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Bundesliga

Kampfansage aus dem Keller

Kai Butterweck | Montag, 27. Januar 2014 Kommentare deaktiviert für Kampfansage aus dem Keller

Drei Punkte gegen den Abstieg – In Frankfurt und in Nürnberg keimt wieder Hoffnung. Außerdem: Der HSV am Abgrund, Aufatmen in Hannover, Frust beim BVB und Angst vor Lederhosen

In Frankfurt herrscht nach dem ersten Saison-Heimsieg Aufbruchsstimmung. Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein (FR) halten jedoch den Ball flach: „Trainer Armin Veh muss sich während dieser 90 Minuten manches Mal wie im falschen Film vorgekommen sein, da absolviert man eine reibungslose Vorbereitung, arbeitet hart und viel, legt früh seine Stammelf fest, um die Laufwege einzustudieren und Automatismen zu erlangen, da überlässt man nichts, aber auch gar nichts dem Zufall – und dann kommt ein solcher Grottenkick mit einem Zufallstor dabei heraus. Immerhin stimmte die Einstellung und die Laufleistung.“

Auch in Nürnberg freut man sich über einen mehr als gelungenen Rückrundenstart. Lars Gartenschläger (Welt Online) zerrt den Nürnberger Coach von der Rock-Bühne zurück auf den Rasen: „Kurz vor Weihnachten hatte der Niederländer Gertjan Verbeek angekündigt, dass er sich erst bei einem Sieg des 1. FC Nürnberg rasieren werde. Nun ja, nach der katastrophalen Hinrunde hätte es den Glauben geben können, der Trainer wolle den Rauschebärten der US-Rocker von ZZ Top Konkurrenz machen. Nicht eines der 17 Spiele hatte das Team gewonnen und damit einen historischen Negativrekord aufgestellt. Doch dann kommt Hoffenheim, und plötzlich läuft es sportlich bei den Franken.“

Die Tabelle ist nicht deckungsgleich mit der Geldrangliste

Peter Hess (FAZ) verneigt sich vor den aufopferungsvoll kämpfenden Kellerkindern: „Der erste Spieltag des Jahres 2014 hielt mehr Überraschungen bereit als ein halbes Jahr Liga-Fußball in Schottland. Jenseits der Münchner Stadtgrenzen sind die Fußball-Verhältnisse längst nicht so zementiert, wie es viele heraufbeschwören. Die Tabelle ist nicht deckungsgleich mit der Geldrangliste, noch immer gilt – mit der hinlänglich beschriebenen Ausnahme: Jeder kann jeden schlagen. Ende Januar regt sich neues Leben im Keller der Bundesliga.“

Nicht einmal einen positiven Ansatz

Während die Konkurrenz fleißig Punkte sammelt, geht der HSV im eigenen Stadion gegen Schalke 04 unter. Maximilian Rau (Spiegel Online) winkt enttäuscht ab: „Der HSV steckt ganz tief im Abstiegskampf, belegt den Relegationsplatz. Gegen Schalke gab es nicht einmal einen positiven Ansatz, auf dem Trainer van Marwijk aufbauen könnte. Nimmt man die bisherige Saison und die neuerliche Pleite zum Rückrundenstart als Maß, fällt es nicht schwer, sich den „Dino“ in der Saison 2014/2015 als Zweitligisten vorzustellen.“

Sven Goldmann (Tagesspiegel) hält dem Club den Spiegel vor Augen: „In seiner Eigenwahrnehmung ist der HSV immer noch ein Weltklub, aber er ist beliebig geworden. Mit Managern und Trainern, die im Jahrestakt ausgetauscht werden wie der Name des Stadions. Zur Wahrung der Tradition steht schräg hinter dem Haupteingang ein gigantisches Denkmal, eine Bronze vom Fuß der HSV-Legende Uwe Seeler, er kickt einen imaginären Ball hinaus in die Welt. Seeler hat einen Enkel, er heißt Levin Öztunali, ist 17 Jahre alt und Jugendnationalspieler. Im vergangenen Sommer hat er den HSV verlassen, nicht in die weite Welt, sondern Richtung Leverkusen.“

Korkut profitiert vom Liga-Trend

Hannovers neuer Coach Tayfun Korkut feiert gegen den VfL Wolfsburg einen perfekten Einstand. Peter Unfried (taz) atmet kurzzeitig durch: „Tayfun Korkut ist ein Schwabe mit türkischem Pass und gehört zu der DFB-Abschlussklasse von 2011, aus der nun schon fünf Bundesligatrainer hervorgegangen sind. Auch Korkut profitiert vom Liga-Trend, statt einem der üblichen Verdächtigen einem neuen Mann zu vertrauen, der bei der Bewerbung durch Know-how überzeugt. Ob es mit Hannover nun verlässlich aufwärts geht, ist nach dem ersten Spiel nicht zu sagen. Tabellarisch hat man Anschluss zum Mittelfeld. Damit hat der zur Aufregung neigende Standort und damit Korkut zumindest ein, zwei Wochen Ruhe.“

Keine Durchschlagskraft, keine Ideen

Für Borussia Dortmund reicht es gegen starke Augsburger nur zu einem Unentschieden. Felix Meininghaus (SZ) weiß, woran es bei den Westfalen hapert: „Tatsächlich ist das schwarz-gelbe Ensemble, das mit seinen mitreißenden Darbietungen ganz Europa beeindruckte, derzeit nicht von der Muse geküsst. Im Sturm fehlen Durchschlagskraft und zündende Ideen, in der Rückwärtsbewegung ließen sich die Dortmunder auf der linken Außenbahn zweimal überlaufen, weil die Abstände nicht stimmten.“

Es traut sich kaum noch jemand, richtig gut zu spielen

Ganz vorne zieht der FC Bayern München unaufhaltsam seine Runden. Daniel Theweleit (Spiegel Online) fordert mehr Mut von der Konkurrenz: „Das Gejammer über die Langeweile im Titelrennen ist mittlerweile eine Art kollektives Wehklagen der Fußballnation, dabei hat die Legende von der Unbezwingbarkeit des FC Bayern auch ihre Vorzüge. Sie lässt sich nämlich ganz wunderbar verwenden, um die eigenen Niederlagen gegen den Rekordmeister zu erklären. Was die Spieler von Borussia Mönchengladbach nach der Niederlage am  Freitagabend ausgiebig taten.  Es traut sich kaum noch jemand, richtig gut zu spielen gegen den Meister aller Klassen.“

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