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Bundesliga

HSV – Die Suche nach den Schuldigen

Kai Butterweck | Montag, 3. Februar 2014 Kommentare deaktiviert für HSV – Die Suche nach den Schuldigen

Nach der fünften Niederlage in Serie sucht man In Hamburg nach den Verantwortlichen für die Misere. Außerdem: Glanz und Gloria im oberen Tabellendrittel

16 Punkte, 44 Gegentore, Platz 17: In Hamburg geht die Angst um. Carsten Eberts (SZ) nimmt sich HSV-Coach Bert van Marwijk zur Brust: „Viele Dinge haben tatsächlich mit dem Trainer zu tun. Mit seiner ruhigen, seriösen Art konnte er zu Amtsbeginn zwar punkten. Er hat der Mannschaft zunächst defensiv mehr Stabilität beschert, was jedoch auf Kosten der offensiven Schlagkraft ging. In der Winterpause wollte van Marwijk dann Abhilfe schaffen. Die von ihm verpflichteten Offensivkräfte Ouasim Bouy und Ola John, beides erklärte „Wunschspieler“, standen in Hoffenheim in der Startelf – ohne jedoch eine erinnerungswürdige Aktion zu liefern.“

Krasser Mangel an Respekt

Frank Lamers (derwesten.de) hält dagegen: „Der Niederländer erledigt seinen Job so, wie er es in den vergangenen Jahrzehnten außerordentlich erfolgreich getan hat. Ihm einen Strick daraus zu drehen, dass er Spielern nach dem ersten Frust 2014 gegen Schalke den freien Tag nicht gestrichen hat, zeugt schlicht von einem krassen Mangel an Respekt. Ihm vorzuhalten, dass er sich in seinen Wagen setzte und nach Hause fuhr, weist noch darüber hinaus und offenbart: Hier wird systematisch versucht, jemanden zu schädigen. Beim HSV sind viele schuldig – aber nicht van Marwijk.“

Lars Wallrodt (Welt Online)zeigt hingegen mit dem Finger auf den grünen Rasen: „Van der Vaart wirkt wie ein vergilbtes Foto aus besseren Zeiten. Eines, auf das man schaut und romantisch seufzt: „Ach ja, damals…“  Er sollte der Spiritus Rector im Mittelfeld sein, der Go-to-Guy. Doch der 30-Jährige ist zwar das Gesicht des Klubs, aber auch das Gesicht der Krise.“

Es sind grundsätzliche, strategische Fehler gemacht worden

Olivia Gerstenberger (dw.de) sieht schwarz: „Noch bleiben dem Hamburger SV 15 Spiele Zeit. Das ist nicht viel, um die jahrelange Misswirtschaft zu kompensieren. Es sind grundsätzliche, strategische Fehler gemacht worden, wie zum Beispiel das Chelsea-Experiment, das den eigenen Nachwuchs verdrängte. Selbst der Enkel von Klub-Legende Uwe Seeler spielt mittlerweile woanders – in Leverkusen. Zu viel Geld wurde in unüberlegte und kurzfristige Rettungsaktionen gesteckt, dazu machte sich der Verein von einem milliardenschweren Investor abhängig, der nicht nur seinen Lieblingsspieler zurückholte, sondern ebenfalls für Unruhe sorgte, indem er den handelnden Personen wiederholt die Kompetenz absprach.“

Es ist eine Leichtigkeit und Freude am Fußball zu sehen

Weiter oben in der Tabelle freut sich Schalke 04 über einen perfekten Rückrundenstart. Daniel Theweleit (Spiegel Online) reibt sich verwundert die Augen: „Jefferson Farfán arbeitete voller Hingabe für die Defensive, was keineswegs selbstverständlich ist.  Aber auch Felipe Santana wirkte in der Innenverteidigung sicher wie selten, Roman Neustädter war beinahe wieder so ballsicher wie in seinen besten Tagen und Kevin-Prince Boateng, der in der Rückrunde im defensiven Mittelfeld spielt, ist eine Instanz, die stabilisiert und Ruhe ausstrahlt. Es ist eine Leichtigkeit und eine Freude am Fußball zu sehen, die im Herbst allenfalls in einzelnen Momenten aufblitzte.“

Nachdem Schalke-Coach Jens Keller in der Vorrunde noch mit dem Rücken zur Wand stand, positionieren sich jetzt wieder haufenweise Schulterklopfer vor der Trainerbank. Reinhard Schüssler (derwesten.de) bleibt lieber auf Abstand: „Für halbwegs verlässliche Aussagen über die Qualität des Trainers Keller und die Lernfähigkeit der Schalker Verantwortlichen sollten sich alle – Fans wie Medien – bis zum Saisonende Zeit lassen. Was im Übrigen immer empfehlenswert ist. Siehe Nürnberg: Dort schien – wie in Hamburg – der Trainerwechsel schon ein Schuss in den Ofen zu sein, und nach Jens Keller sieht urplötzlich auch Gertjan Verbeek wie ein Erfolgstrainer aus.“

Fehlt nur noch der Nachweis der dauerhaften Konstanz

Oliver Müller (Welt Online) hält ebenso den Ball flach: „Es war zwar keine perfekte Vorstellung, doch Schalke trat diesmal wie eine Mannschaft auf – und nicht, wie in der Vergangenheit so häufig, als eine Ansammlung von Offensiv- und Defensivspieler, die sich jeweils nur für ihren Aufgabenbereich interessieren. Fehlt eigentlich nur noch der Nachweis der dauerhaften Konstanz, den die Schalker in den kommenden Wochen und Monaten erbringen müssen. Doch genau das war in der Hinrunde das große Problem: Da gab es zwischendurch auch immer mal wieder gute Auftritte, aber keine stabile Leistung über einen längeren Zeitraum.“

Ein nachvollziehbarer Plan

In München freut man sich über den 17. Sieg im 19. Ligaspiel. Christian Eichler (FAZ)entdeckt bereits vor Anpfiff des Spiels  ängstliche Frankfurter Gesichter: „Dass der Frankfurter Trainer Armin Veh es von vornherein nur auf Schadensbegrenzung angelegt hatte, war schon vor der Partie deutlich geworden. Veh hatte Sebastian Rode und Carlos Zambrano daheim in Frankfurt gelassen, um bei den beiden Stammspielern nicht das Risiko einer Gelb-Sperre für das nächste Spiel gegen Eintracht Braunschweig einzugehen. Der nachvollziehbare Plan: eine halbwegs kalkulierbare Niederlage mit geschwächter Elf gegen den Tabellenersten, dafür drei Punkte mit Bestbesetzung gegen den Tabellenletzten.“

Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz (FR) verneigen sich vor den elf Münchner Akteuren: „Die Eintracht hatte nicht den Hauch einer Chance, in der ersten Halbzeit konnte sie immerhin das Ergebnis in einem erträglichen Rahmen halten. Aber nach 45 Minuten war die Sache klar, die Bayern führten, nicht ganz unerwartet, im eigenen Stadion mit 2:0. Die Bayern beherrschten und bestimmten das Spiel, hatten alles und jeden unter Kontrolle. Zeitweise spielten die Münchner Katz und Maus mit den Frankfurtern, fanden mit ihren Kurzpassspiel immer wieder einer Mitspieler oder eine Lücke in der dicht gestaffelten Hintermannschaft. Aber viel zu oft wurde die Eintracht einfach nach allen Regeln der Kunst ausgespielt.“

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