indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Teufel mit stumpfen Hörnern

Kai Butterweck | Montag, 26. März 2012 1 Kommentar

Während die unmittelbare Konkurrenz im Abstiegskampf anfängt zu punkten, tritt der 1. FC Kaiserslautern weiter auf der Stelle. Außerdem: einfallslose Hamburger und ausgepumpte Gladbacher

Auch unter Neu-Coach Krassimir Balakow finden die Pfälzer nicht zurück in die Spur. Christoph Ruf (taz) stellt einige Protagonisten ins Spielzeugregal: „Sieben Spieltage vor Schluss trennen den Tabellenletzten sieben Punkte von einem Nichtabstiegsplatz. Und als ob diese Zahlen nicht schon niederschmetternd genug wären, spielte das Team genauso wie zuletzt unter Balakow-Vorgänger Marco Kurz: in stetem Wechsel zwischen haarsträubenden Fehlpässen und Ansätzen einer gewissen Spielkultur. Und bei all dem in der gegnerischen Hälfte harmlos wie ein Plüschtier.“

Oh, wie schön ist Eishockey

Michael Horeni (FAZ) leidet mit den Dinos: „Oh, wie schön ist Eishockey. Das sagen sich in diesen Tagen nicht nur die Fans in Berlin und Köln, deren Eisbären und Haie gerade um den Einzug ins Halbfinale der deutschen Meisterschaft kämpfen. Auch die Fußballanhänger aus Berlin, Köln, Kaiserslautern oder Hamburg, dem selbsternannten Bundesliga-Dino, wünschen sich derzeit wohl nichts mehr als ein Leben in der Eishockey-Liga, wo es längst keine Absteiger mehr gibt und damit auch keine Tränen und kein Drama.“

Oliver Trust (Tagesspiegel) verliert die Hoffnung: „Dem FCK gelangen in 90 Minuten drei Torschüsse. An eine erfolgreiche Aufholjagd mag man nach der Vorstellung in Freiburg nur noch schwer glauben. Die Pfälzer leisteten sich zu viele Fehler im Spielaufbau und war im Angriff zu harmlos.“

Balakovs „Mission Impossible“

Roland Zorn (FAZ) heißt Krassimir Balakov willkommen: „Der Bulgare hatte gerade ein gemütliches Plätzchen in seiner Coaching-Zone gefunden, um von dort aus sein Comeback in der Bundesliga nach sechs Trainerjahren in der Schweiz, Bulgarien und Kroatien zu genießen, da war der angenehme Teil seiner Premiere auch schon vorbei. Bereits nach vierzehn Minuten musste dem 45 Jahre alten Bulgaren klar sein, dass er auf dem Betzenberg wohl eine ‚Mission Impossible‘ übernommen hat.“

So kreativ wie ein Zweitligist

Auch beim HSV ist keine Besserung in Sicht. Frieder Pfeiffer (SZ) fordert mehr Ideenreichtum: „Sie hatten gekämpft, das wollte ihnen niemand absprechen. Doch es reichte nicht gegen eine eher durchschnittlich agierende Wolfsburger Mannschaft, die die Missstände dieses Hamburger Teams äußerst wirkungsvoll aufdeckte. In der Hamburger Geschäftstelle stellen sie in diesen Wochen einen Zweitliga-Etat auf, die Mannschaft zog an diesem Abend nach und bewies über nahezu die gesamten 90 Minuten in Sachen Kreativität ebenfalls Zweitliga-Qualität.“

Anstrengungen einer aufreibenden Spielzeit

Der Gladbacher D-Zug kommt so langsam ins Stottern. Ulrich Hartmann (SZ) prophezeit den Mannen von Coach Lucien Favre schwere Wochen: „Die Saison biegt auf die Zielgerade und die Gladbacher spüren die Anstrengung einer aufreibenden Spielzeit. Favre hat in den vergangenen acht Monaten mit einem minimalen Kader gespielt. Er vertraut einer festen Stammelf und insgesamt einem Kreis von gerade mal 16 Spielern, die so langsam jeden Muskel spüren dürften. Die 142 Sekunden gegen Hoffenheim waren nur eine Vorahnung dessen, was in den letzten sieben Spielen noch alles passieren könnte.“

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Clemens Gerlach (Spiegel Online) verabschiedet Gladbacher Träume vom direkten Einzug in die Königsklasse: „Dass die Gladbacher in der letzten Viertelstunde platt waren und  noch zwei Gegentreffer kassierten, lag nicht nur an den Strapazen des 120-minütigen Pokalspiels am Mittwoch gegen die Bayern. Dem Team ist insgesamt anzumerken, dass der Kader zu dünn besetzt ist, um eine ganze Saison auf höchstem Niveau zu spielen. So wird Gladbach vermutlich in die Qualifikation gehen müssen, um die Champions League noch erreichen zu können. Für den Fast-Absteiger der vergangenen Saison wäre schon dies ein großer Erfolg.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Teufel mit stumpfen Hörnern”

  1. HUKL
    Mittwoch, 28. März 2012 um 14:33

    Zunächst muss ich mich an dieser Stelle leider wiederholen. Seit geraumer Zeit verliert der „indirekte Freistoß“ leider immer mehr seinen Sinn, nämlich eine Möglichkeit für den kritischen Beobachter zu nutzen, um die Kommentare sogenannter schreibender „Experten“ zu bewerten.
    Es finden immer häufiger sich wiederholende Zwiegespräche zwischen den schreibenden Lesern untereinander statt, die für den Fußballfreund aber eher langweilig sind.

