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Bundesliga

Nachspiel fürs Rückspiel

Matthias Nedoklan | Freitag, 18. Mai 2012 6 Kommentare

Heute um 13:30 entscheidet das DFB-Sportgericht über ein Wiederholungsspiel in der Relegation. Die Presse ist immer noch aufgeregtThomas Kistner (SZ) blickt auf ein mögliches Wiederholungsspiel und Konsequenzen für die Berliner Spieler: „Von unflätigen Beleidigungen durch Berliner Spieler bis zur Rudelbildung im Bereich der Schiedsrichterkabinen, heißt es aus informierten Kreisen. Sollte die Hertha also überraschend doch ein Wiederholungsspiel erzwingen – sie müsste es wohl mit neuer Abwehr bestreiten.“

Anno Hecker (FAZ) kommentiert: „Der Kampf um Recht oder Unrecht, um den Versuch, je nach Interesse eine Neuansetzung des Spiels oder die Akzeptanz des Ergebnisses zu erreichen, wird dem eigentlichen Problem nicht gerecht werden. Denn am Dienstag offenbarte sich im Stadion nicht allein die Schwäche von einigen wenigen Fans, die mit Störfeuern der übelsten Art Zuschauer und Spieler gefährdeten, weil sie ihren Frust nicht geregelt bekamen oder in die Show eingreifen wollten.“

Michael Horeni (FAZ) schreibt: „In Düsseldorf herrschte Chaos, aber es waren nicht nur Chaoten, die den Platz vor dem Schlusspfiff stürmten, sondern vor allem Fußballfans von nebenan, die in ihrer Freude über den Aufstieg die Grenzen hinter sich ließen und ein Fußballspiel an den Rand des Abbruchs führten.“

Sven Goldmann (Tagesspiegel) kritisiert: „Dieser Versuch, den sportlichen Abstieg auf juristischer Ebene abzuwenden, ist legal. Aber ist er auch legitim? Herthas Anwalt Christoph Schickhardt behauptet allen Ernstes, die Berliner hätten vor der Wiederaufnahme des Spiels leichenblass und in Todesangst in der Kabine gesessen. Geht’s noch? Natürlich gehört der Platzsturm bestraft. Ihn aber zur Menschenjagd eines marodierenden Mobs aufzublasen, ist durchsichtig kalkuliert und unanständig.“

Christoph Ruf (FR) analysiert: „Was bei den Relegationsspielen in Karlsruhe und Düsseldorf passierte, unterscheidet sich zu stark, als dass es unter Begriffen wie Gewalt oder Randale zusammenzufassen wäre. Folgerichtig fehlen Patentlösungen.“

Kommentare

6 Kommentare zu “Nachspiel fürs Rückspiel”

  1. HUKL
    Freitag, 18. Mai 2012 um 12:05

    Ein schwierigen Nachmittag für das Sportgericht des DFB!

    Nach den schlechten Saisonleistungen war es auch schon lange vor Beendigung der normalen Punktspiele vom eigenen Berliner Lager aus erwartet worden: so wird es nichts!
    Plötzlich kam doch noch eine nicht mehr erwartete moralische Wende , die Rettung konnte noch Realität werden. Mit der Niederlage im ersten Relegationsspiel zuhause wieder der Dämpfer, dem im Rückspiel gleich nach Beginn ein weiterer folgte. Trotz eigener Reduzierung gab es nach dem Zwischenergebnis von 2:2 völlig neue Hoffnungen, mit einem weiteren Auswärtstor doch noch in der 1. Liga zu bleiben, bis das Desaster von den Rängen nach den bekannten Unterbrechungen noch vor dem Ende mit voller Kraft auf die Spieler zukam…
    Nur wer es schafft, sich in die Situation aller Akteure, Trainer, Betreuer und Unparteiischen hineinzuversetzen, wird verstehen können, dass die Aufforderung, nach einer vorherigen Flucht in die Kabinen vor einigen hundert den Platz stürmenden Zuschauern, anschließend, nach einer Zwangspause von 20 Minuten, nochmals für ca. 2 Minuten dorthin zurückzukehren, kein Leckerbissen darstellt (vielleicht auch für S.Goldmann vom Tagesspiegel). Bekanntlich erfolgte diese fast bettelnde Einladung mit der Begründung, damit im Stadion kein Mord- und Todschlag stattfindet! Jeder einzelne Spieler musste sich doch plötzlich in die Lage eines Toreros versetzen, nur mit zwei Unterschieden:
    1. in die Arena können jederzeit wieder unkontrollierbare hunderte Stiere (Zuschauer aus evtl. beiden Lagern) von allen Seiten zurückkehren, wie vor dem Abbruch, allerdings mit unterschiedlichem Gefahrenpotential (nicht nur friedlich feiernde)
    2. aus Sicht der Berliner musste unter diesen völlig irregulären Bedingungen zusätzlich innerhalb von einer knappen Minute der Stier (das fehlende Tor zum Verbleib in der 1.Liga) erlegt werden.
    Das sollte bei der heutigen Verhandlung berücksichtigt werden!

