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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Dortmund gegen Bayern – Pfeffer, Gift und Ellbogen

Kai Butterweck | Montag, 6. Mai 2013 3 Kommentare

Der Bundesliga-Gipfel endet in einem hitzigen Warm-up fürs Champions-League-Finale

Nach der gelb-roten Karte für Bayerns Rafinha kochen die Emotionen hoch. Christian Kamp (FAZ) spürt schlechte Schwingungen: „Die Phase der mehr oder weniger friedlichen Koexistenz, in der sich die beiden Klubs bei aller Rivalität immer auch mit großem Respekt begegneten, ist allem Anschein nach vorüber. Das Verhalten der Bayern in den vergangenen Wochen mussten die Dortmunder, wenn schon nicht als Kriegserklärung, dann doch als eine einzige große Machtdemonstration begreifen. Deren Wirkung sich womöglich in der neuen Saison voll entfalten wird, erst recht, falls auch Robert Lewandowski seinem Kollegen Götze nach München folgen sollte. Mit Blick auf das große Finale in drei Wochen ist es jedoch eine Strategie mit gewissem Risiko. Zum Dortmunder Selbstverständnis gehört es schließlich, auf Angriffe von außen mit der Macht des Kollektivs zu antworten.“

Bilder der tiefen gegenseitigen Abneigung

Abseits des Rasens sagen sich Matthias Sammer und Jürgen Klopp die Meinung. Daniel Theweleit (taz) stellt sich Freundschaft anders vor: „Wären Matthias Sammer und Jürgen Klopp von Beruf Entertainer, hätten sie nach ihrer kleinen Einlage vom Samstag einen Sonderapplaus verdient. Bayerns Sportdirektor und Dortmunds Trainer lieferten sich  ein zünftiges Wortgefecht und lieferten Bilder der tiefen gegenseitigen Abneigung zwischen den Fußballgiganten. Rund um Mario Götzes Wechsel zum Rekordmeister, um Robert Lewandowskis Absichten, dem Kollegen zu folgen, die Plagiatsvorwürfe des BVB und zahlreiche Gesten der Ignoranz in München ist ja schon viel erzählt worden über die Fehde. Klopp und Sammer mussten überhaupt nicht schauspielern. Die Antipathie ist echt.“

Rafael Buschmann (Spiegel Online) knotet fleißig Feindschaftsbänder: „Die Rivalität wird ihren vorläufigen Höhepunkt in Wembley erreichen. Dass sie danach abebbt, scheint derzeit hingegen genauso unwahrscheinlich, wie dass das Finale ohne einen Platzverweis endet. Dortmund ist in den vergangenen Jahren wirtschaftlich und sportlich noch mal ein ganzes Stück näher an die Bayern herangerückt. Das 1:1 könnte der Beginn einer neuen Rivalität, mehr sogar, einer ausgewachsenen Feindschaft sein.“

Der Zickenzoff soll bitteschön weitergehen

Lars Wallrodt (Welt Online) klatscht begeistert in die Hände: „Stört es uns wirklich, dass die Protagonisten schon jetzt verbal kratzen, beißen und spucken? Mitnichten! Im Gegenteil. Denn ganz ehrlich: Warum sollte nun vorgetäuscht werden, dass sich beide Klubs schrecklich lieb haben, wo sie sich doch wie zwei Herden Büffel mit scharrenden Hufen gegenüberstehen, die nur auf das Signal warten, um loszupreschen? Nein, der Zickenzoff soll bitteschön weitergehen. Die Bedeutung des Ereignisses gebietet es. Es ist das ultimative Kräftemessen im deutschen Fußball. Würden jetzt nicht die Giftpfeile hin und her fliegen, wann dann? Muhammad Ali und George Foreman kamen ja auch nicht Arm in Arm in den Ring.“

Marcelf Reif (Tagesspiegel) schiebt das Gockelgehabe beiseite und beschäftigt sich stattdessen mit der Sogwirkung des Erfolgs der beiden Klubs: „Wenn im Wembley-Stadion der Fußball nach Hause kommt mit zwei deutschen Mannschaften im Champions-League-Finale, ist das nur Ausdruck dieser längst vollzogenen Wachablösung. Ich weiß nicht, wie der aktuelle Messi sich verhalten wird, aber die künftigen Messis der Welt werden in ihren Überlegungen, wo sie ihr Geld verdienen wollen, wo sie ihr Können zeigen wollen, die Bundesliga nicht mehr wegen des schlechten Wetters in Deutschland ignorieren. Das Geld, um im Winter ordentlich einzuheizen, verdienen sie dort auch. Die Bundesliga steht nicht mehr in der zweiten Reihe, sie geht voran.“

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Kommentare

3 Kommentare zu “Dortmund gegen Bayern – Pfeffer, Gift und Ellbogen”

  1. Manfred
    Montag, 6. Mai 2013 um 11:34

    Wundert es irgendwen, dass der strunzdümmste Text ausgerechnet der Springerpresse entstammt?
    Sowas nenne ich Tintenpisserei, Herr Wallrodt. Aber es bestärkt mich darin, diesen Mist, der seitens Welt, Blöd usw in die desinteressierte Welt gesetzt wird, weiterhin wie die Pest zu meiden.

  2. Van Kuchen
    Montag, 6. Mai 2013 um 13:51

    Ich kann mich Manfred’s Kommentar teilweise anschließen.

    Viel bedenklicher finde ich jedoch, daß die Menschen das freiwillig Lesen, was die Blind-Zeitung druckt
    Das finde ich viel problematischer!

  3. HUKL
    Dienstag, 7. Mai 2013 um 23:35

    Klopp und Sammer sind tatsächlich Entertainer, zumindest während ihrer Kurz-Auftritte am Spielfeldrand zuletzt in Dortmund. Allerdings wat ein riesiger Niveau- und Sympathie-unterschied feststellbar, bei dem der „Bayern-Kojak“ gleich zweimal gehörig das Nachsehen hatte.

    Für mich waren allerdings die Bemerkungen von M. Reif, (Tagesspiegel), zur Neuausrichtung der zukünftigen Artisten auf dem Rasen wesentlich interessanter. Nach der „feindlichen Übernahme“ von M. Götze, in dieser Art wohl bisher einmalig in Deutschland, werden die Münchener, trotz der derzeitigen „Unpässlichkeiten“ ihrer beiden Oberen und nach der Schützenhilfe des ASufsichtsrates demnächst mit noch größeren Geschützen auffahren, die tatsächlich u.a. auch den noch aktiven Messi an Land ziehen könnten, obwohl dieser wohl bis 2016 noch einen Vertrag in Barcelona besitzt. Mit Hilfe der großzügigen Sponsoren im reichen Bayernland wird er nach einer kleinen Unterbrechung wieder unter der Leitung seines langjährigen Trainers üben und spielen können…….
    Wer diesen „Tausendsassa“ vor, bei und nach den beiden HF-Spielen gegen den FC B richtig beobachtet hat, wird auch die Vermutung haben, dass er seinen evtl. zukünftigen Arbeitsgeber nicht unbedingt schaden wollte! Wenn diese Gedanken wahr werden, wird man besonders von einer Wachablösung sprechen müssen.

    Einfach mal abwarten, was bei den Bayern noch so passiert……

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