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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Deutsche Elf

Der rechte Rand im Rampenlicht

Kai Butterweck | Dienstag, 5. September 2017 1 Kommentar

Acht Tore, zwei Siege: Sportlich gesehen lief in den beiden WM-Quali-Spielen gegen Tschechien und Norwegen fast alles nach Plan. Abseits des Rasens (Prag) hingegen sorgten schändliche „Fan-Gesänge“ für fassungslose Gesichter

In Prag grölen sich rechtsgesinnte „Schland-Fans“ die Seele aus dem Leib. Frank Nägele (Berliner Zeitung) verbannt das Pack ins Nirgendwo: „Die in Prag Auffälligen gehörten ausnahmslos zur Gruppe jenes rechten Packs, das keinen Zweifel an sich lässt. Man ist sich einig, dass diese Leute das Stadion nicht hätten betreten dürfen. Aber sie sollten eigentlich gar nichts betreten – keinen öffentlichen Raum, kein Restaurant, keinen Kinderspielplatz, am besten nicht einmal den Planeten Erde.“

Im proaktiven Agieren gegen rechte Umtriebe gibt es noch Handlungsbedarf

Andreas Rüttenauer (taz) macht den DFB-Verantwortlichen Druck: „Im Reagieren ist der DFB mittlerweile überaus korrekt. Im proaktiven Agieren gegen rechte Umtriebe indes gibt es noch reichlich Handlungsbedarf. Der Verband und sein Aushängeschild, die Nationalmannschaft, müssen noch verinnerlichen, dass sie mehr sind als ein Klub, der eine Profimannschaft betreibt.“

Oliver Fritsch (Zeit Online) tanzt lieber mit den Chilenen: „Es ist nicht nur der radikale Rand, auch der Durchschnittsdeutschlandfan ist dumpfbackiger. Fans anderer Nationen sind oft Botschafter, die Iren singen, die Schotten trinken, die Chilenen tanzen. Deutschlandfans führen sich im Ausland oft auf wie Besatzer, laut, marschierend, ihr Lachen hat etwas Aggressives. Auf dem Kopf trägt mancher eine Plastikpickelhaube.“

Wie ein Zahnstocher im Gebiss der Krawallos

Oskar Beck (Welt) bedankt sich bei Mats Hummels: „Als heimlicher Boss hat der Bayernweltmeister die Spieler im Stadion grußlos am Mob vorbeigeschleust und nach dem DFB-Präsidenten Reinhard Grindel jetzt auch Löw zur feurigen Botschaft an die Chaoten ermuntert: „Wir sind nicht Eure Mannschaft!“ Wie ein Zahnstocher im Gebiss der Krawallos sorgt Hummels für geistige Mundhygiene und fordert: „Die müssen wir aus dem Stadion rauskriegen.“ Montagabend in Stuttgart, beim Spiel gegen Norwegen, geht sein Wunsch in Erfüllung, man kann als Vater wieder Frau und Kinder mitnehmen.“

Christian Kamp (FAZ) fordert gebündelte Kräfte: „Wenn jetzt überall die Rede davon ist, dass die Pöbler und Krakeeler, vor allem die aus der äußersten rechten Ecke, in Wahrheit gar keine Fußballfans seien, dann hilft das bei der Aufarbeitung nicht weiter. Es ist eine Abgrenzung, die für die Realität in und um die Stadien bedeutungslos ist, weil es am Ende ja egal ist, warum die Leute da sind. Sie sind es nun einmal – und man kann sie nicht einfach wegdefinieren oder auslagern in eine virtuelle Bad Bank. Richtig ist es aber, sich mit allen Kräften um konkrete Ab- und Ausgrenzung zu bemühen.“

freistoss des tages

 

 

Kommentare

1 Kommentar zu “Der rechte Rand im Rampenlicht”

  1. wowiki
    Dienstag, 5. September 2017 um 13:26

    UND es wird wieder alles im „Sande verlaufen“ !
    Nun ist ja der DFB „persönlich“ betroffen und der ist immer -ohne Schuld- .

    Glückauf

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