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Bundesliga

Kein Stolperstein in Sicht

Kai Butterweck | Montag, 26. Oktober 2015 Kommentare deaktiviert für Kein Stolperstein in Sicht

Nach zehn Siegen in Serie fragt sich die Liga wieder einmal: Wer soll diese Bayern stoppen? Außerdem: Ein Ungar räumt in Berlin auf, verunsicherte Hoffenheimer, verschlafene Schalker und ein Foul, das Spuren hinterlässt

Die Bayern eilen von Sieg zu Sieg. Der Erfolg gegen Köln markierte den 1000. Bayern-Triumph in der Bundesliga-Geschichte. Christian Eichler (FAZ) findet kaum Worte:  „Sie haben von allem das meiste und Beste, diese Bayern, selbst von dem Willen, noch mehr zu bekommen, noch besser zu werden. Es ist so faszinierend wie fröstelnd, Zeuge ihrer kalten Pracht zu sein. Sie sind atemraubend. Und nehmen die Luft zum Atmen.“

Bayerns Dominanz darf nicht zu einem dauerhaften Alibi werden

Ivo Hrstic (sport1.de) fordert ein grundsätzliches Umdenken im Liga-Umfeld: „Ein Blick in andere europäische Ligen zeigt das deutsche Dilemma: In keinem anderen Land ist der sportliche und finanzielle Abstand zwischen Spitze und dem Rest der Liga so groß wie hier. Die Bundesliga muss schnell Antworten auf diese Entwicklung finden, Bayerns Dominanz darf nicht zu einem dauerhaften Alibi werden! Dabei genügt nicht nur der Verweis auf die fehlenden finanziellen Mittel im Vergleich zum Rekordmeister, das ist zu einfach. Eine Umverteilung von TV-Geldern, innovative Nachwuchskonzepte und neue Finanzierungsmodelle können Ansätze sein.“

Thomas Hummel (SZ) freut sich über die Rückkehr von Arjen Robben: „Der Niederländer war nicht nur wieder da, sondern beeinflusste das Bayern-Spiel sogleich entscheidend. Sein 1:0 löste letztlich alle Probleme der Münchner gegen ultradefensive Kölner. Selbst hatte er den Angriff mit einem Pass auf Thomas Müller eingeleitet, den Abpraller in der Mitte verwandelte er sicher. Zuvor hatte er schon als erster Münchner auf das Tor gezielt, nach sieben Minuten hatte Torwart Timo Horn gerade noch gerettet.“

Wird Pep Guardiola seinen Vertrag beim FC Bayern verlängern? Oder sitzt in der kommenden Saison ein neuer Mann auf der Bank? Sven Flohr (Welt) „wünscht“ sich einen Neuanfang: „Die Hoffnung der Konkurrenz, auch wenn sie sich nicht mehr als solche betrachtet, ist ein neuer Trainer, der mit Guardiolas Mannschaft vielleicht nicht auf Anhieb so gut klarkommt. Dem die Offiziellen des Klubs nicht zu Füßen liegen. Ancelotti will mehr Wettbewerb in der Bundesliga? Empfangen wir ihn mit offenen Armen!“

Weg vom Ergebnisfußball

Auch in Berlin ist man derzeit bestens gelaunt. Nach dem Auswärtssieg gegen Ingolstadt ist die Hertha nur noch drei Punkte von ihrem Hinrunde-Punkteziel entfernt. Christoph Dach (Tagesspiegel) blickt anerkennend in Richtung Berliner Trainerbank: „Dass die Hauptstädter auch außerhalb ihrer Stadtgrenzen wieder ein Thema geworden sind – am Sonntag durfte sich Manager Preetz als Studiogast in Deutschlands bekanntester Fußball-Talkshow dezidiert zur Entwicklung des Vereins äußern – darf sich vor allem Dardai anheften. Sein ebenso mutiger wie aus ästhetischen Gründen notwendiger Plan, wegzukommen vom reinen Ergebnisfußball, ist bislang erstaunlich gut aufgegangen.“

So gut wie nie souverän und seiner selbst sicher

In Hoffenheim ziehen vermehrt dunkle Wolken auf. Roland Zorn (FAZ) kennt die Gründe: „Das Team wirkt bei allem Bemühen, temporeich im Wechsel zwischen Pressing und Gegenpressing zu agieren, vergleichsweise langsam und so gut wie nie souverän und seiner selbst sicher. Es ist kein Zufall, dass die Hoffenheimer nun schon viermal in dieser Spielzeit zum Greifen nahe Siege oder Unentschieden in den Schlussminuten verspielten und inzwischen zu den abstiegsbedrohten Klubs gehören.“

Indiskutable Leistung

Auch in Gelsenkirchen lässt man nach der Pleite in Gladbach die Köpfe hängen. Peter Müller (derwesten.de) erinnert die Spieler daran, dass ein Fußballspiel aus zwei Halbzeiten besteht: „André Breitenreiter zählte nach dem Spiel auf, was die Borussia in der ersten Halbzeit alles richtig gut gemacht hatte: Sie sei mutig gewesen, präsent, gierig und laufstark. Mit dieser Lobeshymne auf den Gegner wies er indirekt auf die in der ersten Hälfte indiskutable Leistung seines eigenen Teams hin. Gladbach hatte all das auf den Rasen gebracht, was Schalke vermissen ließ. Wenn man nur in einer Halbzeit Fußball spielt, sollte man sich nicht wundern, wenn man am Schluss als Verlierer vom Feld stiefelt.“

Sein Opfer hatte er nicht mehr angetroffen

Das Spiel in Gladbach wurde überschattet von einem groben Foulspiel an Gladbachs André Hahn, für das der Übeltäter (Johannes Geis) völlig zu Recht vorzeitig zum Duschen geschickt wurde. Stefan Hermanns (Tagesspiegel) begleitet den Rotsünder nach Spielschluss in die Gladbacher Kabine: „Johannes Geis schickte zunächst einen Emissär vor, ehe er sich in Begleitung eines Bodyguards in den Kabinentrakt von Borussia Mönchengladbach begab. In beiden Fällen handelte es sich um Roman Neustädter, der als ehemaliger Gladbacher über die nötige Ortskenntnis verfügt. Der Fußballprofi des FC Schalke 04 hatte erst die Lage gecheckt, dann schritt er seinem Kollegen Geis voran, der auf dem Kragen seiner Trainingsjacke herumkaute. Nicht mal eine halbe Minute später kam Geis allein und mit hängendem Kopf zurück. Sein Opfer hatte er nicht mehr angetroffen, aber immerhin hatten ihm die Gladbacher dessen Telefonnummer ausgehändigt.“

Daniel Theweleit (Spiegel Online) ist geschockt: „Lediglich die Tatsache, dass der ehemalige Mainzer eigentlich „einer der liebsten Mitspieler“ ist, wie Schalkes Torhüter Ralf Fährmann glaubwürdig berichtete, könnte das Strafmaß ein wenig reduzieren. Der Mittelfeldspieler ist nämlich kein Wiederholungstäter. Aber in dieser Situation hat er offenbar die Kontrolle über sich verloren. Der Tritt gegen Hahns Knie, war weder ein Versehen noch ein Unfall. Es war ein folgenschwerer Blackout.“

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