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Bundesliga

Borussia Dortmund – Grauer Alltag

Kai Butterweck | Montag, 6. Oktober 2014 Kommentare deaktiviert für Borussia Dortmund – Grauer Alltag

Während Borussia Dortmund in der Champions League wichtige Punkte sammelt, zeigt die Kurve in der Bundesliga weiter nach unten. Außerdem: Trainerdebatte auf Schalke, grinsende Gesichter  in München und Mainz und Durchatmen in Berlin

Nach der Heimschlappe gegen den HSV nimmt der BVB Kontakt zu den Abstiegsrängen auf. Felix Meininghaus (SZ) ist geschockt: „Die erste Halbzeit gegen einen HSV, der zuvor nur zwei Unentschieden und gerade mal ein Tor zustande gebracht hatte, war das Schlechteste, was die Dortmunder seit Jahren abgeliefert hatten. Obwohl sie eine andere Gangart angekündigt hatten, trotteten die Spieler blutleer und ohne Inspiration über den Rasen, vom europaweit gefürchteten Gegenpressing war nichts zu sehen.“

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Die Meisterschaft ist schon jetzt so gut wie verloren

Daniel Theweleit (taz) blickt besorgt in die Zukunft: „Zehn Punkte beträgt der Rückstand auf den FC Bayern mittlerweile, die Meisterschaft ist schon jetzt so gut wie verloren. Zwar werden in der Länderspielpause Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan, Ilkay Gündogan und vielleicht sogar Jakub Blaszczykowski im Kreis der einsatzfähigen Spieler zurückerwartet, aber da bald ein Viertel des Spieljahres absolviert ist, erscheint auch die zur Pflicht erklärte Qualifikation für die Champions League langsam wie eine recht große Herausforderung.“

Martin Volkmar (sport1.de) appelliert an alle BVB-Verantwortlichen: „Zur ungewohnt geringen Laufleistung kommen unglaubliche Leichtsinnsfehler, die in den letzten vier Spielen immer zu entscheidenden Gegentoren führten, sowie fehlende Durchschlagskraft und Kreativität. Letzteres ist sicherlich auch auf die Ausfälle der schmerzlich vermissten Reus, Gündogan, Sahin und Mkhitaryan zurückzuführen. Doch das Fehlen des Mittelfeld-Quartetts ist alleine keine Erklärung für die in den letzten Jahren so nicht gewohnten Patzer in allen Mannschaftsteilen.“

Fehlende Durchschlagskraft

Matthias Dersch (Hertener-Allgemeine) sehnt die Rückkehr der Verletzten herbei: „Nahezu jeder Borusse trägt derzeit einen Rucksack mit Problemen auf dem Rücken, Ausnahmen wie Pierre-Emerick Aubameyang einmal ausgenommen. Dem einen fehlt der Rhythmus, der andere ist erschöpft. Wieder ein anderer kämpft noch mit der Umstellung auf diesen ganz speziellen Fußball, den Klopp seinen Spielern abverlangt. Die Folge sind Formschwankungen im Drei-Tages-Rhythmus. Die gute Nachricht aus Dortmunder Sicht ist: Die Zeiten werden sich auch wieder ändern. Nach der Länderspielpause kehren die Verletzten nach und nach in den Kader zurück. Sie werden zwar Zeit benötigen, bis sie wieder in Bestform sind – die einen länger, die anderen kürzer –, aber sie geben Klopp mehr Möglichkeiten und entlasten die Profis, die sich derzeit am Limit bewegen.“

Die Alarmglocken schrillen

Auch auf Schalke hängt der Haussegen schief. Manfred Hendriock (derwesten.de) sorgt sich um Trainer Jens Keller: „Wenn ein Führungsspieler wie Klaas-Jan Huntelaar anregt, dass man viele Sachen durch Training verbessern könnte und wenn man gleichzeitig sieht, was für eine Entwicklung eine vor zwei Jahren leblose Mannschaft wie Hoffenheim unter dem früheren Schalker Co-Trainer Markus Gisdol genommen hat, dann schrillen die Alarmglocken. Jens Keller, den der Verein oft gestärkt und gestützt hat, ist ganz sicher nicht alleine schuld an der Misere. Bisher hat Keller in kritischen Situationen immer rechtzeitig gute Ergebnisse geliefert. Die fehlen nun.“

