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Ball und Buchstabe

Rückspiegel: Noch ein Riesenslalom von Mario Gomez

Oliver Fritsch | Mittwoch, 20. März 2013 6 Kommentare

Der Kunstliebhaber konnte wieder einen echten Gomez bestaunen / Der Guardiola Hamburgs wird mein Nachfolger / René Adler mag kein Fast Food (außer Döner und Pizza)

An Mario Gomez scheiden sich die Geister. Überwiegt der Zweifel an ihm wegen seiner Schwäche im Zusammenspiel? Oder sticht seine Torquote? Bei Bayern steht er hinter Mario Mandzukic. In der Bundesliga scheint mir das egal, aber ist das die richtige Stürmerreihenfolge für die Champions League?

Und Löw sagt, die Zeit der physisch starken Stoßstürmer sei vorüber. Das könnte darauf hinauslaufen, dass in der Nationalmannschaft bald die Kleinen stürmen werden, also Mario Götze oder Mesut Özil. Aber ob es der richtige Weg ist, Spanien spanisch zu schlagen? Ich denke jedenfalls, dass Ramos und Puyol großen Respekt vor Gomez haben. Im Prinzip halte ich auch Miroslav Klose für stärker, der ja beides ist: Mittelstürmer und Kombinationsspieler. Aber sein Zenit dürfte 2014 überschritten sein. Ich bin unsicher.

In Leverkusen konnten die Kunstliebhaber wieder einen echten Gomez bestaunen, ein großformatiges Tor nach einem Riesenslalom. Daher ist Gomez Teil der Bundesliga-Rückschau. Ebenso Nuri Sahin, Armin Veh, das PR-Deutsch der TSG Hoffenheim und die DFL, die den Bundesliga-Vereinen vorschreibt, einen Trainer mit höchster Lizenz einzustellen. Ich halte das für eine fragliche Einmischung in die Unternehmensfreiheit.

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Ob Ludwig Preis ein bundesligatauglicher Trainer ist, weiß ich nicht. Aber in Fürth musste er aufhören, weil er nur die A-Lizenz hat. Der FAZ sagte er zu diesem Thema: „Ein Trainer muss nicht unbedingt alle Trainerscheine haben. Es gibt viele, viele Trainertalente im Amateurbereich, und vielleicht stehe ich genau für diese Garde, die normal nicht so eine Plattform bekommt. Vielleicht ist es eine Möglichkeit, dass einmal überdacht wird, ob man den Fußballlehrer nicht fernstudiummäßig machen kann. Für einen Normalsterblichen ist es zeitlich nicht zu schaffen. Wenn du normal im Beruf bist, hast du keine Chance.“

Das führt uns zu einer Geschichte, die uns vor einigen Wochen hier beschäftigt hat: die unterschätzen, chancenlosen Oberliga-Mourinhos. Seit kurzem ist bekannt, dass Dennis Mitteregger, der Protagonist meiner Story, im Sommer sein Sabbatical beendet und Trainer der SV Blankenese wird. Und damit mein Nachnachnachfolger. Der Guardiola Hamburgs landet bei meinem Ex-Klub. Hab ichs nicht gesagt, dass der was drauf hat? Aber Moment … Bundesliga kann er, aber auch Blankenese?

Noch vor gut zehn Jahren wurden die meisten Olympische Spiele und Weltmeisterschaften von demokratischen Staaten ausgetragen. Heute sind London und Rio die Ausnahmen. Die Partys finden nun in China, Russland und Katar statt. Eine dänische Studie belegt diese Migration der Sport-Events. Ich hab einen Aufsatz dazu verfasst: Olympia, nein danke! Zumindest nicht zu diesen Bedingungen, die da heißen: Gigantismus, hohe Kosten, falsche Versprechungen.

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Zwei Kolumnengespräche: ein aktuelles mit Thomas Hitzlsperger über die Frage, ob die Gehälter von Fußballprofis gedeckelt werden sollten, zum Beispiel auf das 50-fache des E-Jugendtrainers. Und warum sich manche nach der Karriere so schwertun, auch finanziell. René Adler hat vor zwei Wochen mit mir über Essen gesprochen. Kichererbsenpüree mag er, Fast Food nicht. Außer Döner. Und Pizza.

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Überraschung: Sport1 siegt bei der Ausschreibung der Audio-Rechte der Bundesliga. Aus für 90elf! Der Digitalsender hatte in rund fünf Jahren Kleinarbeit den Markt erst erschaffen. Daher wirkt die Reaktion der DFL undankbar, zumal es sich finanziell (in Fußballrelationen) um Peanuts handeln dürfte. Bei den Machern von 90elf sind Enttäuschung und Ärger groß. Manni Breuckmann, der für 90elf moderiert, hat detektor.fm ein Interview gegeben.

Zwei Lesetipps zum Abschluss: Jens Weinreich zum ersten darüber, wie die Times auf eine Satire reinfiel, nach der Katar eine Art Champions League II kaufen will (und wie schwach die Times auf die Blamage reagierte). Und zum zweiten über die Scheinreform der Fifa.

Und so viel Ehre für Michael Owen, der zum Saisonende seine Karriere beenden wird, muss sein:

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Kommentare

6 Kommentare zu “Rückspiegel: Noch ein Riesenslalom von Mario Gomez”

  1. Manfred
    Mittwoch, 20. März 2013 um 22:11

    Sorry, aber ich bin da ganz dieses Trainers Meinung:
    http://www.trainer-baade.de/geniestreiche-gunstig-im-angebot/

  2. OF
    Donnerstag, 21. März 2013 um 08:47

    Naja, „er wurde hoch angespielt“, ich weiß nicht. Gomez lief sozusagen in einen Seitenwechsel, der Ball war ja nicht für ihn gedacht, hatte wohl noch 70 Sachen drauf. Den nimmt er mal eben im Sprung mit. Außerdem macht er mit wenigen Kontakten mal eben 30 Meter Raumgewinn. Das war schon sehr zielstrebig, den machen so nicht viele.

    Was man fragen kann: Was hat Gomez sonst noch gemacht in diesem Spiel?

  3. jw
    Donnerstag, 21. März 2013 um 11:50

    Puyol musst Du nicht mehr in die Planungen einbeziehen. Das ist vorbei. Ob er nun Respekt hat vor Gomez oder nicht.

  4. Nixwisser
    Donnerstag, 21. März 2013 um 12:45

    Gomez hat in der letzten Buli-Saison 26 Tore erzielt. In dieser sind es 7 Tore in 14 Spielen. In vier von diesen wurde er nach der 80. Minute eingewechselt. Über was wollen wir diskutieren?

    Nixwisser

  5. Jambo Mambo
    Donnerstag, 21. März 2013 um 14:18

    Herzlichen Glückwunsch auch, dass Ihr Oberliga-Trainer-Guru bei Blankenese unterschreibt. Das lässt mich allerdings sehr zweifeln, ob er wirklich bestimmte Voraussetzungen fürs Profi-Geschäft hat, wie Sie behaupten, Herr Fritsch: zum Beispiel Hartnäckigkeit, Durchsetzungsvermögen, Sendungsbewusstsein.
    Dann hätte er nämlich jetzt beim HSV, Pauli oder zumindest Victoria Hamburg in irgendeiner Funktion und sei es als Assi-Trainer der B-Jugend unterschrieben. Wer aus dem Amateurfußball in den Profifußball will, muss sich der Konkurrenz stellen und nicht den Dorfkönig in Blankenese geben!

  6. OF
    Donnerstag, 21. März 2013 um 18:45

    Stimmt, das ist sehr überzeugend.

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