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Bundesliga

Kölsche Buben, ein neuer „Hanseat“ und ein Schalker Urgestein

Kai Butterweck | Dienstag, 10. Januar 2017 1 Kommentar

Während der Bundesliga-Winterpause schnuppert die Presse hinter den Kulissen

Die Überraschungskicker von RB Leipzig bereiten sich derzeit in Portugal auf die Rückrunde vor. Fabian Held (taz) blickt in die Zukunft: „Sicher ist: Wie im abgelaufenen 2016, wird RB auch 2017 nicht überall geliebt werden. Auch in der Bundesliga gab es Anfeindungen, Proteste, Plakate, der Mannschaftsbus wurde beworfen. Die Lizenzvergabe des DFB an den Verein bleibt frag-, das Vereinskonstrukt kritikwürdig. RB Leipzig ist, auch wenn es die Verantwortlichen gerne so sehen, kein gewöhnlicher Aufsteiger. Wer im Sommer geschätzte 50 Millionen Euro für Neuzugänge ausgibt, ist kein gewöhnlicher Aufsteiger. Doch es gibt eben auch das andere Argument: Bei sechs der bisher sieben Heimspiele in der Bundesliga war das Stadion ausverkauft. Die Fans zeigen eben auch auf diese Weise ihre Zustimmung.“

So kölsch wie lange nicht mehr

Beim 1. FC Köln kicken mittlerweile neun Spieler, die in der Stadt aufgewachsen sind. Sebastian Fischer (SZ) applaudiert: „Der 1. FC Köln, Tabellensiebter, war in der Hinrunde eine der Überraschungsmannschaften der Bundesliga. Der Erfolg wurde meist einem Österreicher, einem Franzosen und einem Düsseldorfer zugeschrieben, dem Trainer Peter Stöger, dem Torjäger Anthony Modeste und dem Manager Jörg Schmadtke. Doch der 1. FC Köln ist auch deshalb so erfolgreich wie lange nicht mehr, weil er so kölsch ist wie lange nicht mehr.“

Christian Otto (FAZ) stellt Wolfsburgs neuen Sportdirektor Olaf Rebbe vor: „Olaf wer? Die Frage, die sich viele stellen werden, ist verständlich und doch auch gemein. Denn Rebbe hat bisher zu jenen Netzwerkern im Bundesliga-Geschäft gezählt, von denen die Öffentlichkeit kaum Notiz nehmen konnte oder sollte. Er war erst bei Werder Bremen und seit 2013 auch beim VfL Wolfsburg der stille Zuarbeiter für Allofs. Für einen 38 Jahre alten Liebhaber des Fußballs klingt es traumhaft, nun plötzlich schon in der ersten Startreihe angekommen zu sein. Rebbe hat vor kurzem dafür gesorgt, dass Nationalspieler Julian Draxler zu Paris Saint-Germain gewechselt ist und dafür rund 42 Millionen Euro nach Wolfsburg überwiesen werden.“

Dürftige Zahlen

Sebastian Weßling (derwesten.de) nimmt sich Mario Götze zur Brust: „Ein Tor und eine Torvorbereitung in der Bundesliga, ein Tor und eine Torvorbereitung in der Champions League: Für einen Offensivspieler sind es dürftige Zahlen, die Mario Götze nach der ersten Saisonhälfte vorzuweisen hat – zumal für einen, der deutlich über 20 Millionen Euro gekostet hat. Sie decken sich allerdings mit dem Eindruck, dass dieser zweifelsfrei noch immer hochbegabte Offensivspieler nach seiner Rückkehr noch nicht richtig angekommen ist bei Borussia Dortmund, dass es ihm noch nicht gelungen ist, dem BVB-Spiel seinen Stempel aufzudrücken.“

