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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Bundesliga

Augsburg, HSV, Wolfsburg – Radau hinter den Kulissen

Kai Butterweck | Donnerstag, 15. Dezember 2016 ohne Kommentar

Beiersdorfer, Allofs, Schuster – In der Bundesliga geht derzeit abseits des Rasens so richtig die Post ab

Nach Viktor Skripnik, Bruno Labbadia, Dieter Hecking, Markus Kauczinski und Norbert Meier ist Dirk Schuster bereits der sechste Bundesliga-Trainer, der in dieser Saison entlassen worden ist. Maik Rosner (SZ) wundert sich: „Stabil und kompakt war Augsburg unter Schusters Anleitung stets aufgetreten. Nur sechs Mannschaften, alle aus der oberen Tabellenhälfte, kassierten weniger Gegentore. Offensiv agierte Augsburg allerdings meist eher harmlos. Mit elf erzielten Toren stellt der FCA mit Darmstadt, dem FC Ingolstadt und HSV den schwächsten Angriff der Liga. Ursprünglich war Schusters Spielidee als passend eingestuft worden. Umso mehr überraschte nun der gewagte und fürs Augsburger Idyll untypische harte Schnitt.“

Was soll ein Trainerwechsel sieben Tage vor der Winterpause bewirken?

Auch Tilmann Mehl (Augsburger Allgemeine) zieht die Augenbrauen hoch: „Neben der alleinigen Tatsache, Schuster zu feuern, überrascht die Demission noch aus einem anderen Grund: dem Zeitpunkt. Denn was soll ein Trainerwechsel sieben Tage vor der Winterpause bewirken? Interimscoach Manuel Baum wird in der verbleibenden Zeit wohl kaum ein neues, offensiveres Spielsystem einstudieren können. Der Zeitpunkt legt daher die Vermutung nahe, dass es innerbetrieblich ziemlich gekracht haben dürfte. Deswegen aber Schuster zwei Spieltage vor der Winterpause zu entlassen, ist zumindest fragwürdig.“

Nach der Klatsche beim Rekordmeister muss Klaus Allofs in Wolfsburg seinen Stuhl räumen. In Frankfurt weiß man warum: „Allofs verkaufte seinen Star Kevin de Bruyne für 75 Millionen Euro, verhob sich aber beim eigenen Shoppen. Namen wie Bendtner, Draxler und Kruse stehen für seinen Instinktverlust. Es stimmte nicht mehr im Kader. Die Ernennung von Valérien Ismael zum Nachfolger Heckings war der letzte große Fehlgriff. Der VfL ist ein Scherbenhaufen – so wie vor Allofs’ Amtsantritt.“

Kein Allofs kann alleine die Gremien bespaßen

Neben Klaus Allofs und Dirk Schuster steht auch Dietmar Beiersdorfer im Regen. Christof Kneer (SZ) baut eine Brücke zwischen Hamburg und Wolfsburg: „Die Geschichten aus Hamburg und Wolfsburg erzählen von einem Trend, der schon wieder von einem Gegentrend abgelöst worden ist. Vor Jahren kursierte die These, dass ein Klub zwingend über ein „Gesicht“ verfügen müsse, und im Zuge dieser kosmetischen Erwägungen wurden viele Sportdirektoren zu Sportvorständen befördert. An diesem Gedanken ist nichts falsch – außer, dass er in Wolfsburg und zuletzt auch beim HSV zu einer gefährlichen Macht- und Aufgabenfülle führte, die für den Sportchef ebenso ungesund war wie für den Klub. Kein Allofs kann alleine die Gremien bespaßen, das VW-Werk mitnehmen, die Öffentlichkeitsarbeit übernehmen, Team und Trainer beeinflussen, Spielerberater pflegen und den Marktüberblick garantieren; der Liga-Trend geht daher längst zu breiteren Organisationsstrukturen, die von einem kommunikativen Chef gelenkt werden.“

Tobias Holtkamp (Welt) klatscht mit Dietmar Beiersdorfer ab: „Was in Hamburg kurz vorm Jahreswechsel passiert, ist der nächste Kracher. Mich freut aber, dass der scheidende Boss wieder lachen kann, entspannt und befreit. Die Fotos, die ihn am Abend der Weihnachtsfeier zeigen, Samstag vor einem Sushi-Laden an der Elbe, sind die schönsten Beiersdorfer-Bilder der letzten Jahre. Die Vorfreude auf das kühnebefreite Leben ist dem abberufenen Vorstand ins Gesicht geschrieben.“

Plappernde Aufsichtsräte und kritische Fans

Heribert Bruchhagen ist neuer Vorstandsvorsitzendes des HSV. Dominik Bardow (Tagesspiegel) kommt mit wichtigen Fragen um die Ecke: „Es wird sich zeigen, ob Bruchhagen eine neue Sachlichkeit im Verein verankern kann, zwischen einem bestimmenden Mäzen, plappernden Aufsichtsräten und kritischen Fans. Wenn es einer schafft, dann er. Doch dieser Verein hat viele geschafft. Und selbst falls er kurzfristig die Ungeduld aus Hamburg verbannen kann – wird seriöses Bundesliga-Mittelfeld dem HSV langfristig reichen? Für riskante Vorstöße ist Bruchhagen nicht zu haben. Deshalb galt er in Frankfurt zuletzt als Innovations-Verhinderer. Die Frage ist, ob er als Dauer-Mahner in Hamburg auf Dauer Gehör finden wird. Oder ob er die Lebensaufgabe Bundesliga doch aufgeben muss.“

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