dem frenetischen Publikum oder einem Formtief der Königsblauen wird es vermutlich nicht allein gelegen haben. Was viele nicht wissen: Dortmund hat, was Schalke nicht hat. Es geht um einen besonderen Trick zur Leistungssteigerung. Bewahre! Keine verbotene Substanz. Im Dortmunder Fall wird auf Mechanik gesetzt. Es handelt sich um eine Beißschiene. Jawohl, so eine Plastikschiene, die man sich, eigentlich aus therapeutischen Gründen, für den Ober- oder Unterkiefer anfertigen lässt. Zähneknirscher kennen das. Bereits zwei Spieler des BVB – Mats Hummels und Marcel Schmelzer – verwenden die Schiene zur Leistungssteigerung. Das Pikante: Ausgerechnet Schmelzer brachte die Dortmunder als Vorbereiter des ersten Tors auf die Siegerstraße.“

Fathi Demireli und Oliver Robbers (spox.com) zeigen sich enttäuscht vom Auftritt der Knappen: „Schalke fand 45 Minuten offensiv überhaupt nicht statt, weil Dortmund die Passwege komplett zustellte. Schalkes Außenverteidiger Fuchs und Uchida kamen fast nie auf die Idee, die Mittellinie zu überqueren. Überzahlspiel oder Kombinationsmöglichkeiten waren so unmöglich. So versuchten Matip, Jones oder Holtby sich damit zu behelfen, mit dem Ball weite Wege zu gehen, spielten aber dann mangels Anspielstationen den Ball wieder Meter weiter zurück. So entstand nie Raumgewinn und letztlich auch keine Gefahr. Symptomatisch: Weidenfellers erster Ballkontakt datierte von der 18. Minute – den ersten ernstzunehmenden Torschuss gab Schalke in der 53. Minute ab.“

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