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Bundesliga

FC Augsburg – Champions League? Warum nicht?

Kai Butterweck | Montag, 8. Dezember 2014 2 Kommentare

Acht Siege, Platz drei: Der FC Augsburg mischt die Liga auf. Außerdem: Frankfurter Höhenflug, Stuttgarter Tristesse, Schalker Torgaranten und eine Bitte vor dem Fest

Der FC Augsburg geht am Wochenende zum achten Mal als Sieger vom Platz. Der Lohn: Ein Champions-League-Platz. Daniel Theweleit (taz) rechnet mit allem: „Inzwischen wäre es nicht einmal mehr verwunderlich, wenn diese Mannschaft die Sache bis zum Schluss durchzieht und in der kommenden Saison im Europapokal spielt. Auch Frankfurt, Mainz und Freiburg haben sich in den vergangenen Jahren von solchen Phasen der Leichtigkeit auf die europäische Bühne tragen lassen.“

Teamgeist und taktisches Vermögen

Robert Peters (RP Online)erfreut sich an den erfrischenden Auftritten der Augsburger: „Der FC Augsburg behauptet sich im vierten Bundesligajahr neben und vor Klubs, die von ihrer wirtschaftlichen Ausstattung in einer ganz anderen Liga spielen sollten. Das Erfolgsrezept klingt wunderbar einfach: Es besteht zu großen Teilen aus Teamgeist und zu einem gehörigen aus taktischem Vermögen. Augsburg beschämt Mitbewerber, die immer noch meinen, auf dem Weg zum Erfolg sei allein die dicke Geldbörse entscheidend.“

Was für eine Verwandlung!

Auch die Eintracht aus Frankfurt hatte vor Beginn der Saison kaum einer so richtig auf dem Zettel. Mittlerweile schnuppern auch die Hessen an den Europapokal-Plätzen. Ingo Durstewitz (FR) präsentiert beeindruckende Fakten: „Vor 16, 17 Tagen noch, da schien es so, als würde ein extrem harter Abstiegskampf auf die Hessen warten, sie waren in eine handfeste Krise gerutscht, schienen im freien Fall. Drei Bundesligaspiele und neun Punkte später grüßt die Eintracht von Platz sieben, sie hat 21 Punkte beisammen und nur noch zwei Zähler Rückstand auf einen Europa-League-Startplatz sowie drei Punkte auf einen Rang, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt. Die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf hat 27 Tore geschossen, nur Bayern und Wolfsburg haben mehr Buden gemacht, sie hat jetzt erstmals seit September 2012 wieder drei Partien am Stück gewonnen. Und sie stellt auch den besten Torschützen der Bundesliga: Alexander Meier schlug auch gegen Bremen zweimal erbarmungslos zu.“

Thomas Kilchenstein (SZ) verneigt sich vor allem vor Frankfurts Tormaschine Alexander Meier: „Der Frankfurter Goalgetter ist ein Phänomen, ist das Herz des Teams, vielleicht auch ein Automat. Ein Torautomat. Meier trifft fast immer. Immer mit der Innenseite. Von seinen 90 Toren, die er in in 281 Spielen für die Eintracht erzielt hat, waren vielleicht fünf, sechs darunter mit Vollspann. Er ist kein Wühler, kein Dribbler, nicht mal ein guter Kopfballspieler, trotz seiner Größe von 1,96 Meter. Aber er ist ein höchst verlässlicher Knipser: Seine Schüsse mit der Innenseite sind kleine Kunstwerke, präzise, tödlich, ästhetisch, technisch anspruchsvoll.“

Auch Peter Hess (FAZ) ist beeindruckt: „Kaum ein anderer Fußballprofi macht so wenig Aufhebens um sein Tun wie Alexander Meier. Dabei hat seine Karriere in der Spätphase eine Entwicklung genommen, die ihn zu einem Phänomen der Bundesliga macht. Bis Mitte 20 wirkte der 1,96 Meter lange Norddeutsche wie ein Basketballspieler. Schlaksig, dünne Beine, schmaler Brustkorb. Doch dann fand er nach einer langwierigen Verletzung während der Reha seinen Spaß am Krafttraining. Seitdem ist aus ihm ein athletischer Fußballspieler mit großem Durchsetzungsvermögen geworden.“

