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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Deutsche Elf

Nationalelf – Offen wie ein Scheunentor

Kai Butterweck | Freitag, 16. August 2013 1 Kommentar

Im Testspiel gegen Paraguay lässt das Team von Bundestrainer Joachim Löw eklatante Mängel im Defensivverhalten erkennen. Die Presse sorgt sich

Michael Horeni (FAZ) stellt Grundsätzliches in Frage: „Für den Bundestrainer, so scheint es, hat die Defensivschwäche nach den so zahlreichen Rückschlägen weiterhin nur etwas mit individuellem Fehlverhalten zu tun, mit Detailfragen – und rein gar nichts mit System. Es ist jedoch offensichtlich, dass es der Nationalelf an einem verlässlichen defensiven Grundverhalten mangelt; an einem taktischen Gefüge, in dem die jeweiligen Spieler wie in ihren Klubs ganz genau wissen, wie sie sich zu verhalten haben. Spieler wie Hummels beklagen dieses Defizit mittlerweile offen. Auch Torwart Manuel Neuer spricht von einem Warnschuss – ob ihn der Bundestrainer gehört hat, ist nicht so sicher.“

Die Abstimmung in der Abwehr muss eine erhöhte Dringlichkeit erfahren

Carsten Eberts (SZ) fordert Extraschichten: „Seine herausragende offensive Balance wird das deutsche Team so schnell kaum verlieren, die Angriffsabteilung kann jederzeit jede x-beliebige Abwehrreihe der Welt auseinander dividieren. Nur konnte die Offensive die vielen Abwehrfehler gegen Paraguay nicht wett machen. So kann es immer wieder passieren, auch bei der WM. Die Abstimmung in der Abwehr muss in den kommenden Monaten eine erhöhte Dringlichkeit erfahren, soll es mit einer erfolgreichen Weltmeisterschaft etwas werden.“

Oliver Fritsch (Zeit Online) traut seinen Augen nicht: „Der Betzenberg mag am liebsten Spieler, die Harry und Gerry heißen und auch so Fußball spielen: hart, vielleicht auch herzlich, herzlich ist aber kein Muss. Gegen Paraguay bekamen sie, sagen wir, tolerantes Abwehrspiel zu sehen: Sami Khedira und Ilkay Gündogan ließen sich zwei Mal hintereinander gemeinsam von einem einzigen Gegenspieler nass machen, weil sie ihm eine große Lücke öffneten. Diese Art der Balleroberung glich dem Versuch, sich mit einem Kamm zu frisieren, der nur noch zwei Zinken hat.“

Es müssten vier, fünf, sechs Treffer sein, um einigermaßen beruhigt agieren zu können.

Peter Ahrens (Spiegel Online) macht der Offensive Druck: „Der Abend von Kaiserslautern war ein Spiegelbild des Zustandes, in dem sich die DFB-Auswahl zehn Monate vor dem WM-Turnier befindet. Derzeit scheint es so, dass die Abteilung Angriff zahlreiche Tore vorlegen muss, um gegen die Abwehrschwächen anarbeiten zu müssen. Und selbst drei erzielte Treffer sind dann keine Garantie für einen Erfolg, wie das Spiel gezeigt hat. Es müssten eigentlich vier, fünf, sechs Treffer sein, um einigermaßen beruhigt agieren zu können.“

Frank Hellmann (taz) empfiehlt einen Blick in Richtung Spanien: „Wie Ergebnis und Erlebnis in Einklang zu bringen sind, beweisen die Spanier, die zur Not sogar schnöde 1:0-Erfolge auf Abruf parat haben – keiner der spanischen Kleinkünstler, der nicht großartige Arbeit gegen den Ball verrichtet. In der deutschen Elite macht sich bei gegnerischem Ballbesitz phasenweise so viel Nachlässigkeit breit, dass die dann zu langsamen (Mertesacker), unkonzentrierten (Schmelzer) oder wankelmütigen Verteidiger (Hummels) denkbar schlecht aussehen.“

Das setzt sich in den Köpfen fest

Sven Goldmann (Tagesspiegel) blickt sorgenvoll in die Zukunft: „Das Problem sitzt tief. Es rührt am Selbstverständnis und am Respekt, den sich die Deutschen in den vergangenen Jahren mit ihrem ästhetisch anspruchsvollen Spiel erarbeitet haben. Dieser Respekt entsprang der Erkenntnis, dass diese Mannschaft dank Kreativität und individueller Klasse immer in der Lage ist, ein oder zwei Tore zu erzielen. Nach den Ereignissen der jüngeren Vergangenheit aber weiß die Konkurrenz jetzt: Diesen Deutschen können wir jederzeit ein oder zwei Dinger hinten reinsemmeln. Das setzt sich in den Köpfen fest. In denen der Gegners und, schlimmer noch, in den eigenen.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Nationalelf – Offen wie ein Scheunentor”

  1. Helmut Deck
    Freitag, 16. August 2013 um 11:53

    Vielen Dank für diese sehr aussagekräftige Zusammenfassung.

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