    Wo ist unser Fußballsport nur hingekommen?
    Da durch die massiven Polizeipräsentation vor der Gästetribüne auf dem Rasen keine „Vereinigung“ mit den schon jubelnden Düsseldorfer Fans stattfinden konnte, ist wirklich etwas Unliebsames damit verhindert worden. Das sollte zu registrieren sein!

    Wenn nicht endlich das schon lange geforderte Zusammenspiel bei solchen zu erwarteten Chaosspielen zwischen dem DFB, den Gastgebern, der Polizei, den Ordnern, Fanbeauftragten und den entscheidenden Innenpolitikern richtig greift, wird es leider zukünftig weitere Fortsetzungen geben.

    Die heutige sehr schwierige Entscheidung des Sportgerichtes des DFB über die nachträgliche Bewertung dieses Spieles und die zu erteilenden Strafen werden für die nächsten Überraschungen und Empörungen auf beiden Seiten sorgen… Sie könnte, sollte und müsste aber richtungsweisend sein!

    Wie immer bei solchen Spielen gab es auch diesmal in beiden Lagern jeweils solche und solche „Anhänger“. Während bestimmte Gruppierungen nicht erwarten konnten, ihrer Neigung zum Sammeln von Souveniren, wie z.B. eines Elfmeterpunktes, Teile der Tornetze, Eckfahnen oder Rasenstücken nachzukommen und zum Feiern noch vor dem Schlusspfiff des Schiedsrichters den Rasen stürmten, warfen andere ihre brennenden Geschosse einfach in das Stadioninnere oder in die benachbarten Zuschauerblöcke

    Der Meinung von D. Gieselmann, (11 Freunde), kann ich mich allerdings nicht anschließen. Der „Elfmeter-Dieb“ wird sich einen Tag später bestimmt nicht geschämt haben, sondern kann, dank der ARD-Orginal-Fernsehübertragung seine sonderbare in Nahaufnahme gezeigte und von einem hinzugekommenen Ordner nicht unterbrochene Diebeshandlung nunmehr zu jeder Zeit abrufen und seinen bestimmt zahlreichen Interessenten mit Stolz und geschwollener Brust zeigen.

    Diese Tat wäre übrigens eine von der Hertha nicht genutzte Grundlage gewesen, ein sicheres Wiederholungsspiel zu erhalten, wenn z.B. sich der Berliner Torhüter in der kuriosen letzten Minute beim Vorstürmen „zufällig“ in diesem Loch ein Bein dabei verstaucht hätte und nach einem folgenden Sturz auf dem Rasen liegen geblieben wäre! Weder der Schiri, noch die Spieler werden diese zwischenzeitliche ungewöhnliche Veränderung auf dem Spielfeld aber überhaupt gemerkt haben.

    Es ist übrigens schon eine sehr komische Art der Frustbewältigung, wenn man das Innenleben des vom Hauptsponsor zur Verfügung gestellten Sonderzuges auf der Rückfahrt zerlegt und diesen unmittelbar vor der Ankunft in Berlin mittels Notbremse vorzeitig verlässt, in verschiedene S-Bahnen umsteigt, um der wartenden Polizei am Hauptbahnhof in Berlin noch ein Schnippchen schlagen zu können.
    Die Bilder des zurückgelassenen Zuges waren einfach erschreckend. Emotionen ja, doch diese dürfen so nicht ausgelebt werden!!

    Das gilt natürlich auch für einige unterlegene Spieler mit Entgleisungen nach dem echten Schlusspfiff in den Kabinengängen des Düsseldorfer Stadions, die zum Teil gegenüber dem Schiedsrichter Stark nicht nur verbal, sondern etwas körperlicher ausgefallen sein sollen und dafür einen ungewöhnlich langen Urlaub haben werden…..

