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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Champions League

Das Wunder von Basel?

Erik Meyer | Mittwoch, 22. Februar 2012 5 Kommentare

Während in München am Aschermittwoch alles vorbei ist, beginnt die „Basler Fasnacht“ erst am nächsten Montag. Außerdem: Warum weniger Einnahmen manchmal gut und manchmal schlecht sind.

Im Mittelpunkt des Spiels zwischen FCB (CH) und FCB (D) stehen für einige die Trainer. Sie nehmen das Duell zum Anlass, den Kontrast zwischen dem 36-jährigen Heiko Vogel („Besessen wie der Honigdachs“, NZZ) und dem 66-jährigen Jupp Heynckes („Ein Routinier – mehr nicht“, SpOn) mit Porträts herauszuarbeiten.

Auch Christof Kneer (SZ) bemüht einen Vergleich, wenn er Basels Stürmer Alexander Frei beobachtet: „Frei ist ein Spieler des Übergangs, wie Ballack, er betreibt seinen Sport mitten in der Zeitenwende. Vor ein paar Jahren gab es für einen Klub nichts Praktischeres, als einen Stürmer zu haben, der verlässlich den Sinn des Spiels (= Tore schießen) erfüllt. Inzwischen aber gibt es immer mehr Trainer, die den Sinn des Spiels darin sehen, dass Stürmer zwölf Kilometer rennen und vorne schon mit diesem lästigen Pressing beginnen.“

Florian Raz (11Freunde) erklärt, der Stil des Schweizer Clubs sei gewissermaßen aus der Not geboren: „Als Schweizer Verein muss der FC Basel praktisch ohne Fernsehgelder wirtschaften, von den Einnahmen in Höhe von rund 46 Millionen Euro im Jahr 2010 kamen lediglich 1,3 Millionen Euro aus der TV-Vermarktung. Das hat zur Folge, dass 45 Prozent der Einnahmen durch die Zuschauer generiert werden. Und die wollen im Stadion unterhalten werden, was für einen offensiven, auf Ballbesitz ausgerichteten Fußball spricht.“

Michael Ashelm (FAZ) wirft mit der Uefa auch einen Blick auf die Zahlen und sieht einige „Kurz vor dem Kollaps“: „Mehr als die Hälfte der 665 überprüften Erstligaklubs in Europa weisen eine negative Bilanz aus. Die Nettoverluste stiegen im Erhebungszeitraum 2010 bei einem Rekordumsatz von 12,8 Milliarden Euro um 36 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Die Verbindlichkeiten der europäischen Vereine betragen 19,1 Milliarden Euro, gegen die Vermögenswerte gerechnet liegen die Nettoschulden bei 6,9 Milliarden Euro.“

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Kommentare

5 Kommentare zu “Das Wunder von Basel?”

  1. Pumukel
    Mittwoch, 22. Februar 2012 um 16:35

    Mein Tipp: 1:2 – Ich denke, dass die Gehirnwäsche von Rumpelnigge geholfen hat.
    GOMEZ, Attack, attack, go!

  2. Hukl
    Donnerstag, 23. Februar 2012 um 15:54

    Böse Aschermittwocherwachung für den FC Bayern!

    Ja, das Wunder von Basel ist eingetreten, aber nur aus der Sicht des Gastgebers!
    Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass der kleine FC B den großen FC B geschlagen nach hause zurückschickte. Trotz einer nicht gerade erfolgreichen Serie in den letzten Spielen glaubte man doch im Bayern-Lager nicht ernsthaft, dass der ruhmreiche Favorit auf dem Weg zum Endspiel der Champions League im eigenen Stadion bereits im Vorfeld von einem Fußballzwerg „angebaselt“ werden könnte.

    Der überglückliche junge Siegertrainer H. Vogel aus der Pfalz genoss fast zehn seiner ersten Übungsleiter-Jahre ausgerechnet bei dem Bayern-Nachwuchs in München und durfte ein paar Wochen sogar über die Schulter seines gestern unterlegenen Kollegen schauen, der damals Sport-Chef bei Real Madrid war und von dessen Arbeit etwas abgucken.