Ein Schwergewichtsboxer bei den  Fliegengewichtlern

Beim FC Bayern hingegen herrscht eitel Sonnenschein. Thomas Hummel (SZ) ist begeistert: „Die Münchner Fußballwelt ist so wunderbar, dass Trainer Pep Guardiola trotz der Verletzungen von Thiago, Holger Badstuber, Javi Martínez, Bastian Schweinsteiger und Franck Ribéry die drei Weltmeister Jérôme Boateng, Thomas Müller und Mario Götze zwecks Schonung auf die Bank setzte. Trotz dieser Absenzen schickte Guardiola eine Elf auf den Platz, die der Bundesliga-Mittelklassemannschaft aus Hannover so überlegen war wie ein Schwergewichtsboxer einem Fliegengewichtler.“

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Lars Wallrodt (Welt Online) hofft auf Gegenwehr aus dem Osten: „Vielleicht braucht es tatsächlich einen Klub wie RB Leipzig  um einen Konkurrenten für den FC Bayern zu schaffen. Zugegeben: Eine sonderlich sympathische Vorstellung ist es nicht, einen mit Brause-Millionen hochgezüchteten Kunstklub an der Spitze der Bundesliga zu sehen. Andererseits ist es auch furchtbar, Jahr für Jahr die Bayern schon im Herbst enteilen zu sehen. Und wenn es der VfL Wolfsburg mit dem VW-Geld oder Leverkusen mit Bayer-Unterstützung nicht schaffen, dann ja vielleicht Leipzig und Red Bull. Einst kritisierte die Bundesliga die „spanischen Verhältnisse“, wo nur zwei Mannschaften als Meister infrage kamen. Mittlerweile würde sich Fußball-Deutschland danach sehnen. Das ist die bitterste Erkenntnis am Versagen der Bayern-Konkurrenten.“

Mainz ist gar nicht mehr so super klein

Auch in Mainz sind alle bester Laune. Tobias Schächter (taz) spendet Beifall: „Mit großem Staunen wird an alteingesessenen Bundesligastandorten wie Stuttgart, Hamburg, Frankfurt oder Bremen nach Mainz geschaut. Mainz 05 schafft es von Jahr zu Jahr, seine Grenzen immer weiter nach oben zu drücken. Und immer wenn der Eindruck entsteht, jetzt gehe es aber bergab, gelingt doch der nächste Schritt. Dabei ist Mainz 05 gar nicht mehr so super klein.“

Routinierte Kaltschnäuzigkeit

In Berlin sorgt Neuzugang Salomon Kalou für etwas Ruhe bei der Hertha. Ninja Priesterjahn (Berliner Zeitung) rollt dem Ivorer den roten Teppich aus: „Kalou hingegen bringt diese routinierte Kaltschnäuzigkeit mit, die man bei seinem Treffer zum 2:1 gut beobachten konnte: Durch eine minimale Verzögerung verlud er Stuttgarts starken Schlussmann Thorsten Kirschbaum und schob den Ball in aller Ruhe an ihm vorbei in die freie Ecke. Ob das einem Julian Schieber oder einem Sandro Wagner gelungen wäre, ist höchst zweifelhaft, haben sie doch im Saisonverlauf bereits beide unter Beweis gestellt, dass sie trotz aller Bemühungen zu viele Nerven zeigen. Ein Stürmer, der Bälle, die rein müssen, im Tor unterbringt, dem aber auch mal ein Treffer gelingt, mit dem keiner gerechnet hatte, gibt der gesamten Mannschaft Selbstvertrauen.“

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