Der HSV hat Jens Todt als neuen Sportdirektor verpflichtet. Tobias Schächter (SZ) ist gespannt: „Bislang hat Todt als Sportchef in Bochum und Karlsruhe in der zweiten Liga gearbeitet. Den in den letzten Jahren als Chaosklub wahrgenommenen HSV zu erneuern, ist für Todt Chance und Risiko zugleich. Durch seine Zeit als Nachwuchschef (2008 bis 2009) kennt er Klub und Stadt zwar sehr gut. Aber der ehemalige Nationalspieler, der 1996 ohne Einsatz Europameister wurde, weiß auch, dass er sich trotz Zeitdruck keine Fehlgriffe im Kaderumbau erlauben kann.“

Thomas Kilchenstein (FR) besucht die Mannschaft von Eintracht Frankfurt im fernen Abu Dhabi: „Fünfmal am Tag ruft der Muezzin zum Gebet, das ist schön. Schön unheimlich. Aus Lautsprechern ertönt Allahu Akbar, wir wüsten Söhne bekommen da manchmal eine Gänsehaut, manchmal wachen wir frühmorgens davon auf, das ist nicht schön. Die Einheimischen wenden sich dann zum Gebet gen Mekka zur Kaaba, dem höchsten Heiligtum des Islam. Doch in welche Richtung müssten wir wüsten Söhne uns eigentlich zum Gebet verneigen, wenn wir denn beten wollten? Wo liegt dieses Mekka eigentlich?“

So lange wie er ist kein anderer dabei

Manfred Hendriock (derwesten.de) zerrt S04-Langzeit-Fan Jürgen Hanspaul ins Rampenlicht: „Der Rentner aus Gelsenkirchen-Rotthausen ist einer von 220 Schalker Fans, die auch im Trainingslager in Benidorm sind. Doch so lange wie er ist kein anderer dabei: Seit Januar 2000 hat er mit einer einzigen Ausnahme jedes Winter-Trainingslager von Schalke besucht. Und jedes Mal wiederholt sich dort das, was an diesem Montag wieder ansteht: Jürgen Hanspaul feiert im Trainingslager seinen Geburtstag – diesmal wird er runde 70. Auch Schalke hat sich wieder eine Überraschung für seinen treuesten Fan ausgedacht. Vor Jahren in Katar hat Benedikt Höwedes einmal sogar eine Rede für Hanspaul gehalten und der ganze Saal hat „Happy Birthday” angestimmt.“

Jay Brooks? Niclas Stark? Pustekuchen! Stefan Hermanns (Tagesspiegel) hievt Sebastian Langkamp auf den Berliner Innenverteidiger-Thron: „Wenn man von Herthas Innenverteidigern spricht, ist meistens von den großen Talenten Niklas Stark, 21, und John Anthony Brooks, 23, die Rede. In Wirklichkeit aber sind weder Stark noch Brooks gesetzt. Die Frage lautet: Wer spielt neben Sebastian Langkamp? Das hat sich schon recht schnell nach Dardais Amtsantritt im Februar 2015 herausgestellt. Im vierten Spiel, beim befreienden 1:0 gegen Augsburg, stand Sebastian Langkamp zum ersten Mal in der Startelf – und fehlte fortan bis zum Saisonende keine einzige Sekunde mehr. Der oft unterschätzte Langkamp ist für den Berliner Bundesligisten zu einem wichtigen Stabilitätsfaktor geworden.“

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Kommentare

1 Kommentar zu “Kölsche Buben, ein neuer „Hanseat“ und ein Schalker Urgestein”

  1. Charly
    Dienstag, 17. Januar 2017 um 21:11

    > „Olaf wer? Die Frage, die sich viele stellen werden, ist verständlich und doch auch gemein.<

    Gemein?
    Eher eine Überhö(höhö)hung der sich Fragenden.
    Rebbe wird`s nicht jucken.

    Gut, dass man die Frage nur sich selbst stellen wird, da man verständlicherweise zu inkompetent ist, eventuell auch noch seine Umgebung damit zu belästigen.

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