    Zum Thema Abstieg:
    Übrigens ist es in dieser Hinsicht in allen drei Bundesligen schon seit Wochen richtig spannend.
    Die Vorstände und Aufsichtsräte bedienen sich dabei immer häufiger der jeweils einfachsten, doch sehr teuren Lösung: Trainerwechsel, wie zuletzt in Kaiserslautern wieder nach langem Anlauf geschehen.
    Eine schnelle Lösung zum Guten kann das auch nicht sein, wie O. Trust (Tagesspiegel) oder Zorn (FAZ) beim Spiel in Freiburg beobachteten. Als z.B.Balakow endlich freie Sicht bei seinem ersten Auftritt nach dem Davonschleichen der fast lästigen Fotografenmeute an der Trainerbank im Freiburger Stadion hatte, lag er mit seinem FC K bereits hinten. Wenn dann aber kaum ein paar eigene Torchancen zu registrieren waren, kann sich der freie Fall eigentlich , wie bei den Kölnern und Hamburgern, nur fortsetzen. Wie der völlig überraschende Auswärtssieg der alten Dame Hertha mit dem jung gebliebenen Trainer O.R. zu bewerten ist, werden die Ergebnisse der nächsten Treffen zeigen. Zumindest trug die geheime Zusammenkunft nach dem Bayern-Desaster ohne Cheftrainer, der zur gleichen Zeit den neuen Bundespräsidenten mitwählte und dabei das Traineramt des FC Bundestag zusätzlich übernahm, erste Früchte.

    Ein ungeahntes Phänomen ist in der Person des ehemaligen Co-Trainers C. Streich aus Freiburg zu sehen. Die Mannschaft war noch im Winter in verschiedene Gruppen zerbröckelt. Dann zog man die für diesen Club untypische Reißleine. Erst wurden fünf Spieler entlassen, aber auch noch der Trainer. Als danach der seit 17 Jahren im Club arbeitende und dort jeden einzelnen Mitarbeiter kennende Co. gefragt wurde, das Amt zu übernehmen, sagte dieser aus den verschiedensten Gründen erst nicht zu. Als der Hans Dampf in allen Gassen bekannte ehemalige Jugendleiter die Namen der Kandidaten für dieses wichtige Amt hörte, war er plötzlich bereit , die volle Verantwortung zu übernehmen. Es war ein Glücksgriff für die gesamte Region, auch, wenn das ersehnte Ziel, Klassenerhalt, noch nicht erreicht ist. „Das Heilige“ sind für ihn die Mannschaft und die eigenen Nachwuchsabteilungen. Sie stehen über allem. Sein Motto ist deshalb die Förderung der jungen Leute, um auch diese selbst einbauen zu können, statt wegen fehlender Spielpraxis abzugeben, ehe die Blicke auf die Transferlisten gelenkt werden.
    Klopp hat es eigentlich vorgelebt, wie man besonders positiv in der erweiterten Öffentlichkeit in dieser Funktion auch beliebt werden kann. Streich ist nicht verrückt, wenn er im Stadion mit dem Fahrrad, dem Hauptverkehrsmittel in Freiburg, ankommt. Die Entfernung von zuhause bis dorthin ist kaum eine Stadionrunde. Ob die Haare wirr liegen oder er bei komischen Reporterfragen ironisch, statt cholerisch mit einer arteigenen Sprache antwortet, ob nach einem guten Spiel seine Leute von ihm geknutscht werden, das Training von ihm als „Üben“ bezeichnet wird, er beim Aufwärmen vor dem Spiel selbst mit herumsaust, dieser Typ Streich ist einfach für den Fußball ein Gewinn! Der vor Euphorie warnende, an den beiden letzten Tagen des vergangenen Jahres aufgestiegene Sportfunktionär hat den Druck nicht, den seine Kollegen Woche für Woche spüren müssen. Vielleicht ist gerade das sein Geheimnis des derzeitigen Erfolges trotz einer doch noch eventuell bevorstehenden Fahrt nach unten.
    Zumindest ein Verein wird absteigen, der im Moment nicht daran denkt…….
    Die Sportanhänger in Köln, Berlin oder Hamburg haben dagegen Spitzenleistungen im Handball oder Eishockey vor ihrer Haustüre zur Auswahl, wenn der Fußball in der Versenkung verschwinden sollte.

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