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Deutsche Elf

Nationalelf – Nur keine Panik

Kai Butterweck | Montag, 13. Oktober 2014 Kommentare deaktiviert für Nationalelf – Nur keine Panik

Die Niederlage gegen Polen ist für die Nationalelf bereits die zweite Schlappe nach dem Triumph von Rio. Der Großteil der Presse lehnt sich dennoch entspannt zurück

Drei Spiele, zwei Niederlagen: Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft kommt die Nationalelf nicht so richtig in Tritt. Lars Gartenschläger (Welt) vermisst Typen: „Beim Spiel in Polen wurde offensichtlich, was es bedeutet, dass die zurückgetretenen Weltmeister Lahm, Per Mertesacker und Miroslav Klose nicht mehr dabei sind. Sie gaben der Mannschaft ob ihrer Erfahrung von je mehr als 100 Länderspielen Halt – auf und neben dem Platz. Da war niemand, der das Spiel an sich riss und das Team mit Ruhe führte.“

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Der Mittelstürmerraum bleibt unbesetzt

Christof Kneer (SZ) zeigt mit dem Finger auf die deutsche Offensive: „Das Thema „Chancenverwertung“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte dieser Elf, deren Protagonisten einer Generation entstammen, die vor dem Tor lieber zwei Loopings mehr einbaut als einen zu wenig. „Zocker“ nennt Jogi Löw seine Offensivwesen mal liebe-, mal sorgenvoll. In Polen war aber anschaulich wie selten zu erkennen, dass nicht nur jene Torchancen ein Problem darstellen, die vergeben werden. Sondern auch jene, die gar nicht erst entstehen – weil der klassische Mittelstürmerraum im Rochadenwirbel aus Versehen wieder mal unbesetzt geblieben ist.“

Nach Meinung vieler Experten liegt die Problemzone auf den Außenpositionen. Peter Ahrens und Rafael Buschmann (Spiegel Online) stellen einem der beiden Verantwortlichen ein Vorbild zur Seite: „Bei Rüdiger spürt man in zahlreichen Aktionen, welches Potenzial er hat. Zu seiner körperlichen Robustheit gesellt sich ein jetzt schon hohes Spielverständnis. Aber all das erscheint noch ungeschliffen bis ungeschickt, gerade was die Aktionen nach vorn angeht. Rüdiger wirkt zuweilen wie der junge Boateng, der in seiner Lehrzeit beim DFB oft ungestüm in die Zweikämpfe ging und in seinem ersten Länderspiel deswegen gleich eine Rote Karte kassiert hatte. Heute ist Boateng einer der besten Verteidiger der Welt. Rüdiger sollte sich ihn zum Vorbild nehmen.“

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Sie liefen, liefen, kämpften

Oliver Fritsch (Zeit Online) verneigt sich vor den Polen: „Jedem Zweikampf, jedem aussichtslosen Dribbling der Polen sah man an, dass es gegen den Weltmeister ging. Sie liefen, liefen, kämpften. Thomas Müller bekam den Arm von Kamil Glik an den Kopf. Christoph Kramer musste erneut einstecken. Man sah Grätschen in Serie. Dem Finalhelden Mario Götze nahmen die Verteidiger besonders gerne den Ball ab. Einmal foulte Robert Lewandowski Manuel Neuer beim Spielaufbau so hart, dass der Pole Gelb sah. Als Löw gefragt wurde, was ihm am polnischen Team gefallen habe, verwies er auf ihr Engagement.“

Peter Unfried (taz) hält den Ball flach: „Man weiß es nie genau, aber es spricht viel dafür, dass die deutsche Mannschaft sich nach dem WM-Titel auf ihrem nachhaltigen Löw-Niveau neu justieren muss, dass es in nächster Zeit etwas ruckeln wird, aber dass es dann auch wieder den Spektakel-Fußball geben wird, den Joachim Löw erfunden und etabliert hat. Am besten allerdings bereits an diesem Dienstag gegen Irland. Sonst rufen wir nach Lahm.“

Normalkurve der sportlichen Entwicklung

Auch Christian Kamp (FAZ) schiebt jeglichen Anflug von Panik entspannt beiseite: „Es ist kein Geheimnis, dass es im Sport oft schwieriger ist, einem großen Sieg eine Bestätigung folgen zu lassen.  In so einer Zwischenphase befindet sich auch die deutsche Nationalmannschaft. Eine Niederlage wie die von Warschau – so ärgerlich, weil vermeidbar sie auch gewesen sein mag – liegt deshalb auf der Normalkurve der sportlichen Entwicklung, erst recht angesichts der personellen Probleme, mit denen Joachim Löw und sein Team zu kämpfen haben. Ein paar Prozent weniger, ein paar versiebte Chancen zu viel, ein Fehlgriff des Welttorhüters – das kann reichen, um auch einen Weltmeister in die unerwartete Niederlage zu stürzen.“

Ralf Birkhan (derwesten.de) schließt sich an: „Sicherlich sind die Außenposten in der Viererkette des deutschen Teams ein Schwachpunkt, aber in der Anfangsphase der EM-Qualifikation gibt es größere Probleme. So pflügen die Favoriten – manche offensichtlich ein wenig lustlos – durch ein aufgeblähtes Teilnehmerfeld. Selbst Gibraltar ist mittlerweile in die Qualifikation gerutscht. Alle Gruppenersten und Gruppenzweiten kommen weiter. Selbst die Gruppendritten erhalten noch eine Playoff-Chance, um die Endrunde 2016 in Frankreich zu erreichen. Es müsste schon sehr, sehr schlecht für Favoriten wie Deutschland, Holland, Spanien oder Italien laufen, wenn sie sich bei diesem Breitband-Modus am Ende nicht für Frankreich qualifizieren würden.

Andreas Sten-Ziemons (dw.de) macht das Fehlen diverser Stammkräfte für das derzeitige Formtief verantwortlich: „Marco Reus ist verletzt, Mesut Özil auch. Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Benedikt Höwedes und Mario Gomez ebenso – dazu (schon seit Monaten) Ilkay Gündogan. Philipp Lahm, Per Mertesacker und Miroslav Klose sind im Sommer zurückgetreten. Wer gedacht hatte, die deutsche Nationalmannschaft würde ihren Lauf von der WM auch in der EM-Qualifikation trotz der vielen fehlenden Spieler nahtlos fortsetzen, ist genauso naiv, wie sich die jungen deutschen Außenverteidiger in Warschau möglicherweise in manchen Situationen gegen Polens Angreifer angestellt haben.“

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