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Bundesliga

Krise in Gladbach – wie viel Zeit bleibt Favre noch?

Kai Butterweck | Montag, 1. Oktober 2012 1 Kommentar

Die desaströse Vorstellung der Gladbacher gegen Dortmund lässt am Niederrhein die Alarmglocken läuten. Außerdem: Rein-Raus-Spiele in Wolfsburg, Fragezeichen in München und Marketing made in Düsseldorf

In Gladbach macht sich nach der herben Klatsche gegen Dortmund so langsam Ohnmacht breit. Daniel Theweleit (FR) verlegt die Fohlen auf die Intensivstation: „Wochenlang hat Trainer Lucien Favre erfolglos mit seinen Spielern daran gearbeitet, das lahmende Offensivspiel in Gang zu bringen. Er hatte alle möglichen Formationen ausprobiert, in Dortmund verzichtete er in der Bundesliga zum ersten Mal auf den vermeintlichen Reus-Nachfolger Luuk de Jong. Einen funktionierenden Angriff haben sie trotzdem bisher nicht gefunden, im Gegenteil: Wie eine Entzündung, für die es kein Gegenmittel gibt, greift die Schwäche auf andere zentrale Organe des Gladbacher Spiels über.“

Aktionsradius einer Stehlampe

Stefan Osterhaus (taz) geht mit den Gladbacher Neuzugängen hart ins Gericht: „Ersatz sollte her. Gut und teuer. Angeblich Spieler, die halb Europa haben wollte. Am Ende gingen sie nach Gladbach: Luuk de Jong, der im Vergleich zu Reus den Aktionsradius einer Stehlampe hat, wurde für mehr als 12 Millionen geholt. Gegen Dortmund fehlte er, doch der Erfolg der Gladbacher Integrationshelfer ist bisher bescheiden. Gleiches gilt für den Schweizer Granit Xhaka und den Spanier Alvaro Dominguez, der als Nachfolger von Dante gekommen ist. Als Innenverteidiger wirkt er nicht sonderlich souverän. In einem Konzept wie dem von Favre sind fünf Gegentore eigentlich unvorstellbar.“

Jan Reschke (Spiegel Online) dreht am Niederrhein heimlich die Uhren zurück: „Trotz des Debakels gegen Dortmund: Favre hat recht, wenn er seine Mannschaft in einem noch längst nicht abgeschlossenen Entwicklungsprozess sieht. Besonders ein Systemtüftler wie der Schweizer, der es versteht, die Stärken und Schwächen von Spielern ganz gezielt zu nutzen oder zu kaschieren und alles zusammen in einer großen Komposition zu vereinen, braucht Zeit. Zeit, sein Team zu verstehen.“

Favre in Ruhe machen lassen

Auch Klaus Wille (derwesten.de) stellt sich schützend vor Coach Lucien Favre: „Was die Borussia durchleidet, ist der Fluch der guten Tat. Ihre Achse aus Dante, Roman Neustädter und dem überragenden Ausnahmekönner Marco Reus war nicht zu halten. Und einen wie Reus, der auch seine Nebenleute besser wirken ließ als sie tatsächlich waren, konnte Gladbach wohl nie ersetzen, auch mit noch so vielen Millionen nicht. Es wird Zeit brauchen, bis Lucien Favre die Borussia neu erfunden hat. Ob und wann ihm das gelingt, bestimmt ihr Wohl und Wehe dieser Spielzeit. Über 15 Monate lang hat Favre Publikum und Umfeld verwöhnt. Umgekehrt wäre es nun an der Zeit, Favre in Ruhe machen zu lassen. Nur eines sollte sich sein Team nicht erlauben: öfter so lätschert zu spielen wie in Dortmund.“