    Bei dieser Gelegenheit sollte das energische Bemühen des sonstigen „schwierigen“ Düsseldorfer Spielers Sascha Rösler positive Erwähnung finden, der als Reservist, besonders mit seinem sichtbaren Auftreten in der Phase bei der Platzräumung nach der Unterbrechung, großen Anteil hatte, dass alles Folgende noch möglich wurde und halbwegs friedlich ausging!

    Ein weiterer böser Fall ereignete sich bekanntlich in Karlsruhe nur einen Tag vorher. Nach dem Scheitern der eigenen Mannschaft im Rückspiel um den Verbleib in der 2. Bundesliga gegen J. Regensburg randalierten, zum Teil vermummte und extrem gewaltbereite Karlsruher Chaoten nach dem Spiel im Stadiongelände und wollten dabei auch die eigene Geschäftsstelle zerstören. Die „Schlacht“ dauerte bis in die Morgenstunden hinein. Es gab auf beiden Seiten über 70 Verletzte, zum Teil schwer.

    Für den Fußball im erfolgreichen Deutschland waren es nach den Geschehnissen in Dortmund und Köln erneut zwei „schwarze Tage“, die allerdings unterschiedlich zu bewerten sind.

    Wie in ein paar Stunden das Urteil ausgehen könnte, zeigt die Meldung der Absage der für Samstag geplanten riesigen Düsseldorfer Abschluss-/Aufstiegsfeier aus „organisatorischen Gründen“……….

  2. Manfred
    Freitag, 18. Mai 2012 um 12:32

    Erst denken, dann nochmal genau überlegen, dann recherchieren, dann noch mal überlegen und wenn du das alles vorher gemacht hast, HUKL: schreib einfach nie wieder was.

  3. roseeffe
    Freitag, 18. Mai 2012 um 14:24

    Lieber Manfred,

    wahrscheinlich (nach ihrer Meinung sicher) habe ich keine Ahnung, aber selten so einen blöden Kommentar gelesen.

    Es wäre sicher schön gewesen, wenn Sie begründen würden, warum HUKL nie mehr was schreiben soll. ich kann diesem in fast allen Punkten zustimmen oder zumindest nachvollziehen.

    Mfg
    Ein Unwissender

  4. Manfred
    Montag, 21. Mai 2012 um 10:33

    Weil dieser ganze populistische Quatsch auf dem Dreck basiert, den dieser ekelhafte Berliner Anwalt von sich gab.
    Weil auch hier wieder -wenn auch in Gänsefüßchen- dieser seitens Eintracht Frankfurt propagierte und von reichlich Medien gierig weiterverbreitete Müll über Rösler erneut ohne jegliche Hirntätigkeit aufgegriffen wird.
    Weil der ganze Text ein absurder und überflüssiger Egotrip ist, der in keinster Weise der Sache gerecht wird.

    Ich verweise auf einen Beitrag von Trainer Baade, der die ganze Sache mal von einer Seite angeht:
    http://www.trainer-baade.de/althergebrachtes-jubelritual-im-fusball/
    Seit Jahrzehnten passiert es und auf einmal ist es das schlimmste Verbrechen? Schwachsinn.

    Und was die Herthaner da aus dem Zug machten, ist alles andere als das erste Mal geschehen.
    Nicht, dass ich das gutheiße, es ist mir schlicht völlig wumpe, was die mit den Gerätschaften ihres Trikotsponsors machen, nur ist es eben schon öfter mal passiert.

    Wie gesagt: der ganze Text ist hirnloser, überflüssiger, dummer, populistischer Dreck.

    Ich wundere mich nur darüber, dass dem hier überhaupt eine Plattform geboten wird.

  5. Admin
    Montag, 21. Mai 2012 um 15:12

    Wir wären schon für eine verbale Abrüstung allerseits dankbar…

  6. MS
    Montag, 21. Mai 2012 um 16:00

    Ich weiß wie es gemeint ist, und das sollte zwischen/unter uns hier für diese Seite auch so sein. Aber angesichts der Gleichschaltung von Presse, Sport- und Politfunktionären in dieser Causa wünsche ich mir gelegentlich eine verbale Aufrüstung. Selten so fehlgeleitete und triebgesteuerte Berichterstattung und Meinungsmache – ist das der gleiche (Herden-)Trieb, der zum sog. Platzsturm führte? – erlebt.

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