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EM 2016

EM 2016 – Der Knoten ist geplatzt

Kai Butterweck | Montag, 27. Juni 2016 Kommentare deaktiviert für EM 2016 – Der Knoten ist geplatzt

Nach eher magerer Vorrundenkost lassen Deutschland und Belgien im Achtelfinale erstmals die Puppen tanzen. Die Presse jubelt

Nach der überzeugenden Vorstellung gegen harmlose Slowaken sendet Christian Kamp (FAZ) warnende Grüße an die Konkurrenz: „Mit dem Viertelfinale wird nun Löws Rolle noch stärker als bisher in den Fokus rücken. Bis jetzt war vor allem Trainerhandwerk gefragt, nun aber kommen die wichtigen Strategie- und Personalentscheidungen. Zum Beispiel, ob Schweinsteiger noch eine Rolle von Belang spielen soll bei diesem Turnier. Und auch, ob er der offensiven Verteidigung mit Kimmich weiter vertraut. Der Münchner spielte gut, geriet aber hin und wieder unter Druck. Die Antwort auf die Stürmerfrage hingegen kann nur weiter Gomez heißen. So wie auch er brachten alle Deutschen gegen die Slowakei ihre Stärken ziemlich prächtig ein – was in der Summe ein Team ohne Schwachpunkte ergab, das in dieser Verfassung jeder Gegner fürchten muss.“

Die bislang beste Turnierleistung

Marko Schumacher (Stuttgarter Zeitung) macht ein dickes Häkchen: „Beim Sieg gegen die Slowaken lieferte die deutsche Mannschaft nicht annähernd einen Anhaltspunkt, der die Konkurrenz bei dieser EM beruhigen könnte. Nach mühevollen Auftritten zu Beginn des Turniers und einer gewissen Ladehemmung zum Abschluss der Gruppenspiele, gilt seit Sonntag die Leistung gegen die teilweise überforderten Slowaken als bislang beste Turnierleistung.“

Auch Michael Rosentritt (Tagesspiegel) ist hochzufrieden: „Mit dem Sieg über die Slowakei hat die deutsche Mannschaft drei Signale gesetzt. Eins ganz allgemein, ein zweites nach innen und ein drittes nach außen. Allgemein sagte das Spiel, dass es sich wieder lohnt, Fußball auch nach vorn zu spielen. Nach innen stärkt es das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, einen Gegner in einem Alles-oder-nichts-Spiel mal wieder richtig auseinandergespielt zu haben. Und nach Außen lautet die Botschaft: Liebe Spanier oder liebe Italiener, wer immer im Viertelfinale von euch kommen mag, mit den Deutschen in dieser erworbenen Verfassung von Sonntag ist wieder zu rechnen.“

Christian Löer (Berliner Zeitung) nimmt es locker: „Die deutsche Elf steht im Viertelfinale der EM in Frankreich. Angesichts der üblichen Turnier-Leistungen deutscher Nationalmannschaften in den vergangenen zehn Jahren (bzw.: in der Ära Joachim Löw), ist das keine Überraschung. Eher eine Beruhigung. Ein wenig wie bei einer Flugzeuglandung: Klatschen muss man nicht unbedingt für den Menschen im Cockpit. Man applaudiert ja auch nicht dem Busfahrer, der die nächste Haltestelle erreicht hat. Und der Politesse, die ein Auto aufschreibt, der applaudiert man eher auch nicht.“

Klaus Hoeltzenbein (SZ) hält den Ball flach: „Gewiss dürfen die Menschen zwischen Englischem Garten und Brandenburger Tor jetzt auf der neuen Dreinull-Faktenlage spekulieren, dass die Löw-Elf nach Rio auch in Paris triumphieren kann –, aber für die wasserdichte Prognosen bedarf es im Viertelfinale dann doch eines Herausforderers.“

Mensch, was ging das leicht und geschwind!

Julian Draxler avanciert zum Matchwinner. Oliver Fritsch (Zeit Online) reibt sich die Augen: „Das hätten Julian Draxler nicht alle zugetraut, dass er für die beste und kreativste Aktion der deutschen Offensive dieses bisherigen Turniers verantwortlich werden sollte. Mensch, was ging das leicht und geschwind! Waren es jetzt zwei Übersteiger, gefolgt von einem Ballstreichler mit der Sohle, oder war da erst der Streichler und dann die Übersteiger?“

Jan Christian Müller (FR) gerät ebenfalls ins Schwärmen: „Julian Draxler hat sich was zugetraut und ist in die Eins-gegen-Eins-Duelle gegangen. Das sah von Beginn an besser aus als bei seinen ersten beiden EM-Auftritten, er wirkte spritziger und vor allem: Er war mutiger. Nun kommen Spanien oder Italien im Viertelfinale. Julian Draxler hat in der Champions League mit Wolfsburg schon bewiesen, dass er auch auf diesem Niveau mithält. Er muss nur mutig genug sein.“

Nico Stankewitz (yahoo.com) hat eine andere deutsche Offensivkraft auf dem Zettel: „Mario Gomez ist als Mittelstürmer eine Art „Einhorn“ in Deutschlands Fußball – so selten ist ein solcher Spielertyp im Weltmeisterteam. Auch im zweiten Spiel von Anfang an traf der nach einem Karrieretief bei Besiktas Istanbul gestrandete Stuttgarter. Als Wandspieler in vorderster Front ist Gomez nicht zu ersetzen: Er schafft die Räume, beschäftigt die Verteidiger – und tut das, was er am besten kann: Er schießt Tore.“

Flämisch-wallonischer Schnellzug

Auch die Belgier trumpfen im Achtelfinale groß auf. Frank Hellmann (FR) schnallt sich an: „Beinahe jeden ungarischen Ballverlust nutzte der flämisch-wallonische Schnellzug, um mit Vollgas vorzupreschen. Einziges Manko: Viele der erstklassigen Angriffszüge wurde durch ein unzureichendes Abspiel zunichte gemacht – oder aber Gabor Kiraly stand im Wege. Der Torwart-Oldie in der grauen Schlabberhose zeigte teilweise Weltklasseparaden, sonst hätte der Weltranglistenzweiten seine erdrückende Dominanz in mehr Treffer umgemünzt. Fast schon fahrlässig, wie viele Chancen die Belgier liegen ließen.“

Marcus Krämer (Spiegel Online) adelt Eden Hazard: „Er gilt seit Jahren als größtes Versprechen des belgischen Fußballs. Der Tempodribbler steckte beim FC Chelsea aber monatelang in der Formkrise, die er auch mit in die EM nahm. Aus und vorbei! Gegen Ungarn hat Eden Hazard mit vielen spektakulären Szenen gezeigt, wieso ihn mancher Experte sogar für einen kommenden Weltfußballer hält. Wie er vor dem 2:0 den Ball mit dem Außenrist in den freien Raum spielte, an den verdutzten Abwehrspielern vorbeisprintete und den freien Batshuayi bediente, war an Raffinesse nicht zu überbieten.“

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