Es drohen 20 Spieltage Überlebenskampf

In Stuttgart brennt kurz vor dem Weihnachtsfest der Baum. Nach der desaströsen Heimvorstellung gegen Schalke 04 steht Josef Kelnberger (SZ) neben einem zerknirschten Huub Stevens: „Seit er vor zwei Wochen sein Amt angetreten hat, wird er nicht müde zu warnen, diese Rettungsmission sei noch schwieriger als jene in der vergangenen Saison. Möglicherweise war Stevens aber doch überrascht, dass seine Mannschaft aus dem mit einigem Glück zustande gekommen 4:1-Sieg in Freiburg keinerlei Sicherheit gewann. Aber nun versteht zumindest jeder, was die Stunde geschlagen hat. Es ist das Ende aller Träume, mit ein wenig mehr Glück könne diese Mannschaft oben mitspielen. 20 Spieltage lang Überlebenskampf.“

Die Vorstellungen des Trainers so langsam verinnerlicht

Bei Schalke 04 läuft die Offensivabteilung mittlerweile auf Hochtouren. Manfred Hendriock (derwesten.de) lobt die Arbeit von Trainer Di Matteo: „Dass Schalke auf einmal wieder eine Torfabrik hat, hängt auch mit der Systemumstellung von Trainer Roberto Di Matteo zusammen: Die drei Siege mit elf Toren wurden erspielt, seit Choupo-Moting von der Außenbahn ins Zentrum gerückt ist und dort mit Huntelaar eine Doppelspitze bildet. In Stuttgart erweckte die Mannschaft zum ersten Mal den Eindruck, als habe sie die Vorstellungen ihres neuen Trainers so langsam verinnerlicht.“

Das Leben ändert seine Farben nicht auf Knopfdruck

Ganz oben fahren die Bayern weiter fleißig Punkte ein. Warum man seinem Kind zu Weihnachten dennoch kein Bayern-Trikot schenken sollte, verrät Lars Wallrodt mit einem Schmunzeln im Gesicht (Welt): „Der FC Bayern München ist ein wunderbarer Verein, ein Leuchtturm der sportlichen Dominanz und der wirtschaftlichen Vernunft. Zurecht Deutschlands Nummer eins. Aber als Herzensklub ist er nicht zu empfehlen. Denn wie sollen die Heranwachsenden etwas über das harte Leben lernen, wenn ihr Verein sie nicht fordert? Jedes Wochenende müssten sie Siege bejubeln, jeden Sommer die Meisterschaft feiern. Erst mit Begeisterung, später halbherzig, weil sich auch das Hochgefühl des Sieges irgendwann abnutzt bei ständiger Präsenz. Wer so aufwächst, wird sich wundern, wenn er auf dem Schulhof zum ersten Mal verdroschen wird, wenn es den ersten Korb von einem Mädchen (oder einem Jungen) gibt und wenn die ersten zehn Bewerbungen mit bestem Dank und guten Wünschen abgelehnt werden. Das Leben ist nicht die Münchner Arena, es ändert seine Farben nicht auf Knopfdruck.“

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Kommentare

2 Kommentare zu “FC Augsburg – Champions League? Warum nicht?”

  1. Pumukel
    Montag, 8. Dezember 2014 um 17:39

    Kleiner Merkhelfer für Journalisten

    1. Ein Sieg bedeutet noch keine Meisterschaft.
    2. Wer gewinnt, ist nicht automatisch besser.
    3. Wer verliert, ist noch nicht abgestiegen.
    4. Abgestiegen ist man erst, wenn man es ist.
    5. Von einer möglichen Entlassung eines
    Trainers nur dann berichten, wenn
    ernstzunehmende Indizien vorliegen.

    So, und nur so, lieben wir euch, und ihr bleibt glaubwürdig!

  2. limousine insurance minnesota
    Montag, 23. Februar 2015 um 23:50

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