    Die rundum schwierige Ära von van Gaal ist eigentlich längst vergessen Doch immer mehr scheinen seinem Nachfolger unfreundlichere Gespräche mit seinem Freund Hoeneß am Tegernsee bevorzustehen, dessen Wellen gefährlich hoch schlagen könnten.

    Herrschte noch vor ein paar Monaten in der Führungsetage bei den Münchenern lediglich Unklarheit, mit welchem Punkte-Vorsprung die Landesmeisterschaft neben dem Pokalsieg errungen wird, ist gegenwärtig unklar, ob überhaupt der 4. Platz erreicht werden kann und ob man international nach dem Rückspiel überhaupt noch dabei ist.

    Der Auftritt des immer irgendwie ängstlich wirkenden Jupp Heynckes nach der gestrigen Niederlage vor der Studiokamera, neben seinen „Kaiser“ stehend, wird viele Zuschauer verblüfft haben. Nachdem es vor seinem Erscheinen schon hieß, dass die Kabinentüre von innen verschlossen wurde und es dort unnormal sehr laut war, eventuell auch Fußballschuhe gegen die Wände geflogen sind, fieberte jeder Fernsehzuschauer besonders dem Erscheinen des vermutlich total geknickten Trainers entgegen, auf den bereits gleich nach dem Abpfiff bestimmt geballte Kritik einprasselte.

    Als dagegen ein völlig sicher wirkender, aufgelöster und freundlicher Trainer erschien, der den Eindruck erweckte, gerade einen Langzeitvertrag unterschrieben zu haben, verblüffte das sowohl den Experten, Franz Beckenbauer als auch den Moderator Kerner völlig. „In der Kabine war es normal ruhig gewesen, und der holprige Rasen ließ außerdem kein technisches Spiel seiner Akteure zu. Außerdem gibt es noch ein zweites Spiel in München. Die Aufregung im Umfeld ist nicht zu verstehen“, sagte der irgendwie total umgewandelte Jupp. Sind das etwa Vorläufer von unerwarteten Alarmzeichen?

    In der letzten Woche durfte Hoeneß-Zögling Nehrlinger mal so richtig seinen Frust über seine Spieler ablassen, während der Boss Hoeneß selbst sich erst bei der späteren Befragung eines Reporters zum Nichtabklatschen von F. Ribery nach seiner gestrigen Auswechslung mit dem Trainer zum fast obligatorischen Wutausbruch steigerte und die Missachtung des Trainers durch den Spieler lediglich mit Handlungen in einem Mädchenpensionat verglich.

    FC Bayern, hier scheint sich etwas anzubahnen……….

  3. augelibero
    Donnerstag, 23. Februar 2012 um 16:31

    Der Wurm ist seit längerem drin bei den Bayern. Und es hat etwas mit Arjen Robben zu tun. Seit er wieder zurück ist, spielt Bayern vorne schablonenhaft harmlos wie einst unter LvG. Die beiden Flügel-Egoisten suchen nur noch den eigenen Abschluss oder das Zusammenspiel. So ist Bayern für jeden Gegner leicht auszurechnen, die aktuelle Torquote spricht Bände.

    Robbens weithin bekannter Trick (links vorbei zur Mitte, schießen) klappt nicht gegen schnelle Gegenspieler und taktisch geschulte/vorbereitete Abwehrreihen. Ribery auf der anderen Seite ist nicht besser, leider sogar noch weniger „helle“. Wenn da im Jahr jeweils drei Hüten pro Weltstar rauskommen, ist das im Zusammenschnitt zwar werbewirksam, sportlich aber nicht relevant. Gegen Barca und Co. klappte es schon vorher nur ganz selten, mittlerweile nicht einmal mehr gegen Freiburg und Basel.

    Einer von den beiden Egoisten muss auf die Tribüne, dann spielt der andere gleich mannschaftsdienlicher. Also: Müller rein, dann trifft auch Gomez wieder.

    Es kann nicht sein, dass Robben die Sache weiter durcheinanderwirbelt. Und dass Ribery wie ein Esel in jede Abwehrreihe rennt. Beide sind zwar außerordentlich gute Einzelspieler. Aber weder bei Real, noch bei Chelsea hat Robben es gerockt. Von Ribery haben die Großen schon vorher die Finger gelassen.

