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Internationaler Fußball

Neymar-Transfer – Geht nicht, gibt’s nicht!

Kai Butterweck | Donnerstag, 3. August 2017 ohne Kommentar

Neymar wechselt für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris St. Germain. Da macht sogar ein Paul Pogba große Augen. Die Presse ist natürlich entsetzt

Der Rekord-Wechsel von Neymar schlägt erwartungsgemäß hohe Wellen. Peter Stolterfoht (Stuttgarter Zeitung) ringt um Fassung: „Der Spitzenfußball wirkt durch den Neymar-Wechsel noch ein bisschen irrealer, und er hat damit das bisher größte Stück seiner Seele verkauft. Dieser Turbokapitalismus hat mit den Idealen des Sports gar nichts mehr zu tun. Die Fans könnten diese Blase zum Platzen bringen. Wenn Sie sich von einem Club wie Paris St. Germain abwenden würden. Doch davon ist im Moment nicht auszugehen, wenn man denn Neymar präsentiert bekommt. Und so darf man sich nicht wundern, wenn auch dieser 222-Millionen-Rekord irgendwann wieder gebrochen wird.“

Wer diese Spirale stoppen will, der muss vom Profi-Fußball lassen

Johannes Nedo (Tagesspiegel) appelliert in Richtung Fanblöcke: „Wer diese Spirale stoppen will, wer gierige Spieler und Berater wieder in die Wirklichkeit zurückholen will, der muss vom Profi-Fußball lassen. Der muss mal ein paar Jahre auf die besten Spieler verzichten und nur zum nächstgelegenen Amateurverein spazieren, keine neuen Trikots kaufen und den Fernsehsendern obendrein weniger Einschaltquote bei Fußballspielen bescheren. Das mag schwerfallen und wehtun, aber allein darauf reagieren die Strippenzieher des Hochglanzfußballs.“

Patrick Krull (Welt) schließt sich an: „Im Fußball wird bei solchen Käufen immer analysiert, wie besonders verwerflich das ist. Was das mit dem Fan macht. Ob der Sport nun bei solchen Geldflüssen den Bach runtergeht. Für Nostalgiker mag jede neue Windung der Preisspirale ein Stück weit mehr Horror sein. Doch sie sollten sich daran gewöhnen. Transfers in Regionen über 100 Millionen Euro werden keine Seltenheit mehr sein. Es ist derart viel Geld im Umlauf, ob durch das Fernsehen oder die Gasfelder in Katar genährt, dass die Gepflogenheiten des Marktes sich radikal ändern. Die Frage, warum ein Klub wie Paris so etwas macht, ist leicht zu beantworten: weil er es kann. Wer solchen Luxus ablehnt, der sollte sich einen neuen Sport suchen. Die Zeit dafür ist spätestens seit Neymars Wechsel reif.“

Oliver Fritsch (Zeit Online) bringt es auf den Punkt: „222.000.000 Euro. Damit könnte man natürlich auch anderes machen, etwa den uneröffneten Berliner Flughafen fast ein Jahr unterhalten oder Jeff Bezos eine Woche zahlen. Oder ein Mittel gegen Krebs entwickeln oder Mossul wiederaufbauen. Man müsste es eigentlich keinem verdenken, wenn er das für viel Geld hält. Man könnte sogar fast auf die Idee kommen, dass dieser Betrag für einen einzigen Kicker ein bisschen hoch ist.“

Raffzahnmentalität statt Romantik

Timur Tinç (FR) schenkt dem Demnächst-Pariser einen Taschenrechner: „Raffzahnmentalität statt Romantik ist eben auch in Barcelona die nackte Realität. Und irgendwie ging es zwischen Neymar und dem FC Barcelona immer nur ums Geld. Die Katalanen mussten vergangenes Jahr noch eine Strafe von 5,5 Millionen Euro für den Neymar-Transfer vom FC Santos (2013) wegen Steuerhinterziehung zahlen. Plus weiterer 9,3 Millionen wegen der falsch dargestellten Transfererklärung. Auch Neymar geriet ins Visier der Steuerfahnder und wurde in seiner brasilianischen Heimat zu einer Strafzahlung von rund 45 Millionen Euro verdonnert. Wer bald schon 30 Millionen Euro im Jahr verdient und mit so viel Geld jongliert, verliert halt schnell mal den Überblick.“

Christian Löer (ksta.de) klopft an die Pforten der „Financial Fairplay“-Verantwortlichen: „Paris Saint-Germain wird gar nicht erst den Versuch unternehmen, sich das Geld vom Fußballfan zurückzuholen. Weil das Geld ja gar nicht aus dem Fußball stammt. Sondern einst als Erdöl aus dem Boden Katars geholt und anschließend in irgendeinen Staatsfonds gelenkt wurde, um es nun nach Barcelona zu überweisen, damit Neymar künftig in Paris spielen kann. Klingt verrückt, ist es auch – doch die Regeln des Financial Fairplay sind mittlerweile aufgeweicht genug, um so einen Deal irgendwie durchzuwinken. An den Fan, und das ist in diesem Fall ausnahmsweise eine gute Nachricht, hat bei diesem Transfer tatsächlich niemand gedacht.“

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