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Bundesliga

BVB – Jeder Schuss ein Treffer

Kai Butterweck | Montag, 16. September 2013 1 Kommentar

5 Spiele, 5 Siege: Borussia Dortmund ist in der Liga derzeit das Maß aller Dinge. Außerdem: Motzki-Stimmung in München, Erntedankfest in Stuttgart, dunkle Wolken in Bremen und Entspannung in Hoffenheim 

In Dortmund freut man sich nach der Heim-Gala gegen den HSV über den Startrekord. Für die Hamburger hätte es allerdings noch schlimmer werden können. Carsten Eberts (SZ) sitzt schmunzelnd auf der Tribüne: „Mitte der zweiten Halbzeit wurde es endgültig absurd. Da bildeten Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und Robert Lewandowski einen Halbkreis um Hamburgs Keeper René Adler. Sie schossen aus allen Lagen, erst Lewandowski, dann Mkhitaryan, schließlich Reus. Doch am Ende reckte einzig Adler seine Faust in die Luft. Die Dortmunder Angreifer drehten desillusioniert ab. Wieder kein Tor. Die Szene stand idealtypisch für die Partie, selten gab es in dieser Spielzeit wohl ein einseitigeres Match zu bestaunen. Die Dortmunder hätten zehn, zwölf oder 15 Tore erzielen können. Am Ende wurden es immerhin sechs.“

Klopps Fußballphilosophie in Reinkultur

Lars Wallrodt und Oliver Müller (Welt Online) klatschen begeistert Beifall: „Es war Klopps Fußballphilosophie in Reinkultur: schnelles Umschalten von Abwehr auf Angriff, überfallartige Attacken und perfekt herausgespielte Tore. In dieser Form bekräftigt der BVB seine Ambitionen auf den Titel. Während Konkurrent Bayern München derzeit eher schmucklos agiert, ist Klopps Mannschaft in einer Phase, in der laut Sahin „Schwung für die gesamte Saison“ geholt werde.“

Daniel Theweleit (Spiegel Online) bedankt sich im Namen der Verantwortlichen des BVB bei den Spielern des HSV: „Am Ende dieses Spektakels wirkten sogar die beiden Gegentore heilsam. Denn im Gegensatz zur Konkurrenz aus München müssen die Verantwortlichen in Dortmund nicht daran erinnern, dass kleine Nachlässigkeiten und eine Neigung zur Zufriedenheit schnell bestraft werden. Diesen Job hat der HSV erledigt, der zwei Fehler mit zwei Gegentreffern bestrafte.“

Tempo, wunderbare Tore, Siege

Ralf Birkhan (derwesten.de) adelt die Dortmunder Neuzugänge: „Nicht zuletzt Mkhitaryan und Aubameyang sind dafür verantwortlich, dass der BVB den aktuell tollsten Fußball der Liga spielt. Tempo, wunderbare Tore, Siege. Zurücklehnen können sie sich bei der Borussia jedoch nicht, denn jetzt beginnt die Stress-Zeit: Englische Wochen bis Weihnachten. Zwar sind die Bayern momentan langweiliger, aber sie verfügen über einen immensen Vorteil: Sie haben mehr Stars als Alternativen auf der Auswechselbank als der BVB. Wie dieses Macht-Spielchen der beiden Branchenführer ausgehen wird? Die Antwort wäre Theorie, daher ist sie müßig. Es kommt sowieso die Praxis dazwischen.“

Sören Maunz (Zeit Online) staunt über die Dortmunder Südtribüne: „Mit ihrer Stimmgewalt und ihrem Anblick kann die Südtribüne Partien mitentscheiden. An diesem Samstag, so scheint es, passiert zu Beginn der zweiten Hälfte genau das. Der HSV hat mit seinem zweiten Torschuss den 2:2-Ausgleich erzielt. Plötzlich dominieren die Hamburger auf dem Feld. In vielen Stadien wäre die Stimmung und vielleicht auch das Spiel gekippt. Aber die Südtribüne bietet dieser kurzen Überlegenheit des HSV ein rasches Gegengewicht. Nachdem René Adler einen Schuss von Marco Reus vor ihren Augen über die Latte lenkt, verschwindet die kurze Ohnmacht. 25.000 Menschen schmeißen ihre zu Fäusten geballten Hände dem Spielfeld entgegen: „Hier regiert der BVB!“ Kurz darauf erzielt Pierre-Emerick Aubameyang das 3:2, Robert Lewandowski das 4:2 und Marco Reus das 5:2.“

