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Bundesliga

Die gierige Visage des Kommerzes

Kai Butterweck | Montag, 3. April 2017 2 Kommentare

Pierre-Emerick Aubameyang kann es nicht lassen. Mit seiner neuerlichen Maskenaktion im Spiel gegen Schalke 04 schießt sich der Stürmer wieder einmal ins Abseits. Außerdem: Hände am Ball, Gomez im Rausch und Zieleinlauf-Langeweile

Ja, sind wir denn hier beim Maskenball? Friedhard Teuffel (Tagesspiegel) ist genervt von Aubameyangs Werbe-Exzessen und fordert harte Strafen: „Zum einen ist Aubameyang Wiederholungstäter. Er hatte sich schon einmal das Logo seines Ausrüsters in die Haare eingefärbt. Sein Verein beließ es da bei einer superstrengen Ermahnung. Zum anderen ist Borussia Dortmund mit seinen Fans gerne Bundesliga-Spitzenreiter, wenn es darum geht, den Fußball gegen die Bedrohung durch so genannte Plastikvereine wie Hoffenheim oder Leipzig zu verteidigen. Jetzt hat der Klub die Chance, zu zeigen, wie er es mit dem Kommerz wirklich hält. Er könnte Aubameyang auf die Tribüne setzen. Am besten noch mit seiner abgedunkelten Maske und ihn hinterher das Spiel nacherzählen lassen.“

Aubameyang ist nicht größer als Borussia Dortmund

Pit Gottschalk (derwesten.de) schließt sich an: „Wenn die BVB-Bosse von heute nicht energisch und unmissverständlich ihrem Torjäger klarmachen können, dass sie den ganzen Zirkus bezahlen und nicht Nike, wird der Schaden an ihrer Reputation kaum zu beheben sein. Aubameyang ist trotz seiner 24 Tore in der aktuellen Saison nicht größer als Borussia Dortmund.“

Florian Wichert (t-online.de) schlägt Folgendes vor: „Der BVB muss Aubameyang hart bestrafen, um seine Glaubwürdigkeit zu behalten. Eine Geldstrafe würde ihm kaum wehtun. Der Verein muss ihn mindestens für das nächste Spiel am Dienstag gegen den HSV suspendieren.“

Martin Schneider (SZ) schüttelt fassungslos den Kopf: „Das perfide an dieser Aktion ist, dass Aubameyang und/oder sein Management die Emotionen der BVB-Fans – und es werden selten mehr Emotionen frei als bei einem Tor auf Schalke – benutzt haben, um die Werbung anzuschalten. Sie haben gedacht: Ihr freut euch also? Das nutzen wir aus. Denn die Aktion war von Aubameyangs Geldgeber Nike geplant, der Sportartikelkonzern aus den USA startete am Tag nach dem Torjubel eine Kampagne auf seiner Internetseite, um einen Schuh zu bewerben. Titel: „The Masked Finisher“. In Zeiten, in denen jede Ecke und bald vielleicht auch noch jeder Einwurf von irgendwem präsentiert wird, wird nun auch der Torjubel kommerzialisiert.“

Ein Refugium für Romantiker

Nach diversen strittigen „Handspiel“-Situationen beschäftigt sich Christof Kneer (SZ) mit der wohl kompliziertesten Regel beim Fußball: „Die extreme Unschärfe und Interpretationsanfälligkeit der Regel 12 („Handspiel“) entzieht sich selbst der modernen Technik, diese Regel wird ein Refugium für Romantiker bleiben. Dem Fußball wird nichts anderes übrig bleiben, als dem Schiedsrichter zu vertrauen – was weiterhin bedeutet, dass es auch so ausgehen kann wie an diesem Spieltag: Das deutlichste Handspiel leistete sich Leipzigs Oliver Burke bei der Vorbereitung eines Tores – es wurde nicht geahndet.“

Johannes Mittermeier (focus.de) haucht der vergangenen Liebe zwischen Mario Gomez und dem FC Bayern München wieder Leben ein: „Jedes seiner Tore müsste die Kaderplaner des Rekordmeisters zumindest aufhorchen lassen – und im extremsten Fall vor die Entscheidung stellen, ob dieser Angreifer der alten Schule nicht neue Impulse setzen könnte beim FC Bayern. Wie früher. Nur anders. 174 Mal lief Gomez zwischen 2009 und 2013 im roten Trikot auf, 113 Tore markierte er, sein Doppelpack im allerletzten Bayern-Auftritt beim Pokalfinale 2013 sicherte das Triple. Unumstritten war er aber: nie.“

Eine Ansammlung von Freundschaftsspielen

Beim Blick auf die Wochenend-Ergebnisse runzelt Frank Lüdecke (Tagesspiegel) frustriert die Stirn: „Im Grunde sind die letzten Runden doch nur noch eine Ansammlung von Freundschaftsspielen, in denen die Ergebnisse nicht mehr entscheidend sind. Es verbleiben nur noch zwei offene Fragen: Wer muss in die Relegation? (Sollte es diesmal tatsächlich nicht der HSV sein? Was für eine Sensation!) Und die zweite Frage: Wie viele Spieltage benötigt Hertha BSC noch, um das internationale Geschäft verspielt zu haben. Und diese beiden Knallerfragen sollen nun die Fans motivieren, sich auch am letzten Viertel der Saison zu erfreuen. Das ist ein bisschen wenig für eine sportliche Großveranstaltung mit einem Gesamtumsatz von über drei Milliarden Euro. Vielleicht benötigt die Bundesliga doch ein paar Reformen.“

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Kommentare

2 Kommentare zu “Die gierige Visage des Kommerzes”

  1. Charly
    Dienstag, 4. April 2017 um 21:32

    „Der Verein muss ihn mindestens für das nächste Spiel am Dienstag gegen den HSV suspendieren.“

    Die Wichert-“Sperrt-den-Auba“-These hat was.
    Die Raute klatscht Beifall und spendiert eine Grillwurst, tischfertig abzuholen in der Halbzeitpause des Relegation-Hinspiels.

  2. berlin
    Freitag, 7. April 2017 um 14:38

    Letztendlich ist die Aktion des Spielers nur ein Spiegelbild des gesamten Systems Fußball.

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