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Bundesliga

Hertha BSC – Die Hauptstadt atmet durch

Kai Butterweck | Montag, 15. Dezember 2014 Kommentare deaktiviert für Hertha BSC – Die Hauptstadt atmet durch

Nach dem knappen Heimsieg gegen Borussia Dortmund wischt man sich in Berlin literweise Schweiß von der Stirn. Außerdem: Verwandelte Kölner und ein torhungriger Münchner, der selten überrascht

Im Kellerduell zwischen Hertha BSC und Borussia Dortmund haben am Ende die Berliner die Nase vorn. Michael Rosentritt (Tagesspiegel) macht ein dickes Häkchen: „Der Sieg über erschreckend lasche wie harmlose Dortmunder wirkt für die Berliner wie ein großer Drucklöser. Es war kein schönes Spiel, nicht mal ein technisch-taktisch sonderlich hochwertiges. Es war ein Spiel, das eine Mannschaft mit Engagement und Temperament führte und es verdientermaßen – und leicht vom Glück begünstigt – gewann. Für die Berliner war es letztlich der bis hierhin wichtigste Sieg in dieser so rumpelig verlaufenden Hinserie.“

Wie ein „Herzblatt“-Kandidat

Ninja Priesterjahn (Berliner Zeitung) amüsiert sich über kuschelige Szenen nach dem Spiel: „Jos Luhukay blickte entschuldigend zu den wartenden Kamerateams. Der Trainer hatte gerade vor einer der mobilen Stellwände in den Katakomben des Berliner Olympiastadions gestanden, bereit in der nächsten Kabine ein Interview zu geben, als auf der anderen Seite Julian Schieber auftauchte. Und Luhukay schnappte sofort zu. Er drückte den Stürmer ganz fest an sich. Dann hielt er ihn mit gestreckten Armen ein Stück von sich weg, schüttelte ihn und blickte lächelnd zu ihm auf. Für einen kurzen Moment wirkte Luhukay wie ein Kandidat aus der einst von Rudi Carrell moderierten Sendung „Herzblatt“ – wie einer von denen, die erleichtert aufatmen, wenn die Trennwand zur Seite fährt, weil sie dann wissen, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben.“

Das ist ein ganz schlechtes Zeichen

Während man in Berlin feiert, wischt man sich auf Dortmunder Seite wieder einmal nur frustriert den Mund ab. Nach Ansicht von Robert Peters (RP Online)hapert es auf dem Platz momentan in allen Bereichen: „Der BVB, dessen großartige Abwehrarbeit viele Spielzeiten lang zum Vorbild in Europa wurde und dadurch dem Fußballstammtisch das geflügelte Wort vom „Gegenpressing“ schenkte, leistet mit unschöner Regelmäßigkeit entscheidende Beiträge zu den Treffern seiner Gegner. Auf der anderen Seite folgt das Team seiner eigenen Tradition und verschwendet Torchancen in Serie. Das sind die äußerlichen Gründe für die Talfahrt. Sie wirken tief nach innen. Vor allem bei Trainer Jürgen Klopp. Die Krise spiegelt sich in seinem Gesicht, der einstige Strahlemann der Liga ist zunehmend verzweifelt. Das ist ein ganz schlechtes Zeichen.“

Oliver Müller (Welt) beschäftigt sich intensiv mit den derzeitigen Problemzonen des BVB: „Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und Zweifel an den Fähigkeiten der Mitspieler sind keine ungewöhnlichen Symptome einer so schweren Krise. Besonders dann nicht, wenn sich eine Mannschaft, die für Titelkampf und die Champions League zusammengestellt worden ist, völlig unerwartet in solch einer prekären Situation wiederfindet. Es ist wie ein Kulturschock: Spieler, die sich bislang in erster Linie durch ihre technischen Fähigkeiten und über ihren fußballerischen Anspruch definiert haben, müssen sich komplett anderen Herausforderungen stellen. Das „Kratzen“ und „Beißen“ liegt den Dortmundern nicht.“

Ralf Birkhan (derwesten.de) findet warnende Worte: „In Berlin feierten sie ihre Mannschaft, die sich nach der Niederlage bei der Hertha samt Trainer Klopp still vor der BVB-Kurve versammelt hatte. Ein eindrucksvolles Bild, aber zugleich ein gefährliches. Mitgefühl und Anteilnahme verwandeln sich schnell in Mitleid, und das kann der BVB nun wirklich nicht gebrauchen. Es wäre nämlich fatal für den Klub, die Klasse nicht halten zu können und am Ende als Absteiger der Herzen in die Geschichte der Fußball-Bundesliga einzugehen.“

Als werde das gegenteilige Extrem zelebriert

Auch beim Dortmunder Dauerrivalen Schalke 04 hing am späten Samstagnachmittag der Haussegen schief. Der Grund war eine bittere Heimniederlage gegen den 1.FC Köln; ein Verein, der sich im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit wie ausgewechselt präsentiert. Daniel Theweleit (Spiegel Online) ist begeistert: „Die Mannschaft verfällt nicht in Aktionismus, sie kennt ihre Schwächen, und diese realistische Selbsteinschätzung ist eine große Qualität des 1. FC Köln, der sich nach dem Abstieg 2012 neu erfinden musste. Nach Jahren mit Tendenz zum Größenwahn erweckt der Klub derzeit den Eindruck, als werde das gegenteilige Extrem zelebriert.“

Zu den Gewinnern zu gehören, wird nie langweilig

Die Bayern sind Herbstmeister. Überraschung? Wohl kaum. Es ist halt wie es ist. Der Rekordmeister ist und bleibt nun mal das Maß aller Dinge, auch wenn sich Uwe Marx (FAZ) mittlerweile fast zu Tode langweilt: „Guardiola muss sich für die Qualität seiner Mannschaft nicht entschuldigen, so wie sich die Finanzexperten der Münchner nicht für die prallgefüllten Konten des Meisters erklären müssen. Und dass die Bundesliga keinen ernsthaften Konkurrenten mehr bereithält – dafür müssten andere geradestehen. Die Bayern tun einfach ihr Bestes, damit alles bleibt, wie es ist, so gähnend langweilig das die Meisterschaft auch macht – außer für Bayern-Anhänger, denn zu den Gewinnern zu gehören, wird nie langweilig.“

Einer der Garanten des Münchner Dauererfolgs hört auf den Namen Arjen Robben. Maik Rosner (SZ) erfreut sich an niederländischen Dauerschleifen: „Mit schnellen Trippelschritten lief Arjen Robben an der Strafraumkante zwischen den Augsburger Abwehrspielern entlang, setzte mit links zum Torschuss an und führte diesen bedacht und ohne unnötige Wucht aus, aber mit umso mehr Präzision. Es war eine Szene wie ein Abziehbild zahlreicher Tore, die er auf ähnliche Weise schon erzielt hat. Dass diese allgemein bekannten Bewegungsabläufe und Pfade dennoch immer wieder erfolgreich enden, ist auch ein Ausdruck für die besondere Qualität des niederländischen Nationalspielers. Jeder weiß, was er tut, kaum einer kann es verhindern.“

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