Freddie Röckenhaus (SZ) begleitet Dortmunds Matchwinner Marco Reus nach Spielschluss in die Katakomben: „Es schaute ein bisschen so aus, als würde sich Marco Reus nach dem Abpfiff entschuldigen: mit Umarmungen, der Reihe nach, bei einem Gladbacher nach dem anderen. Das herbe 5:0 – geschmückt durch zwei Treffer des gebürtigen Dortmunders gegen seine früheren Teamkameraden – war die weitaus höchste Niederlage, die Mönchengladbach unter Trainer Lucien Favre bislang einstecken musste. Reus, dessen Einzelaktionen die einst so bombenfeste Abwehr seines alten Klubs buchstäblich im Alleingang ausgehebelt hatte, verordnete sich selbst einen Abend der inneren Freude.“

Wie ein kühlberechnender Ingenieur

Auch in Wolfsburg klafft die Schere zwischen Anspruch und Realität weit auseinander. Tim Schulze (stern.de) nimmt sich Trainer Felix Magath vor die Brust: „Selbstverständlich muss ein Trainer umstellen, wenn die Leistungen nicht stimmen oder Verletzungen dazu zwingen. In dieser Zwickmühle steckt Magath wie andere Trainer auch. Aber der 59-Jährige entwickelt keine Mannschaft – er konstruiert sie sich wie ein kühlberechnender Ingenieur. Passt ein Teilchen nicht, fliegt es raus. Das ist zwar die Aufgabe eines Trainers, aber Magath treibt seine Methode bis zum Exzess. Das unterscheidet ihn vom Menschenversteher und Motivator Jürgen Klopp. Teetrinker Magath redet nicht mit seinen Spielern, er führt sie wie ein General. Profi unter Magath zu sein, ist einer der härtesten Jobs in der Liga.“

Welche Rolle spielt Sammer?

Sechs Spiele, sechs Siege: in München läuft alles nach Plan. Oliver Fritsch (Zeit Online) beschäftigt sich mit den Verantwortlichen abseits des Rasens: „Auch wenn die Liga mit diesen starken Bayern langweilig werden könnte: Spannung garantiert immerhin die Frage, wie in München die Macht verteilt ist und wer den Erfolg für sich verbucht. Auch in Bremen wurde dem Außenstehenden nicht klar, welche Rolle Sammer zukommt. Stimmt er sich ab mit Heynckes? Oder sind seine Warnreden Alleingänge, weil er sich nicht wichtig fühlt? Die Bundesliga mag sich fragen: Wer soll diese Bayern stoppen, wer kann Dortmund bei der Bayernjagd unterstützen? Eines, das bewies der Tag in Bremen, ist sicher: Sollte der wohl einzige Konkurrent erneut gleich- oder gar vorbeiziehen, ist Münchner Theater garantiert.“

Die Marke wird bewusst frech inszeniert

Gianni Costa (RP Online) beschäftigt sich mit der Entwicklung in Düsseldorf und spendet reichlich Beifall: „Nach dem chaotischen Aufstieg hätte man nicht unbedingt damit rechnen können, dass Fortuna sich so schnell von den Schatten der Vergangenheit befreien kann. Düsseldorf vermarktet sich geschickt. Das ist wirklich eine große Kunst. Denn wer Heimspiele in einem Stadion mit einem Fassungsvermögen von 54.000 Zuschauern austrägt, der kann sich eigentlich nur schwer als kleine Nummer inszenieren. Fortuna macht es dennoch. Die Marke wird bewusst frech inszeniert. Es ist ein noch junges, ein frisches Produkt an einem traditionsreichen Standort. Ein Blick in den Fankatalog des Klubs macht die Ausrichtung deutlich. Man nimmt sich nicht allzu ernst und erlaubt sich auch mit der Konkurrenz so seine Scherze.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Krise in Gladbach – wie viel Zeit bleibt Favre noch?”

  1. Wolfsburg im freien Fall – indirekter
    Dienstag, 9. Oktober 2012 um 04:28

    […] Krise in Gladbach – wie viel Zeit bleibt Favre noch? Die desaströse Vorstellung der Gladbacher gegen Dortmund lässt… […]

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