    Aufm Platz fehlen leider die Anführertypen – genau: Kahn, Effenberg, van Bommel, Lucio –, die mit Aktion und Einsatz das Blatt wenden können. Stattdessen tummeln sich Besserwisser wie Lahm, Sekundenschläfer wie Boateng und Azubis wie Alaba. Und natürlich Robbery, das selbstverliebte Duo mit Traumtoren gegen Mittelklasseteams. Potential haben andere: Kroos, Müller und Gomez müssen im Team gestärkt werden und für Schweinsteiger einspringen.

    PS: Bitte, bitte, nehmt den Linkshintenzwerg die Binde ab!

  4. Pumukel
    Donnerstag, 23. Februar 2012 um 18:32

    Ich möchte auf Alaba zu sprechen kommen. Der Junge hat bei allem Fortschritt meiner Ansicht nach noch nichts in der Startformation des FC Bayern im CL-Achtelfinale zu suchen. Ein typischer Mitäufer-Spieler, der entweder zu hohes Risiko bei seinen Antritten, Pässen und Flanken wählt oder gar keines. Dafür gehört Kroos auf die Sechs und Müller ins offensive Zentrum (OZ).

    Anstatt Timo hätte ich Gustavo aufgestellt, weil der nach vorne deutlich mehr bringt und das Vakuum im Zentrum zwischen Mittel-und Sturmreihe nicht noch weiter aufreißt. Dieses Vakuum hat noch weitere Gründe:

    1)Durch Kroos‘ mutloses Spiel

    Der Junge hat so ein großes Potential. Aber er schafft es immer noch nicht in den wichtigen Spielen, aus dem Schatten von Ribery und Robben herauszutreten und auch mal wie ein Leader das Team zu führen. Er ist schlichtweg noch nicht so weit! Auch wenn das andere gerne anders hätten.
    Eine Idee wäre ja, und da möchte ich Augeliberos klare und deutliche Aussage bezüglich Philipp Lahm gerne aufgreifen, ihm die Kapitänsbinde zu geben und ihn damit ein bisschen mehr Rückendeckung zu geben und ihn und das gesamte Team so vielleicht entscheidend zu stärken.

    2)das Spiel mit einer offensiven 3er-Kette:

    Die Lücken sind ohnehin schon recht groß. Läuft einer nicht mehr für den anderen, reißt die Kette auseinander.

    3)Robbens Isolierung innerhalb des Teams

    Kroos kommt ihm zu selten entgegen. Gomez bewegt sich zu wenig im der Spitze, Timo rückt zu wenig nach. Auch Rafinha hinterläuft ihn zu selten.
    Im Grunde läuft es auf dem Platz wie außerhalb: der besondere Typ Robben, der viel Unterstützung braucht, um zur vollen Geltung zu kommen, bekommt diese im Moment nicht. Er wird nicht nur von den Gegenspielern isoliert, sondern auch von den eigenen! Offenbar hat er zu viele schon mit seiner egoistischen Art vor den Kopf gestoßen.

    Die Mannschaft aber weiß insgeheim, dass er der Schlüssel zum Erfolg ist. Da muss es zur Aussprache kommen, alle Vorhaltungen müssen auf den Tisch. Dann läuft es sicherlich auch wieder.

  5. Augelibero
    Freitag, 24. Februar 2012 um 17:40

    Gut, dass es den indirekten Freistoß gibt! Analytische Argumentationen wie von Pumuckl habe ich in den Fußballfeuilletons heute nicht gelesen, da stand mal wieder systemtheoretischer Schrott – mit dem man nachher zwar alles erklären kann, aber die Sache nicht tangiert!
    Und die Robben-Analyse ist messerscharf. Die Achse sind Schweinsteiger, Kroos, Müller, Gomez. Der Rest ist fragil und austauschbar. Bei Kahn, Lizaruazu, Effenberg, Jeremies und Elber war man nicht abhängig von der Tagesform der Künstler Scholl und Basler. So gewinnt man Meisterschaften. Und zwar in Reihe.

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