Sammer muss aufpassen, dass er sich nicht abnutzt

Nach dem „Dienst-nach-Vorschrift-Sieg“ gegen Hannover redet sich Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer in Rage. Lars Wallrodt (Welt Online) lobt und warnt zugleich: „Er gibt den ewigen Mahner, das fleischgewordene schlechte Gewissen und fühlt sich wohl in dieser Rolle. Und tatsächlich haben Vertreter dieses Typus‘ ja auch ihre Berechtigung. Als in den 90er Jahren die Erfolge der deutschen Nationalmannschaft die strukturellen Defizite im Vereins- und Verbandssystem übertünchten, hätte es einen wie Sammer gebraucht; es hätte den Fans einige traurige Jahre erspart. Doch Sammer muss aufpassen, dass er sich nicht abnutzt und seine Masche mit der Zeit beliebig wird. Wenn die Fans sich nur noch genervt abwenden, wenn Sammer mal wieder zischend den Zeigefinger durch die Luft schwingt, werden es auch bald die Spieler tun. Wenn das geschieht, büßt er die schärfste Waffe ein, die er hat. Und damit auch seine wohl wichtigste Aufgabe beim FC Bayern.“

Michael Horeni (FAZ) erteilt Matthias Sammer einen Freifahrtschein: „Die Spieler verstecken sich hinter Trainer Guardiola. Sie emotionalisieren sich null. Sie müssen raus aus der Komfortzone. All das sagte der Sportdirektor des FC Bayern nach dem mühevollen Heimsieg – und Sammer hat vollkommen recht. Aber was folgt daraus? Wenn es in den kommenden Wochen nicht laufen sollte,   wird es anerkennend heißen, Sammer habe die Krisensymptome sehr früh bemerkt. Und wenn sich die Münchner in drei, vier Wochen jubelnd in den Armen liegen, weil sie wieder hervorragend Fußball spielen, dann kamen die Warnungen genau zur rechten Zeit. Das Sammer-Prinzip verlangt dann wiederum, gleich die nächste Warnung auszusenden: Diese Siege seien zwar schön, wird es dann heißen, aber gewonnen habe man noch überhaupt nichts, erst am Saisonende dürfe man feiern. Und so weiter und so weiter. Soviel steht in der neuen Saison fest: Sammer bleibt sich treu.

Rückbesinnung auf den eigenen Nachwuchs

Dank der starken Auftritte zweier Eigengewächse, entführt der VfB Stuttgart drei Punkte aus Berlin. Marko Schumacher (Stuttgarter Zeitung) stellt sich applaudierend vor die Stuttgarter Trainerbank: „Ganz maßgeblich sind Christian Gentner und Sven Ulreich für diesen Sieg in der Hauptstadt verantwortlich gewesen. Wohl nicht ganz zufällig sind es zwei Eigengewächse, die Schneider so demonstrativ zu seinen Vertrauensleuten erklärt. Die Rückbesinnung auf den eigenen Nachwuchs ist ein zentrales Anliegen des Trainers, dem die beiden Siege gegen Hoffenheim und in Berlin nun die nötige Ruhe verschaffen, an den auch weiter vorhandenen spielerischen Defiziten zu arbeiten.“

Der bislang schlimmste Stimmungsdämpfer der Dutt-Amtszeit

Werder Bremen zieht im eigenen Stadion gegen Eintracht Frankfurt den Kürzeren. Frank Hellmann (FR) ist schockiert: „Selbst in der verkorksten Vorsaison, als die Schaaf-Dynastie durch den Drang nach einem unbelasteten Neuanfang endete, trat der SV Werder selten so erbärmlich auf wie beim bislang schlimmsten Stimmungsdämpfer der Dutt-Amtszeit. Und das hatte nicht einmal etwas damit zu tun, dass die Hanseaten nach einem zu Recht mit Rot bestraften Rambo-Tritt des Argentiniers Franco Di Santo mehr als eine Stunde lang in Unterzahl agierten.“

Spielfreude und Mut

Nach dem Sieg gegen Gladbach blicken die Hoffenheimer wieder entspannt auf die Tabelle. Christoph Ruf (Spiegel Online) klopft dem Coach der Mannschaft anerkennend auf die Schultern: „Gisdols großes Verdienst ist es, seit der Amtsübernahme im April einer verzagten Mannschaft Spielfreude und Mut eingehaucht zu haben. Nachdem das eindrucksvoll gelungen ist, geht es ihm nun darum, die Angriffslust der Jungen und Wilden in geregelte Bahnen zu lenken, um auf dem Weg nach oben den nächsten Schritt zu machen.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “BVB – Jeder Schuss ein Treffer”

  1. Pumukel
    Montag, 16. September 2013 um 20:32

    Matthias Sammer – was habe ich mich gefreut – hat sich selbst ins Bein geschossen. Der Manipulationsmeister der schwarzmalenden Rhetorik fiel seiner eigenen Erfolgshetze zum Opfer. Er hatte keine Lust auf gute Stimmung. Da nahm er die Knarre in die Hand und ballerte im eigenen Zuhause um sich. Sein Ziel: dass alle aufwachen. Ja, hat er geschafft. Manche sagen dazu auch blindwütiger Amokläufer. Wird Zeit, dass sie den Mann mal zurechtstutzen. Erfolg heiligt nicht alle Mittel.

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